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  • Drei Männer, drei Methoden – Safer Sex 3.0

    Drei Männer, drei Methoden – Safer Sex 3.0

    Flo, 40 Jahre, ist HIV-positiv und nimmt seit mehr als 15 Jahren Medikamente. Die Therapie schützt auch seine Sexpartner: HIV ist beim Sex nicht übertragbar.
    Kaum war in Deutschland die PrEP erhältlich, ließ sich Alex diese Schutzmethode vor HIV verschreiben. Auch nach anderthalb Jahren schwört der 32-Jährige noch auf diese Lösung, sich vor einer Infektion zu schützen.
    Florian mag den Schutz, den ihm das Kondom bietet – vor HIV und vor anderen Geschlechtskrankheiten. Der 45-Jährige empfindet das Gummi beim Sex sogar als Bereicherung.

    Was bedeutet deine Safer-Sex-Methode für dich?

    Alex (PrEP): Viele Männer nutzen die PrEP, weil sie grundsätzlich auf Kondome verzichten möchten. Bei mir steht das nicht im Vordergrund. Vielmehr verschafft mir die PrEP Sicherheit in Situationen, die ohne sie riskant wären. Bevor ich mir die Tabletten verschreiben ließ, war ich mehr als einmal kurz davor, ungeschützt zu ficken. Ein Bier zu viel und ich musste mich wirklich zusammenreißen. Jetzt liegt der Schutz in meiner Hand: Mit der PrEP ist eine HIV-Infektion auch dann ausgeschlossen, wenn mein Sexpartner kein Gummi überzieht. Dank der PrEP kann ich Sex viel entspannter genießen.

    Flo (Schutz durch Therapie): Vor zehn Jahren bin ich noch meistens auf Partys für HIV-Positive gegangen, wenn ich Sex wollte. Nur im geschützten Raum schien es mir möglich, das Kondom wegzulassen, ohne unter Rechtfertigungsdruck zu geraten. Die Schwulenszene war insgesamt ziemlich gespalten: wir Positiven hier, die Negativen dort. Mittlerweile hat sich das geändert. Mehr und mehr schwule Männer sind über die neueren Safer-Sex-Methoden informiert. Sie wissen: Positive können andere Menschen nicht anstecken, wenn sie regelmäßig ihre Tabletten nehmen. Ich kann in Berlin ins Lab oder ins Kitty gehen und Spaß mit Männern haben, die ihre Sexualität jetzt natürlich und angstfrei ausleben. Für mich fühlt sich das an wie eine Befreiung.

    Florian (Kondom): Ich verwende weiterhin das Kondom, auch wenn andere darin eine Art „Ikone der Beschwertheit“ sehen mögen. Diese Safer-Sex-Methode ist für mich so sicher wie einfach: Ich nutze sie genau dann, wenn ich Sex habe. Tabletten hingegen müsste ich jeden Tag nehmen, selbst wenn es wochenlang nicht zu Sex kommt. Für Kondome brauche ich kein Rezept und ich muss mir auch nicht regelmäßig bestätigen lassen, dass meine Niere die PrEP noch verträgt.
    Ich gehöre auch nicht nicht zu den Männern, die das Kondom beim Sex stört. Im Gegenteil. Ich empfinde es als anregenden Teil des Vorspiels, das Kondom überzustreifen. Dann ist beiden klar, dass der Spaß gleich losgeht.

    Florian nutzt das Kondom. Was das für ihn bedeutet, erzählt er hier.

    Wie geht ihr mit Nutzern anderer Methoden um?

    Florian (Kondom): Jeder und jede hat das Recht, die Methode zu wählen, die zu ihm oder ihr passt. Außerdem verstehe ich, dass viele PrEP-Nutzer und HIV-Positive unter Therapie Sex ohne Gummi haben möchten. Zum Beispiel haben mir etliche HIV-Positive erzählt, dass sie sich von alten Fesseln befreit fühlen, seit die Schutzwirkung der Therapie nachgewiesen ist. Flo sieht das ja auch so. Ich wiederum empfinde es als Freiheit, auf Tabletten verzichten zu können. Deswegen ist nach wie vor für mich das Kondom die erste Wahl. Wenn mir jemand sagt „Ich nehme Tabletten. Wir können auch ohne Gummi ficken“, dann lehne ich freundlich ab. Das persönliche Schutzbedürfnis eines Menschen steht generell über dem Wunsch des Gegenübers, sexuelle Lust zu erleben.

    Alex (PrEP): Mich stört das Kondom nicht. Ich überlasse es in der Regel dem anderen, ob er sich eins überzieht.

    Flo (Schutz durch Therapie): Kondome benutze ich nur, wenn der andere darauf besteht und zu heiß aussieht, um ihn wegzuschicken. Ansonsten wünscht man einander freundlich einen angenehmen Abend und flirtet einen anderen Typen an.

    Alex nutzt die PrEP. Was diese Methode für ihn bedeutet, erfahrt ihr hier.

    Welche Fragen kommen im Zusammenhang mit eurer Schutzmethode auf?

    Alex (PrEP): Da ich viel reise, bemerke ich im Umgang mit der PrEP regionale Unterschiede. In Berlin, Hamburg oder Köln ist sie etabliert. Viele Schwule gehen genauso offen damit um wie ich. In kleineren Städten dagegen trauen sich bisher wenige, über die PrEP zu reden oder sie in einer App anzugeben. Dort ist die Schutzmethode außerdem erklärungsbedürftiger. Als wir letztens mit „ICH WEISS WAS ICH TU“ in Kassel waren, haben mich jüngere Schwule geradezu gelöchert mit ihren Fragen. Leider gibt es noch nicht überall ausreichend Schwerpunktärzte.

    Flo (Schutz durch Therapie): Es ist schon lange nachgewiesen, dass die HIV-Therapie eine Übertragung von HIV verhindert. Die neue Gelassenheit uns Positiven gegenüber kommt aus meiner Sicht aber vor allem durch die PrEP. Erst diese neue Methode hat die Alternativen zum Kondom in den Fokus des Interesses gerückt. Die vielen Negativen, die Kondome als Quälerei empfinden, informieren sich jetzt. Sie nehmen die Botschaft gerne auf, dass Kondome nicht mehr das einzige Mittel der Wahl sind, und erzählen das weiter. Auch die Medien interessieren sich mehr für die PrEP als für Schutz durch Therapie. Das finde ich auch in Ordnung so. Die Zielgruppe ist einfach größer: HIV-negative Menschen, die täglich eine Tablette nehmen und dem Virus so den Zugang versperren.

    Florian (Kondom): Ein paar Mal bin ich auf Unverständnis gestoßen. In anderen Situationen erhalte ich wiederum explizit Zuspruch dafür, dass ich Kondome nutze. Das hält sich die Waage.

    Flo: Safer Sex 3.0
    Flo nutzt Schutz durch Therapie. Wie er das macht, das berichtet er hier.

    Löst eure Schutzmethode gelegentlich Konflikte aus?

    Alex (PrEP): Auf Facebook und Co. toben manchmal schon heftige Auseinandersetzungen zwischen einigen Kondomanhängern und PrEP-Aktivisten. Ich finde aggressives Missionieren unreif und intolerant. Am Ende bleibt doch jedem erwachsenen Menschen selbst überlassen, wie er seine Sexualität auslebt.

