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  • Safe(r) Spaces? für queeres Leben

    Safe(r) Spaces? für queeres Leben

    Illustration: Sofía Peláez

    Safe oder Safer Spaces?

    Der Begriff „Safe Spaces“ („sichere Räume“ im Englischen) bezieht sich auf zumeist physische Orte, die frei von Vorurteilen und jeglicher Form von Diskriminierung sind. Historisch gesehen ist die Entstehung dieses Konzepts in den 1960ern unmittelbar mit der Geschichte des Feminismus (genauer gesagt, seiner zweiten Welle) sowie der Geschichte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und trans* Menschen verbunden. Heutzutage wird der Begriff auch für Räume verwendet, in denen andere Formen der Benachteiligung oder Herabsetzung wie Rassismus oder Ableismus keinen Platz haben sollen.

    Das Sicherheitsversprechen, das in diesem Wort steckt, ist jedoch illusorisch. Weder in der Geschichte noch in der Gegenwart gab es Räume, die für ihre Nutzer*innen absolut sicher oder von bestimmten Ausschluss- oder Stereotypisierungsmechanismen befreit waren. Aus diesem Grund wird heute eher die Form „Safer Spaces“ benutzt, um die Anerkennung dieser Tatsache und das aktive Bemühen, fortbestehenden Diskriminierungsformen entgegenzuwirken, zu unterstreichen. Im Folgenden werden sowohl historische als auch aktuelle Auseinandersetzungen um queere Schutzräume in Deutschland sowie mögliche Lösungsansätze für diese Probleme aufgeführt.

     

    „Manchmal glaubt man, die Hölle hat allen Insassen Urlaub erteilt“: Umstrittene Räume in der Weimarer Republik

    Auch wenn es die ersten queeren Lokale und Feiern bereits Ende des neunzehnten Jahrhunderts gab – Karl Heinrich Ulrichs berichtete schon in den 1860ern von sogenannten „Urningsbällen“ oder später „Transvestitenbällen“ – erlebten sie in der Weimarer Republik im Zuge der Demokratisierung einen regelrechten Boom. Schließlich sind die „Goldenen Zwanziger“ mit ihren bunten, ausgelassenen Festen und ihrer berühmten Freizügigkeit in die Geschichte eingegangen. Die erfolgreiche Fernsehserie Babylon Berlin sowie Hollywood-Klassiker wie Cabaret zeugen vom unsterblichen Mythos der „Glücklichen zwanziger Jahre“.

    Doch die Realität war nicht unbedingt so bunt, nicht nur wegen des Fortbestehens einiger strafrechtlicher Regelungen wie des Paragrafen 175 oder des Paragrafen 183, dem vor allem trans* Menschen zum Opfer fielen. In vielen deutschen Städten wurden Treffpunkte queerer Menschen zeitweilig von der Polizei überwacht, auch Razzien waren keine Seltenheit. Ein weiteres Druckmittel bildete zum Beispiel das Gespenst des Entzugs der Alkoholausschanklizenz durch die Polizei. Andererseits schlichen sich in viele einschlägige Lokale gefährliche Erpresser und Kriminelle als Gäste ein.

    Außerdem wurden schon vor 100 Jahren mehrere mondäne Etablissements, die als Treffpunkte queerer Menschen bekannt waren – darunter das legendäre Eldorado – auch von nicht-queeren Neugierigen und Tourist*innen besucht. Dass die Stammkundschaft dies bemängelt hat, wissen wir unter anderem von Friedrich Radszuweit, dem Vorsitzenden des Bundes für Menschenrecht, der 1927 einen Artikel darüber verfasste. Frauenräume wurden ebenfalls von heterosexuellen Voyeuren aufgesucht, was nicht wenige Frauen dazu veranlasste, sie nicht mehr zu frequentieren. Der Ruhm Berlins (sowie anderer Großstädte) als modernes Sündenbabel wurde somit zum Fluch, weil sich queere Menschen in einigen ihrer Räume nicht mehr wohl fühlten.

    Foto der Außenwand des Eldorados, einem queeren Nachtclub im Berlin der 1920er Jahre. Man sieht zwei Personen in der Kleidung des jeweils anderen Geschlechts. Unter dem Schriftzug "Eldorado" steht "Hier ist's richtig!"
    Das Eldorado, eines der bekanntesten queeren Lokale in Weimarer Berlin, 1932. Hier traf die queere Klientel auf nicht-queere Neugierige, was teilweise in einer Abwanderung der Stammkund*innen resultierte. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1983-0121-500 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5342126

    Aber auch in den eigenen Reihen waren Ausgrenzungsmechanismen hin und wieder präsent. Verwehrt wurde der Zutritt zum queeren Vereins- und Partyleben vor allem Arbeitslosen, Sexarbeiter*innen und Menschen, die durch einen unkonventionellen Geschlechtsausdruck auffielen, also beispielsweise „effeminierten“ Männern, die schon damals als „Tanten“ bezeichnet wurden. Respektabilität, also der Versuch durch heteronormatives Auftreten von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert zu werden, war das oberste Ideal, was auch zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Bewegung führte.

    Ein anonymer Autor aus Breslau schrieb 1921 in Bezug auf die dortige queere Szene, dass „in den Lokalen getanzt und getobt wie wahnsinnig“ wird und „gemeine Witze gerissen“ werden, sodass man „manchmal glaubt, die Hölle hat allen Insassen Urlaub erteilt“. Noch 1929 nannte eine in Duisburg wohnhafte Leserin der Zeitschrift „Die Freundin“ die Anwesenheit bisexueller Frauen in den lesbischen Lokalen in der Region als Hauptgrund dafür, dass diese früher oder später schließen mussten. Biphobie war also schon damals ein Problem in der Szene.

     

    Zwischen Repression und Legalisierung: Deutsche Teilung

    Entgegen der landläufigen Vorstellung waren Treffpunkte queerer Menschen nicht nur in der DDR, sondern anfangs auch in Westdeutschland von polizeilichen Überwachungen und Razzien betroffen. Trotz der Repressionen konnte sich in mehreren Städten eine kleine Szene mit einschlägigen Lokalen entwickeln und einige, die ihre Pforten in der NS-Zeit schließen mussten, nahmen den Betrieb wieder auf.

    Die Liberalisierung der Strafrechtsbestimmungen für homosexuelle Handlungen 1968/1969 in beiden deutschen Staaten sowie der Aufschwung der westdeutschen Lesben- und Schwulenbewegung stellten eine wichtige Zäsur dar. In ganz Westdeutschland schossen immer mehr Räume für queere Menschen empor – Kneipen, Clubs, Cafés, Buchläden, Selbsthilfegruppen, Männersaunen etc. Davon gab es in der DDR weniger: Bis zur Wende standen sie doch im Visier des Staates, weshalb sich ostdeutsche Homo- und Bisexuelle sowie trans* Menschen häufiger als im Westen in privaten Wohnungen und Häusern oder im Rahmen kirchlicher Arbeitskreise trafen.

