Schlagwort: HIV

  • Schwul. Bipolar. HIV-Positiv. Ein Interview mit Torsten Poggenpohl

    Schwul. Bipolar. HIV-Positiv. Ein Interview mit Torsten Poggenpohl

    Illustration: Otávio Santiago, otaviosantiago.com

     

    Innerhalb kurzer Zeit musste Torsten Poggenpohl gleich zwei lebensverändernde Diagnosen verkraften. Er ist HIV-positiv und die Infektion bereits weit fortgeschritten. Und es wird bei ihm eine bipolare Störung festgestellt. Wie er lernte, mit dieser psychischen Erkrankung umzugehen und wie er sein aus den Fugen geratenes Leben wieder in den Griff bekam, erzählt Torsten Poggenpohl im Interview.

    Wann ist dir bewusst geworden, dass deine psychische Verfassung nicht mit temporären Stimmungsschwankungen zu erklären ist, sondern tiefere Ursachen hat?

    Torsten: Ich habe es eigentlich erst realisiert, als ich bereits in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie in Stuttgart war. Meinem näheren Umfeld war das bereits viel früher aufgefallen, aber ich habe entsprechende Hinweise von mir gewiesen.

    Ich glaube, der schwierigste Moment bei einer psychischen Erkrankung ist die Erlangung der Introspektion – also die Fähigkeit zu erkennen, dass man krank ist und Hilfe benötigt. Der wohl wichtigste Moment und dieser Prozess innerhalb der Erkrankung hat bei mir etwas gedauert.

    Mein persönlicher Wendepunkt war die Lektüre von Sebastian Schlössers Buch „Lieber Matz, Dein Papa hat ’ne Meise“, in dem ich mich komplett wiedererkannte. Da war ich bereits in der Psychiatrie. Ich wusste: Das, was der hat, das habe ich auch. Erst danach wurde mir bewusst, in welcher Lage ich mich eigentlich befand und wie viel verbrannte Erde ich hinterlassen habe.

    Wie sah dein Leben in diesem Moment aus?

    Ich war von heute auf morgen aus einem gutbürgerlichen Leben an den Abgrund der Gesellschaft katapultiert. Ich hatte mein bisheriges Leben komplett zerlegt und in einer manischen Phase irrsinnig viel Geld ausgegeben.

    Wie war es dazu gekommen?

    Ich hatte als Gebietsverkaufsleiter für eine Luxusduftfirma gearbeitet, war sehr erfolgreich und für millionenschwere Umsätze verantwortlich. Zeitweilig habe ich dann noch einen weiteren Arbeitsbereich von einer Kollegin übernommen und deshalb oft 80 Stunden in der Woche gearbeitet. Damit war meine psychische Stresskante überschritten, aber das ahnte ich damals nicht. Es hatte aber wohl zur Folge, dass dadurch meine genetisch bedingte bipolare Störung ausbrauch.

    In meiner Manie wollte ich einen exklusiven Nachtclub eröffnen. Ein größenwahnsinniges Projekt, das ich ganz groß aufziehen wollte. Nicht nur dafür, sondern auch für mein sonstiges rastloses Leben verschuldete ich mich maßlos.

    Gab es niemanden in deinem Umfeld, der*die versuchte, dich zu bremsen?

    Für eine*n Maniker*in ist typisch, dass er*sie sich immer absolut im Recht findet und alle guten Ratschläge abschmettert. Ich war vorher schon einmal schwerst manisch für eine Woche in Hamburg in die Psychiatrie eingewiesen worden, war dort aber überhaupt nicht zu belehren. Ich wollte nicht wahrhaben, was mit mir los ist. Für die Menschen um mich herum war ich in dieser Verfassung kaum aufzuhalten.

    Mitten in dieser manischen Phase erhieltst du deine HIV-Diagnose. Warum hast du dich damals testen lassen?

    Für meine Kredite musste ich eine Lebensversicherung abschließen und dafür wiederum auch einen HIV-Test vorlegen. Dass der positiv ausfallen könnte, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Schlimmer aber war, dass meine Helferzellen-Zahl bereits auf 16 gefallen und mein Immunsystem also bereits gefährlich geschwächt war und ich sofort behandelt werden musste. Es ging tatsächlich ums blanke Überleben. Ich wurde deshalb krankgeschrieben. Mein Arbeitgeber hat mir dann im Krankenstand außerordentlich fristlos gekündigt, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich hatte also auch meine Arbeit und damit mein Einkommen verloren.

    Ich war zum Glück rechtsschutzversichert und trotz der psychischen Ausnahmesituation in der Lage eine Kündigungsschutzklage einzureichen. Mit der außerordentlichen fristlosen Kündigung hatte der Arbeitgeber deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er keinerlei Interesse hat, auch nur einen Tag noch mit mir zusammenzuarbeiten, es also keine Wiedereinstellung geben könnte.

    Du warst also innerhalb kürzester Zeit sowohl psychisch wie körperlich in eine lebensbedrohliche Situation geraten, zugleich war dir die existentielle Grundlage entzogen. Du hattest einen Schuldenberg angehäuft, und dadurch auch viele nahestehende Menschen enttäuscht. Wie hast du das alles verkraftet?

    Ich befand mich in dieser Zeit in einem manischen Zustand und war entsprechend rast- und haltlos. Für Außenstehende ist das nur schwer nachzuvollziehen. Zum Glück bin ich ein dem Leben zugewandter, pragmatischer Optimist. Das hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet. Denn diese Manie hat mich eingesogen und erst Monate später wieder ausgespuckt, sodass – Gott sei Dank – gar kein Platz war für Trübsinn, Schwermut oder irgendwelche schlimmen Fantasien.

    Hast du die Erkenntnis, dass du an einer biopolaren Störung leidest, als befreiend oder eher als erschreckend und verstörend empfunden?

    Es war in der Tat eine Art Befreiung. Ab diesem Moment wurde alles so viel leichter. Ich hatte mich regelrecht zu einem Musterpatienten mit sehr viel Selbstdisziplin entwickelt, denn ich möchte nie wieder einen Rückfall erleiden. Und ich weiß, dass dies auch in meiner Hand liegt. Ich habe beispielsweise ab diesem Tag keinen Tropfen Alkohol mehr konsumiert, weil der sich nicht mit meinen stimmungsstabilisierenden Medikamenten verträgt und die bipolare Störung triggern kann.

    Und wie hast du deine HIV-Infektion verkraftet? Das Testergebnis fiel ja mitten in eine manische, also euphorische Phase.

    Ich gehöre zur Generation Safer Sex. Das heißt, ich war gut über HIV aufgeklärt und habe auch immer Kondome benutzt. Allerdings hatte ich in meinem Leben auch zwei Risikokontakte. Einmal ist beim Sex mit meinem ersten Freund, der nicht ganz ehrlich war, ein Kondom geplatzt. Beim anderen Mal hatte ich Sex mit jemandem, der mir sehr viel bedeutete und dem ich deshalb auch sehr vertraut habe. In einer Situation habe ich deshalb nicht auf Safer Sex geachtet. Obwohl ich sonst ein sehr rationaler Mensch bin, ich habe es geschafft, diese beiden Ereignisse völlig auszublenden und hatte nie aus eigenem Antrieb einen Test gemacht. Bis ich ihn für die Lebensversicherung machen musste.

    Ich habe die Diagnose dennoch sehr ernst genommen, wenn auch nicht todernst. Ich war nie hoffnungslos, dafür bin ich ein zu lebensbejahender Mensch. Allerdings hatte ich anfangs enorme Schwierigkeiten bei der Behandlung. Wie sich später herausstellte, triggerten meine Medikamente die psychische Erkrankung und feuerten diesen Karneval der Synapsen in einem Kopf erst richtig an. Zeitweilig wurde mir deshalb empfohlen, meine HIV-Medikamente wieder abzusetzen. Dabei waren meine Helferzellen gerade erst ein wenig gestiegen

    Für Außenstehende ist es kaum möglich, sich in deine damalige Lage hinein zu fühlen: Du warst körperlich und seelisch schwer erkrankt, finanziell und beruflich ruiniert und kein Licht am Horizont. Was hat dich da gerade gestützt? Also was hatte dich da im wahrsten Sinne des Wortes am Leben erhalten?

    Eine bipolare Störung ist, wie viele andere psychische Erkrankungen auch, ein Marathonlauf. Doch bevor man überhaupt loslaufen kann, muss man erst einmal wissen, in welche Richtung es gehen muss. Das ist ein anstrengender Prozess der Selbsterkenntnis und Selbstreflexion. Ich hatte das unglaubliche Glück, dass ich dabei von vielen Menschen in meinem Umfeld unterstützt wurde. Menschen, die mich, bei einem Staffellauf, etappenweise supportet haben. Wenn eine*r von ihnen erschöpft war, hat er*sie den Stab weitergereicht.

    Weshalb war es so wichtig, dass sich diese Aufgabe verschiedene Menschen teilten?

    In einer Manie kann man zu einem echten Kotzbrocken werden. Viele Menschen, die an einer biopolaren Störung oder anderen schweren psychischen Erkrankungen leiden, lassen deshalb oft viel verbrannte Erde zurück, sodass dadurch auch Freund*innenschaften zerbrechen. Wenn mich also etwas gerettet hat, ist es das unglaubliche Netzwerk um mich herum. Es hat mich in allen Phasen der Krankheit gestützt.