    Florian (Kondom): Mehr als enttäuschte Blicke erlebe ich in der realen Welt selten, wenn ich ein Kondom überziehe. Was Alex zu den Facebook-Diskussionen sagt, kann ich aber bestätigen. Unwürdig, was da teilweise abgeht.

    Flo (Schutz durch Therapie): Zu Konflikten kommt es wegen meiner Einstellung allenfalls in kleineren Städten. Dort fühle ich mich manchmal schief angeschaut, wenn ich Sex ohne Gummi möchte. Aber beleidigt hat mich im realen Leben noch niemand.

    Wie sieht das konkret aus beim Online-Dating?

    Flo (Schutz durch Therapie): In den einschlägigen Apps gebe ich an, dass meine Sexpartner durch meine Therapie geschützt sind. Das nehmen wildfremde Menschen zum Anlass, an meiner Redlichkeit zu zweifeln. Es könne niemand sicher sein, dass ich wirklich Tabletten nehme. Einer schrieb sogar mal, ich solle aufhören, mein ‚Aids‘ zu verbreiten. Auf Diskussionen auf so niedrigem Niveau lasse ich mich nicht ein. Ich kläre gern über HIV-Risiken auf, wenn ich für die Aidshilfe unterwegs bin. Auf Dating-Plattformen bewege ich mich aber nicht, um anderer Leute Wissenslücken zu schließen. Ich entgegne dann lediglich, dass es jedem freisteht, auf Sex mit mir zu verzichten. Aber mal ehrlich: Es liegt doch in meinem ureigenen Interesse, dass meine Therapie erfolgreich verläuft. Die Idee, die Tabletten abzusetzen, käme mir gar nicht in den Sinn.

    Alex (PrEP): Ich fand es richtig und wichtig, dass die Aidshilfen und andere Organisationen hartnäckig Druck auf die schwulen Dating-Apps ausgeübt haben. Bei diesen Unternehmen galt noch bis vor kurzem allein das Kondom als Safer-Sex-Methode. Jetzt stehen die drei Methoden gleichberechtigt nebeneinander. Das sendet vor allem an jüngere Schwule die klare Botschaft, dass sie sich informieren und dann entscheiden sollten. Ich selbst gebe in Dating-Apps wahrheitsgemäß an, dass ich die PrEP nehme. Potenzielle Sexpartner wissen also von vornherein, woran sie sind. Angepöbelt hat mich dafür noch keiner. Im Gegenteil. Manche Tops melden sich gleich mit der Frage, ob wir ohne Gummi ficken können. Ich finde das ok. Lieber direkt als lange um den heißen Brei.

    Florian (Kondom): In Dating-Apps sind Gespräche generell schnell zu Ende, wenn dem Gegenüber bestimmte Details nicht passen. Vermutlich läuft bei vielen im Chat eine Art Kopfkino ab, und wer sich nicht ans Drehbuch des anderen hält, ist raus. Das kann alles Mögliche betreffen, unter anderem auch meine Safer-Sex-Methode. „Ohne Gummi“ ist ein Wunsch, der mir im Internet öfter begegnet.

    Safer Sex 3.0
    Im August 2019 werben Florian, Flo und Alex für Safer Sex 3.0 in den großen schwulen Zeitschriften in Deutschland.

    Wie steht ihr zu anderen Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Chlamydien oder Tripper?

    Alex (PrEP): In der Tat ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Risiko des Einzelnen steigt. Ich selbst beispielsweise musste unter PrEP bisher zweimal Antibiotika schlucken. Genauso richtig ist aber, dass sich PrEP-Nutzer zu regelmäßigen Untersuchungen verpflichten. Vier jährliche Routinetests auf Geschlechtskrankheiten – da bleibt nichts unentdeckt.

    Flo (Schutz durch Therapie): Zwar fangen sich Männer, die ohne Gummi ficken, statistisch gesehen öfter eine Syphilis oder Chlamydien ein als Kondomnutzer. Ich stehe aber auf dem Standpunkt, dass jeder mit Risiken umgehen muss, wie es seiner Persönlichkeit entspricht. Ich zum Beispiel lasse mich im Rahmen meiner HIV-Therapie alle drei Monate auf alles testen, was man sich beim Sex zuziehen kann. Denn eine rechtzeitige Behandlung bewahrt mich vor den Folgen der Infektion und meine Sexpartner vor Ansteckung.

    Florian (Kondom): Klar gibt es gegen Syphilis oder Chlamydien Medikamente. Aber warum soll ich meinem Körper Chemie zumuten, wenn ich das Risiko durch ein Kondom senken kann? Was die Tests anbelangt: Es ist ein Klischee, dass Kondomnutzer Testmuffel seien. Ich selbst absolviere das volle Programm von vier Routinetests im Jahr, genau wie Alex und Flo. Mir ist aber auch klar, dass sich viele Menschen deutlich seltener untersuchen lassen. Ich finde es deshalb richtig, dass die Aidshilfe einen Schwerpunkt ihrer Präventionsarbeit auf die Tests legt. Und dass sie regelmäßige Tests unabhängig von den Safer-Sex-Methoden empfiehlt.

    Florian (Kondom), Flo (Schutz durch Therapie und Alex (PrEP)
    3 Männer, 3 Methoden (v.l.): Florian (Kondom), Flo (Schutz durch Therapie) und Alex (PrEP)
  • Cool bleiben, wenn’s heiß her geht. – Eine Umfrage zu Safer Sex im Cruisingclub

    Cool bleiben, wenn’s heiß her geht. – Eine Umfrage zu Safer Sex im Cruisingclub

    Safer Sex im Club
    Symbolbild

    Einfach nur zum Quatschen und Biertrinken geht wohl kaum jemand ins Lab.Oratory. In dem Berliner schwulen Sexclub geht es vor allem um das Eine und dazu lässt man, etwa bei den Naked Partys auch gleich nach dem Betreten die Klamotten fallen. Wer hier den Abend verbringt, will zur Sache kommen. Und welche Rolle spielt dabei Safer Sex? Oder besser: Welche Form des Safer Sex bevorzugen die Besucher? Schließlich gibt es neben dem Kondom mittlerweile auch die PrEP und Schutz durch Therapie, um eine HIV-Übertragung zu verhindern.

    ICH WEISS WAS ICH TU hat unter den Gästen einige unterschiedliche Stimmen zum Thema Safer Sex eingefangen, ohne Anspruch auf Repräsentativität.

     

    Dennis* (24) aus Sachsen:

    „Ich war erst einmal beim Lab. Freunde hatten mir davon erzählt und das hatte mich total neugierig und geil gemacht. Aber so richtig vorstellen, wie es da zugeht, konnte ich es mir dann doch nicht. Ich hatte Angst, dass mich das vielleicht überfordert, das alles viel zu heftig für mich ist. Und ja, ich hatte auch Bammel, hinterher mit irgendeiner Krankheit nach Hause zu fahren. Man hört ja immer wieder, wie wild die Szene ist, gerade in Berlin.