    Mit dem Ausbruch der HIV/AIDS-Pandemie erlitt diese blühende Kultur jedoch einen herben Rückschlag. Die damit verbundene moralische Panik traf in erster Linie Menschen, aber auch Räume: Insbesondere schwule Saunen wurden in den Medien als „HIV-Hotspots“ verteufelt. Dies hatte zur Folge, dass sich viele Szenegänger*innen ins Private zurückzogen, der gesellschaftliche Druck hielt noch bis in die 1990er und sogar darüber hinaus an.

     

    Safe(r) Spaces seit den 1990ern: Aktuelle Herausforderungen

    Seit der Wiedervereinigung waren die Entwicklungen in Bezug auf queere Räume überwiegend positiv. Ihre Zahl hat vielerorts zugenommen, zudem gab es bereits vor rund 30 Jahren erste Inklusionsversuche für einzelne marginalisierte Gruppen innerhalb der großen LGBTQ+ Community. So entstand Ende der 1990er in Berlin die bis heute bestehende Partyreihe „Gayhane“, die von türkischstämmigen Queers ins Leben gerufen wurde und sich vor allem an Einwanderer*innen und ihre Nachkommen richtet. Das Angebot wächst stetig mit Vernetzungsmöglichkeiten, Veranstaltungen und Partys für queere Menschen unter anderem aus dem postsowjetischen Raum, Lateinamerika und arabischen Ländern.

    Plakat für die Gayhane-Party. Zwei queere Personen mit Make-Up sind zu sehen. Sie scheinen zu schreien. Darüber steht: "gayhane - house of halay"
    Plakat von Gayhane, einer der legendärsten queeren Partys für Einwander*innen und ihre Nachkommen, 2001. Quelle: Queer as German Folk Website, https://www.queerexhibition.org/en/queeruptions/gayhane

    Der Bedarf an Safer Spaces für gezielte Gruppen – was manche als eine zu bedauernde Zerstückelung der LGBTQ+ Community bewerten würden – hat jedoch konkrete Gründe. Queers of Colour, trans*, inter* und nicht-binäre Menschen, Geflüchtete und Migrant*innen, neurodivergente Menschen und Menschen mit Behinderungen sowie Senior*innen erleben auch innerhalb der Community verschiedene Formen von Ausgrenzung und Stigmatisierung. Auch von Sexismus gegenüber Frauen sind queere Räume nicht gänzlich frei. So banal es klingen mag: Diskriminierte können auch Andere diskriminieren, und LGBTQ+ Menschen sind davon nicht ausgenommen.

    Auch vor externen Gefahren bieten queere Räume keinen hundertprozentigen Schutz. Schon seit einigen Jahren häufen sich Angriffe auf LGBTQ+ Personen, ihre Treffpunkte und Zentren. Beispiel: Vor allem im letzten Jahr wurde das Schwule Museum Berlin mehrfach angegriffen, allein zwischen Februar und Juli 2023 fünfmal. Dabei wurden unter anderem Wasserbomben, Lebensmittel, ein Feuerlöscher und sogar ein Luftgewehr eingesetzt. Erst vor kurzem sind auch der „andersROOM“ und „FLENSBUNT“, Anlaufstellen für queere Menschen jeweils in Siegen und Flensburg, erneut zum Ziel eines Angriffs geworden.

    Die Konsequenzen dieses Zustands – die Reproduktion von -ismen wie beispielsweise Rassismus, Transfeindlichkeit, Sexismus, Ableismus und Alterismus in der Community, das Fehlen von Schutzräumen sowie die zunehmende Gewalt gegen dieselbe – sind vielfältig. Einerseits führt es dazu, dass sich die Betroffenen immer mehr ins Private zurückziehen. Dies erschwert natürlich die essenzielle Arbeit von Empowerment und Präventionskampagnen im Bereich der sexuellen Gesundheit, da sich viele weniger trauen, die vorhandenen Angebote in Anspruch zu nehmen.

     

    Was ist zu tun?

    Bei Angriffen auf queere Menschen und Räume muss der Staat deutlich stärker in die Pflicht genommen werden. Erste symbolische Gesten wie das erstmalige Gedenken an queere Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag am 27. Januar 2023 sowie die vom Bundestag finanzierte Wanderausstellung „gefährdet leben. Queere Menschen 1933-1945“ sind getan, nun müssen Taten folgen. Als Menschen, die nicht nur in der NS-Zeit, sondern auch davor und danach vom Staat benachteiligt und verfolgt wurden, hat die gesamte LGBTQ+ Community das Recht, mehr Sicherheit für sich und ihre Räume einzufordern. Der Staat, der in der Vergangenheit queere Menschen diskriminiert und oft sehr brutal behandelt hat, hat nun eine besondere Verantwortung, sie und ihre Räume zu schützen.

    Um Safer Spaces tatsächlich sicherer zu machen, müssen außerdem alle -ismen (weiterhin) thematisiert werden. Die eigenen Privilegien zu reflektieren ist ein erster wichtiger Schritt, aber auch hier müssen konkrete Taten folgen. Menschen aus marginalisierten Gruppen sollten mehr Repräsentation, Mitspracherecht und Gestaltungsmöglichkeiten erhalten, nicht nur in den Räumen selbst, sondern auch in Führungspositionen. Nur so können ihre Interessen, Anliegen und Perspektiven im wahrsten Sinne des Wortes vertreten werden und Safer Spaces zu wirklich inklusiven Räumen werden, die die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln.

    Cover des kürzlich erschienenen Buches “Nicht die Ersten“, das sich mit der queeren Geschichte Deutschlands aus der Perspektive von Queers of Colour beschäftigt. Es beschreibt unter anderem, wie Queers of Colour aus queeren Räumen ausgeschlossen und aus der queeren Geschichte Deutschlands verdrängt wurden (und werden).
    Cover des kürzlich erschienenen Buches “Nicht die Ersten“, das sich mit der queeren Geschichte Deutschlands aus der Perspektive von Queers of Colour beschäftigt. Es beschreibt unter anderem, wie Queers of Colour aus queeren Räumen ausgeschlossen und aus der queeren Geschichte Deutschlands verdrängt wurden (und werden). Quelle: Website des Verlages (https://www.assoziation-a.de/buch/nicht_die_ersten/)

    Barrieren müssen abgebaut werden, damit auch Menschen mit Behinderungen am Community-Leben teilhaben können. Mögliche Ansätze bieten nicht nur queere Zentren und Safer Spaces selbst: Auch Stadtverwaltungen wie zum Beispiel die Stadt Bielefeld übernehmen zunehmend Verantwortung und erarbeiten konkrete Lösungen, meist in Kooperation mit Ersteren. Ebenso muss sich die Community stärker für einen generationenübergreifenden Austausch öffnen. Queere Senior*innen sind häufiger von Einsamkeit und Armut betroffen, dafür haben sie in ihrem Leben viele Kämpfe durchgemacht und verfügen über unbezahlbare Lebenserfahrung, von der wir nur lernen können.

     

    Fazit: Eine Lektion in Demokratie

    Insgesamt muss mehr Raum im abstrakten und Räume im wortwörtlichen Sinne für Dialog geschaffen werden, in denen über Sex, sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität, aber auch Diskriminierungserfahrungen gesprochen werden kann. Dabei sollten wir keine Angst vor Konflikten oder heiklen Themen haben. Demokratie und die Gesellschaft im Allgemeinen leben von der – manchmal auch sehr heftigen – Diskussion, vorausgesetzt, sie wird respektvoll und gewaltfrei geführt. Safer Spaces sollen daher zu Orten wichtiger gesellschaftlicher Debatten werden.