    Bei einer bipolaren Störung bewegt sich der Zustand ja in zwei Extremen hin und her. An dem einen Extrem ist die Manie, an der anderen tiefste Depression. In diesem Zustand war sogar mein Sprachzentrum davon betroffen und ich habe einfach nicht mehr gesprochen. Deshalb haben mich Freund*innen immer zu zweit in der Klinik besucht, damit sie sich wenigstens untereinander unterhalten konnten.

    Ich habe wirklich schwarze Zeiten durchgemacht, aber seit mittlerweile über zehn Jahren sind meine Medikamente so gut eingestellt, dass ich diese Stimmungsschwankungen gar nicht mehr habe.

    Nun sind ja sowohl psychische Erkrankungen und HIV, aber auch Homosexualität in Teilen der Gesellschaft immer noch mit Stigmatisierung und Ängsten verschiedenster Art verbunden. War es für dich ein Problem, gleich mehrere Coming-outs durchleben zu müssen?

    Mein schwules Coming-out war alles andere als einfach. Ich bin in einer kleinen Stadt bei Osnabrück aufgewachsen und dort auf ein christliches Privatgymnasium gegangen. Dort hätte ich mich nie outen können. Ich habe das daher erst mit 22 während des Studiums getan, allerdings nur bei Schulfreund*innen und erst einige Zeit später bei meinen Eltern. Deren Reaktionen waren dann leider nicht so schön und es hat unser Verhältnis über viele Jahre belastet. Witziger Weise haben sie aber bei den beiden Erkrankungen ganz anders reagiert. Da hatten sie nur noch Angst, dass ihr Kind sterben könnte.

    Anders als bei meinem Schwulsein, bin ich mit den Erkrankungen von Anfang an sehr offen und proaktiv umgegangen, beispielsweise auch in meinem Arbeitsumfeld. Ich habe gar nicht zugelassen, dass man mich stigmatisiert. Meine Erfahrung ist: Wenn man offen über die HIV-Infektion oder die psychische Erkrankung spricht, nimmt man dem*der möglichen Gegner*in den Wind direkt aus den Segeln. Ich weiß, dass dies nicht jede*r kann. Da ich immer schon ein eher extrovertierter Mensch war, fällt es mir sicherlich leichter als manch anderen. Ich habe es gewissermaßen der ganzen Welt auf die Nase gebunden. Das hatte sicherlich auch mit meiner Manie zu tun. Wenn eine solche Nachricht aber erst einmal draußen ist, kann man auch nicht mehr einfangen.

    Wie bist du selbst mit deiner HIV-Infektion umgegangen?

    Ich kam damit recht gut klar. Bis zu meinem ersten ernstzunehmenden Date nach meiner Diagnose. Wir hatten ganz romantische Wochen zusammen, mit Rumknutschen, zusammen im Park sitzen und Abenden im Restaurant. Dann traute ich mich endlich, ihm zu erklären, dass ich positiv, aber auch gut therapiert bin. Er war sehr verwirrt und ich war überrascht, wie wenig er über HIV und die Behandlungsmöglichkeiten informiert war. Ich habe mein Bestes gegeben, um ihn aufzuklären und ihm seine irrationale Angst zu nehmen – allerdings ohne Erfolg. Sein Bruder, der ein Foto von mir gesehen hatte, warnte ihn vor mir, weil ich angeblich krank aussähe. Ich war danach fix und fertig, und mein Selbstwert war völlig am Boden. Dann hatte ich durch Zufall von den Positiven Begegnungen erfahren.

    Du bist also zu dieser bundesweiten Konferenz von und mit Menschen mit HIV gefahren?

    Es war für mich einfach sensationell, dort 400 Leute zu erleben, die alle HIV-positiv sind und damit ganz selbstverständlich umgehen konnten. Diese Erfahrung hatte meine eigene Haltung völlig verändert. Fortan hatte ich mir eine Art Schutzschild angezogen und die Dummheit der Menschen, was HIV angeht, schlicht abprallen lassen. Ich weiß, dass ich die Menschen nicht unbedingt ändern kann, aber ich kann meinen Umgang ändern. Wenn ich jemanden neu kennen lerne, erzähle ich gleich zu Beginn von meinen Erkrankungen. Entweder jemand kann damit umgehen und möchte dazulernen – oder eben nicht. Dann aber möge er*sie bitte mein Leben direkt verlassen. Denn meine Zeit auf diesem Planeten ist endlich und ich verbringe sie mit jenen Leuten, die es wert sind, und nicht mit solchen, die nicht mit meinen Grunderkrankungen umgehen können.

    Was hat dir nach der Zeit in den Kliniken geholfen, wieder zurück ins Leben zu finden?

    Neben meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Patient*innen-Café, welche mir die nötige Tagesstruktur verlieh, gründete ich nach meiner Entlassung aus der Psychiatrie auf privater Ebene einen Stammtisch. Dort konnten wir in ganz unbefangenen und lockeren Kreis über unsere Erfahrungen in der Klinik und über unsere Zeit danach sprechen. Wenn uns jemand Außenstehendes beobachtet hätte, wäre der*die nie daraufgekommen, dass diese lustige muntere Runde sich am Tiefpunkt ihres Lebens in der Psychiatrie kennengelernt hat.

    Das wäre mit Menschen aus deinem Familien- oder Freund*innenkreis nicht möglich gewesen?

    Nicht auf diese Weise. Denn zum einen möchte man im Alltagsleben ja wieder als genesen und leistungsfähig gelten. Zum anderen konnten wir uns in diesem ganz speziellen Kontext über unsere speziellen Erfahrungen auf Augenhöhe austauschen, etwa wie ein bestimmtes Medikament wirkt oder wie wir mit Schlafproblemen umgehen.

    Du hast deine Erfahrungen in deinem Buch „einfach!ch schwul.bipolar.positiv.“ festgehalten und kommst bei den Lesungen mit den Besucher*innen ins Gespräch. Wie geht deinem Eindruck nach die schwule Community mit seelischen Erkrankungen um? Wie groß ist das Bewusstsein in der Szene, wie offen wird darüber gesprochen?

    Ich erlebe bei diesen Veranstaltungen immer wieder, wie gut es Besucher*innen tut, dass ich in dieser Deutlichkeit und Ehrlichkeit über meine Erkrankungen spreche. Und diese Offenheit bestärkt viele darin, selbst auch offener mit ihren eigenen Erkrankungen umzugehen. Es täte daher nicht nur der Community, sondern der gesamten Gesellschaft gut, allgemein einen besseren Umgang mit Krankheit zu finden. Dies bedeutet zum Beispiel, dass wir Menschen zugestehen, krank zu sein und auch, sich die Zeit zu nehmen, um wieder zu genesen.

    Weshalb ist es so wichtig mit psychischen Erkrankungen oder der HIV-Infektion umzugehen?

    Ich fand es erschreckend, als ich hörte, dass 75% der Menschen mit HIV ihren Status geheim halten. Ich kann das einerseits nachvollziehen. Ich weiß allerdings auch, dass ein solches Lebensgeheimnis psychisch krank machen kann. Deshalb lohnt es sich dafür zu kämpfen, dass Menschen offen zu ihrer HIV-Infektion oder zu seiner psychischen Erkrankung stehen können, weil das Verschweigen eine weitere Last auf den Schultern bedeutet und das Leben noch schwerer machen.

    Sich gegenüber dem eigenen Umfeld zu öffnen, birgt jedoch auch die Gefahr, Stigmatisierung durch Mitmenschen zu erfahren.

    Entstigmatisieren kann man psychische Erkrankungen, die HIV-Infektion oder auch Homosexualität nur, wenn man Gesicht zeigt und die eigene Geschichte erzählt. Nicht alle Menschen sind dazu in der Lage. Ein stückweit erhebe ich deshalb meine Stimme auch für sie. Ich habe schwere Jahre hinter mir. Aber für mich ist letztendlich alles fein, was gewesen ist, weil es mich zu der Person gemacht hat, die ich heute bin. Ich habe meine Geschichte aufgeschrieben, weil ich anderen damit Mut und Zuversicht machen möchte und ihnen vielleicht eine Abkürzung in eine neue Normalität anbieten kann.

    Vielen Dank für deine Offenheit und das Gespräch!

    Mehr über Torsten Poggenphohl auf seiner Webseite www.torstenpoggenpohl.de

    Sein Buch „einfach !ch. schwul.biplar. positiv.“ (468 Seiten, 19.90 Euro) ist bei Book On Demand erschienen.

  • 5 Fragen an den Gay Health Chat

    5 Fragen an den Gay Health Chat

    Hallo Klaus! Herzlichen Glückwunsch zu fünf Jahre Gay Health Chat! Was genau ist der Gay Health Chat und an wen richtet er sich?

    Vielen Dank!

    Der Gay Health Chat ist eine Internet-Beratung. Er funktioniert ohne Anmeldung und ist kostenlos. Er richtet sich an Schwule und an alle Männer, die Sex mit Männern haben. Dazu gehören auch trans* Männer, sowie nicht-binäre und gender non-konforme Menschen, die sich der schwulen Community zugehörig fühlen.

    Warum wurde der Gay Health Chat geschaffen?

    Kleine Beratungsstellen und Aidshilfen haben einfach nicht immer das Geld oder die Ressourcen, einen Online-Chat auf die Beine zu stellen. Beim Gay Health Chat stellt die Deutsche Aidshilfe die Technik zur Verfügung und sorgt für gute Qualität. Die Berater schalten sich dann aus 46 Beratungsstellen dazu: aus Österreich, Deutschland und aus der Schweiz.

    Wer berät beim Gay Health Chat und wie werden die Berater geschult?

