Ein Affen-Emoji im Dating-Profil wirkt harmlos. Doch in der schwulen Dating-Szene steht es inzwischen oft für Monkey Dust – eine kaum erforschte, hochpotente Substanz, die vor allem im Kontext von Chemsex auftaucht.
In einem sehr persönlichen Text schildert Jeff Mannes im Magazin SIEGESSÄULE, wie er bei einem Date erstmals damit konfrontiert wird. Die Begegnung beginnt vertraut: Chat, Anziehung, Sex.
Doch dann verändert sich etwas. Ein seltsamer Geruch, ein ungutes Gefühl – und die Erkenntnis, dass sein Gegenüber heimlich Monkey Dust konsumiert hat. Nicht der Konsum selbst ist der Bruch, sondern das Schweigen darüber.
Was folgt, ist keine Moralpredigt, sondern ein Nachdenken über Grenzen, Verantwortung und fehlendes Wissen. Monate später erfährt der Autor, dass der Mann gestorben ist. Zu jung. Zu plötzlich. Monkey Dust soll eine Rolle beim Tod gespielt haben – aber abschließend geklärt ist es nicht.
Was ist Monkey Dust? Wirkung, Risiken und fehlende Forschung
Monkey Dust ist kein klar definierter Stoff. Meist handelt es sich um sehr starke synthetische Cathinone, die schnell wirken und ebenso schnell außer Kontrolle geraten können. Menschen berichten von intensiver Lust, Euphorie und Enthemmung – aber auch von Angst, Paranoia, Kontrollverlust und tagelangen Wachphasen. Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse gibt es kaum. Gerade das macht die Substanz so tückisch.
Der Text zeigt: In der queeren Community wird über Monkey Dust viel gesprochen – aber oft hinter vorgehaltener Hand. Aus Angst vor Stigma. Aus Unsicherheit. Aus fehlender Aufklärung. Dabei braucht es genau das Gegenteil: ehrliche Gespräche, Wissen, Transparenz und Solidarität. Nicht, um zu verurteilen – sondern um Risiken sichtbar zu machen und Schaden zu minimieren.
Den vollständigen Originalartikel von Jeff Mannes liest du in der SIEGESSÄULE:
Wenn Aufklärung fehlt, wird Monkey Dust unberechenbar
Was Monkey Dust besonders gefährlich macht, ist nicht nur seine starke Wirkung, sondern vor allem das fehlende Wissen darüber. Beratungsstellen wie Sidekicks.Berlin berichten, dass die Substanz schnell zu Kontrollverlust führen kann – über Menge, Dauer und eigene Grenzen. Menschen erzählen von intensiven Wachphasen, Angstzuständen, Paranoia und massiven psychischen Krisen. Gleichzeitig ist kaum gesichert, was langfristig im Körper passiert. Verlässliche Studien fehlen bislang fast vollständig.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Beim Drug-Checking in Berlin wurde Monkey Dust in Proben nachgewiesen, die als andere Substanzen verkauft wurden. Das bedeutet, dass Menschen eine Droge konsumieren können, ohne es zu wissen. Ungewollte Wirkungen, Überdosierungen und gefährliche Wechselwirkungen werden dadurch wahrscheinlicher.
Trotzdem wird in der queeren Community oft nur leise über Monkey Dust gesprochen. Aus Angst vor Stigmatisierung, aus Unsicherheit oder weil Erfahrungen schwer einzuordnen sind. Projekte wie Sidekicks.Berlin oder Checkpoint BLN setzen deshalb auf Aufklärung statt Verurteilung. Eine akzeptierende, nicht moralisierende Haltung ist entscheidend – ohne die realen Risiken auszublenden.
Ehrliche Gespräche, transparente Informationen und solidarische Unterstützung können Leben schützen. Denn solange Wissen fehlt und Konsum unsichtbar bleibt, bleibt Monkey Dust eine Substanz, die schwer einschätzbar ist – und genau das macht sie so gefährlich.
Monkey Dust: Häufige Fragen und Antworten
Monkey Dust taucht zunehmend im Kontext von Chemsex auf, ist aber kaum erforscht und schwer einschätzbar. Hier findest du Antworten auf häufige Fragen zu Wirkung, Risiken und warum Aufklärung so wichtig ist.
Was ist Monkey Dust genau?
Monkey Dust ist kein eindeutig definierter Stoff. Meist handelt es sich um sehr starke synthetische Cathinone, die schnell wirken und mit hohem Risiko verbunden sind. Zusammensetzung und Dosierung können stark variieren.
Warum gilt Monkey Dust als besonders gefährlich?
Die Substanz wirkt oft unberechenbar. Menschen berichten von Kontrollverlust, Angstzuständen, Paranoia, Schlaflosigkeit über mehrere Tage und psychischen Krisen. Verlässliche wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen bislang weitgehend.
Welche Rolle spielt Monkey Dust im Chemsex-Kontext?
Monkey Dust wird teilweise im Rahmen von Chemsex konsumiert, um Lust, Enthemmung oder Ausdauer zu steigern. Besonders riskant wird es, wenn Konsum nicht offen kommuniziert wird oder mehrere Substanzen kombiniert werden.