    Es ist hilfreich, Demokratie als ein Ideal zu denken, das bis auf die unterste Ebene der Gesellschaft praktiziert werden kann und soll. Gestalten wir also nicht nur die Gesellschaft demokratisch, sondern auch unsere alltägliche zwischenmenschliche Kommunikation. Das bedeutet, ein offenes Ohr für andere Erfahrungen zu haben, jeder Person Respekt entgegenzubringen und Meinungsverschiedenheiten offen austragen zu können. Safer Spaces brauchen unbedingt eine Kultur des Dialogs, die es zu stärken gilt.

     


     

    Bibliografie

    • Breslau, F. “Polizei, Invertierte, Selbstmörder und Gleichgültige in Breslau,” Die Freundschaft, Jg. 3, Nr. 26 (1921): S. 7.
    • Dobler, Jens. Polizei und Homosexuelle in der Weimarer Republik: Zur Konstruktion des Sündenbabels. Berlin: Metropol Verlag, 2020.
    • Foit, Mathias. Queer Urbanisms in Wilhelmine and Weimar Germany: Of Towns and Villages. Cham: Palgrave Macmillan, 2023.
    • Kenney, Moira Rachel. Mapping Gay L.A.: The Intersection of Place and Politics. Philadelphia: Temple University Press, 2001.
    • Radszuweit, Friedrich. “Das perverse Berlin,ˮ Das Freundschaftsblatt, Jg. 5, Nr. 10 (1927): S. 1–2.
    • Rottmann, Andrea. Queer Lives across the Wall: Desire and Danger in Divided Berlin, 1945–1970. Toronto: University of Toronto Press, 2021.
    • Schader, Heike. Virile, Vamps und wilde Veilchen: Sexualität, Begehren und Erotik in den Zeitschriften homosexueller Frauen im Berlin der 1920er Jahre. Königstein: Ulrike Helmer Verlag, 2004.
    • S. S. “Dem Rheinlandmädel zur Erwiderung!” Die Freundin, Jg. 5, Nr. 23 (1929): S. 4.
    • Steinle, Karl Heinz. „Lokale, Bars und Clubs.“ In: Benno Gammerl et al. (Hrsg.): Handbuch Queere Zeitgeschichten I: Räume. Bielefeld: transcript Verlag, 2023, S. 99-109.
    • Tammer, Teresa. „Warme Brüder“ im Kalten Krieg. Die DDR-Schwulenbewegung und das geteilte Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren. Berlin: De Gruyter Oldenbourg, 2023.
    • Ulrichs, Karl Heinrich. Memnon. Leipzig: 1868, S. 77–78.
  • Homonationalismus

    Homonationalismus

    Warum queere Personen rechtsextreme Parteien wählen

    Von Ernst Röhm bis Peter Thiel: Auch wenn der Großteil queerer Menschen nicht rechtsextrem wählt, finden sich doch immer wieder Gegenbeispiele. Warum? Was bringt queere Menschen dazu, rechtsextreme Parteien zu wählen oder sich diesen sogar anzuschließen? Unser Autor Mathias Foit hat seine Doktorarbeit über dieses Thema geschrieben und gibt hier Antworten.

    Queerer Rechtsruck? In den letzten 10-15 Jahren haben Rechtspopulismus und Rechtsextremismus weltweit ein besonders starkes Wiederaufleben erlebt und etliche Teile der Gesellschaft durchdrungen. Immer wieder mal berichten die Medien in scheinbarer Fassungslosigkeit, dass sich LGBTQIA+ Personen – in der Theorie die weltoffenste, toleranteste gesellschaftliche Gruppe – rechtsextremen, nationalistischen Parteien zuwenden, sei es dem Rassemblement National in Frankreich oder den Republikaner*innen unter Trump. Jene Parteien sind entweder unverhohlen queerfeindlich oder erklären – mehr oder minder offiziell – ihre Absicht, die Rechte verschiedener queerer Gruppen zu beschneiden.

    So überraschend und widersprüchlich dieses Phänomen auch sein mag, es ist in der modernen Geschichte nicht neu. Im folgenden Beitrag werden sowohl historische als auch aktuelle Beispiele aus einigen Ländern – insbesondere Deutschland, aber auch den USA, Frankreich und Polen – für die Verflechtung von queerem Begehren sowie queerer Politik einerseits und Nationalismus sowie Rechtsextremismus andererseits angeführt. Dabei wird nicht nur der Frage nachgegangen, aus welchen Gründen queere Menschen ihre Stimme rechtsextremen Parteien geben, sondern auch, welche Konsequenzen dies für die heutige Politik hat und welche Lehren daraus gezogen werden können.

    „Die warme Bruderschaft im Braunen Hause“: Der Zirkel um Ernst Röhm

    Bereits in den frühen 1930ern, noch vor der Machtergreifung, wurde Ernst Röhm, Führer der Sturmabteilung (SA) und eine der wichtigsten Figuren der NSDAP, „Held“ einer breit angelegten Hetzkampagne: Er wurde als Homosexueller geoutet. Gerüchte über seine sexuellen „Exzesse“ hatten schon Jahre davor zirkuliert, außerdem war er Mitglied des Bundes für Menschenrecht (BfM), des größten nationalen Dachverbands der sogenannten „Freundschaftsvereine“ in der Weimarer Republik.

    Bild von Ernst Röhm in SA-Uniform mit Hakenkreuzbinde um den Arm. Ernst Röhm – Foto: Bundesarchiv, Bild 102-15282A / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en>, via Wikimedia Commons

    Als Homosexuelle waren auch andere SA-Funktionäre bekannt, wie der Oberpräsident und Gauleiter der Provinz Niederschlesien, Helmuth Brückner, sowie sein Stellvertreter und der Polizeipräsident von Breslau, Edmund Heines, von dessen „nächtlichen Orgien“ und „wüsten Gelagen mit jungen Männern“ der Schriftsteller Walter Tausk in seinem Tagebuch berichtete. Vor allem die sozialdemokratische Presse spottete über den Zwiespalt zwischen der offiziellen Parteilinie der NSDAP zu Homosexualität und der offenbaren Toleranz gegenüber Homosexuellen in den eigenen Reihen. Die Münchener Post sprach von einer „warmen Bruderschaft im Braunen Hause“.

    Hitler wusste über die Homosexualität Röhms und dessen vieler Anhänger. Warum er sie so lange tolerierte, wie er dies mit der offiziellen Position der Nazi-Partei zur „widernatürlichen Unzucht“ vereinbarte sowie was der Hauptgrund für die Ende Juni, Anfang Juli 1934 von Hitler veranlasste Ermordung zahlreicher Parteigenossen, die in die Geschichte als der „Röhm-Putsch“ eingegangen ist, bleibt Gegenstand historischer Debatte. Sowohl Röhm als auch Heines fielen der blutigen Säuberungsaktion zum Opfer.