    Alle, die bei uns arbeiten, haben eine Ausbildung zum HIV-/STI-Berater bei der Deutschen Aidshilfe gemacht. Und wir schulen alle regelmäßig in Onlinekommunikation, weil es ja viel schwieriger ist, beim Tippen und ohne Sichtkontakt einzuschätzen, wie es dem anderen geht. Dieses Jahr kommt noch eine Zusatzausbildung zum Ersthelfer bei psychischen Gesundheitsproblemen dazu. Unsere Berater sind alle selbst schwul oder queer und arbeiten z.B. bei schwulen Checkpoints, im IWWIT-Team oder bei Aidshilfen – eine ganz bunte Mischung.

    Mit was für Fragen kommen die Menschen in den Gay Health Chat?

    Meistens haben die Fragen mit Sex zu tun. Wir sind ja die Aidshilfe und kennen uns da besonders gut aus. Seit Corona gibt es aber auch immer mehr Leute, die uns anchatten, weil sie sich scheiße fühlen, einsam sind, nicht klarkommen. Denen können wir auch helfen.

    Welche Themen sind den Menschen vielleicht noch nicht so bewusst, bei denen ihr aber dennoch beraten könnt?

    Wir tauschen uns viel aus und haben in den letzten Jahren viel über Drogen beim Sex gelernt: Warum ist das besonders geil und welche Schritte sind nötig, wenn es nicht mehr lustig ist – da können wir inzwischen gute Hilfe anbieten. Außerdem hat jeder Berater sein Coming-Out als schwuler Mann erlebt und kann deswegen alle anderen gut verstehen, die das Thema gerade umtreibt. Wie werde ich ein selbstbewusster, mutiger Mensch in dieser Welt? Das zu vermitteln ist unser Ziel.

    Klaus, vielen Dank für das Gespräch!

    Ihr erreicht den Gay Health Chat unter gayhealthchat.de.
    Alles zum schwulen Leben findet ihr unter iwwit.de/schwules-leben!
  • Queer-Beauftragter der Bundesregierung: „Bei Aufrufen zu Gewalt zeige ich klare Kante!“

    Queer-Beauftragter der Bundesregierung: „Bei Aufrufen zu Gewalt zeige ich klare Kante!“

    Herr Lehmann, 2021 wurden Sie von mehr als 70.000 Kölner*innen direkt in den Bundestag gewählt. Seit November sind Sie parlamentarischer Staatssekretär im Familienministerium und seit Januar auch noch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung. Bei all diesen Erfolgen: Erleben Sie persönlich noch Benachteiligungen oder Diskriminierung, weil Sie schwul sind?

    In den 20 Jahren, in denen ich schwul lebe, bin ich natürlich hin und wieder auch diskriminiert worden. Mein Mann und ich wurden beispielsweise auf der Straße beschimpft, weil wir Hand in Hand gingen oder im Internet angefeindet. Dennoch habe ich sicher weniger Alltagsdiskriminierung als andere Menschen erlebt, weil ich als Politiker in einer privilegierten Rolle bin. Meine Partei hat schon immer für die Rechte von LSBTIQ* und anderen Minderheiten gestritten. Da bin ich natürlich von einem sehr sicheren und offenen Umfeld umgeben.

    Vor Kurzem haben Sie einen Hassprediger aus Görlitz angezeigt, der in einem Video gegen queere Menschen gehetzt und Ihnen den Tod gewünscht hat. Wie gehen Sie generell um mit homofeindlichen Attacken? Wann wehren Sie sich – und wann ignorieren Sie sowas, um Extremist*innen keine zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen?

    Wenn es um Aufrufe zu Gewalt oder um einen Mordaufruf wie im Fall dieses Hasspredigers geht, zeige ich klare Kante. Da schalte ich den Staatsschutz ein und erstatte Anzeige. Bei meiner politischen Arbeit muss ich leider mit Hasskommentaren im Netz leben, die sich nun, da ich durch mein neues Amt als Queerbeauftragter noch mehr in der Öffentlichkeit stehe, massiv verstärkt haben. Ich ignoriere da vieles, aber auch hier melde ich Kommentare und blocke die Verfasser*innen, wenn Grenzen überschritten werden.

    Diskriminierung innerhalb der LSBTIQ*-Community: Auch innerhalb der queeren Communitys treffen trans* Personen und nicht-binäre Menschen oft auf Vorbehalte. Wie inklusiv erleben Sie die queere Szene?

    Die LGBTIQ*-Community ist sehr vielfältig – und genau so vielfältig sind die Forderungen, die die unterschiedlichen Gruppen an die Politik stellen. Als Queerbeauftragter bin ich Ansprechperson für alle. Ich versuche zuzuhören und die Bedürfnisse der Community in die Regierungsarbeit einzubringen. Bei aller Unterschiedlichkeit innerhalb der Community sehe ich aber zugleich auch viel Potenzial für Bündnisse. Und ich bin überzeugt: Wenn wir queerpolitisch in dieser Legislatur etwas erreichen wollen, dann brauchen wir dafür gegenseitige Solidarität. Wir müssen gemeinsam für die Rechte der LGBTIQ*-Community eintreten – zum Beispiel aktuell beim geplanten Selbstbestimmungsgesetz, das das sogenannte „Transsexuellengesetz“ ersetzen soll. Da gibt es gerade viel Gegenwind und wir werden noch so manche Diskussion führen und eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen, bis das Gesetz steht. Aus der Community heraus ist daher Unterstützung wichtig.

    Fühlen Sie sich als Queer-Beauftragter auch zuständig für mehr Toleranz innerhalb der Community – und wie könnten wir sie fördern?

    Auf jeden Fall sehe ich das als eine meiner Aufgaben an. Ich denke, das Wichtigste ist, miteinander im Gespräch zu bleiben und sich bewusst zu machen, dass wir die ambitionierten Ziele, die wir im Koalitionsvertrag verankert haben, nur erreichen, wenn die Community sich einbringt und solidarisch agiert. Dann schaffen wir in dieser Legislatur einen echten Aufbruch für Vielfalt, Selbstbestimmung und gleiche Rechte von LSBTIQ*-Menschen. Noch im Sommer will ich zum Beispiel den Startschuss für den ersten bundesweiten Aktionsplan für Vielfalt und gegen Queerfeindlichkeit geben.

    Die Verbände und Initiativen der queeren Community leisten für diesen Aktionsplan einen sehr wichtigen Beitrag – wir starten einen Dialogprozess darüber, was für sie wichtig und wo weitere Förderung notwendig ist. Auch das Familienrecht soll endlich ein Update bekommen und den gesellschaftlichen Realitäten angepasst werden. Denn Familien sind vielfältig und bestehen nicht immer nur aus Mutter, Vater, Kind. Wir wollen deshalb das Abstammungsrecht reformieren und Mehrelternschaften rechtlich absichern. Bei all diesen Themen gibt es innerhalb der Community verschiedene Interessen, die geäußert und auch gehört werden.

    „Medizinisch ist HIV mittlerweile gut beherrschbar. Diskriminierung hingegen macht krank.“

    Menschen mit HIV können heute fast problemlos mit dem Virus leben – und unter Therapie ist HIV nicht übertragbar. Ein großes Problem hingegen ist für sie die Stigmatisierung von HIV. Über ihre Infektion zu sprechen, erleben fast 80 Prozent als riskant, weil sie oft mit Vorurteilen konfrontiert werden – zum Beispiel bei einem Date. Wie wollen Sie in Ihrem Amt dazu beitragen, dass die Stigmatisierung von Menschen mit HIV weiter abgebaut wird?

    Medizinisch ist HIV mittlerweile gut beherrschbar. Diskriminierung hingegen macht krank. Die Angst vor Zurückweisung und Ausgrenzung wiegt für viele Menschen mit HIV schwerer als die gesundheitlichen Folgen. Ich setze mich deshalb dafür ein, dass der Aktionsplan für Vielfalt und gegen Queerfeindlichkeit auch Maßnahmen wie die Stärkung der Aufklärungsarbeit über HIV umfasst. Hier werde ich das Bundesministerium für Gesundheit und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bitten, sich aktiv einzubringen, um aktuelle Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten bei Ärzt*innen bekannter zu machen und um Stigmatisierung vorzubeugen. Denn niemand mit HIV sollte sich verstecken müssen.

    Laut Umfragen wissen nur ein Fünftel der Deutschen, dass eine HIV-Therapie zuverlässig die Übertragung von HIV verhindert. Wie ist das in Ihrem Bekanntenkreis? Wissen da alle schon vom Schutz durch Therapie?

    In meinem queeren Bekanntenkreis weitgehend ja. Aber einer heterosexuellen Bekannten, die sehr viele Ängste rund um das Thema HIV und Aids hat, habe ich neulich lange erklärt was PrEP ist und dass eine HIV-Therapie die Übertragung des Virus verhindern kann. Das wusste sie alles nicht und war danach erleichtert und dankbar für die Informationen.

    „Die PrEP hat sich in den vergangenen Jahren als hoch effektiver Schutz erwiesen (…). Nun geht es darum, die Versorgung auch auf dem Land sicherzustellen.“

    Seit mehr als zwei Jahren gibt es die PrEP als Kassenleistung, unter anderem für schwule Männer. Welche Bilanz ziehen Sie nach zwei Jahren PrEP auf Rezept?