    „Ich fühlte mich dann nicht uncool oder so, nur weil ich Kondome nehme.“

    Ich war dann etwas beruhigter, als ich auf der Webseite las, wie es auf der „Naked Party“ zugeht. („Klamotten an der Garderobe abgegeben, Gummis und Gleitcreme in die Socken gesteckt und los geht’s.“, d. R.) Ich habe dann zwar auch welche gesehen, die ohne Gummi Sex hatten, aber es war doch eher die Ausnahme. Mich hat das beruhigt und ich fühlte mich dann nicht uncool oder so, nur weil ich Kondome nehme.“

     

    Marc (38) ist ein Stammbesucher des Clubs:

    „Anders als vielleicht bei Grindr oder so checkt man sich ja nicht erst lange aus.“

    „Ich komme schon seit ein paar Jahren regelmäßig hierher, weil ich genau weiß, was mich erwartet und dass ich hier Spaß haben kann. Ich habe mittlerweile fast alle verschiedenen Mottopartys durch, nur die ganz extremen Sachen nicht. Was aber auffällig ist: dass man immer häufiger auch Leute ohne Gummi vögeln sieht. Das hat sich schon verändert. Gerade in den letzten Monaten haben die Prepster (Nutzer der PrEP, d. R.) zugenommen. Gerade auch viele, die man ständig hier trifft. Ich habe kein Problem damit, mit Kondom zu ficken oder mich ficken zu lassen. Ohne Kondom aber schon. Anders als vielleicht bei Grindr oder so checkt man sich ja nicht erst lange aus. Wenn mir da einer also signalisiert, dass er ohne Gummi will, irritiert mich das. Ist einfach so. Ich weiß ja nicht, ob der die PrEP wirklich nimmt oder nur Quatsch erzählt, ohne wirklich zu checken, was er da erzählt.“

     

    Ricardo, 31, lebt seit einem Jahr in Berlin:

    Man „ist eben nicht immer ein guter, braver Junge. „

    „Ich habe eine Weile die PrEP nur am Wochenende oder so genommen, weil die Pillen so teuer waren und es so kompliziert war, an sie ranzukommen. Ich fand das sehr umständlich. Seit die Pillen jetzt preiswerter geworden sind, leiste ich mir, sie jeden Tag zu nehmen. Früher habe ich eigentlich immer darauf geachtet, Gummis zu nehmen. Aber wie es nun mal so ist: man macht Party, wirft auch mal was ein – und ist eben nicht immer ein guter, braver Junge. Bis auf nen Tripper hatte ich aber Glück. Seit ich die PrEP nehme, habe ich fast nur noch Sex ohne Kondom. Ich war überrascht, wie schnell das für mich selbstverständlich geworden ist. Mittlerweile erscheinen mir Kondome etwas oldfashioned und lästig, obwohl das natürlich gar nicht stimmt. Ich finde es ok, wenn andere weiterhin Kondome nehmen. Hauptsache, sie denken überhaupt über Safer Sex nach, bevor sie den Arsch hinhalten.“

     

    Thomas, 35, lebt schon immer in Berlin und hat vor 7 Jahren sein positives Testergebnis bekommen:

    „…wobei mir persönlich „mit“ doch lieber ist. Gerade dann, wenn man Sex in Darkrooms oder so hat.“

    „Für mich war die Nachricht, unter der Nachweisgrenze zu sein, mindestens so einschneidend wie damals das Testergebnis. Ich hatte in der Folge fast nur Sex mit anderen Positiven, vor allem auch, weil man nicht groß was erklären musste. Mit vielen dann auch ohne Gummi, wobei mir persönlich „mit“ doch lieber ist. Gerade dann, wenn man Sex in Darkrooms oder so hat. Ich hatte mal eine Syphilis und mein damaliger Arzt, aber auch zwei Freunde haben mir dann ziemlich ins Gewissen geredet, besser auf mich zu achten. Also darauf, mir nicht unnötig Geschlechtskrankheiten einzuhandeln. Das versuche ich auch möglichst umzusetzen. Das klappt sicher nicht immer, klar. Aber wenn ich ganz gezielt wohin gehe, wie ins Lab, dann bin ich auch entsprechend ausgerüstet.“

     

    Chris, 27, ist seit zwei Jahren wieder Single und besucht seitdem regelmäßig Darkroomclubs und Sexpartys:

    „Bei mir gilt immer noch: ‚Wer Ficken will, muss freundlich sein.‘ „

    „Mir ist es in letzter Zeit schon ein paar Mal passiert – nicht nur hier, sondern auch bei anderen Sexpartys – dass mich Typen einfach stehen ließen, als ich mein Gummi ausgepackt habe. Ich bin mir dann nicht sicher, wie ich darüber denken soll. Man ist ja gewohnt, auch mal nicht zu landen, aber das ist ¢ne Art, die ganz schön frustriert. Andererseits: Vielleicht ist es auch besser, dass ich mit solchen Typen gerade keinen Sex habe. Bei mir gilt immer noch: ‚Wer Ficken will, muss freundlich sein‘. Und wer sich so verhält, ist es definitiv nicht. Die wissen nicht, was sie verpasst haben und wer weiß, was ich mir so erspart habe. Ich bin zum Glück alt und selbstbewusst genug, und es sind ausreichend Männer für alle da. Aber wäre ich jetzt ein paar Jahre jünger – keine Ahnung wie ich mich da verhalten hätte?“

    * die Namen sind von der Redaktion geändert

     

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  • Safer Sex 3.0: „Die PrEP befreit davon, immer an HIV denken zu müssen“

    Safer Sex 3.0: „Die PrEP befreit davon, immer an HIV denken zu müssen“

    Seit mehr als einem halben Jahr ist Milan einer von mehr als 5000 schwulen Männern, die an der internationalen PrEP-Studie DISCOVER teilnehmen. Mit ihr soll überprüft werden, ob sich das Kombinationsmedikament Descovy genauso gut für die HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe („Pillen zum Schutz vor HIV“) eignet wie der Vorgänger Truvada und die Truvada-Generika. Wir begleiten den 26-Jährigen während der drei Jahre, auf die die Studie angelegt ist, mit Interviews.

    Im Rahmen von „Safer Sex 3.0“ erzählen im IWWIT-Blog verschiedene schwule Männer, wie sie sich vor HIV schützen, ob mit Kondom, PrEP oder Schutz durch Therapie. Wir bestärken jeden, der sich vor HIV schützen möchte, sich die für ihn beste Safer Sex-Methode zu wählen.

    ___________________________

    Frage: Als wir uns zum ersten Mal über deine Erfahrungen als Teilnehmer der DISCOVER-Studie unterhalten haben, hatte man bei den begleitenden Untersuchungen eine Unregelmäßigkeit in deinem Blutbild festgestellt. War die Aufregung berechtigt?

    Milan: Nein, das war letztlich ein falscher Alarm, die betreuende Ärztin glaubte einen ungewöhnlichen Wert festgestellt zu haben, doch der stellte sich als völlig harmlos heraus.

    Ich hatte so lange auf die PrEP gewartet, dass ich tatsächlich etwas paranoid war und Angst hatte, ich müsste die PrEP nun beenden. Diese Sorge war aber völlig unberechtigt.

    Wie hast du denn die PrEP-Medikamente bislang vertragen? Ob du Truvada oder das Nachfolgepräparat Descovy erhältst, weißt du ja nicht.

    Ich vertrage die Pillen sehr gut und habe bislang keinerlei Nebenwirkungen.

    Inzwischen nimmst du die Pillen seit mehreren Monaten täglich. Musst du dich noch jeden Morgen an die Einnahme erinnern?

    Die ersten fünf, sechs Monate habe ich jeden Tag ganz automatisch daran gedacht. Zwischenzeitlich hatte ich aber viel um die Ohren und deshalb zweimal vergessen, die Tabletten zu nehmen. Das hat mich ein bisschen geärgert – auch wenn es den HIV-Schutz nicht beeinträchtigt, sollte man das Medikament einmal vergessen haben. So hatte es mir der Arzt erklärt.