    Dank zahlreichen Forschungen wissen wir heute, dass der mit solcher Vehemenz geführte anti-homosexuelle Kreuzzug kein nebensächliches Thema, sondern ein zentraler Bestandteil der konservativen Revolution der Nazis bildete. So ist es durchaus möglich, dass die Röhm-Morde tatsächlich in erster Linie der Zerschlagung einer als vermeintlich gefährlichen, zu Verschwörungen gegen den Staat tendierenden Clique von Homosexuellen dienten. Andererseits ist auch denkbar, dass Hitler – wie viele Historiker*innen meinen – auf diese Weise den in seinen Augen größten Konkurrenten und dessen Kreis aus dem Weg der Alleinherrschaft in der NSDAP räumen wollte.

    Die Wurzeln des queeren Rechtsextremismus

    Annäherungsversuche an die Nazis gab es auch von Seiten der damals aktiven „Homosexuellenbewegung“ in der Person des Vorsitzenden des bereits erwähnten Bundes für Menschenrecht, Friedrich Radszuweit. Im August 1931 schrieb er einen offenen – und letztlich unbeantworteten – Brief an Hitler persönlich, in dem er den NSDAP-Chef zur Revision seiner Position zu Homosexualität aufforderte. Bemängelt hat Radszuweit auch die Schmutzkampagne gegen Röhm, wobei sich seine Kritik im Kern mehr gegen die Instrumentalisierung der Homosexualität als politische Waffe richtete, als dass er den SA-Führer in Schutz nehmen wollte.

    Inwieweit Radszuweits Anbiederung an die Nazis von seinem vermeintlichen Wertewandel beziehungsweise Opportunismus zeugt oder als verzweifelter Versuch, mit dem Teufel zu verhandeln, zu werten ist, wird bis heute kontrovers diskutiert. Fakt ist, dass sich bereits Ende der 1920er Jahre circa 30% der BfM-Mitgliedschaft als Anhänger*innen der Nazipartei erklärt hatten. Ob Radszuweit es wollte oder nicht, die wachsende Unterstützung für die NSDAP, auch in den eigenen Reihen des BfM, war nicht zu übersehen.

    Generell waren Konservatismus, Nationalismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in der Geschichte der ersten deutschen „Homosexuellenbewegung“ keineswegs Randerscheinungen. Magnus Hirschfeld, der gemeinhin als geistiger Vater und inoffizieller Anführer der Bewegung gefeiert wird, gehörte zu den lautstärksten Verfechtern des Ersten Weltkriegs und veröffentlichte zwei Schriften (eine davon mit dem bezeichnenden Titel „Warum hassen uns die Völker?“), die den deutschen Imperialismus verteidigten. Erst in den späteren Kriegsjahren wandte er sich dem Pazifismus und Internationalismus zu. Adolf Brand, Vorsitzender der Gemeinschaft der Eigenen (GdE), die die Männer- und „Knabenliebe“ feierte, und informeller Sprecher des Kreises der sogenannten „Maskulinisten“, war ein eingefleischter Antifeminist, Antisemit sowie ein unerbittlicher Kritiker der Weimarer Republik und Befürworter einer antidemokratischen, erzkonservativen Politik.

    Das seltsame Paradox: Rechte und Homonationalismus

    Die heutige Verflechtung zwischen LGBTQIA+ und Nationalismus wird oft als „Homonationalismus“ bezeichnet. Dabei geht es um die Instrumentalisierung von Homosexualität für nationalistische, rassistische Zwecke und um das Ausspielen von queeren Gruppen (meistens cis-männlichen, weißen Schwulen) gegen die „Anderen“. So versuchen zum Beispiel rechte Politiker*innen, die Angst der Ersteren vor den Letzteren zu schüren und damit Wähler*innenstimmen zu gewinnen, indem sie insbesondere auf das Fremdbild des fundamentalistischen, homophoben, meist muslimischen Einwanderers zurückgreifen.

    Das führt zu einem noch größeren Spagat als bei den Nazis: Heutige Rechtsextreme stellen sich manchmal als vermeintliche Beschützer*innen einer gesellschaftlichen Gruppe dar, die andere Rechtsextreme wiederum im Gefängnis sehen wollen und wiederum andere für die angebliche Sexualisierung von Kindern verantwortlich machen.

    Homonationalismus „Around the World“

    Beispiele für Homonationalismus gibt es auf der ganzen Welt. 2016 entstand in den USA die islamfeindliche, „White Supremacy“ predigende und transphobe Vereinigung „Gays for Trump“. Bereits 2005 hat der Historiker Paul Robinson in seinem Buch Queer Wars beschrieben, wie der Konservatismus seit Beginn der „Gay Liberation“-Bewegung die LGBTQ+ Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten spaltet. Auch in Frankreich und den Niederlanden gewinnen die Rechtsextremen unter vielen LGBTQIA+ Personen an Unterstützung. Schon in der Präsidentschaftswahl 2017 war Marine Le Pen vor allem für weiße, cis-männliche Homosexuelle eine zumutbare politische Alternative.

    Interessanterweise muss der Rückgriff auf Patriotismus oder Nationalismus durch queere Menschen nicht unbedingt islamophob oder rassistisch motiviert sein. In Polen zum Beispiel hat die Kontroverse um die Darstellung des Staatswappens und der Nationalflagge vor einem Regenbogenhintergrund auf einigen CSDs im Jahr 2018 eine Debatte auch innerhalb der dortigen LGBTQIA+ Gemeinschaft ausgelöst. Viele sahen darin eine wirksame politische Strategie zur Anerkennung der Zugehörigkeit zur nationalen Gemeinschaft. Andere grenzten sich aufgrund der institutionellen Queerphobie der damaligen Regierung stark vom Nationalstolz ab.

    Die wichtigste Frage: warum?

    Die Gründe für den scheinbaren Widerspruch zwischen emanzipatorischen Bestrebungen und rechtsextremer, nationalistischer und sehr konservativer Politik sind natürlich je nach Fall und Kontext unterschiedlich.

    Im Deutschen Kaiserreich beispielsweise war die gesamte deutsche Gesellschaft stark nationalistisch und konservativ geprägt, was mit der imperialen und militaristischen Grundausrichtung des Staates einherging, schließlich waren es auch die europäischen Nationalismen, die zum Ersten Weltkrieg führten.

    In der Weimarer Republik spielten zudem weit verbreitete nationale Ressentiments, die Demütigung des Verlorenen und die Sehnsucht nach der alten Ordnung eine Rolle. Hinzu kam, dass queere Menschen, denen immer wieder das Bürgerrecht abgesprochen und verräterische Tendenzen unterstellt wurden, um ihre Anerkennung als respektable, pflichtbewusste und loyale Staatsbürger*innen kämpften. Eine ähnliche Motivation – wenn auch in einem ganz anderen, weitgehend einfacheren soziopolitischen und rechtlichen Kontext – treibt viele LGBTQIA+ im heutigen Polen an.

    Bezeichnenderweise sind es vorwiegend cisgeschlechtliche Männer, die nach wie vor die politische Avantgarde des Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und Nationalismus bilden. Wundern dürfte es kaum, schließlich wird ihnen seit jeher Männlichkeit und die damit assoziierten Eigenschaften wie Stärke, Entschlossenheit und Tüchtigkeit abgesprochen. Sich als Patriot oder gar Nationalist zu bekennen, bedeutet häufig, sich als „richtiger“ Mann zu behaupten.