    Heutzutage gibt es mit Kondomen, PrEP und Therapie drei gute und wirksame Methoden der Prävention. Die PrEP hat sich in den vergangenen Jahren als hoch effektiver Schutz erwiesen – das zeigen Forschungen des RKI, mit denen die Einführung der PrEP begleitet und evaluiert wurde. Demnach nutzten schon 2020 geschätzt bis zu 21.600 Menschen in Deutschland PrEP, fast überwiegend Männer. Wir wissen auch, dass es sehr große regionale Unterschiede beim PrEP-Gebrauch gibt – insbesondere in Großstädten wie Berlin ist die Nutzung stark verbreitet. Nun geht es darum, die Versorgung auch auf dem Land sicherzustellen und in Regionen, in denen es weniger Ärzt*innen gibt, die PrEP verordnen – und gleichzeitig darum, Infos zur PrEP noch weiter in die Community hineinzutragen.

    Wie stark hat die PrEP das schwule (Sex-)Leben verändert?

    Ich glaube, fast jeder schwule Mann kennt das Gefühl, in regelmäßigen Abständen auf das Ergebnis eines HIV-Tests zu warten und zu hoffen, dass der Test negativ ist. Diese ständige Angst vor der Ansteckung kann zermürben und war als Belastung oft im Hinterkopf – obwohl Sexualität ja eigentlich befreiend und angstfrei sein sollte. Mit PrEP haben schwule Männer zusätzliche Sicherheit erhalten – für viele ist PrEP eine Befreiung, auch wenn sie natürlich nicht vor anderen STIs schützt.

    „Diese ständige Angst vor der Ansteckung kann zermürben und war als Belastung oft im Hinterkopf – obwohl Sexualität ja eigentlich befreiend und angstfrei sein sollte.“

    Ihr Partner Arndt Klocke hat sich schon 2017 in einem Interview als PrEP-Nutzer geoutet und auch sein Gesicht im Rahmen von Social Media bei ICH WEISS WAS ICH TU für die PrEP gezeigt. Jetzt interessiert uns natürlich sehr: Welche der drei Safer-Sex-Methoden zum Schutz vor HIV nutzen Sie und warum?

    Ich bin bisher beim guten alten Kondom geblieben. (lacht)

    Arndt Klocke und Sie sind seit 20 Jahren ein Paar. Deshalb zum Abschluss bitte noch ein Beziehungstipp: Wie gelingt eine glückliche Beziehung – trotz Karriere und viel Pendelei zwischen NRW und Berlin?

    Mein Mann und ich achten sehr darauf, dass wir gemeinsame Zeit haben – unser Privatleben ist uns beiden heilig. Die Wochenenden verbringen wir so oft wie möglich zusammen entweder in Köln oder Berlin. Wir gehen dann viel ins Kino, wir interessieren uns für Kultur, Sport und Reisen. Und irgendwie ist die Pendelei zwar anstrengend, aber auch ein guter Beitrag für die Beziehung, weil wir uns dann immer wieder aufeinander freuen.

    Vor Kurzem waren Sie und Herr Klocke beim Podcast Queerkram zu Gast. Dort sprachen Sie auch über Sex außerhalb der Beziehung. Sie sagten, offene Beziehungen würden sie auch den Heteros „gönnen und wünschen.“ Warum können Sie eine offene Beziehung empfehlen?

    Empfehlen möchte ich gar kein bestimmtes Beziehungsmodell. Denn wie Beziehungen gelebt werden, was glücklich macht und was erfüllte Sexualität bedeutet, das muss jede*r für sich selbst entscheiden und mit anderen Menschen aushandeln. Was ich aber unbedingt empfehlen möchte, ist Offenheit – in den Partnerschaften, aber auch nach außen. Denn das macht frei und schafft auch neue Räume für andere Menschen, sich auch zu trauen. Selbstbestimmte Sexualität mit wechselnden Partner*innen, verbindliche monogame Partnerschaften und alle Varianten dazwischen: Darüber selber ohne Stigma entscheiden zu können ist Kern einer liberalen Gesellschaft. Und dazu gehört auch eine sex-positive Politik.

  • Schutz durch Therapie: „Nicht lang ein Kondom suchen, einfach vögeln“

    Schutz durch Therapie: „Nicht lang ein Kondom suchen, einfach vögeln“

    Stefan ist HIV-positiv. Ficken mit Kondom ist nichts für den 46-jährigen Journalisten aus Saarbrücken. Zum Glück kann er dank erfolgreicher HIV-Therapie auf den Gummi verzichten. Ein Gespräch über Schutz durch Therapie und Sex ohne Sorgen.

    Stefan, was bedeutet „Schutz durch Therapie“?
    Dank der erfolgreichen HIV-Therapie sind in meinem Blut keine Viren mehr nachweisbar– deswegen kann ich beim Sex keine mehr übertragen.

    Kaum zu glauben.
    Ich erkläre es immer an meinem Fall: Als ich mit der Therapie angefangen habe, hatte ich 93.000 HIV-Viren pro Mikroliter Blut. Nach einem Monat waren es nur noch 20.000. Zwei Monate später lag der Wert unter 2.000. Heute ist meine Viruslast nicht mehr nachweisbar. Wenn ich dann noch Zettel und Stift dabei habe, male ich dazu eine schöne Kurve auf. Dann checken die Leute plötzlich: Wo keine Viren sind, können auch keine übertragen werden.

    Schutz durch Kondom oder Schutz durch Therapie – was ist dir lieber?
    Ich muss ehrlich sagen: Ich finde Sex mit Kondom scheiße! In dem Moment, wo du weißt „Ich bin unter der Nachweisgrenze!“, bist du total entspannt, weil du weißt: Es kann praktisch nichts mehr passieren. Wenn man nachts aufwacht und geil ist, sucht man nicht lange nach Kondomen, sondern fängt einfach an zu vögeln.

    Dein Freund ist negativ. Habt ihr von Anfang an auf Kondome verzichtet?
    Nein. Die ersten zwei, drei Monate haben wir Kondome verwendet. Mein Freund wusste über das Prinzip „Schutz durch Therapie“ Bescheid. Aber es hat gebraucht, bis die Info vom Kopf im Bauch und dann im Schwanz angekommen ist. Wir sind nun seit gut zwei Jahren zusammen, haben Sex ohne Kondom – und er ist immer noch HIV-negativ. Logischerweise.

    Wie schützt du dich beim Sex mit anderen Männern?
    Bei uns gilt die Regel: Außerhalb der Beziehung benutzen wir Kondome, damit wir keine Krankheiten wie Syphilis in die Beziehung schleppen. Gegen Hepatitis A und B sind wir geimpft. Mir war die offene Beziehung gar nicht so wichtig. Ich bin ja nun in einem Alter, wo ich nicht mehr ständig Sex haben muss. (lacht) Aber mein Freund meinte, das wäre gut.

    Als Rollenmodell für ICH WEISS WAS ICH TU bist du oft in Deutschland unterwegs und triffst viele schwule Männer. Wissen die, dass eine Therapie so gut schützt wie ein Kondom?
    Nach meiner Erfahrung weiß ein Drittel gut Bescheid, ein Drittel hat mal was davon gehört – und ein Drittel ist ahnungslos. Vielleicht sind die Fakten in großen Städten etwas präsenter als in kleineren, aber der Unterschied ist nicht riesig.

    Ist das Thema damit gegessen?
    Nein, die Message ist noch nicht bei allen angekommen. In den letzten 20 Jahren gab es medizinisch einen Riesensprung nach vorne. Das Allgemeinwissen hinkt dieser Realität hinterher. Das ist schade, weil so eine normale, angstfreie Sexualität verhindert wird. Diese Message muss raus, weil das eine enorme Entlastung ist. Vor allem für Paare, bei denen der eine positiv und der andere negativ ist. Deshalb bin ich Rollenmodell, weil dann andere sehen: Ach, die machen das auch so – und es funktioniert.

    Was ist deine Botschaft an die schwule Community?
    Fürchtet euch nicht davor, Schutz durch Therapie zu praktizieren! Es ist eine enorme Entlastung. Manchmal hört man ja das Argument: Schutz durch Therapie fördert sorglosen Sex. Dann frage ich: Wo ist das Problem, wenn ich sorglos Sex haben kann? Sex ohne Sorgen – das ist doch etwas Schönes!

    Stefan
    Kennt die Community ‚Schutz durch Therapie‘? Nach Stefans Erfahrung weiß ein Drittel gut Bescheid, ein Drittel hat mal was davon gehört – und ein Drittel ist ahnungslos. (Foto: iwwit.de)
  • Auch heute noch werden Menschen mit HIV in der Szene ausgegrenzt

    Auch heute noch werden Menschen mit HIV in der Szene ausgegrenzt

    Im September 2021 wurde die Studie „positive stimmen 2.0“ veröffentlicht. Sie zeigt: In der Regel können Menschen mit HIV sehr gut mit ihrer Infektion leben. Dies bestätigten fast 90% der Befragten. Aber: Das Problem beim Leben mit HIV ist Diskriminierung und Stigmatisierung – auch in der schwulen Community.

    Das war für uns Grund genug, die Ergebnisse der Studie dieses Jahr zu einem unserer Hauptthemen zu machen! Menschen mit HIV waren von Anfang an an dieser Befragung beteiligt. Menschen mit HIV haben andere Menschen mit HIV interviewt. Dadurch entstand eine wichtige Vertrauenssituation, damit die Befragten ihre authentischen Erfahrungen teilen konnten.

    Ebenso kommen auch bei unserem neuen Video einige Menschen mit HIV selbst zu Wort! Schau es dir hier an:

    Bei ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT) sind Menschen mit HIV von Anfang an ein wichtiger Teil unserer Kampagne gewesen. Genau so wie authentische Bilder vom Leben mit HIV. Sie verhindern Stigmatisierung und Diskriminierung.