Warum ist fehlende Aufklärung ein großes Problem?
Unwissen über Wirkung, Dosierung und Risiken erhöht die Gefahr von Überdosierungen und schweren Nebenwirkungen. Zudem wurde Monkey Dust teils in Proben gefunden, die als andere Substanzen verkauft wurden – Konsum kann also auch ungewollt passieren.
Wie kann man Risiken im Umgang mit Monkey Dust reduzieren?
Offene Gespräche, ehrliche Absprachen und fundierte Informationen sind zentral. Eine akzeptierende, nicht verurteilende Haltung hilft, Risiken sichtbar zu machen und Menschen frühzeitig zu unterstützen.
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Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuchs war über 123 Jahre lang Gesetz in Deutschland (von 1871/1872 bis 10. Juni 1994). Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe und ermöglichte damit die staatliche Verfolgung schwuler und bisexueller Männer.
Im Volksmund wurden Männer, die nach diesem Gesetz verfolgt oder verurteilt wurden, oft „175er“ genannt – also nach dem Paragrafen, der ihre Liebe kriminalisierte.
Warum entstand der Paragraph 175?
Als das Deutsche Reich 1871 entstand, übernahm es aus älteren Rechtsordnungen eine Strafnorm, die als „widernatürliche Unzucht“ zwischen Männern definiert wurde. Damit behandelte der Staat einvernehmliche homosexuelle Beziehungen als Verbrechen.
Solche Regelungen gab es damals in vielen europäischen Ländern – sie waren Ausdruck einer weit verbreiteten Vorstellung, gleichgeschlechtliche Liebe sei „widernatürlich“ oder „unsittlich“.
Paragraph 175 im historischen Überblick
1871
Einführung des Paragraph 175
Einführung mit dem Strafgesetzbuch des Deutschen Reichs.
„Widernatürliche Unzucht“ zwischen Männern wurde strafbar.
Homosexuelle Männer galten offiziell als Straftäter.
1871–1918
Kaiserreich
Der § 175 blieb unverändert bestehen.
Strafverfolgung war Teil staatlicher Moral- und Ordnungspolitik.
Reformforderungen blieben ohne Wirkung.
1918–1933
Weimarer Republik
Der § 175 blieb trotz gesellschaftlicher Liberalisierung bestehen.
Mehrere Reformversuche scheiterten.
Aktivist*innen forderten die Abschaffung, ohne Erfolg.
1935–1945
Nationalsozialismus und Verschärfung
Massive Verschärfung des § 175 unter dem NS-Regime.
Strafbarkeit wurde auf alle „unzüchtigen“ Handlungen zwischen Männern ausgeweitet.
Verhaftungen, Haftstrafen und Deportationen in Konzentrationslager.
Kennzeichnung der Betroffenen mit dem rosa Winkel.
1945–1949
Nachkriegszeit
Der § 175 blieb weiterhin gültig.
Die NS-Verschärfung wurde nicht aufgehoben.
Verfolgung homosexueller Männer setzte sich fort.
1950er–1968
Entwicklung in der DDR
Der § 175 wurde in den 1950er Jahren kaum noch angewendet.
1968 weitgehende Streichung aus dem Strafrecht.
Nur sexuelle Handlungen mit Jugendlichen blieben reguliert.
1949–1969
Bundesrepublik Deutschland
Die verschärfte NS-Fassung blieb bestehen.
Einvernehmlicher Sex zwischen Männern blieb strafbar.
Zehntausende Ermittlungsverfahren und Verurteilungen.
1969
Erste Reform
Teilweise Entkriminalisierung in der BRD.
Straffreiheit nur ab 21 Jahren.
Weiterhin rechtliche Ungleichbehandlung.
1973
Weitere Lockerung des Paragraph 175
Absenkung des Schutzalters auf 18 Jahre.
Annäherung an heterosexuelle Altersgrenzen.
§ 175 blieb dennoch bestehen.
1994
Endgültige Abschaffung des Paragraph 175
Streichung des § 175 aus dem Strafgesetzbuch.
Ende einer über 120 Jahre bestehenden Sonderstrafnorm.
ab 2002
Aufarbeitung und Rehabilitierung
Juristische Rehabilitierung der Verurteilten begann.
Anerkennung staatlichen Unrechts.
Erinnerung bleibt Teil queerer Geschichte.
Gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung
§ 175 war nicht nur ein juristisches Gesetz, sondern zentraler Ausdruck gesellschaftlicher Homophobie in Deutschland über viele Generationen.
Er prägte das Leben und die Freiheit schwuler Männer massiv: von Diskriminierung über Stigmatisierung bis zu Gefängnis und Verfolgung.
Der Begriff „175er“ und der lange Kampf gegen diese Norm stehen deshalb nicht nur für rechtliche Unterdrückung, sondern auch für den langwierigen politischen und gesellschaftlichen Kampf um Anerkennung, Sichtbarkeit und Menschenrechte homosexueller Menschen in Deutschland.
Häufige Fragen zum Paragraph 175
Der Paragraph 175 gehört zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Rechtsgeschichte. Hier beantworten wir zentrale Fragen zum Gesetz, seiner Anwendung und seiner Bedeutung bis heute.