    Wie gezeigt wurde, ist ein gemeinsamer Nenner der verschiedenen Formen und nationalen Variationen des heutigen Homonationalismus häufig die Islamophobie. Rechtsextreme Parteien nutzen die Ängste einiger LGBTQIA+ Personen zynisch aus, um damit Stimmen zu gewinnen und gegen die Zuwanderung von Menschen – darunter auch queeren, die in Deutschland Zuflucht finden könnten – aus muslimisch geprägten Ländern zu plädieren.

    Und was nun? Konsequenzen für die Politik

    Der Homonationalismus verdeutlicht, dass die heutzutage – aus gutem Grund – hinterfragten gesellschaftlichen Konzepte wie Geschlecht oder Nation(alität) auch für viele LGBTQIA+ Menschen immer noch eine nicht zu unterschätzende Bedeutung haben. Das von Teilen der Gesellschaft erwünschte Loswerden dieser Kategorien wird damit zu einer größeren Herausforderung als gedacht und erfordert kreative Ansätze.

    Außerdem zeigt der Homonationalismus die Wichtigkeit der Einbindung von Antirassismus in queere, emanzipatorische Politik und Bildung. Auch in der LGBTQIA+ Gemeinschaft sind Stereotype und Vorurteile gegenüber „Fremden“ weit verbreitet. Geflüchtete, aber auch Queers of Colour sind von dem Rechtstruck der letzten Jahre besonders betroffen, weshalb gerade ihnen die Solidarität der gesamten Community gehört.

    Die Widersprüchlichkeit und der Zynismus rechtsextremer Parteien im Umgang mit Homosexualität und geschlechtlicher Vielfalt liegt auf der Hand. Was sich viele queere Menschen als eine Verbesserung erhoffen, kann nur wie vor fast einhundert Jahren enden – mit Enttäuschung und Elend.


    Mehr zum Thema gibt es auch im Artikel „Queere Nazis“ des Siegessäule-Magazins.

    Bibliographie

    • Bauer, Heike.The Hirschfeld Archives: Violence, Death, and Modern Queer Culture.” Philadelphia, Pennsylvania: Temple UP, 2017.
    • Bruns, Claudia. „Politik des Eros: Der Männerbund in Wissenschaft, Politik und Jugendkultur (1880–1934).“ Köln: Böhlau Verlag, 2008.
    • Foit, Mathias. “Queer Urbanisms in Wilhelmine and Weimar Germany: Of Towns and Villages.” Cham, Schweiz: Palgrave Macmillan, 2023.
    • Marhoefer, Laurie. “Sex and the Weimar Republic: German Homosexual Emancipation and the Rise of the Nazis.” Toronto: University of Toronto Press, 2015.
    • Micheler, Stefan. “Zeitschriften, Verbände und Lokale gleichgeschlechtlich begehrender Menschen in der Weimarer Republik.” Stefan Micheler Homepage. August 1, 2008. www.StefanMicheler.de/zvlggbm/stm_zvlggbm.pdf.
    • Vendrell, Javier Samper. “The Seduction of Youth: Print Culture and Homosexual Rights in the Weimar Republic.” Toronto: University of Toronto Press, 2020.
    • Wolfert, Raimund. “Auf den Spuren der ‘Invertierten’ im Breslau der zwanziger und dreißiger Jahre.Invertito– Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten 9 (2007): 93–135.
    • Zinn, Alexander. „Aus dem Volkskörper entfernt? Homosexuelle Männer im Nationalsozialismus.“ Frankfurt: Campus Verlag, 2018.
  • Stolze Stimme der Queerness: LEOPOLD im Interview

    Stolze Stimme der Queerness: LEOPOLD im Interview

    Ein Gesangs-Powerhaus mit starken Messages: „Pink Rebell“ LEOPOLD erobert mit politischer und kämpferischer Musik seit einiger Zeit immer mehr Bühnen, Podcasts, und Fernsehshows. Nächstes großes Wunschziel: Der Eurovision Song Contest! Unser Autor Michael G. Meyer hat sich mit LEOPOLD unterhalten.

    Deine Musik ist ungewöhnlich, vor allem Deine Stimme sticht sehr heraus aus dem Pop, den man sonst so kennt. Wie bist du zu Deiner ungewöhnlichen Stimme gekommen, war das viel Training und Unterricht?

    Ich denke, die Tatsache, dass meine Stimme als ungewöhnlich angesehen wird, zeigt, wie stark wir noch in Geschlechterrollen denken. Es wird nicht erwartet, dass ein Mann auch eine höhere Stimme oder eine Frau eine tiefere Stimme haben kann. In meinem Fall ist es so, dass ich schon immer eine hohe Sprech- und Singstimme hatte, auch schon als Kind. Ich habe schon immer viel gesungen und mit meiner Stimme experimentiert und somit, bewusst und unbewusst, meine Stimme trainiert. Im Studium hatte ich auch Gesangsunterricht und so konnte sich meine Stimme weiterentwickeln.

    „Dass meine Stimme als ungewöhnlich angesehen wird, zeigt, wie stark wir noch in Geschlechterrollen denken.“

    Du wirst mit Dua Lipa, Lady Gaga und einigen anderen Stars verglichen, welche Vorbilder hast du selbst?

    Musikalisch, künstlerisch, wie auch menschlich finde ich Prince, Janelle Monáe, Lady Gaga, David Bowie und Beyoncé wahnsinnig spannend und inspirierend. Gesanglich hat mich Aretha Franklin sehr geprägt.

    Woher kommt der Name LEOPOLD?

    Mein Großonkel und Urgroßvater väterlicher Seite hießen beide Leopold. Meine Eltern haben mir Leopold, neben zwei weiteren Namen, in Erinnerung an die beiden, als Vorname gegeben.

    LEOPOLD steht selbstbewusst vor einem Garagentor und blickt nach unten in die Kamera.

    Der Bayerische Rundfunk hat dich mal als „Queerness-Glitzertüte“ bezeichnet – was bedeutet für dich „Queerness“?

    Queerness bedeutet für mich bunt, laut und stolz zu sein, die eigene Andersartigkeit zu feiern und dafür einzustehen.

    Du stammst aus Würzburg, no offense, aber das ist ja nicht gerade der queerste Ort Deutschlands. Wie bist du da groß geworden und wie bist du zur Musik gekommen?

    Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Würzburg aufgewachsen. Queerness war dort natürlich nicht so präsent, wie es in einer größeren Stadt der Fall wäre. Ich habe eine tolle Familie und hatte eine sehr schöne, unbeschwerte Kindheit. Unsere Eltern haben viel für meine Geschwister und mich getan. Wir haben zu Hause immer viel und verschiedene Musik gehört. Mit ca. 8 Jahren haben mich meine Eltern bei einem Kinder- und Jugendchor im Nachbardorf angemeldet. So bin ich zur Musik in frühen Jahren gekommen.

    Wie ist der private Leopold, wie trennst du Berufliches und Privates?