    Ich habe jetzt so eine Tablettenbox mit einem Fach für jeden Wochentag. Die steht direkt vor mir an meinem Arbeitsplatz, sodass ich sie auf keinem Fall übersehen kann.

    „Die PrEP ist für mich inzwischen etwas ganz Normales geworden“

    Denkst du noch darüber nach, dass du die PrEP nimmst? Ist es noch etwas Besonderes?

    Nein, es ist für mich inzwischen etwas ganz Normales und ein Teil meines Lebens geworden. Die anfängliche Aufgeregtheit hat sich gelegt. Es wäre auch unrealistisch, dass dieses Gefühl der Begeisterung nun die ganzen drei Jahre hinweg anhält, in denen ich voraussichtlich an der Studie teilnehme.

    Als du mit der PrEP angefangen hast, hattest du guten Grund, dich als Teil einer Gruppe mit ganz besonderen Freiheiten zu fühlen.

    Das hat sich ja spätestens geändert, seitdem die PrEP ab 50 Euro für jeden in der Apotheke zu bekommen ist! Damit steht die PrEP nun theoretisch jedem zur Verfügung. Das ist großartig.

    Es geht allerdings nicht allein um sexuelle Freiheit, es bedeutet auch viel, vor HIV geschützt zu sein. Die PrEP befreit einen auch davon, nicht immer an HIV denken zu müssen und dass dieses Virus deinen Körper für den Rest deines Lebens mit diesem „Positiv“-Label markieren könnte – auch wenn die medizinischen Möglichkeiten Menschen mit HIV inzwischen ein ziemlich normales Leben zu ermöglichen.

    Natürlich gibt es als Studienteilnehmer einige Vorteile, etwa die regelmäßigen umfassenden Gesundheitschecks und die kostenfreien Medikamente. Dafür bin ich dankbar. Aber das ist es dann auch schon. Ich bin sehr glücklich darüber, dass die PrEP es nun ganz regulär in die Apotheken geschafft hat und viel mehr Menschen davon profitieren können. Es ist richtig und wichtig, dass sie für jeden verfügbar ist.

    Hast du dich mittlerweile auch an die sexuellen Freiheiten gewöhnt, die die PrEP ermöglicht?

    „Dass ich nicht immer ans Kondom denken muss, hat für mich bis heute etwas sehr Befreiendes.“

    Die Tatsache, dass ich mich nicht immer im Zaum halten konnte, war ja der Grund, warum ich die PrEP wollte. Es ist nicht so, dass ich nicht auch Sex mit Kondom habe, aber das passiert im Vergleich doch recht selten.

    Dass ich nicht immer ans Kondom denken muss, hat für mich bis heute etwas sehr Befreiendes. Ich möchte mir daher nicht vorstellen, wie es wieder ohne die PrEP sein würde.

    Ich sehe die PrEP allerdings auch nicht als lebenslange Lösung, schon alleine wegen der möglichen Auswirkungen der Medikamente auf den Körper [Anm. der Redaktion: Die meisten Menschen vertragen die PrEP gut]. Diese Nebenwirkungen zu erforschen ist ja schließlich auch der Anlass für diese Studie. Wenn sie zu Ende gegangen sein wird, werde ich mir das Ergebnis anschauen und mich dann womöglich auch dazu entscheiden, mit der PrEP weiterzumachen.

    Bist du über mögliche unerwartete Langzeitwirkungen besorgt?

    Die Entwicklungen in der Medizin, und gerade auch in der Pharmazie, gehen rasend schnell. Deshalb bin ich mir sicher, dass es mit den Jahren auch PrEP-Medikamente geben wird, die noch weniger oder gar keine Belastung mehr für den Körper darstellen.

    Wir werden heute womöglich auf mögliche Risiken durch die jahrelange Einnahme bestimmter Medikamente hingewiesen, die es in absehbarer Zeit gar nicht mehr gibt. Deshalb bin ich, was langfristige Nebenwirkungen angeht, auch nicht wirklich beunruhigt, und genieße die Möglichkeiten, die ich habe. Denn ich bin jetzt jung und nicht später.

    Hast du mit der PrEP mehr Sex mit mehr Partnern als zuvor?

    „Wenn ich heute in einen Sexclub gehe, …“

    Sehr viel mehr! Wenn ich heute in einen Sexclub gehe, dann habe ich manchmal tatsächlich auch die ganze Nacht hindurch Sex, immer wieder und mit unterschiedlichen Leuten. Vorher, ohne die PrEP, bin ich zwar auch dorthin gegangen, aber ich hatte meist nur einmal mit jemandem Sex.

    Das war eine nicht ganz rationale Sperre, mich vor möglichen Infektionsrisiken zu schützen. Zugleich aber hat mich das total verrückt gemacht. Man sieht alle die anderen – die unter der Nachweisgrenze [Anm. der Redaktion: Bei erfoglreicher HIV-Therapie wird HIV selbst beim Sex ohne Kondom nicht übertragen – nicht nachweisbar = nicht übertragbar] oder auf PrEP sind –, wie sie sich dort hemmungslos austoben. Nur man selbst hat sehr einschränkten Spaß.

    Wenn du heute in solche Clubs gehst, teilst du den anderen Männern dann mit, dass du ohne Kondom Sex haben möchtest?

    Ich mache den Kerlen immer gleich klar, dass ich lieber bareback vögle, meist dann auch, dass ich auf PrEP bin. Normalerweise aber wird darüber gar nicht geredet. Wenn Einheimische zu solchen Orten gehen, um Sex zu haben, dann gehört das Kondom in der Regel gar nicht mehr dazu. So erlebe ich das zumindest, so ist die Szene hier. Ich kenne keinen anderen Ort in der Welt, der sexuell so frei ist wie Berlin.

    Mit „frei“ meinst du auch die Freiheiten, die der Schutz durch Therapie und PrEP bietet?

    „Solche Gespräche können die erotische Spannung nämlich ziemlich kaputt machen.“

    Genau, man muss als Vorspiel nicht mehr über diese Dinge reden: ob mit oder ohne Kondom, beziehungsweise, warum es auch ohne geht. Solche Gespräche können die erotische Spannung nämlich ziemlich kaputt machen.

    Das passiert beispielsweise dann, wenn man einen Touristen gerät (lacht). Man ist an solchen Orten so sehr an Sex ohne Kondom gewöhnt, dass ich dann völlig überrascht bin, wenn jemand beim Rummachen plötzlich ein Gummi hervorzieht.

    Wie reagierst du dann?

    Soll ich ehrlich sein? Für mich ist die Sache dann meist beendet. Wenn die Chemie richtig gut ist, kann ich natürlich auch Sex mit Kondom haben, aber es macht mich einfach nicht richtig geil und ich genieße es auch nicht so sehr.

    Ich bin dann aber auch nicht in der Stimmung, um ein Aufklärungsgespräch über die PrEP zu führen. Das ist nicht der Ort, nicht der Zeitpunkt und auch nicht mein Job.

    Ich habe das ein paar Mal versucht, aber es geht in einer solchen Situation einfach nicht, und ich habe dann, offen gesagt, auch keine Lust dazu. Denn ich bin ja dorthin gekommen, um Sex zu haben, und nicht, um meine Art, Sex zu haben, erklären zu müssen. Ich bin da übrigens nicht allein mit dieser Erfahrung.