Was war der Paragraph 175?
Der Paragraph 175 war ein Abschnitt im deutschen Strafgesetzbuch, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Er galt von 1871 bis 1994 und kriminalisierte homosexuelle Männer über mehr als ein Jahrhundert.
Warum wurde der Paragraph 175 eingeführt?
Der Paragraph 175 wurde 1871 im Deutschen Reich eingeführt. Er beruhte auf moralischen und gesellschaftlichen Vorstellungen der Zeit, die gleichgeschlechtliche Liebe als „widernatürlich“ oder „unsittlich“ betrachteten.
Wie wurde der Paragraph 175 im Nationalsozialismus angewendet?
Unter dem NS-Regime wurde der Paragraph 175 1935 massiv verschärft. Die Strafbarkeit wurde ausgeweitet, sodass bereits geringste Handlungen verfolgt werden konnten. Zehntausende Männer wurden verhaftet, verurteilt oder in Konzentrationslager deportiert.
Galt der Paragraph 175 nach 1945 weiter?
Ja. Nach dem Ende des Nationalsozialismus blieb der Paragraph 175 in beiden deutschen Staaten zunächst bestehen. Während er in der DDR später weitgehend abgeschafft wurde, galt in der Bundesrepublik Deutschland lange Zeit sogar die verschärfte NS-Fassung weiter.
Wurden die Betroffenen rehabilitiert?
Die juristische Rehabilitierung der nach Paragraph 175 verurteilten Männer begann erst ab 2002. Eine umfassende Anerkennung des erlittenen Unrechts erfolgte damit sehr spät.
Warum ist der Paragraph 175 heute noch relevant?
Der Paragraph 175 steht symbolisch für staatliche Diskriminierung und Verfolgung queerer Menschen. Seine Geschichte zeigt, wie Gesetze Menschenrechte verletzen können – und warum rechtliche Gleichstellung und Erinnerung so wichtig sind.
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Es ist Februar 2025. Ein grauer Nachmittag. In der Berliner Goebenstraße versammeln sich Menschen mit einem Transparent, Warnwesten und roten Regenschirmen. Etwa zwanzig Menschen sind gekommen, Sexarbeiter*innen und Unterstützer*innen. Manche von ihnen halten Schilder hoch. „Full decriminalization now“ Steht darauf, „Support your local sexworkers“.
Protestaktion in Berlin: Schild mit „Sexwork is Work“ für die Rechte von Sexarbeitenden.
Sie stehen vor dem Büro des Berliner kommunalen Wohnungsunternehmen Gewobag, um gegen den plötzlichen Stopp des Café Julia, einem Nachtcafé für Sexarbeiter*innen zu protestieren. „Seit Jahren haben wir diesen Raum geplant, der nicht nur Beratung und Ressourcen bieten, sondern auch ein sicherer Ort für Menschen sein soll, die immer wieder an den Rand gedrängt werden.“, heißt es in einem Redebeitrag.
Das Café Julia war ein Traum, der beinahe Realität geworden wäre. Die Finanzierung durch den Senat war ebenso zugesagt. Auch die Kooperation mit der Berliner Stadtmission, welche das Eckhaus nahe der Berliner Frobenstraße tagsüber bespielt hätte, stand bereits fest. Die Sexworker wollten es nachts öffnen, entsprechend der Bedürfnisse der Arbeiter*innen vom Straßenstrich.
Kurfürstenkiez: Arbeitsalltag von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern
Die Frobenstraße ist eine Seitenstraße im Rotlichtivertel des Kurfürstenkiez. Der Kurfürstenkiez war nie ein einfacher Ort, aber in den vergangenen Jahren hat sich der Druck spürbar erhöht. Mit den steigenden Mieten und den immer neuen Bauprojekten wächst auch die Feindseligkeit gegenüber jenen, die an diesem Ort arbeiten müssen. Wo früher Nachbar*innen noch grüßten oder zumindest wegsahen, gibt es heute häufiger Anzeigen, Beschwerden, nächtliche Polizeikontrollen. Gleichzeitig fehlt es an den niedrigschwelligen Orten, die Sicherheit schaffen könnten. Stehen auf der belebten Kurfürstenstraße gut sichtbar alle paar Meter die Sexarbeiter*innen, um ihre Kund*innen anzuwerben, ist der Standort in der Frobenstraße deutlich abgeschiedener. Diese Straße ist der Arbeitsplatz der trans Frauen.
Straßenszene im Kurfürstenkiez: High Heels einer Sexarbeiterin auf der Kurfürstenstraße.
Ein designierter Ort im öffentlichen Raum kann Vorteile haben. Kund*innen, die eine trans Frau treffen möchten, wissen, dass sie sie dort kennen lernen können. Man kann sich untereinander unterstützen und zusammen die Wartezeit totschlagen. Sichtbarkeit heißt an diesem Ort, einander zu finden.