    Schon alleine im Namen trenne ich Berufliches vom Privaten, denn Leopold ist nicht mein Erstname und ich verwende ihn nur auf der Bühne. Was das Äußere betrifft ist es so, dass ich privat eher leger herumlaufe und keine Highheels, auffallende Outfits oder Make-Up trage. Privat bin ich eher unauffällig und zuweilen auch zurückhaltend und schüchtern.

    Hast du selbst schon Diskriminierungserfahrungen gemacht, etwa Hasskommentare online?

    Ja, ich erhalte regelmäßig auf Social Media Hassbotschaften als Kommentare oder private Nachrichten. Auch im realen Leben werde ich häufig komisch angesehen oder öffentlicht beschimpft.

    Das tut mir sehr Leid. Wie siehst du denn die Debatten in Deutschland gerade bezüglich Queerness? Zum Beispiel auch, was das Thema „trans*“ angeht, wo stehen wir da deiner Meinung nach?

    In Deutschland hat sich in den letzten Jahren viel getan, auch was die Gender- und Pronomendebatte betrifft. Dennoch genießen wir als LGBTQIA+ auch hier immer noch nicht die gleichen Rechte wie cis und heterosexuelle Menschen. Außerdem erfahren wir regelmäßig Diskriminierung und Ausgrenzung. Das Selbstbestimmungsrecht, die Möglichkeit, Blut zu spenden uvm. sind alles Dinge, die teilweise schon auf den Weg gebracht wurden, aber noch nicht umgesetzt sind.

    LEOPOLD steht lasziv mit Sonnenbrille und einem Oberteil in Tiger-Muster gegen eine Graffiti-Wand gelehnt.

    Queerness in der Popmusik ist ja stärker präsent als früher. Wie siehst du das und wo ordnest du Dich da ein?

    Das ist richtig, trotzdem könnten für meinen Geschmack in der internationalen wie auch deutschen Pop-Landschaft noch mehr queere Acts stattfinden. Ich versuche über meine Musik queere Themen aus der Nische in den Mainstream zu bringen und so Leuten zugänglicher zu machen. Meine Musik selbst ist eingängig und poppig – aber mit gewissen Ecken und Kanten.

    Wie gehst du öffentlich mit deinem Look und Sex-Appeal um? Was wäre Dir zu gewagt? Was ist dir wichtig, rüberzubringen?

    In erster Linie geht es darum, sich wohl zu fühlen. Wenn sich etwas nicht gut für mich anfühlt oder nicht vorteilhaft ist, mache ich es nicht oder trage es nicht. Mit meinen Outfits und Performances verfolge ich eine gewisse Ästhetik und möchte nicht vulgär wirken. Es darf anecken, soll aber gleichzeitig stilvoll und glamourös sein.

    Deine Outfits sind ja sicher auch sehr sorgsam ausgesucht, hast du einen bestimmten Stil?

    In erster Linie suche ich Outfits aus, die mich ansprechen und von denen ich denke, dass sie mir gut stehen könnten. Ich möchte stilvoll und elegant mit den Outfits auftreten. Dabei darf es auch gerne mal ausgefallener und extravaganter sein. Ich arbeite regelmäßig mit verschiedenen, meist auch queeren Designer*innen zusammen.

    „Der ESC ist jedes Jahr. Und ich werde mich auf jeden Fall wieder bewerben.“

    Du warst ja in der Auswahl für den ESC, was leider nicht geklappt hat. Bist du enttäuscht oder schon drüber hinweg?

    Im ersten Moment war ich natürlich schon enttäuscht – auch, weil mein Team und ich schon länger darauf hinarbeiten. Aber ich denke, es hat vielleicht dieses Jahr einfach noch nicht sein sollen. Das Gute ist ja: Der ESC ist jedes Jahr. Und ich werde mich auf jeden Fall wieder bewerben.

    Was sind deine nächsten Projekte?

    Für 2022 stehen wieder viele Konzerte an und ich werde auch neue Musik veröffentlichen. Außerdem wird es einige Neuerungen geben, deshalb lasst euch überraschen. 😉

    Wo kann man Dich als nächstes mal live sehen? Konzerte finden ja nun endlich wieder statt!

    Ich werde wieder auf Festivals und natürlich auch auf einigen CSD- bzw. Pride-Veranstaltungen auftreten, nähere Infos dazu gebe ich bald bekannt. Wer immer auf dem Laufenden bleiben und nichts verpassen möchte kann mir gerne bei InstagramFacebookTwitterTikTok und YouTube folgen.

  • Queeres Leben nach einem Jahr Pandemie: “Wir sind systemrelevant”

    Queeres Leben nach einem Jahr Pandemie: “Wir sind systemrelevant”

    Covid-19 bestimmt seit mittlerweile mehr als einem Jahr unseren Alltag und verändert subkukturelle Räume und Safer Spaces. Wie sieht queeres Leben während der Pandemie in Deutschland aus? Eine Zwischenbilanz.

    Nichts beschäftigt uns seit letztem Jahr so sehr wie die Corona-Pandemie und die darauf folgenden Einschränkungen. Ob Lockdown Light, Wellenbrecher-Lockdown oder Harter Lockdown, fest steht, dass Einrichtungen des öffentlichen Lebens seither als Gesundheitsrisiko gelten, darunter auch Safe Spaces für queere Menschen. Die Be­trei­be­r*in­nen von Darkrooms, Bars oder Clubs haben mit kurzer Unterbrechung seither quasi Berufsverbot, die Mitarbeiter*innen sind in Kurzarbeit oder ohne Aufträge. 

    In der Krise schränken auch viele Hilfseinrichtungen ihr Angebot ein oder bieten ihre Beratungsgespräche nun lediglich online oder telefonisch an. Die Fachstelle für queere Geflüchtete der Schwulenberatung Berlin geht dabei anders vor. Hans Kalben ist Sozialpädagoge und seit 2015 Teamleiter der Fachstelle. “Die Hürden für digitale Termine sind für unsere Zielgruppe oftmals zu hoch”, sagt Kalben. Zwar arbeite Kalben mittlerweile häufiger aus dem Homeoffice, ein großer Teil der Beratungsgespräche finde aber noch immer vor Ort statt: “Viele Geflüchtete haben kein Endgerät oder W-Lan oder finden in der Gemeinschaftsunterkunft einfach keine Privatsphäre.”

    In der Krise schränken viele Hilfseinrichtungen ihr Angebot ein.

    Vor Ausbruch der Pandemie fand jeden Dienstag und Freitag ein Treffen im Café Kuchus in Berlin-Kreuzberg statt, zu dem sich niemand anmelden musste. Zwar kommuniziere die Beratungsstelle aktuell, dass die Treffen coronabedingt ausfallen, inoffiziel stehen aber immer Mitarbeitende für Beratungsgespräche bereit: “Wir haben die Erfahrung gemacht, dass trotzdem immer viele Menschen kommen, die Hilfe brauchen.” Seit letztem März gebe es einen verstärkten Bedarf an Beratungsgesprächen und das obwohl weniger Menschen neu in Deutschland ankommen als vor Ausbruch der Krise. “Menschen, die schon länger illegalisiert im Land leben und die sich sonst mit Sexarbeit oder anderen prekären Beschäftigungsverhältnissen über Wasser halten, haben verstärk Hilfe in Anspruch genommen”, sagt Kalben. Durch den Lockdown sei ein Asylverfahren für viele dieser Menschen die letzte Chance. 