    Das klingt jetzt etwas überheblich.

    „Ich habe schnell meine Medikamentenschachtel fotografiert und ihm geschickt, da war er dann beruhigt.“

    Dessen bin ich mir bewusst. Ich weiß selbstverständlich, dass wir hier in diesen Dingen viel weiter sind und deshalb auch privilegiert. Jemand, für den Sex automatisch Sex mit Kondom bedeutet, ist von der Situation natürlich überfordert.

    Der hat von der PrEP vielleicht noch nie oder nur wenig gehört und hegt verständlicherweise Zweifel an ihrer Wirksamkeit. Aber ich habe Zweifel, dass ich an diesem Ort, in diesem Kontext dann die richtige Person bin, um diese medizinischen Fakten vertrauenswürdig zu vermitteln (lacht).

    „Ich konnte gut nachvollziehen, warum er so panisch war. „

    Ich kann ihn also weder von der Wirksamkeit der PrEP überzeugen noch will ich ihn zum Sex ohne Kondom überreden. Das führt zu nichts und versaut nur uns beiden den Abend.

    Einmal war jemand zwar unsicher, aber er hatte dann doch mit mir Sex. Am nächsten Tag hat er mich bei Facebook angeschrieben: „Bist du auch wirklich auf PrEP?“ Ich konnte gut nachvollziehen, warum er so panisch war.

    Wenn man von der PrEP einfach nicht viel Ahnung hat, wühlt einen eine solche Situation natürlich auf. Ich muss dann daran denken, wie ich in den Zeiten vor der PrEP ausgerastet bin, wenn ich dann doch mal Sex ohne Gummi hatte. Ich habe deshalb schnell meine Medikamentenschachtel fotografiert und ihm geschickt, da war er dann beruhigt.

    Mehr Sex mit einer höheren Zahl an Partnern erhöht rein rechnerisch das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) zu infizieren. Wie sieht deine Bilanz inzwischen aus?

    Sehr überschaubar, wie ich finde – in Relation dazu, wie viel Sex ich hatte, seit ich auf PrEP bin.

    Und was heißt das in Zahlen?

    „Die Infektionen wurden so bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt diagnostiziert und dann auch sofort behandelt.“

    Gleich im ersten Monat wurden bei mir Chlamydien festgestellt, und vor drei Monaten hatte ich einen Tripper in meinem Hals. Beide Male wurden die Infektionen im Rahmen der vierteljährlichen STI-Untersuchungen festgestellt, die Teil der Studie sind.

    Die Infektionen wurden so bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt diagnostiziert und dann auch sofort behandelt. Aber es ist hier im Zusammenhang mit der PrEP eigentlich irrelevant, über STIs zu reden, denn Tripper und Chlamydien können ja beispielsweise auch beim Lecken und Blasen übertragen werden, ganz gleich, ob man auf PrEP ist oder ein Kondom verwendet. Ich hätte die Infektionen auch beim Sex mit Kondom bekommen können.

    Doch wenn wir von der PrEP sprechen, sprechen wir über HIV-Schutz. Und was den HIV-Schutz anbelangt, ist PrEP mindestens genauso sicher wie ein Kondom, wenn nicht sogar mehr. Es macht daher keinen Sinn, für die Ablehnung der PrEP ausgerechnet die Ansteckungsgefahr durch andere Geschlechtskrankheiten als Argument zu benutzen.

    Wie häufig sind die Arztbesuche im Rahmen der Studie?

    Alle drei Monate.

    Was passiert da genau?

    Im Wartezimmer muss ich zunächst einen Fragebogen ausfüllen. Die Fragen sind immer gleich: Mit vielen Leuten man seit der letzten Untersuchung Sex ohne Kondome hatte. Wie viele Male dabei man beim Analverkehr aktiv oder passiv war. Ob man die Tabletten jeden Tag genommen hat oder wie oft man die Einnahme ausgelassen hat und warum.

    Während der Blutabnahme wird man dann auch noch im persönlichen Gespräch gefragt, ob es irgendwelche Nebenwirkungen gab. Und wir bekommen auch immer Kondome angeboten, die wir kostenlos mitnehmen können, wenn wir das wollen.

    Gibt bei diesen vierteljährlichen Kontrollterminen etwas, das nicht ganz so optimal läuft?

    „Du wirst jetzt lachen…“

    Das gibt es wirklich, und du wirst jetzt lachen: das sind die Urinproben. Aber wenn ich am Vormittag zu meinem Termin gehe, war ich natürlich auch schon mal pinkeln, und in der Praxis kann ich dann nicht mehr. Am meisten tun mir die Leute leid, die erst am Nachmittag ihren Termin haben. Die müssen ja völlig hungrig sein! Wir sollen nämlich fünf-sechs Stunden vorher nichts gegessen haben.

    Ein anderer Studienteilnehmer hat mir berichtet, dass es ihm unangenehm sei, bei den Kontrollen manchmal auch von Ärztinnen detailliert zu seinem Sexleben befragt zu werden.

    Damit habe ich kein Problem. Diese Ärztinnen sind ja erfahren, und es wird nichts geben, was sie noch überraschen könnte (lacht). Ich finde, jemand, der viel Sex hat, sollte nicht so verklemmt sein, wenn er zweimal im Jahr der Gesundheit zuliebe sich von einem Arzt den Hintern anschauen lassen muss.

    Es gab lediglich eine Situation, die mir etwas seltsam vorkam, nämlich als eine Ärztin bei mir einen Analabstrich machte. Sie hat mich dann gefragt, ob ich das künftig selbst mache möchte. Sie haben mir gezeigt wie es funktioniert, und das ist nun auch wirklich keine Kunst.

    „Mit solch heftigen Kommentaren hatte ich nicht gerechnet“

    Nach der Veröffentlichung unseres ersten Gesprächs hat es auf Facebook doch einige recht erhitzte Kommentare dazu gegeben. Wie hast du das selbst wahrgenommen?

    Ich war darauf gefasst, dass es negative Kommentare von Leuten geben würde, die der PrEP grundsätzlich kritisch oder ablehnend gegenüberstehen. Dass sie aber zum Teil so heftig ausfallen würden, damit hatte ich nicht gerechnet.

    Ich war deshalb froh, dass sich auch Leute in die Diskussion eingemischt und meine Position unterstützt haben. Ich habe dann aber auch versucht, das Interview mal mit Abstand zu betrachten, und war mir unsicher, ob der eine oder andere Satz als niedergeschriebenes Interview vielleicht naiv oder unverantwortlich wirken könnte, obwohl das so nicht gemeint war. Mir war aber bei unserem Gespräch wichtig, so ehrlich und klar wie möglich zu antworten.

    Insbesondere bei den sehr kritischen Kommentatoren fand ich auffallend, dass denen oft selbst zentrale Informationen über die PrEP fehlen.

    „Insbesondere bei den sehr kritischen Kommentatoren fand ich auffallend, dass denen oft selbst zentrale Informationen über die PrEP fehlen.“

    Und ich habe den Eindruck, dass einige Männer deshalb so emotional und wütend reagieren, weil sie – vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein – insgeheim neidisch und verärgert sind, dass es die Möglichkeiten der PrEP noch nicht gab, als sie selbst jung waren. Da kommt man deshalb in der Diskussion mit sachlichen Argumenten und Informationen auch nicht viel weiter.