    Wenn du uns bei unserer Arbeit unterstützen möchtest, dann teile dieses Video! Und erzähle den Menschen von einer ganz besonderen guten Nachricht: HIV ist unter Therapie nicht übertragbar. Denn das hat die Studie auch gezeigt: Diese Nachricht hat Betroffene sehr entlastet.

    Zeig dich außerdem überall solidarisch, wo Menschen mit HIV ausgegrenzt oder diskriminiert werden! Und informier dich auf iwwit.de! Hier findest du viele weitere Infos zum Leben mit HIV. Und du findest Infos dazu, wie du oder andere sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wehren können.

  • Vorurteile machen krank. HIV unter Therapie nicht.

    Vorurteile machen krank. HIV unter Therapie nicht.

    Die Studie „positive stimmen 2.0“ hat gezeigt: Der Großteil der befragten Menschen mit HIV kann heute gut mit der Infektion leben. Aber: Viele erleben gleichzeitig alltäglich Diskriminierung und Ausgrenzung!

    Das alles hat erhebliche negative Auswirkungen auf den Gesundheitszustand, das Wohlbefinden und die sexuelle Zufriedenheit. Hinzu kommen Scham- und Schuldgefühle.

    Außerdem zeigt die Studie: Mehr als 50% der Befragten wurden in den zurückliegenden 12 Monaten mindestens einmal beim Sex zurückgewiesen. Und das, obwohl es Schutz durch Therapie gibt.

    Schau dir jetzt unser Video dazu an:

    Eine gute Nachricht: Seit es Schutz durch Therapie gibt, erleben immerhin 40 Prozent der Befragten weniger Diskriminierung. Die HIV-Medikamente unterdrücken dabei die Vermehrung von HIV im Körper. HIV kann dann beim Sex nicht mehr übertragen werden.

    Wenn du dich also schon gefragt hast, was du selbst gegen die Diskriminierung von Menschen mit HIV machen kannst, dann wäre das genau ein erster Schritt. Erzähl es weiter: HIV ist unter Therapie nicht übertragbar. Sag es deinen Freund*innen, deiner Familie oder Arbeitskolleg*innen.

    Und es gibt noch mehr, was du tun kannst. Zeig dich außerdem überall solidarisch, wo Menschen mit HIV ausgegrenzt oder diskriminiert werden! Und informier dich auf iwwit.de! Hier findest du viele weitere Infos zum Leben mit HIV. Und du findest Infos dazu, wie du oder andere sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wehren können.

    Außerdem zeigen wir in unserer Kampagne authentische Bilder von Menschen mit HIV, denn sie sind ein unerlässlicher Teil unserer Community.

    Du willst mehr? Dann melde dich bei IWWIT – und sag uns deine Meinung! Oder erzähl uns von deinen Ideen oder Wünschen zum Thema Leben mit HIV: Auf Facebook, Instagram oder klassisch per E-Mail. Wir freuen uns auf dich!

  • „Mit Syphilis kann man sich auch beim Küssen oder beim Oralverkehr infizieren.“ – Im Gespräch mit einem Allgemeinmediziner

    „Mit Syphilis kann man sich auch beim Küssen oder beim Oralverkehr infizieren.“ – Im Gespräch mit einem Allgemeinmediziner

    Das Robert-Koch-Institut verzeichnet seit 2010 einen kontinuierlichen Anstieg von Syphilis-Fällen in Deutschland. Mehr 80 Prozent davon gehen demnach auf sexuelle Kontakte zwischen Männern zurück. Inwieweit spiegelt sich diese Zahlen auch im ärztlichen Alltag wieder? Ein Gespräch mit dem Berliner Allgemeinmediziner und Infektiologen Dr. Christoph Schuler

    Dr. Christoph Schuler – Erfahrungsbericht zu Syphilis bei schwulen Männern
    „Wir sehen jede Woche neue Syphilis-Fälle“ – Dr. Schuler aus Berlin im Interview

    Syphilis bei schwulen Männern: Ein Dauerproblem in der Praxis

    Christoph Schuler, zum Patientenstamm gehört auch ein großer Prozentsatz an schwulen Männern. Inwieweit spielt Syphilis in Ihrem Praxisalltag eine Rolle?
    Wir haben sicherlich im Schnitt jede Woche einen neuen Fall in unserer Praxis, und das bereits seit einigen Jahren. Die Zahl der Fälle ist in den letzten Monaten nicht unbedingt gestiegen, aber sie hält sich schon über einen langen Zeitraum sehr konstant auf hohem Niveau.

    Können sie aus der Praxiserfahrung bestimmte Patientengruppen ausmachen, die besonders betroffen sind?
    Wir entdecken sehr viele Syphilisinfektionen bei unseren HIV-Patienten, allein schon deshalb, weil diese regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten (STI) gescreent werden.

    Wie sich schwule Männer mit Syphilis infizieren können

    Das heißt, dadurch werden neue Infektionen automatisch und bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt entdeckt.
    Richtig. Zum anderen sind da aber viele nicht-positive Patienten, die wegen verdächtiger Symptome zu uns kommen oder die von sich aus einen STI-Routinetest haben machen lassen.

    Manche haben sich auch anderswo testen lassen, zum Beispiel bei Testeinrichtungen in schwulen Beratungseinrichtungen und haben uns dann nach der Diagnose aufgesucht. Und nicht zuletzt gibt es auch Männer, die von ihrem Sexpartner erfahren haben, dass bei diesem Syphilis diagnostiziert wurde und sich deshalb nun selbst auch untersuchen lassen.

    Kommt es auch vor, dass der gleiche Patient sich immer wieder infiziert?
    Das gibt es in der Tat, allerdings ist es gerade bei Syphilis sehr schwer zu unterscheiden, ob es sich um eine Neuinfektion oder um das wieder Aufflammen einer unzureichend behandelten Infektion handelt.

    Könnte die Tatsache, dass die Zahl der Infektionen so gleichbleibend hoch bzw. sogar steigend ist, womöglich auf ein verändertes Sexualverhalten zurückzuführen sein? Nämlich dass schwule Männer wieder mehr Sex ohne Kondom haben?
    Ich sehe da keine direkte Verbindung. Natürlich wird häufiger auf das Kondom verzichtet, weil die HIV-Behandlung effektiv ist.

    … und deshalb das Virus nicht mehr übertragen werden kann.
    Zum anderen ist Safer Sex mit Kondom keine Praxis, mit der man eine Syphilis-Infektion gänzlich ausschließen kann. Man kann sich eben auch beim Küssen oder beim Oralverkehr infizieren.

    Es gibt aus unserer Erfahrung in der Praxis aber sicherlich Szenen, in denen Syphilisinfektionen eher auftreten, zum Beispiel bei Männern, die sexuell aktiver sind oder auf Sexpartys gehen. Wenn hier neue Infektionen auftreten, werden diese dann auch schnell weitergegeben. Umso wichtiger ist es, dass man seine Sexpartner darüber informiert, wenn bei einem selbst eine Infektion festgestellt wurde, damit eine Partnermitbehandlung erfolgen kann.

    Stigmatisierung von Syphilis bei homosexuellen Patienten

    Syphilis erscheint moralisch mehr belastend zu sein, als andere sexuell übertragbare Krankheiten. Fällt es den Patienten tatsächlich leichter, zum Beispiel wegen eines Trippers um Arzt zu gehen?
    Das ist in der Tat so. Gerade Patienten, die zuvor noch nie mit einer STI zu tun hatten und nur gelegentlich sexuelle Kontakte haben, fühlen sich ziemlich vor den Kopf gestoßen und sind manchmal auch ein wenig schockiert. Das ist eindeutig auf den stigmatisierenden Charakter zurückzuführen, den die Syphilis nach wie vor hat. Auch wenn die Syphilis behandelt wird: eine Narbe bleibt im Blut ein Leben lang sichtbar. Aber auch die Behandlung unterscheidet sich von der vieler anderer STIs: Die Spritzen können durchaus schmerzhaft sein und müssen – je nachdem, wie spät die Infektion entdeckt wurde – gegebenenfalls im Wochenabstand wiederholt werden. Wenn man Allergien hat, sind möglicherweise auch tägliche Infusionen oder eine mehrwöchige Tabletteneinnahme notwendig. Die Behandlung eines Trippers oder von Chlamydien ist dagegen weitaus einfacher und unkomplizierter.

    Der Alt-Text beschreibt den Bildinhalt sachlich und barrierefrei, inklusive Fokusphrase.
    Diagnose und Verlauf: So wird Syphilis in der Praxis dokumentiert

    Warum Syphilis bei schwulen Männern besonders häufig ist

    Anders als etwa bei Hepatitis A ist man nach einer ausgestandenen Syphilis nicht automatisch vor einer neuen Infektion geschützt. Wie gehen Leute damit um, wenn es sie nicht nur einmal erwischt?
    Ich erlebe in letzter Zeit immer häufiger dann Fall, dass Patienten deshalb sehr frustriert sind und sagen: „Ich mach jetzt nichts mehr“. Denn nicht nur die Zahl der Syphilis-Fälle ist angestiegen, sondern auch Gonorrhö und Chlamydien sind weiter verbreitet. Manchen ist deshalb ganz offensichtlich die Lust am Sex vergangen, zumindest was den Sex in öffentlichen Räumen angeht.

    Vielen Dank für das Gespräch!