Sichtbarkeit in der Sexarbeit: Zwischen Schutz und Gewalt
Zugleich ist die Sichtbarkeit eine Gefahr. Im Band „Trap Door: Trans Cultural Production and the Politics of Visibility“, herausgegeben 2017 von Tourmaline, Eric A. Stanley und Johanna Burton wird die Sichtbarkeit von trans Personen, die ab den 2010er Jahren weltweit auf völlig neue Weise angestiegen ist, als Falltür beschrieben. Nicht, wie ein Tür, durch die man durchgehen kann, weg von dem einen und hin zu einem anderen, vielleicht schöneren Ort. Sondern eine Falle, die einem jederzeit den festen Boden unter den Füßen rauben kann.
So sind die Sexarbeiter*innen der Frobenstraße mit Pöbeleien, Drohungen und körperlicher Gewalt konfrontiert. Immer wieder berichten sie davon, dass Männergrüppchen gezielt mit dem Auto an ihnen vorbei fahren, um sie mit Flaschen zu bewerfen und zu beschimpfen. Dies ist nur durch ihre spezifische Sichtbarkeit, eine Hypervisibility, die sie als trans feminine Personen, die Sexarbeit leisten und auf den öffentlichen Raum als Arbeitsplatz angewiesen sind, erfahren. Sichtbarkeit ohne Schutz, ohne Ressourcen, ist gefährlich. Die aktuellen Zahlen vom Trans Murder Monitoring der Organisation TGEU (Trans Europe and Central Asia) zeigen auch dieses Jahr, dass Sexarbeiter*innen 34% der weltweit ermordeten trans Personen ausmachen.
Eigene Räume für trans* Sexarbeiterinnen: Mehr als nur ein Café
Aus diesem Grund kämpfte TransSexworks, eine Berliner Gruppe aus transSexarbeitenden, so lange für einen Raum, den sie selbst verwalten und den Bedürfnissen der eigenen Community entsprechend gestalten können. Die Immobilie der Gewobag wäre fußläufig vom trans* Straßenstrich gelegen, hätte nicht nur als Café, sondern auch als Wäsche- und Duschmöglichkeit, als Zufluchtsort vor Gewalt und zum sozialen Beisammensein dienen sollen. Alltäglichkeiten eines würdevollen Lebens, die für trans* Sexarbeitende nicht selbstverständlich sind.
Nicht nur Armut erschwert ihnen den Zugang zu sicheren Räumen. Auch fehlende Papiere, Rassismus, Lücken im Lebenslauf und Transmisogynie spielen eine Rolle. Selbst wer sich einen Cafébesuch leisten kann, ist nicht überall willkommen oder fühlt sich dort wohl. Das Hurenstigma zieht sich durch die gesamte Gesellschaft. Es macht die Räume für jene, die es besonders hart trifft, klein und selten.
Die Gewobag wirbt online mit der „Diversität“ der Hauptstadt. Trotzdem hatte sie ihre Räume nach einer Zusage an das Projekt plötzlich an einen anderen Interessenten vermietet. Nun soll dort ein Dentallabor einziehen. Dieses Unternehmen ist nicht auf den Standort in Straßenstrich-Nähe angewiesen. Es bringt aber ein sauberes Image für das Viertel.
Wer nach Erklärungen sucht, vermutet schnell, dass die Gewobag das Café Julia als Spekulations-Joker genutzt hat, um eine höhere Miete zu erzielen. Was wirklich geschah, bleibt unklar.
Wenn Sexarbeit aus dem Netz verschwindet: Zensur auf Social Media
Die Kundgebung, um gegen den geplatzten Traum vom eigenen Space zu protestieren, ist eine der letzten großen Aktionen, die transsexworks sichtbar machen konnte. Der Instagram-Account, der mit über 10.000 Followerinnen international vernetzt war und für Nutzer*innen Bildung, Empowerment, Spendenmöglichkeiten und Community war, wurde im August von der zu Meta gehörigen Plattform ohne Warnung und natürlich ohne Begründung gesperrt. Eine Bitte, die Entscheidung noch einmal zu überprüfen, blieb wirkungslos.
Sexarbeitende haben seit jeher eine ambivalente Beziehung zu den sozialen Medien. Sie waren auf fast jeder Plattform Pionierinnen, machten sie, wie im Falle von Tumblr oder Twitter, durch ihren Content für eine breite Masse attraktiv und prägten insbesondere die Finanzierungsmodelle (Beispiel: Onlyfans). Die Europäische Allianz für die Rechte von Sexarbeiterinnen (European Sex Workers Rights Alliance, ESWA) zeigte 2022 in einer Studie, dass Plattformen Sexarbeitende systematisch mit Shadowbans belegen und ihre Accounts löschen.
„Die Zensur beschränkt sich nicht auf Bilder oder sexuelle Inhalte. Selbst Bildungs-, politische oder aktivistische Beiträge werden häufig markiert und entfernt. Begriffe wie „Sexarbeit“, „OnlyFans“ oder „Escort“ werden von Moderationsalgorithmen automatisch geflaggt – unabhängig davon, in welchem Zusammenhang sie verwendet werden. Dadurch wird schon das einfache Erzählen aus dem eigenen Leben, das Bewerben einer legalen Dienstleistung oder das Posten über Menschenrechte zum Grund für eine Löschung. Das schrieb Yigit Aydinalp, Programmdirektor bei ESWA, im Mai 2025 in einem offenen Brief an Meta.