    Ärgert dich das?

    Ich kann dieses Verhalten sogar ein Stück weit nachvollziehen. Es fällt einem nun mal mit zunehmendem Alter schwerer, neue Entwicklungen mitzumachen oder zu akzeptieren, vor allem, wenn sie Dinge in Frage stellen oder verändern, die bislang ein fester, grundsätzlicher Bestandteil des eigenen Lebens waren.

    Das gilt nicht nur den für medizinischen Fortschritt wie jetzt bei der PrEP, sondern beispielsweise auch für technische Innovationen, die man nicht beherrscht und man deshalb belächelt oder als unnötig ablehnt. Das stelle ich bei mir selbst ja auch schon fest. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wie die Jugendlichen heute so viel Zeit mit Instagram verbringen können. Für mich ist das völliger Blödsinn. Für die ist das ein wichtiges soziale Medium.

    Es ist also auf gewisse Weise völlig normal, dass wir die festen Koordinaten des eigenen Lebens verteidigen. Dazu gehört für viele schwule Männer eben auch das eingeübte Verständnis von Safer Sex als Sex mit Kondom.

    Das ändert aber nichts daran, dass die jüngere Generation, so wie ich, neue Entwicklungen wie die PrEP für sich als ganz selbstverständliche Form von Safer Sex annehmen werden.

    Und nur weil ich oder andere den Vorteil des Fortschritts in der pharmazeutischen Industrie in Anspruch nehmen wollen, der es uns ermöglicht, den Sex intensiver – also ohne Kondom und ohne HIV-Risiko – zu erleben, macht uns deshalb nicht zu unverantwortlichen Menschen. Die Einnahme der PrEP beweist genau das Gegenteil.

    Das erste Interview mit Milan zu seinen Erfahrungen mit der PrEP und als Teilnehmer der DISCOVER-Studie erschien im August 2017: „Die PrEP ist nur ein Werkzeug, und man muss lernen, damit umzugehen“

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  • Kondome sind heute out? Unsinn! (Enrico)

    Kondome sind heute out? Unsinn! (Enrico)

    Safer Sex 3.0: Kondome sind wohl die bekannteste Safer Sex-Methode, um sich vor HIV zu schützen. Viele schwule Männer setzen auch heute erfolgreich auf das Gummi. Einer von ihnen ist Enrico, 36, aus Leipzig. Hier erzählt er, wie er mit dem Thema Safer Sex umgeht und weshalb er nach wie vor am liebsten auf das Kondom zurückgreift.

    Im Rahmen von „Safer Sex 3.0“ erzählen im IWWIT-Blog verschiedene schwule Männer, wie sie sich vor HIV schützen, ob mit Kondom, PrEP oder Schutz durch Therapie. Wir bestärken jeden, der sich vor HIV schützen möchte, sich die für ihn beste Safer Sex-Methode zu wählen.

    „Meinen ersten schwulen Sex hatte ich mit 17. Meinen Freund hatte ich damals über eine Chiffreanzeige kennengelernt und wir haben uns überhaupt keine Gedanken über Safer Sex gemacht. Von HIV und den Infektionsrisiken hatte ich erst etwas mitbekommen, als ich ein paar Monate später aus der Provinz nach Erfurt gezogen bin. Mit meinem damaligen Freund habe ich dann auch einen HIV-Test gemacht. Wir waren beide negativ und beschlossen, in der Beziehung auf Kondome zu verzichten. Wir waren jung, blind vor Liebe und glaubten an die absolute Treue. Abgesehen davon kannten wir auch niemanden, der HIV-positiv war.

    Treue als Schutz? Enrico sieht das heute anders

    Das Virus war damals eine völlig abstrakte Gefahr. Die Beziehung ging ein knappes Jahr und ich musste am Ende dann feststellen, dass mein Partner mich betrogen und er sich diverse Geschlechtskrankheiten eingefangen hatte. Das hat mich ziemlich durcheinandergerüttelt, denn das naive Vertrauen, das einem in einer Partnerschaft nichts passieren kann, war erschüttert.

    „Beim Autofahren lege ich den Sicherheitsgurt an, ohne groß nachzudenken. Genauso ist es bei mir mit dem Kondom.“

    Für mich war damit klar, dass ich nunmehr immer Kondome benutze. Für mich gehören Kondome deshalb seitdem zum Sex einfach dazu. Ich bin, wenn man so will, damit groß geworden und habe das so verinnerlicht. Das ist wie beim Autofahren. Man legt den Sicherheitsgurt an, ohne noch groß darüber nachzudenken. Man macht es einfach.

    ln der Beziehung: Ohne Kondom ein schöneres Gefühl

    Die Ausnahme ist meine Beziehung. Ich bin seit fünf Jahren wieder in einer Partnerschaft und da lassen wir das Kondom tatsächlich weg. Man hört ja immer wieder, dass Sex ohne Kondom wie ein Befreiungsschlag sei und man ohne ganz anders empfindet. Innerhalb der Partnerschaft beschert der Sex ohne Kondom tatsächlich ein intensiveres Gefühl von Nähe – allerdings weniger auf der körperlichen denn auf der seelischen Ebene.

    Wenn wir uns jemanden dazu holen oder wir außerhalb der Beziehung mit anderen Sex haben, sind Kondome aber für uns selbstverständlich. Ich habe immer Kondome zuhause und griffbereit, und wenn sie benötigt werden, sind das ein, zwei geübte Handbewegungen. Dadurch gibt es auch keine unangenehme Unterbrechung und die sexuelle Spannung und Atmosphäre wird deshalb in diesem Moment auch nicht gestört. Im Zweifelsfalle muss mein passiver Partner, der dann vielleicht schon ganz entspannt vor mir liegt, gar nicht mitbekommen, wie ich mir das Gummi überziehe. Dass wir eines benutzen, kläre ich ohnehin immer schon im Vorfeld. Man muss also gar nicht mehr groß darüber reden.

    Die beste Form des Safer Sex für mich

    „Für mich spricht viel für das Kondom. Z.B. senke ich so auch mein Risiko mich mit anderen Geschlechtskrankheiten anzustecken.“

    Für mich persönlich sind Kondome die beste Form des Safer Sex: Sie sind einfach zu handhaben, sie sind immer und überall verfügbar und sie haben keine Nebenwirkungen – außer man hat eine Latexallergie. Und selbst da gibt es inzwischen latexfreie Alternativen. Für mich sind aber auch noch zwei andere Dinge von Bedeutung: Ich kann genau sehen, wie ich mich schütze. Wenn ich mit jemanden Sex habe, der HIV-positiv, aber nicht mehr infektiös ist, muss ich ihm vertrauen, um das Gummi weglassen zu können. Zum anderen senkt das Kondom auch das Risiko sich andere sexuell übertragbare Krankheiten einzufangen.

    „Und trotzdem: Ein regelmäßige Checks gehören für mich dazu.“

    Und gleichzeitig weiß ich, dass ich mir natürlich auch durch Oralverkehr beispielsweise einen Tripper einfangen kann. Deshalb lasse ich mich auch regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen. Auf HIV sowieso. Das gehört für mich einfach dazu.

    Für Enrico, 36, ist das Kondom nicht out. Ganz im Gegenteil.