    Mehr über die Syphilis mit Übertragung, Behandlung und Schutz erfährst du hier im Clip

  • Mr. Gay Germany: „Stolz darauf, am Leben zu sein!“

    Mr. Gay Germany: „Stolz darauf, am Leben zu sein!“

    Zum ersten Mal wurde mit Max Appenroth eine offen lebende trans* Person zum Mr. Gay Germany gewählt. Wir sprachen mit Max über den Contest, über Trans*feindlichkeit in der schwulen Community und Max‘ Kampagne #ProudToBeAlive.

    Trigger Warnung: In diesem Interview geht es u.a. um Trans*feindlichkeit, psychisches Wohlbefinden und Suizid.


    Max, du hast mehrere Coming-outs hinter dir, magst du uns davon erzählen?

    Als ich 13 war, outete ich mich als lesbisch. Es war mein erstes Coming-out. Damals fühlte es sich für mich als „Frau“ mit Männern falsch an. Irgendwann merkte ich dann, dass ich keine Frau bin und hatte ein weiteres Coming-out als trans*. Dazu auch mehr oder weniger als schwule Person, weil ich durch meine Identität und mein verändertes Erscheinungsbild Zugang zu anderen Räumen wie schwulen Bars und Saunas hatte und meine Sexualität anders leben konnte. Dann hatte ich vor zwei Jahren eine andere Art von Coming-out als nicht-binäre trans* Person. Also ich fühle mich im männlichen Spektrum wohl, bin aber deutlich mehr als „nur“ ein Mann.

    Was bedeutet der Begriff „nicht-binäre Menschen“?
    Nicht-binäre Menschen können sich als „sowohl männlich als auch weiblich“ oder als „weder männlich noch weiblich“ verstehen oder das zweigeschlechtliche Konstrukt gänzlich ablehnen.

    Wann hast du dich während dieser Zeit in deinem Körper am wohlsten gefühlt?

    Jetzt fühle ich mich sehr wohl in meinem Körper. Die Narrative, dass trans* Menschen im falschen Körper geboren sind, mag ich nicht. Ich bin im perfekten Körper geboren! Es gab nur eine Zeit, in der ich mich mit einzelnen Teilen meines Körpers nicht wohl fühlte und sie modifizieren wollte, um mich in diesem Körper 100% wohl zu fühlen. Das war vor zehn Jahren, als ich eine Operation hatte, um mir die Brüste entfernen zu lassen. Seit dem Moment ist mein Körper einfach perfekt, so wie er ist.

    Was bedeutet der Begriff „Transition“?
    Transition beschreibt den (medizinischen, rechtlichen, sozialen, körperlichen) Prozess von Menschen, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht identifizieren, ihre Geschlechtsidentität und ihr körperliches Erleben zum Ausdruck zu bringen und anzunähern.

    Wie war der Weg zur OP?

    Schwierig! Fachlich kompetente Informationen zum Thema Transition zu finden ist nicht einfach. Man muss alles selbst herausfinden: Was will ich? Welche Möglichkeiten habe ich? Außerdem dauert es in Deutschland in der Regel ein bis zwei Jahre vom Antrag bei der Krankenkasse bis zur OP. Und die Anträge werden oft auch abgelehnt. Dann geht man in Berufung und wartet dann wieder auf die Bearbeitung, bis man endlich das OK bekommt. Ich hätte das psychisch und physisch nicht länger ausgehalten, weil ich die Brüste abgebunden und alles ganz platt gedrückt hatte. Das heißt, dein Brustkörper ist permanent komprimiert, du kannst nicht atmen, nicht wirklich aufrecht gehen, du hast Rückenschmerzen. Also habe ich meine Brustoperation in den USA machen lassen. Ich musste zwar selbst viel bezahlen, aber so konnte ich einen ganz schlimmen Prozess mit der Krankenkasse umgehen und schneller an mein Ziel kommen.

    Was bedeutet der Begriff „cis Männer“?
    Cis Männern wurde bei der Geburt das Geschlecht „männlich“ zugeschrieben und sie identifizieren sich auch zum jetzigen Zeitpunkt noch damit.

    Fehlen der Infrastruktur der queeren Szene Deutschlands Präventionsbotschaften und Organisationen für trans* Personen?

    Absolut! Auch wenn Deutschland generell bei der Gesundheitsversorgung ein großartiges Land ist, gilt das jedoch nicht für trans* Personen, weil es viel zu wenig Wissen über unsere Körper und Bedürfnisse gibt. Selbst in den queeren Initiativen, die sich für die Gesundheitsversorgung einsetzen, muss einfach auch viel mehr getan werden, damit wir auch gesehen werden und wirklich mitagieren dürfen. Also dass nicht irgendetwas für uns von irgendwem gemacht wird, sondern dass wir es als Community selbst für uns machen dürfen.

    Zum Beispiel Präventionskampagnen: Wenn keine trans* Personen mitarbeiten, wie weiß man dann, wie man die Community am Besten adressiert? Wenn auf allen Plakaten nur schwule cis Männer zu sehen sind, aber keine trans* Personen, fühle ich mich nicht angesprochen. Da muss man einfach hinschauen, wie man die Communities repräsentiert, wie man mit ihnen zusammenarbeitet, um wirklich die bestmögliche Arbeit zu machen, die auch die Bedürfnisse der Community widerspiegelt. Ich arbeite vornehmlich im Bereich der HIV-Prävention, speziell für trans* Personen, und sehe, wie viel Arbeit jetzt noch getan werden muss.

    Schwul. Trans*. Teil der Szene!
    Unsere Broschüre „Schwul. Trans*. Teil der Szene!“ bietet schwulen trans* und cis Männern, gender-nonconforming und nicht-binären Menschen, die sich der schwulen Community zugehörig fühlen unter anderem alle Infos zum respektvollen Umgang innerhalb unserer vielfältigen Szene, zu schwulem Sex sowie zum Schutz vor HIV (Safer Sex). Kurze Infos zur Trans*-History und bedeutenden Aktivist*innen sowie Links zu mehr Infos runden die Broschüre ab. Du findest sie unter iwwit.de/trans!
    Max lächelt in die Kamera.
    Max möchte sich verstärkt mit der hohen Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen befassen.

    Wie kann deine Arbeit und die Community von deinem Sieg als Mr. Gay Germany profitieren?

    Durch die gesteigerte Sichtbarkeit, die ich nun bekomme, folgen mir mehr Menschen in den sozialen Medien, oder ich werde zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen. Das gibt mir mehr Reichweite und wirkt sich natürlich auch auf meine Arbeit aus, weil mehr Menschen die Problematik und die schwierige Situation mitbekommen und hellhörig werden.

    Was war deine Motivation, an dem Wettbewerb teilzunehmen?

    In den sozialen Medien bin ich durch Zufall darüber gestolpert und habe gesehen, dass es nicht nur ein Schönheitswettbewerb ist, sondern Inhalte im Vordergrund stehen. Jede Person muss sich für ein bestimmtes Thema einsetzen und eine Kampagne dafür ins Leben rufen. Ich fand das ziemlich cool und hab mich damit auseinandergesetzt. Da ich als trans* Person immer wieder Anfeindungen aus der schwulen Community bekomme, dachte ich mir außerdem, dass ich bei so einem Contest den Leuten zeigen möchte, dass wir trans* Personen sehr wohl Teil der Community sind.

    „Nur weil sie sich nicht vorstellen können, mit einer trans* Person Sex zu haben, heißt das nicht, dass das für alle in der schwulen Community gelten muss.“

    Du erlebst also Diskriminierung aus der schwulen Community?

    Die schwule Community ist eine meiner Communities und ich fühle mich da zu Hause. Teilweise erlebe ich aber Dinge wie „Du hast hier nichts zu suchen“ oder „Das ist kein „richtiger“ Mann, also kannst du nicht in der schwulen Community sein”. Vielleicht fehlt es hier ein wenig an Aufklärung: Nicht jeder muss mich attraktiv finden oder sich vorstellen, mit mir ins Bett zu gehen. Ich will auch nicht mit jedem Menschen ins Bett. Aber nur weil ich mir persönlich etwas nicht vorstellen kann, oder etwas nicht mag, heißt das nicht, dass andere das nicht mögen könnten. Nur weil sie sich nicht vorstellen können, mit einer trans* Person Sex zu haben, heißt das also nicht, dass das für alle in der schwulen Community gelten muss.

    „Man muss meine Identität nicht nachvollziehen können, um mich zu akzeptieren.“

    Was würdest du diesen Leuten sagen?

    Wir als trans* Personen nehmen niemandem irgendetwas weg. Ich will kein Geschlecht abschaffen. Ich möchte einfach nur mit Respekt und Würde leben dürfen, wie alle Menschen auch. Man muss meine Identität nicht nachvollziehen können, um mich zu akzeptieren. Ich kann auch vieles nicht nachvollziehen. Aber das heißt nicht, es darf nicht existierten, nur weil ich es nicht verstehe. Dennoch ist dies der beste Beweis dafür, dass meine Arbeit für mehr Trans*-Sichtbarkeit immer noch gebraucht wird, und in der Tat wirken solche Kommentare für mich wie Benzin in meinem Motor. Das ist genau der Grund, warum ich mehr tue.

    „Solche Kommentare wirken für mich wie Benzin in meinem Motor.“

    Zurück zum Wettbewerb: Wie lief er ab?