Diese Zensur trifft auch Personen, Gruppen und Vereine in Ländern, in denen Sexarbeit legalisiert oder entkriminalisiert ist. Der Konzern stellt damit seine eigenen Moralvorstellungen über die örtlichen Gesetze und exportiert die Kriminalisierung der Sexarbeit aus den USA nach Europa.
Mit einem gelöschten Account verschwinden oft Jahre an geteiltem Wissen. Hinweise auf Gefahren, Materialien zur rechtlichen Beratung, Informationen für Migrant*innen, Kunstprojekte, Trauerbekundungen und Community-Geschichte sind dann weg. Alles wird mit einem einzigen Klick gelöscht.
Sexarbeitende können sich weder als Individuen online zeigen noch ihre Persönlichkeiten, Träume und Schicksale zum Ausdruck bringen. Sie dürfen auch nicht für sich selbst einstehen oder politische Diskurse mitbestimmen.
Plattformen, Profite und Rechte von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern
Selbst in Deutschland, wo Sexarbeit unter bestimmten Rahmenbedingungen legal ist, dominieren einige Tech-Unternehmen den virtuellen Raum, den Sexworker nutzen können. Die Plattformen sind von hohen Gebühren, schlechtem Service und der Priorisierung der Kundinnen-Egos vor der Sicherheit der Sexarbeiterinnen geprägt. Hurenstigma in Sprache und Struktur und keine Möglichkeiten der Mitbestimmung für die Nutzerinnen kommen noch hinzu. Mit ihnen ist viel Geld zu machen, solange sich kaum jemand für die Ungerechtigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, interessiert.
Wer spricht über Sexarbeit – und wer wird zum Schweigen gebracht?
Die Medien, sozial oder traditionell, sind paradoxerweise voll vom Thema Sexarbeit. Sex sells und Selling Sex verkauft sich gleich doppelt so gut. Über Sexarbeitende zu sprechen ist erlaubt, wird honoriert und hat schon so manche Publizist*innenkarriere befeuert. Auch dieses Jahr blieb die Community nicht von einer Debatte um die Kriminalisierung der Sexarbeit in Deutschland verschont.
Dabei ist unwichtig, wer die besseren Argumente oder die gelebte Erfahrung hat. Der Raum, in dem die Debatte ausgetragen wird, lässt nur eine der vielen Perspektiven auf das Thema zu: Die Perspektive derer, die mit echten Sexarbeitenden keine Räume teilen. Es ist praktisch, wenn man über eine Gruppe redet, die nicht antworten kann. Da muss man sich nicht um Präzision, Augenhöhe und Respekt dieser Gruppe gegenüber bemühen.
Trotz allem: Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter schaffen sich Raum
Auf dem Rückweg von der Kundgebung wirken die roten Regenschirme wie kleine, trotzige Punkte im grauen Stadtbild. Ja, das Café Julia wurde verhindert. Ja, TransSexworks wurde von Meta zum Schweigen gebracht. Und doch sucht die Gruppe weiter nach Möglichkeiten für ihren selbstverwalteten Raum im Kurfürstenkiez. Und doch gibt es bereits einen neuen Instagram-Account und überdies eine neue Website, die in Zukunft die Dokumentation und Vernetzung unabhängig von Meta & Co. ermöglichen soll. Diese Community kann nicht gelöscht werden. Es gibt keine Welt ohne Sexarbeiterinnen.
Symbol der Sexarbeit-Bewegung: Rote Schirme nach einer Kundgebung im Kurfürstenkiez.
FAQ: Häufige Fragen zu Sexarbeit, Rechten und sicheren Räumen
Hier beantworten wir zentrale Fragen zu Sexarbeit, den Arbeitsbedingungen von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern sowie den Herausforderungen, die besonders trans Personen in diesem Beruf erleben. Die FAQ bieten Orientierung und Hintergrundwissen zu Rechten, Sicherheit und gesellschaftlichen Debatten.
Was ist Sexarbeit? (Sexarbeit Definition)
Sexarbeit bezeichnet freiwillige sexuelle Dienstleistungen, die gegen Bezahlung erbracht werden. Der Begriff betont, dass es sich um Erwerbsarbeit handelt und nicht um Ausbeutung oder Zwang.
Warum gilt Sexarbeit als Arbeit?
Sexarbeit ist Arbeit, weil sie Leistung, Zeit, körperliche Präsenz und Professionalität erfordert. Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter verdienen damit ihren Lebensunterhalt und brauchen — wie andere Berufe — Schutz, Rechte und sichere Arbeitsbedingungen.
Warum sind trans Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter besonders gefährdet?
Trans Sexarbeitende erleben häufig Mehrfachdiskriminierung. Transfeindlichkeit, Stigma und soziale Ausgrenzung erhöhen das Risiko von Gewalt und fehlendem Zugang zu sicheren Räumen.
Welche Bedeutung haben rote Regenschirme in der Sexarbeit?
Der rote Regenschirm ist das internationale Symbol der Sexarbeit-Bewegung. Er steht für Schutz, Solidarität und die Forderung nach Rechten und Entkriminalisierung.