    Negative Asylbescheide und Abschiebungen trotz Corona

    Was Kalben und seinem Team seit einem Jahr immer wieder schwerfalle, sei die richtige Kommunikation der Corona-Schutzmaßnahmen. “Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften haben gar nicht die Möglichkeit sich zu schützen oder alle Corona-Hygienemaßnahmen einzuhalten”, sagt er. Belastend sei auch die Sorge, Geflüchtete in den Beratungsgesprächen mit Covid-19 zu infizieren. Um dies zu verhindern, arbeite die Beratungsstelle mit Spuckschutztrennwänden, Aerosolgeräten, Masken und Abstandsregeln: “Es ist eine tägliche Herausforderung, bestmöglich zu beraten und gesundheitliche Risiken dabei zu vermeiden.” 

    Abschiebungen finden weiterhin statt, obwohl sich die Situation in vielen Herkunftsländern der Geflüchteten dramatisch verschlechterte.

    Trotz Lockdown und Krisenlage laufe die Arbeit in den Behörden und beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge weiter. So erhalten Geflüchtete trotz Pandemie, laut Kalben, weiterhin negative Asylbescheide ohne dass die Fristen dabei der besonderen Situation angepasst seien. Selbst Abschiebungen finden weiterhin statt, obwohl sich die Situation in vielen Herkunftsländern der Geflüchteten dramatisch verschlechterte. “Ein Asylverfahren ist immer schwierig, die Pandemie macht es aber noch komplizierter, alle Fristen pünktlich einzuhalten”, sagt Kalben.

    Aufgrund des weltweiten Gesundheitsnotstandes gab es in Krankenhäusern immer wieder die Anweisung, planbare Operationen zu verschieben. Betroffen waren davon auch geschlechtsangleichende Operationen bei trans Menschen, die, sofern es dabei nicht um die Behandlung von Komplikationen ging, nicht als medizinisch notwendig galten. Krankenhäuser arbeiten seit mehr als einem Jahr am Limit, weshalb Kundgebungen und Pride-Paraden mittlerweile online statt auf der Straße veranstaltet werden. DJ-Sets queerer Clubs finden derzeit nur noch als Livestream statt. 

    Digitales Queeres Leben

    Das Pornfilmfestival Berlin, das engen Körperkontakt eigentlich voraussetzt, fand letztes Jahr lediglich vor einer kleinen Anzahl von Gästen statt. “Es war teilweise frustrierend an einem Festival zu arbeiten, das nicht so werden kann und darf, wie man es sich eigentlich wünscht”, sagt Kuratorin Paulita Pappel. Die wenigen Tickets, die es zur Verfügung gab, waren nach kurzer Zeit ausverkauft. “Das war bei der reduzierten Anzahl an Kinoplätzen aber auch nicht schwer”, sagt Paulita Pappel. Neben ihrer Tätigkeit für das Festival besitzt sie die Online-Plattform „Lustery, auf der privat gefilmte Videos von Paaren zu sehen sind. Während viele Pornoproduktionen aufgrund des Lockdowns gestoppt wurden, stellte sich die Plattform als pandemiesicheres Modell heraus: “Wir haben während der Krise mehr Einreichungen erhalten und hatten eine größere Anzahl an Zuschauer*innen.” 

    Durch den Verlust vieler Veranstaltungen sorgt die Pandemie dafür, dass die Sichtbarkeit queeren Lebens in deutschen Städten seit mehr als einem Jahr stark eingeschränkt ist. Die Einweihungsfeier eines Projekts in Mainz fiel der Pandemie zum Opfer. Die Eröffnung des queeren Wohnprojekts Queer im Quatier, das letzten Februar in der Mainzer Neustadt eröffnet wurde, fiel auf den Beginn des ersten Lockdowns in Deutschland. Joachim Schulte, 67, plante das Wohnprojekt in den letzten Jahren und musste die Einweihungsparty auf Zoom veranstalten. Kurz vor der Pandemie bezogen 32 queere Menschen unterschiedlichen Alters 21 Wohnungen in Mainz. Das Wohnprojekt, das als Safe Space gedacht war, funktioniere während der Krise aber nur sehr eingeschränkt. “Wir hätten uns alle in der Einstiegsphase des Projekts gerne besser kennengelernt”, sagt Schulte.

    Grafik von 6 Personen, die eine Corona-Maske tragen, wobei jede Person in einer Farbe der Regenbogenfahne eingefärbt ist.

    Likes und ein “Yaas” statt Umarmungen und Küsse

    So treffe man sich derzeit meist am Müllcontainer oder wenn jemand vom Einkaufen komme. Das Herzstück des Wohnprojekts könne aufgrund der geltenden Hygienemaßnahmen aktuell nicht genutzt werden: “Die Gemeinschaftswohnung, die wir als Treffpunkt für alle nutzen wollten, steht leer.” Da viele Bewohner*innen  zur Risikogruppe gehören, sei man besonders vorsichtig: “Im Sommer haben wir uns zwar auf Abstand im Park getroffen, dabei konnten wir uns aber nicht wirklich kennenlernen.” Abseits der Zoom-Konferenzen plane die Gruppe aber kleinere coronakonforme Aktionen. So backen manche Bewohner*innen Kuchen, legen ihn in die Gemeinschaftswohnung und geben allen Bescheid, dass sie sich nacheinander ein Stück abholen können. All die verpasste Zeit zusammen, wolle man nach der Krise nachholen. “Es herrscht große Enttäuschung, dass wir die Gemeinschaft nur begrenzt genießen können.”

    Im Corona-Jahr 2020 gab es nur wenige Gelegenheit sich als queere Gemeinschaft zusammenzufinden und sichtbar zu sein. Dragqueen Pansy aus Berlin arbeitet mittlerweile im Impfzentrum und verlegt ihre Drag-Shows ins Netz. Umarmungen und Küsse wurden zu Likes und einem “Yaas” in den Kommentarspalten. Zwar zogen vereinzelt kleinere Demonstrationen wie der “Dyke March” in Berlin durch die Straßen, dabei sollten jedoch alle wenn möglich auf den Mindestabstand achten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Selbst das zweite Jahr der Pandemie scheint von Lockdowns bestimmt, Großveranstaltungen sind noch immer in weiter Ferne. 

    Abseits privater Wohnräume

    Abseits privater Wohnräume gibt es also seit Ausbruch der Krise nur wenig Gelegenheiten, sich in queeren Einrichtungen zu treffen. Zwar wurden bereits viele Wirtschaftshilfen verabschiedet, viele Betriebe und Menschen, die diese besuchen, leiden nach einem Jahr Pandemie und Dauerlockdown aber an den Folgen der Krise. Lokale mit Darkrooms sind mit kurzen Unterbrechungen im Sommer letzten Jahres deutschlandweit geschlossen. Thomas Pfizenmaier, der die Fetisch- und Cruising-Bar New Action in Berlin-Schöneberg und eine weitere Fetischbar in Hamburg betreibt, fand zwischen den Lockdowns eine andere Möglichkeit, Umsatz für seinen Betrieb zu generieren. Gleich nachdem seine Bar nach dem ersten Lockdown wieder öffnen durfte, beantrage Pfizenmaier eine Nutzungserlaubnis zur Außengastronomie. 