    Es ging alles relativ zügig. Ich bewarb mich Ende Oktober online, eine Woche später hatte ich mein erstes Telefoninterview. Dann musste ich in den nächsten drei Tagen eine Community-Kampagne entwickeln. Ich überlegte mir eine Kampagne und stellte sie vor. Kurze Zeit danach erfuhr ich, dass ich im Halbfinale bin. Zwischen Halbfinale und Finale muss man die Kampagne weiter aufbauen, um der Jury im Finale zu zeigen, wie man weiter daran arbeitet. Genau sechs Wochen nach dem ersten Telefonat kam dann das Finale.
    Die anderen Mitstreiter waren unterschiedlichen Alters und Herkunfte. Auch nicht alle waren total schlank und nur muskulös, sondern hatten einfach auch unterschiedliche Körperformen. Ich fand es schön zu sehen, dass es nicht nur um muskelbepackte cis Männer geht. Es war eine kurze intensive Zeit, aber als ich meinen Namen im Finale hörte, war das ein unbeschreiblicher Moment. Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

    Worum geht es in deiner Kampagne?

    Sie nennt sich #ProudToBeAlive (stolz darauf, am Leben zu sein) und befasst sich mit der hohen Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Denn leider ist dies ein Thema, über das wir selten sprechen. Ich möchte diese Situation auf zwei Schienen verbessern: Zum einen durch die Schaffung einer professionellen Krisenhilfestruktur für junge LSBTQIA+ in Form einer Online-Beratung parallel zu einer Telefonberatung, durch die Hilfe in akuten Situationen angeboten wird.

    Und auf lange Sicht möchte ich die Sichtbarkeit von queeren Menschen in der Kinder- und Jugendliteratur erhöhen. Wenn queere Kinder und Jugendliche in Kinderbüchern sehen, dass es andere Menschen gibt, die genauso sind wie sie – wenn sie sich selbst also immer wiederfinden – bekommen sie das Gefühl, dass sie nicht allein sind. Und dass man so, wie man ist, in Ordnung ist. Ich glaube, wenn sie das von klein auf mitbekommen, könnten sie ein ganz anderes Leben führen, als wenn sie allein damit zurechtkommen müssen. Anfang April kommt mein erstes trans*-empowerndes Kinderbuch auf Deutsch und Englisch heraus, es heißt „Egal was sich ändert, das Herz bleibt genau dasselbe“.

    Max, viel Erfolg damit und vielen Dank für das Interview!

    Trans* Männer, nicht-binäre und gender non-conforming Personen sind Teil der schwulen Szene! Erfahre jetzt mehr über unsere Kampagne „Schwul. Trans*. Teil der Szene!“ Klicke auf neu.iwwit.de/trans!

    Gay Health Chat
    Du suchst jemandem zum Reden? Jemanden, der dir zuhört und eventuell Rat hat? Dann chatte mit Beratern aus der Community unter www.gayhealthchat.de!
    Hinweis
    Es gibt Situationen, die sind alles andere als leicht. Hier gibt es Hilfe:
    – Telefonseelsorge: 0800-1110111 und 0800-1110222
    Stiftung Deutsche Depressionshilfe

  • Altersunterschied Beziehung: Wenn Liebe kein Alter kennt

    Altersunterschied Beziehung: Wenn Liebe kein Alter kennt

    Die „Generation Schwulenbewegung“ kommt in die Jahre. Selbstbewusst nutzen die über 60-Jährigen die Angebote der Homo-Szene – solange die Gesundheit mitspielt. Ein Stimmungsbericht aus Hamburg.

    Altersunterschied Beziehung: Älterwerden in der Schwulenszene

    „Die Szene tue ich mir mit 70 nicht mehr an“, stellt Karl-Heinz klar. Er will nicht mehr in einer Bar auf seinen Traumprinzen warten. „Man muss sich einfach klarmachen: Für die Szene ist man alt, auch wenn man selbst einen ganz anderen Eindruck hat“, erklärt der pensionierte Berufsschullehrer. „Wenn man sich jeden Tag im Spiegel sieht, merkt man nicht, wie man altert.“

    Der Verzicht auf Bars fällt dem Single leicht. Sex sucht er eher im Freien, zum Beispiel im Stadtpark. „Mir macht das Jagen Spaß“, sagt Karl-Heinz und lacht. „Die Typen, die ich da abbekomme, würden mich in einer Bar mit dem Arsch nicht anschauen.“

    Neue Wege der Begegnung im Alter

    Cruising kann auch sehr gesellig sein. Bei einem Streifzug durch die Dünen von Ibiza hat Karl-Heinz vor bald 20 Jahren einen fast 20 Jahre jüngeren Mann kennengelernt. Sex hatten sie nicht, aber beim Wiedersehen im Strand-Supermarkt haben sie sich zum Essen verabredet. So lernte Karl-Heinz eine schwule Trekking-Gruppe kennen. Mit ihnen wandert er seitdem jedes Jahr mindestens einmal durch die Mittelgebirge, den Harz kennt er fast auswendig.

    In Homo-Bars geht Karl-Heinz nicht mehr – und ist trotzdem gut vernetzt mit anderen Schwulen. Derzeit organisiert er mit einem Ehrenamtskollegen vom schwulen Infoladen Hein & Fiete eine „Gay History Tour“ durch St. Pauli. So wie Karl-Heinz sind viele ältere Männer in der Community präsent – sie sind es so gewohnt. „Es gibt ein hohes Interesse an spezifischen Beratungs- und Freizeitangeboten für schwule und bisexuelle Männer über 50“, sagt Heiko Gerlach. Der Diplom-Pflegewirt hat gemeinsam mit Christian Szillat schwule Hamburger befragt und die Antworten im Auftrag der AIDS-Hilfe Hamburg ausgewertet. „Männerliebende Männer 50 plus in Hamburg“ heißt ihre Studie, die sie unter anderem auf Radio Pink Channel vorgestellt haben. Eine besondere Generation, finden die beiden Fachleute: Sie seien die Ersten, die ihre Homosexualität relativ offen gelebt hätten. Es sei nicht verwunderlich, wenn diese nun offensiv die Berücksichtigung ihrer Lebenslagen im Alter einforderten.

    Wenn Gesundheit den Alltag bestimmt

    Solange der Körper mitmacht, geht das schwule Leben jenseits der Fünfzig also fröhlich weiter. Auch Eckhard ist vor ein paar Jahren noch regelmäßig in die Sauna gegangen. Er weiß noch, welche Angebote es gibt: Partner-Rabatt am Freitag, Wellness am Sonntag und mittwochs „40up“ mit Preisnachlass für über 40-Jährige. „Für mich könnte sie schon einen ,70up‘-Tag machen“, sagt Eckhard und lächelt. Die letzten Jahre hat der gelernte Elektriker mehr Zeit im Krankenhaus als in der Sauna verbracht. Nach einer Herz-Operation ist Eckhard 2013 in ein Altenheim in St. Georg gezogen, Abteilung „Regenbogen“. „Das hat nichts zu bedeuten“, sagt Eckhard, „ich bin hier der einzige Schwule weit und breit.“

    Dass er mal Hilfe bräuchte, konnte sich Eckhard lange nicht vorstellen. Sogar seine HIV-Infektion hat er weggesteckt. 1990 bekam Eckhard die Diagnose und hat durchgehalten, bis die ersten Kombinationstherapien verfügbar waren. „Jetzt bin ich seit über zwölf Jahren unter der Nachweisgrenze“, erzählt er stolz. „HIV macht mir keine Probleme – die kamen erst durchs Älterwerden.“ Inzwischen sind einige zusammengekommen. Auf Eckhards Tisch in dem 20 Quadratmeter großen Zimmer liegen akkurat aufgereiht: ein Armband zum Blutdruckmessen, ein Gerät zur Blutzuckerbestimmung, eine Insulinspritze. Des Weiteren ein Asthmaspray und eine Pappschachtel mit Hustenbonbons. „Diese Vielfalt der Beschwerden macht mich kaputt“, sagt Karl-Heinz. „Da habe ich immer im Hinterkopf: Was kommt als nächstes?“

    Schwules Paar mit Altersunterschied: Jibben (68) und Philipp (41) in Hamburg
    Seit 15 Jahren ist Jibben (68) mit Philipp (41) zusammen, 2006 haben die beiden geheiratet. „Philipp ist natürlich auch ein Grund, dass ich fit bleibe“, sagt Jibben.

    Altersunterschied Beziehung: Zwei Generationen, ein Alltag

    Auch Jibben macht sich manchmal Sorgen, „dass die Knochen nicht mehr so mitmachen“. Aber davon lässt er sich nicht runterziehen. Sein Gegenmittel: viel machen. Der 68-Jährige betreut drei Websites, darunter das schwul-lesbische Portal hamburg.gay-web.info. „Ich hoffe, dass das ein Grund ist, warum ich oben noch fit bin“, sagt der breitschultrige Mann mit dem weißen Kinnbart und tippt sich dabei an den Kopf. „Philipp ist natürlich auch ein Grund“, fügt Jibben sanft hinzu, „als junger Ehemann, der einen manchmal schon auf Trab hält.“

    Partnerschaft über Altersgrenzen hinweg

    Seit 15 Jahren ist Jibben mit Philipp (41; gemeinsam auf dem Foto zu sehen) zusammen, 2006 haben die beiden geheiratet. Beim Straßenfest zum Hamburg Pride sitzen die beiden jedes Jahr im Orga-Container, nehmen Fundsachen an und sorgen per Funkgerät dafür, dass jeder Stand Strom und Wasser bekommt. Von der Szene hat Jibben noch nicht genug. „Das liegt auch daran, dass ich mit 50 zum ersten Mal in eine schwule Bar gegangen bin“, vermutet Jibben. „Im Nachhinein hätte ich gerne früher damit angefangen“, sagt Jibben, „weil ich bestimmt einiges verpasst habe.“

    FAQ: Altersunterschied Beziehung in der schwulen Community

    Beziehungen mit Altersunterschied werfen viele Fragen auf – besonders in der schwulen Community. In dieser FAQ beantworten wir zentrale Fragen zu Partnerschaft, Akzeptanz, Herausforderungen und gesellschaftlicher Wahrnehmung.