Warum arbeiten viele trans Personen in der Sexarbeit?
Viele trans Personen landen in der Sexarbeit, weil sie auf dem regulären Arbeitsmarkt stark diskriminiert werden. Fehlende Papiere, Transmisogynie, Brüche im Lebenslauf oder ein erschwerter Wohnungszugang führen dazu, dass reguläre Jobs schwer erreichbar sind. Sexarbeit bleibt dann oft einer der wenigen Wege, um Einkommen und Autonomie zu sichern.
Was ist der Unterschied zwischen Entkriminalisierung und Legalisierung von Sexarbeit?
– Legalisierung bedeutet: Sexarbeit ist erlaubt, aber nur innerhalb enger gesetzlicher Rahmenbedingungen. Wer diese nicht einhält, wird kriminalisiert. – Entkriminalisierung bedeutet: Sexarbeiter*innen werden nicht strafrechtlich verfolgt und können ihre Arbeit sicherer, selbstbestimmter und ohne Angst vor Polizei oder Stigma ausüben.
Wie können Nachbar*innen und Anwohner*innen Sexarbeiter*innen unterstützen?
Du kannst unterstützen, indem du: – respektvoll grüßt – nicht fotografierst – nicht anonym bei Behörden beschwerst – ihnen ihren Arbeitsraum lässt – Gewalt oder Übergriffe meldest – Vorurteile hinterfragst Viele Konflikte entstehen, weil Menschen Sexarbeiter*innen als „Problem“ statt als Menschen wahrnehmen.
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Neulich im Chat schickte mir ein attraktiver junger Mann ein Bild von sich: lässig an einem Tisch sitzend, auf dem weiße und andere Pülverchen ausgebreitet sind, grinst er in die Kamera. Eine Glaspfeife und andere Utensilien. Er lädt mich zu sich nach Hause ein. Ich sage, dass ich keine Drogen nehme, spiele aber trotzdem mit dem Gedanken, zu ihm zu gehen, denn ich bin horny, oder vielmehr: unruhig.
Ich denke an all die Nächte und Tage, an die Wochenenden, die bis Mittwoch dauerten, in denen ich selber high war. Seit acht Jahren lebe ich clean. Warum ich Drogen genommen habe? Die einfache Antwort: Weil ich süchtig bin. Die komplexere Antwort hat etwas damit zu tun, dass ich schwul bin, dass Drogen Teil der schwulen Geschichte sind, dass die Kontaktaufnahme zu anderen Männern – scheinbar – einfacher ist, wenn ein “soziales Gleitmittel” zur Verfügung steht.
„Chemsex: Zwischen Rausch, Liebe und Kontrollverlust“
Chemsex als Phänomen: Substanzen, Begriffe, Motive
Als ich noch konsumiert habe, nannten wir es PnP (“party and play”), auch heute noch wird, vor allem im Chat, h&h (“high und horny”) verwendet. Drogenkonsum scheint – zumindest in einem Teil der Szene – so normalisiert, wie es das Glas Wein zum Essen ist. Aber ist dieses Phänomen wirklich etwas Neues? Schließlich war “Sex and Drugs” schon die Devise in den 1970ern, als die schwule Clubkultur ihre Anfänge nahm. Doch wie unterscheidet sich Chemsex vom Substanzkonsum beim Feiern im Club?
Chemsex bezeichnet den Konsum von Substanzen (“Chems”) wie GHB/GBL, Ketamin, Mephedron, Crystal Meth und Monkey Dust vor oder während des Geschlechtsverkehrs. Der Begriff wird vor allem für schwule Kontexte bzw. für MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) verwendet. Die Substanzen werden in der Regel oral, nasal oder durch Inhalation eingenommen. Gerade bei Crystal Meth ist auch intravenöser Konsum zu beobachten.
Die Motive für Chemsex sind vielfältig: Wunsch nach Entgrenzung, Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit oder ein intensiveres sexuelles Erleben. Es sollen Scham und Tabus abgebaut, (scheinbare) Nähe, Intimität oder Beziehungen erzeugt, oder mit Stress und Unsicherheiten bezüglich des eigenen Körpers umgegangen werden. Somit wird das Phänomen auch als individueller und kollektiver psychologischer Abwehrmechanismus verstanden, um sich gesellschaftlichen und subkulturellen Erwartungen zu entziehen.
Zwischen Selbstoptimierung und Ekstase
An seinem Vortrag “Rausch und Sexualität” an der Chemkon Berlin im März 2025 sprach der Psychotherapeut und Philologe Dr. Dr. Stefan Nagel über die Relevanz von ekstatischen Zuständen: Je höher der Grad an Selbst- und Fremdkontrolle, umso stärker der Wunsch nach Kontrollverlust.
Als schwule Männer stehen wir unter einem hohen Druck von außen, den wir oft auch verinnerlichen. Damit wir von der Gesamtgesellschaft akzeptiert werden, müssen wir “echte Männer”, “normal” und stark sein, unsere Gefühle unter Kontrolle haben, produktiv und erfolgreich sein. Damit wir von anderen Schwulen akzeptiert werden, müssen wir jung und gutaussehend sein, unseren Körper trainieren, sexuell leistungsfähig und promiskuitiv sein.