    Kaffee und Kuchen statt Fetisch und Sex

    „Mein Lebenspartner hat sich dann in die Küche gestellt und Kuchen gebacken“, sagt er. Er wolle nicht auf Spenden setzen und so servierte er zwischenzeitlich in seinem Pop-Up-Café “Corinna” tagsüber Kaffee und Kuchen, obwohl die Fetischbar sonst immer nur nachts geöffnet war. Eine Zwischenlösung für den Sommer, die aber nicht mehr viel mit Fetisch, Darkroom oder Sex zu tun hat. Da die beantragten Coronahilfen lediglich für betriebliche Kosten genutzt werden dürfen, lebe er als Barbetreiber schon seit März von seinen Ersparnissen: „Ich brauche mittlerweile seit fast einem Jahr meine selbstersparte Rente auf.“ Derzeit denke er aber noch nicht ans Aufgeben, obwohl die Verluste immer größer werden und seine Ver­mie­te­r*in­nen ihm anscheinend nicht entgegenkommen: „In Hamburg gab es während der Krise sogar eine Mieterhöhung.“ 

    „Ich brauche mittlerweile seit fast einem Jahr meine selbstersparte Rente auf.“

    Pfizenmaier denkt, dass sich viele schwule Männer während der Pandemie Schutzräume im Privaten suchen. Dort werden aber, anders als im New Action, weder Namen, Meldeadressen oder Ankunfts- und Ausgangszeit vermerkt. „Wenn sich zig Männer über Online-Plattformen zu Hause verabreden und etwas passiert, kann dieses potentielle Infektionsgeschehen weder kontrolliert noch nachverfolgt werden.“

    „Wir sind systemrelevant für den Erhalt schwuler Kultur, Lebensformen und alternativer familiärer Verhältnisse.”

    Zumindest aktuell geht Pfizenmaier davon aus, dass das “New Action” nach der Krise wieder für seine Kunden öffnen wird. „Ich hoffe, dass sich die schwule Community nach der Pandemie darauf besinnt, wer ihnen über das Jahr hinweg die Stange gehalten hat“, sagt er. Seine Bar sei nicht einfach nur ein gastronomischer Betrieb, sondern diene wie alle anderen queeren Lokale als wichtiger Schutzraum für schwule Subkulturen: „Wir sind systemrelevant für den Erhalt schwuler Kultur, Lebensformen und alternativer familiärer Verhältnisse.”

    Eine Einwegmaske in Herzform auf rotem Hintergrund. Daneben 6 Personen, wobei jede Person in einer Farbe des Regenbogens dargestellt ist.

    IWWIT ist für euch da! 

    Auch die queere Szene ist von der Coronavirus-Pandemie betroffen, sei es durch mögliche Einsamkeit in der Isolation oder durch finanzielle Schwierigkeiten.

    Doch wir lassen euch nicht hängen! Deswegen haben wir unsere Kampagne #WirFürQueer ins Leben gerufen: Ihr seid nicht allein! Wir helfen uns gegenseitig! Gemeinsam schaffen wir es durch diese harten Zeiten! Mehr Infos findet ihr auf iwwit.de/wir-fuer-queer.

    Auf gayhealthchat.de beraten wir dich zudem täglich zwischen 17 und 20 Uhr – schnell, vertraulich und kostenlos.

  • Keith: Queersein ist keine Voraussetzung für Solidarität

    Keith: Queersein ist keine Voraussetzung für Solidarität

    Keith Zenga King ist Theaterproduzentin und Kuratorin an den Münchner Kammerspielen. They lebt seit fünf Jahren in Deutschland, hat ihren Lebensmittelpunkt zwar in München, ist aber beruflich im ganzen Land unterwegs. Ich sprach mit they am Telefon nach der Arbeit. Da wir das Gespräch auf Englisch führten, übersetze ich es im Folgenden:

    Keith plädiert dafür, dass Darstellungen von Race, Solidarität und Communities auch Tiefe und Komplexität bieten.

    Keith, wie hast du die Corona-Zeit erlebt?

    Schwierig war das. Ich habe als Künstlerin sofort die Arbeit von sechs Monaten verloren. – Wobei mir die Zwangspause auch gut getan hat: Seit dem Moment, als ich vor fünf Jahren in Deutschland eintraf, war mein Leben bestimmt von der ununterbrochenen Hetze von einem Auftrag zum nächsten, es war verrückt, ich war so getrieben, ja immer das nächste Projekt schon in Aussicht zu haben! Corona schlug zwei Wochen vor einem geplanten Theaterfestival ein, ich habe dann sofort alles auf online umgestellt.

    Was sind für dich wichtige Themen derzeit in der queeren Szene?

    Im vorherrschenden politischen Klima sind mir die Repräsentation marginalisierter Aktivist_innen und Künstler_innen sehr wichtig. Gerade diese seltsame Zeit erfordert Möglichkeiten der Teilhabe. Dabei muss darauf geachtet werden, dass Darstellungen von Race, dauerhafter Solidarität und Communities auch Tiefe und Komplexität vermitteln. Als Künstlerin bringe ich das Aktivistische in mein Werk ein: Themen wie Migration, Queerness usw. formen meine künstlerischen Darstellungen und bilden so den Rahmen für mein Schaffen.

    Printanzeige IWWIT Wir Für Queer
    Keith (links, unten) ist Teil unserer #WirFürQueer Kampagne.

    Was bedeutet für dich queere Solidarität?

    Ich glaube, man muss verstehen, dass es dabei mehr um Politik als um Begehren geht und man gar nicht unbedingt queer sein muss, um dazuzugehören. Ich verstehe unter Solidarität vor allem Fürsorge für die Gemeinschaft und für einander, auch allgemeine Fürsorge und Carework zählen für mich dazu. Im Moment sollten wir uns auf das Ausruhen und Innehalten konzentrieren und uns dabei auch auf Schlimmes gefasst machen. Ich denke da an die ökonomischen, sozialen und politischen Spannungen, die im Kielwasser dieser globalen Pandemie schwimmen werden.

    Was wünschst du dir für die Zukunft?

    Dass Art und Weise, wie wir arbeiten, neu kalibriert werden.

    Hast du grade ein Projekt, dass dir am Herzen liegt?

    Ja, ich schreibe ein Buch, eine Gedichtsammlung, sie soll „I am other in exile“ heißen und ich bin mit meiner Arbeit daran schon recht weit fortgeschritten. Ansonsten bereite ich mich auf die nächste Spielzeit vor…


    Auch die queere Szene ist von der Coronavirus-Pandemie betroffen, sei es durch mögliche Einsamkeit oder durch finanzielle Schwierigkeiten. Ihr wollt helfen oder sucht Hilfe? #WirFürQueer listet Projekte auf, die Hilfe anbieten oder selbst Unterstützung suchen. Klickt Euch durch und findet eine passende Hilfs- oder Soliaktion!