    Was bedeutet ein großer Altersunterschied in einer Beziehung?

    Ein großer Altersunterschied in der Beziehung beschreibt Partnerschaften, in denen mehrere Jahrzehnte zwischen den Partnern liegen. In der schwulen Community ist diese Konstellation vergleichsweise häufig und gesellschaftlich oft sichtbarer als in heterosexuellen Beziehungen.

    Sind Beziehungen mit Altersunterschied langfristig stabil?

    Ja, viele Beziehungen mit Altersunterschied sind stabil und langfristig. Entscheidend sind nicht die Lebensjahre, sondern gemeinsame Werte, gegenseitiger Respekt und ähnliche Vorstellungen vom Zusammenleben. Der Artikel zeigt, dass solche Partnerschaften über viele Jahre funktionieren können.

    Warum sind Altersunterschiede in der schwulen Szene häufiger sichtbar?

    Historisch bedingt konnten viele schwule Männer ihre Sexualität erst später offen leben. Dadurch entstehen Begegnungen zwischen Generationen häufiger – etwa in der Szene, im Ehrenamt oder über gemeinsame Interessen. Der Altersunterschied in der Beziehung wird dabei oft bewusst akzeptiert.

    Welche Herausforderungen bringt eine Beziehung mit Altersunterschied mit sich?

    Unterschiedliche Lebensphasen, gesundheitliche Themen oder gesellschaftliche Erwartungen können Herausforderungen darstellen. Gleichzeitig berichten viele Paare, dass Offenheit und Kommunikation helfen, diese Unterschiede konstruktiv zu überbrücken.

    Spielt das Alter in der schwulen Community heute noch eine große Rolle?

    Das Alter spielt weiterhin eine Rolle, etwa bei Zugang zur Szene oder bei körperlichen Erwartungen. Dennoch zeigt sich zunehmend, dass starre Altersgrenzen an Bedeutung verlieren – insbesondere in Beziehungen, in denen Nähe und Vertrauen wichtiger sind als Zahlen.

    Wie wird der Altersunterschied in der Beziehung von außen wahrgenommen?

    Die Wahrnehmung ist unterschiedlich. Während manche Paare mit Vorurteilen konfrontiert werden, erleben andere viel Akzeptanz. Der gesellschaftliche Diskurs hat sich geöffnet, und Beziehungen mit Altersunterschied werden heute differenzierter betrachtet als früher.

    Stimmen aus der Community

    Berichte, Erfahrungen und Perspektiven rund um Liebe, Älterwerden, Gesundheit und Zusammenhalt in der Community.

    Du brauchst jemanden zum Reden?

    Ob akut oder einfach zur Orientierung – manchmal hilft es, mit jemandem vertraulich zu sprechen.
    Nutze den Gay Health Chat – der Button rechts unten begleitet dich auf der Seite. Dort bekommst du anonym und kostenlos:

    • Persönliche Live-Beratung im Chat
    • Hilfe per Mail oder Telefon
    • Infos zu Gesundheit, Recht, Alltag und mehr

  • Max (21): „lch bin nicht anders als andere schwule Jungs“

    Max (21): „lch bin nicht anders als andere schwule Jungs“

    Max (21) über sein Leben mit der HIV-Infektion
    Foto: Privat

    Max ist 21 Jahre alt, studiert in Jena und hat sich vor mehr als einem Jahr als HIV-positiv geoutet. Er ist froh über diese Entscheidung und würde sich wünschen, dass noch mehr positive Jungs sagen, dass sie HIV haben. Ein Gespräch über unbegründete Sorgen, den Punkt an dem Internet-Dating unsexy wird und was ein Bericht über die „Testhelden“-Kampagne von ICH WEISS WAS ICH TU bei ihm auslöste

    Wie offen lebst du in der schwulen Szene mit HIV?
    Ziemlich offen. Das hier ist nicht das erste Interview, das ich darüber gebe und die allermeisten Menschen in meinem direkten Umfeld wissen Bescheid. Wenn Datingportale die Möglichkeit anbieten, den HIV-Status anzugeben, dann mache ich das auch. Oder ich spreche es an, wenn es nötig wird. Aber, es ist auch nicht das Erste, was ich Menschen über mich erzähle. Obwohl es inzwischen schon merkwürdig ist, wenn es Leute nicht wissen.

    Was meinst Du damit?
    Ein offener Umgang damit, dass ich positiv bin, macht Sachen, Gespräche und den generellen Umgang mit Anderen einfach unkomplizierter. Die Hürde ist weg, alle wissen Bescheid und damit ist es auch gut. Wenn dann einer dazu kommt, der es nicht weiß, entsteht oft Erklärungsbedarf. Das verkompliziert dann die Situation wieder und das Thema rückt in den Vordergrund. Und das löst dann Unbehagen aus, was eigentlich gar nicht notwendig ist.

    „Wenn ich anderen so helfen kann, sich zu schützen, ist das doch super.“

    Ist es dir leichtgefallen, dich auch öffentlich zu outen?
    Mein öffentliches Outing kam so zustande: Ich habe einen Bericht auf einer Website über diese Kampagne „Testhelden“ gelesen, der mich beeindruckt hat. Daraufhin hab ich den Autor kontaktiert, um ihm das zu sagen. Der hat dann gemeint: „Könntest Du dir vorstellen, selbst öffentlich über deine Infektion zu sprechen?“ Und das konnte ich. Ich hatte gar nicht so viel Angst davor. Es gibt viel zu wenig Menschen, die das tun. Und deswegen wissen viele andere Menschen nicht, dass das Leben der meisten Positiven auch nicht großartig anders ist, als das von Negativen. Und ich bin immer noch froh, es getan zu haben. Wenn ich anderen so helfen kann, sich zu schützen, ist das doch super.

    „Da muss ich dann erklären, dass Schutz durch Therapie funktioniert und ich nicht infektiös bin.“

    Wie reagieren andere Menschen darauf, wenn Du ihnen sagst, dass du positiv bist?
    Gerade heute, wo mein HIV-Status für mich selbst schon ganz normal geworden ist, bin ich immer wieder überrascht davon, wieviel Sorgen sich manche machen. Nicht davor, sich bei mir zu infizieren. Darüber wissen die Allermeisten ganz gut Bescheid. Aber viele denken immer noch, ich würde jetzt ja wohl irgendwann krank werden und dann viel zu früh sterben, oder sowas. Und denen dann klar zu machen, dass es mir echt gut geht und ich durch HIV eigentlich überhaupt nicht beeinträchtigt bin, ist nicht immer einfach. Das nervt ab und zu dann doch. Beim Dating im Internet kommt die Sache auch irgendwann zur Sprache, und viele reagieren mit großer Selbstverständlichkeit. Aber einige auch nicht. Da muss ich dann erklären, dass Schutz durch Therapie funktioniert und ich nicht infektiös bin. Das macht die Sache dann aber schnell unsexy, leider.

    Angst vor Stigmatisierung unter jungen Positiven

    Kennst du andere junge Positive? Wie gehen die mit ihrer Infektion um?
    Ich studiere in einer kleineren Stadt, die Szene hier ist nicht riesig. Nach meinem öffentlichen Outing haben sich einige Bekannte dann bei mir geoutet. Und was ich generell so mitbekomme, ist, dass es inzwischen einige junge Positive gibt, die ganz offen sind. Aber viele andere wollen nicht, dass das an die große Glocke gehängt wird und sprechen nur mit wenigen anderen Menschen darüber.

    „Nach einem Outing wird man definitiv zum Gesprächsthema.“

    Woran liegt das deiner Meinung nach?
    Naja, die haben Angst vor Stigmatisierung. Und die ist ja auch nicht ganz unberechtigt. Nach einem Outing wird man definitiv zum Gesprächsthema. Der allgemeine Informationsstand zum Leben von HIV-Positiven ist nicht berauschend und da entstehen leicht Vorurteile und Gerüchte, die einem das Leben schwerer machen. Viele haben auch Angst, sich ihre berufliche Zukunft zu verbauen, wenn bekannt wird, dass sie positiv sind.

     

    Max (21), Student in Jena, Thüringen
    Foto: Privat

    „Und einige Negative könnten sich im Umgang mit Positiven mal entspannen.“

    Und was können wir alle gemeinsam dagegen tun?
    Gute Frage. Wenn Positive offen mit ihrer Infektion umgehen, haben Negative eine Chance, aus erster Hand zu erfahren, dass ein Leben mit HIV 2017 nicht mehr bedeutet, dass man krank ist. Wir leben völlig normal und es gibt keine sichtbaren Unterschiede zwischen Positiven und Negativen mehr. Und einige Negative könnten sich im Umgang mit Positiven mal entspannen. (lacht) Und sich besser informieren, damit Stigma vorgebeugt wird, bevor es passiert.

    Wie wirkt sich HIV heute auf dein Leben aus?
    Ich nehme jeden Tag zwei Tabletten, das war’s. Das ist inzwischen aber auch automatisiert, wie Zähneputzen, und nichts, worüber ich noch nachdenke. Abgesehen davon bin ich wahrscheinlich auch nicht anders als viele 21-Jährige schwule Jungs überall auf der Welt.

     

     

    Mehr zum Leben mit HIV findet Ihr übrigens auf iwwit.de!