    Und die PrEP? Für Enrico eher nichts

    „Die PrEP wäre mir zu aufwendig!“

    Eine PrEP zum Beispiel senkt das Risiko, andere Geschlechtskrankheiten zu bekommen, nicht. Aber sie kommt für mich auch aus anderen Gründen nicht in Frage: Die Medikamente zu beschaffen, die Arzttermine und Blutkontrollen, die notwendig sind, ganz abgesehen vom Kostenfaktor – das ist mir alles zu aufwendig.

    Klar gibt es in der Szene inzwischen immer mehr PrEP-User. Mir ist aber noch nie passiert, dass ein Sexdate geplatzt wäre, weil ich so „konservativ“ bin und auf Kondome bestehe – und nicht selbst auch die PrEP nehme. Im Gegenteil, ich bekomme häufig ein eher positives Feedback und die Leute finden es gut, dass ich mir Gedanken zu Safer Sex gemacht habe und mich bewusst schützen möchte.“

    Mehr Infos gibt’s auf neu.iwwit.de/!

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  • PrEP-Start: Von Null auf Hundert in drei Wochen!

    PrEP-Start: Von Null auf Hundert in drei Wochen!

    Der PrEP-Start unter der Lupe: Was gehört dazu? Und wie lange dauert das?

    Du hast Dich entschieden die PrEP zu nehmen? Und am liebsten würdest Du jetzt sofort damit beginnen? Nun ja, eine PrEP bekommst Du nicht einfach an jeder Ecke. Was genau alles zum PrEP-Start dazu gehört und vor allem, wie lange es von der Entscheidung für die PrEP bis zur ersten Tabletteneinnahme dauern kann – dazu haben wir uns unter Prepstern, bei Ärzten, einem Checkpoint und einem Apotheker umgehört. Außerdem geben wir Dir Tipps, woran man denken muss, bis man mit der PrEP beginnen kann.

    Etwas Geduld ist beim PrEP – Start gefragt. Wir sagen Dir worauf Du achten kannst und wie lange es dauert.

    Was sagen die PrEPster?

    Volker

    Volker kommt aus Berlin. Er ist 45 Jahre alt und nimmt seit April dieses Jahres die PrEP. Die Entscheidung ist langsam ihn ihm gereift. Er hat in der Szene zum ersten Mal von PrEP gehört. „Ich habe dann einen Info-Abend mit der Berliner AIDS-Hilfe besucht und auf eigene Faust noch etwas recherchiert“, beschreibt er sein Vorgehen. Er ist zu seinem Hausarzt in Berlin gegangen, der ihn auch sonst betreut. „Mit ihm habe ich noch einmal gesprochen“, erzählt er. Das ausführliche Beratungsgespräch bestärkte Volker darin, mit der PrEP zu beginnen. Auf den Termin hat er eine Woche gewartet. Es folgten die für PrEP vorgeschriebenen bzw. empfohlenen Tests: HIV, Hepatitis B sowie die sexuell übertragbaren Infektionen, wie Syphilis, Chlamydien und Gonorrhö. Nachdem nach ein paar Tagen alle Ergebnisse vorlagen, bekam er sein erstes Rezept für die Blister-PrEP und ging damit zur Apotheke. Nach weiteren zwei Tagen war es dann soweit. Volker hielt seinen ersten Blister mit 28 PrEP-Tabletten in den Händen. „Alles in allem hat es bei mir 10 Tage gedauert, bis ich mit der PrEP starten konnte“, resümiert er.

    Marc

    Marc ist 47 Jahre alt und kommt aus Göttingen in Niedersachsen. Der größte Unterschied zu Volker, der in Berlin zwischen mehreren Praxen und Apotheken auswählen kann, ist der, das Marc in Göttingen diese Auswahl nicht hat. „Ein einziger Arzt in Göttingen, der sich sonst schwerpunktmäßig um Patient_innen mit HIV kümmert, übernimmt die Betreuung der PrEPster in und um Göttingen“, so Marc. Trotz dieser etwas schwierigeren Ausgangslange hat auch Marc hier nur eine Woche auf seinen ersten Termin gewartet. Und auch die Zeit, bis die Testergebnisse vorlagen und er sein erstes Rezept bekam, lag bei ihm ungefähr bei 10 Tagen. Marc hat in Göttingen keine Apotheke, die ihm die Blister-PrEP besorgen kann. Marc hat daher nur die Möglichkeit, ein teureres Produkt eines anderen Herstellers zu wählen. Der Vorteil bei dieser Variante: Das Produkt ist sofort verfügbar. Insgesamt hat es für Marc also etwa zweieinhalb Wochen gedauert.

    Damit eine Apotheke die Blister-PrEP anbieten kann, muss die Apotheke am Blister-Pilotprojekt teilnehmen. Momentan sind das gut 65 Apotheken in Deutschland, die auch Mitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft der HIV kompetenten Apotheken sind. Außerdem müssen die Mitarbeiter_innen der Apotheke zusätzlich geschult werden.

    Marcel

    Marcel musste den größten Aufwand betreiben. Er ist 35 und kommt aus Karlsruhe in Baden- Württemberg. „Kein Arzt weit und breit betreut hier PrEPster“, berichtet Marcel. Dafür hätte er entweder nach Stuttgart oder Mannheim fahren müssen. Zuviel Aufwand. Marcel hat schließlich seinen Hausarzt angesprochen. „Ich habe ihn mit Infos regelrecht zugespamt“, beschreibt er sein Vorgehen. „Aber mein Doc hat toll reagiert und war bereit, sich in das für ihn ungewohnte Themengebiet einzuarbeiten.“ Sein Arzt hat sich schlau gemacht und Marcel war nach 48 Stunden wieder bei ihm. So kann Marcel seit diesem Frühjahr die PrEP nehmen. Und auch die alle 3 Monate vorgeschriebenen PrEP-Checks übernimmt der Hausarzt. Wenn man die Woche rausrechnet die Marcel gebraucht hat, um einen Arzt zu finden, dauerte es vom ersten Check bis zur Einnahme der ersten Pille auch zwei Wochen.

    Erste Station: Die Ärzte

    Dr. Kümmerle (Köln)

    „Wir planen für ein erstes Gespräch auch eine halbe Stunde ein.“

    Der Ebertplatz im Zentrum von Köln. Hier betreibt Dr. Tim Kümmerle mit sechs Kolleg_innen eine Gemeinschaftspraxis. „Insgesamt kommen pro Quartal 150 Patienten, die die PrEP nehmen, zu uns“, sagt Kümmerle. Wer einen Termin für eine Erstberatung braucht, wartet zwischen zwei und drei Wochen. „Wir planen für ein erstes Gespräch auch eine halbe Stunde ein. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass das realistisch ist.“ Kümmerle erzählt, dass die Männer, die PrEP nehmen wollen, schon recht gut informiert sind, aber im Gespräch doch noch die ein oder andere Frage auftaucht.
    Nachdem Gespräch folgen die üblichen Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen. Von seinem Labor hat Dr. Kümmerle die Ergebnisse meist nach drei Tagen. Erst drei Mal in den vergangenen zwei Jahren konnte einem Patienten die PrEP nicht verschrieben werden. „Beim ersten Check stellte sich heraus, dass zwei schon HIV-positiv sind und ein dritter eine akute Hepatitis hatte“, nennt Kümmerle als Gründe. Seine Patienten sieht der Kölner Arzt regelmäßig, denn alle drei Monate steht der routinemäßige PrEP-Check an. Wenn alles okay ist, gibt es das Rezept für die nächsten drei Monate.