Diese Anforderungen führen zu “Minderheitenstress” – wir tun alles, um perfekt zu sein: wir arbeiten länger, gehen öfters ins Gym, nehmen Viagra, um länger ficken zu können. Dass bei so viel Selbstkontrolle der Wunsch nach Kontrollverlust aufkommt, erscheint logisch. Und dass wir dafür zu Hilfsmitteln aller Art greifen, ebenfalls – gerade wenn sie einfach zugänglich und weitgehend akzeptiert sind. Sowohl Sex als auch Drogen sind “leiblich erlebbare, also reale Aufhebungen dessen, woran gelitten wird”, so Stefan Nagel in seinem Vortrag.
Chemsex & Intimität: Nähe, Körper, Sehnsüchte
Chemsex ist nicht nur Flucht vor etwas, sondern auch die Suche nach einer Intimität, die wir anderweitig vielleicht vermissen. Eine Intimität, die durch Drogen intensiviert wird. Vielleicht wollte der Junge neulich im Chat auch “nur” gehalten und geliebt werden. Stattdessen war alles, was ihm über die Lippen (oder über die Tastatur) kam: “Besam mich.”
Was bei Heterosex die Fortpflanzung unserer Spezies bedeutet, war für uns Schwule bis vor Kurzem noch ein Todesurteil. Seit HIV durch Medikamente in Schach gehalten werden kann, ging “Bareback” durch eine Phase der Fetischisierung und ist heute eher die Regel als die Ausnahme. Was ja auch komplett natürlich ist – ich möchte meinem Objekt der Begierde (oder der Liebe) so nah wie möglich sein.
Und genau hier setzen die Chems ein: Sie täuschen ein Verschmelzen vor, eine absolute Entgrenzung zwischen zwei (oder mehr) Männern. Eine quasi absolute Intimität mit jemandem, den ich in der Regel noch gar nicht kenne, dem gegenüber ich mich aber unter dem Einfluss des perfekten Drogencocktails komplett öffne.
Aber bedeutet Intimität wirklich Verschmelzen? Oder nicht vielmehr zu wissen, wo ich aufhöre und der andere beginnt? Großzügig zu sein, mit den eigenen und des anderen Fehlern? Mich verletzlich zu zeigen, machmal sogar unattraktiv, und missglückte Momente zuzulassen? Intimität wäre dann, wenn du trotzdem lachst, wenn du mich trotzdem liebst, wenn du trotzdem bleibst.
Die Chemsex-Community: Zwischen Safer Space und Abgrund
Die “German Chemsex Survey” – eine groß angelegte Befragung von 2024 – zeigte auf, dass MSM häufig von Minderheitenstress betroffen sind und Chemsex-User häufig psychisch belastet. Auffällig war jedoch, dass Männer, die Chemsex machen, weniger von internalisierter Homonegativität betroffen sind als Männer, die andere Substanzen (etwa Alkohol oder Poppers) beim Sex nehmen oder Drogen ohne Sex konsumieren.
“Internalisierte Homonegativität” bezeichnet bezeichnet die Verinnerlichung von gesellschaftlichen Vorurteilen – wodurch sich queere Menschen als andersartig, minderwertig oder sogar defekt erleben. Dass nun gerade von Chemsex-Usern weniger internalisierte Homonegativität berichtet wurde, erstaunt auf den ersten Blick, denn es wäre ja anzunehmen, dass Chemsex eine Coping-Strategie darstellt, um mit negativen Gefühlen umzugehen.
Als Mann, der ich mich selber in der Chemsex-Szene bewegt habe, bin ich nicht ganz so erstaunt über dieses Ergebnis. Gerade beim “Slammen” (also dem intravenösen Konsum) von Crystal Meth habe ich ein ungeheures Zugehörigkeitsgefühl erlebt zu einer überaus spezifischen Gruppe: schwul, HIV-positiv, Junkie, Slammer. Oder, wie es Prof. Dr. Daniel Deimel, einer der Autoren der Chemsex Survey, etwas positiver formuliert: “Chemsex-Community als Safe Space?”
Chemsex als eine Art Kommunion von Außenseitern also, so weit an die äußersten Ränder der Gesellschaft gerückt, dass ein Gefühl von Ankommen erlebt wird, wenn wir an jenen Rändern andere Männer finden, die auf das Gleiche stehen wie wir. Und gerade Crystal Meth führt dabei zu einem Gefühl der Überlegenheit. Wir fühlen uns einzigartig, weil wir es sind. Wir finden Stolz in unserem Kaputtsein.
Wenn Chemsex zur Falle wird: Vom Rausch zum Problem
“Ohne was zu nehmen auf einen Chill? Ich könnte das nicht.” Ein anderer attraktiver Mann, bevor wir zu knutschen beginnen. Ich bin wieder einmal auf einem “Chill” gelandet, einer der privaten Drogen-und-Sex-Veranstaltungen, die so einfach im Chat zu finden sind. Auch in meiner Abstinenz bin ich immer noch von der Gemeinschaft außerhalb der Gesellschaft angezogen.