    „Wir planen für ein erstes Gespräch auch eine halbe Stunde ein. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass das realistisch ist.“

    Dr. Kümmerle (Köln)

    Eine Wartezeit von zwei bis drei Wochen für einen Termin zur PrEP-Erstberatung ist auch in der Praxis von Dr. Roger Vogelmann in Mannheim der Standard. In der Stadt gibt es zwei weitere Praxen, die PrEPster begleiten. Dr. Vogelmann teilt die Beobachtung von seinem Kölner Kollegen, was den Informationsstand und den Beratungsbedarf seiner Patienten angeht.

    Dr. Vogelmann (Mannheim)

    Dr. Vogelmann kooperiert bei der PrEP mit einem Checkpoint.

    Der größte Unterschied zu seinen Kollegen in Köln ist der, dass Dr. Vogelmann mit einem Checkpoint kooperiert. „Aus Kapazitätsgründen und weil es für die PrEPster günstiger ist, empfehlen wir unseren Patienten, die vorgeschriebenen Checks dort zu erledigen. Lediglich den Kreatininwert, der Auskunft über den Zustand der Niere gibt, bestimmen wir hier in der Praxis. Das kann der Checkpoint im Moment noch nicht leisten“, erläuterte er. Das ist deshalb so wichtig, weil die Wirkstoffe, die in der PrEP enthalten sind, in einigen wenigen Fällen die Nieren zu stark belasten können. Fälle, in denen er die PrEP nicht verschreiben konnte, gab es bisher in seiner Praxis nicht.

    Tipp: Auf iwwit.de findest Du zwei verlinkte Listen von Ärzten in Deutschland, die Dich zur PrEP beraten und diese verschreiben können.
    Damit Ärzte die PrEP verschreiben können, müssen Ihnen die behördlichen Schulungsmaterialien zum PrEP-Wirkstoff vorliegen.

    Zweite Station: Der Checkpoint

    Die Max-Josef-Straße in der Mannheimer Neckarstadt zählt zu den schönsten Straßen Mannheims. Alte herrschaftliche Häuser und viele Bäume. Hier hat KOSI.MA seinen Sitz, das Kompetenzzentrum zu sexuell übertragbaren Infektionen in Mannheim. Jeden zweiten Donnerstag und neuerdings jeden vierten Mittwoch im Monat können sich hier Menschen auf HIV und STI testen lassen und werden umfänglich zu allen Fragen rund um Safer Sex und sexueller Gesundheit beraten.

    Wie bei allen Beratungen, die im Checkpoint von KOSI.MA angeboten werden, ist auch die Beratung zur PrEP anonym.

    „Seit Anfang des Jahres bieten wir zusätzlich den PrEP-Check an. Wir arbeiten mit dem, von der Hamburger Beratungsstelle Hein und Fiete entwickelten PrEP-Checkheft. Das blaue Heft wurde nach Absprachen mit Hamburg, in Baden-Württemberg im Arbeitskreis Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), für unser Bundesland neu aufgelegt“, berichtet Marc Fischer, Leiter des Checkpoints von KOSI.MA. Wie bei allen Beratungen, die hier angeboten werden, ist auch die Beratung zur PrEP anonym. „Wir arbeiten deshalb mit dem RKI-Code, einer Kombination aus Zahlen und Buchstaben des Vor- und Nachnamen“, erklärt Marc das Verfahren. Die Ergebnisse aus dem Labor werden dann von ihm und seinem Team direkt an die behandelnden Ärzte weitergeleitet. Dieses Verfahren hat sich bewährt.

    Dritte Station: Der Apotheker

    Ralf Busch ist Apotheker in Mannheim. Er darf, neben einer zweiten Apotheke in der Stadt, die PrEP auch in Blistern abgeben. Das liegt, wie oben beschrieben, daran, dass er als Mitglied der DAHKA am Blister-Programm teilnimmt. Insgesamt 60 PrEPster kommen regelmäßig zu ihm. Davon kaufen die allermeisten die Blister-PrEP.
    Bei der Blister-PrEP sind die Tabletten in kleine Einmaltüten (sogenannte Blister) eingeschweißt. Die Blister-PrEP ist mit rund 40 Euro günstiger als Produkte anderer Hersteller. Diese sind jedoch im Gegensatz zur Blister-PrEP sofort verfügbar. Wenn keine Wochenenden oder Feiertage die Bestellung hinauszögern, haben seine Kunden ihre Blister-PrEP innerhalb von zwei Tagen. Ein großer Beratungsaufwand entsteht für ihn und sein Team meist nicht. „Die Jungs sind alle gut informiert“, beschreibt Busch seinen Eindruck. „Wenn es Fragen gibt, beziehen die sich meist auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die zusätzlich eingenommen werden.“

    Die Blister-PrEP

    PrEP: Ein Ausblick zum Schluss

    Im Herbst 2017 konnte dank des Engagements eines Kölner Apothekers, die PrEP erstmals relativ bezahlbar und gleichzeitig legal vielen Menschen zugänglich gemacht werden. Ein Jahr danach ist vieles sicher noch nicht optimal. In manchen Städten ist die günstigere Blister-PrEP noch nicht in den Apotheken verfügbar. Oder es gibt keine Ärzte, die die Versorgung übernehmen können. Auch die Kosten, die jeder bei einem Arztbesuch für den PrEP-Check selbst tragen muss, variieren: Je nach Praxis können sie zwischen 30 bis 75 € liegen. Und sicherlich warten manche auch länger als drei Wochen auf einen Termin für die PrEP-Erstberatung. Aber insbesondere in größeren Städten sind PrEPster in Deutschland recht gut versorgt.

    Unsere Tipps, damit es auch für EUCH reibungslos verläuft:

    • Denkt daran, zwischen dem ersten Anruf beim Arzt, um einen PrEP-Termin auszumachen und dem Tag, bis ihr die PrEP-Tabletten in Händen haltet dauert es im Schnitt zwei bis drei Wochen.
    • Informiert Euch, welche Ärzte Euch betreuen können und welche Kosten damit verbunden sind! Mehr dazu auf iwwit.de
    • Wichtig ist dabei natürlich, dass Ihr vor dem HIV-Test beim Arzt 6 Wochen lang keine Risikosituation gehabt haben dürft. Stichwort „diagnostisches Fenster“ von HIV-Tests.
      Alle Infos zu allen Checks vor und während der PrEP gibt’s ebenfalls auf iwwit.de.
    • Wenn Ihr Euren ersten Termin beim Arzt hinter Euch habt, macht gleich beim Gehen den Termin für den nächsten PrEP-Check aus, dann verhindert Ihr längere Wartezeiten!
    • Kalkuliert ungefähr zwei Tage für die Bestellung Eurer Tabletten ein – wenn Ihr Euch für die Blister-PrEP entscheidet.
    • Behaltet Euren Vorrat im Blick – rechtzeitig Folgerezept besorgen und zur Apotheke bringen!
    • Habt Spaß beim Sex! 😉

    Anmerkung der Redaktion: Die Überschrift dieses Artikels behauptet ausdrücklich nicht, dass es bei der Safer Sex-Methode PrEP einen 100prozentigen Schutz vor HIV gibt. Gleiches gilt natürlich auch für die anderen beiden Safer Sex-Methoden Kondom und Schutz durch Therapie. Deshalb gehören regelmäßige Checks auf HIV und auch andere STI für alle dazu. Mehr zum Test auf iwwit.de