Gerade weil Chemsex-User dieses Gemeinschaftsgefühl erleben, ist es für Männer, die ihren Konsum als problematisch empfinden, schwierig, aus diesem Kontext hinauszufinden. Erschwerend kommt hinzu, dass schon schwierig ist zu erkennen, dass ein Problem besteht, wenn man nur von anderen Konsumenten umgeben ist. Tatsächlich findet in der Szene – analog zum “Sero-Sorting”, also nur Sex mit Männern mit dem gleichen HIV-Status zu haben – sozusagen ein “Chems-Sorting” statt.
Von der Einsicht, dass ein Problem bestehen könnte, ist es oft ein großer Schritt, bis Hilfe in Anspruch genommen wird. Ich persönlich musste unzählige Male nach einem tagelangen “Binge” zu Hause “crashen”, allein und ohne meine “verschworene Gemeinschaft”, bis mir bewusst wurde, dass ich das, was ich beim Chemsex suchte, gar nicht fand. Die Suche war zur Sucht geworden.
Wege aus dem Chemsex: Hilfe, Gruppen & neue Intimität
Für MSM, die Chemsex betreiben, gibt es je nach Bedürfnis verschiedenste Angebote. Wer seinen Konsum risikoärmer gestalten will, kann seine Drogen testen lassen – in Berlin etwa an drei verschiedenen Standorten, darunter die Schwulenberatung. Drug-Checking Berlin gibt auf seiner Webseite auch aktuelle Warnungen über bestimmte Substanzen heraus. Auf verschiedensten Webseiten, unter anderem der Deutschen Aids-Hilfe, finden sich Informationen zu “Safer Use”, also Maßnahmen, um den eigenen Konsum möglichst risikoarm zu gestalten.
Wird der Substanzgebrauch problematischer, unterstützt in Berlin der Drogennotdienst. Auf der Webseite der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen ist ein Suchthilfeverzeichnis für alle Bundesländer zu finden. Wer als schwuler Mann Beratung sucht, kann sich niederschwellig an die Schwulenberatung, den Checkpoint Berlin oder die Aids-Hilfe wenden. Der “Chemsex-Check” des Checkpoints bietet Orientierung, ob ein Problem bestehen könnte. Die Aids-Hilfe organisiert in verschiedenen Städten Gesprächsgruppen, in Berlin bei Mann-O-Meter. Bei der Schwulenberatung Berlin gibt es eine wöchentliche offene queere Suchtgruppe. Hier werden in ungezwungener und vorurteilsfreier Umgebung Erfahrungen ausgetauscht.
Und für diejenigen von uns, für die Chemsex tatsächlich zum Problem geworden ist, gibt es die Möglichkeit von Entgiftungen sowie ambulanter und stationärer Reha an medizinischen Kliniken oder spezialisierten Institutionen. Die bisher einzigen Kliniken mit Programmen für Chemsex-User sind die Salus-Klinik in Köln-Hürth und das Haus Lenné in Berlin.
Wer sich längerfristig für den Weg der Abstinenz entscheidet, findet Gleichgesinnte in 12-Schritte-Gruppen wie Crystal Meth Anonymous oder Narcotics Anonymous. Dort werden Erfahrungen über die eigene Abstinenz – in den Gruppen wird dies “Genesung” genannt – ausgetauscht und Gemeinschaft gelebt – nicht selten entstehen hier enge Freundschaften. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie wir nüchtern zu einer erfüllten Sexualität (zurück-)finden können, sondern auch, wie wir überhaupt eine nachhaltige Intimität und damit ein erfülltes Leben aufbauen können.
FAQ zu Chemsex – Definition, Erfahrungen und Therapie
Chemsex wirft viele Fragen auf: Was ist Chemsex genau, wie sieht eine klare Chemsex Definition aus, welche Chemsex Therapie gibt es und wie gehen andere mit ihrer Chemsex Erfahrung um? Die wichtigsten Punkte habe ich dir hier zusammengefasst.
Was ist Chemsex?
Chemsex bezeichnet Sex unter dem Einfluss bestimmter Drogen, zum Beispiel Crystal Meth, GHB/GBL, Mephedron oder Ketamin. Diese Substanzen werden gezielt konsumiert, um Lust, Ausdauer, Enthemmung oder Nähe zu verstärken. Meist wird der Begriff in schwulen Kontexten oder bei MSM (Männern, die Sex mit Männern haben) verwendet.
Chemsex Definition – wie lässt sich das knapp zusammenfassen?
Eine häufig genutzte Chemsex Definition lautet: Chemsex ist der geplante Gebrauch psychoaktiver Substanzen im Zusammenhang mit sexuellen Begegnungen, um bestimmte körperliche oder emotionale Effekte zu erzielen – etwa mehr Lust, weniger Scham oder ein intensiveres Gemeinschaftsgefühl.
Warum machen Menschen Chemsex? (Chemsex Erfahrung)
Viele berichten in ihrer Chemsex Erfahrung von Gefühlen wie: – weniger Hemmungen und Scham – gesteigerter sexueller Leistungsfähigkeit – intensiver Nähe oder „Verschmelzung“ mit anderen Gleichzeitig beschreiben manche auch sehr belastende Chemsex Erfahrungen: Kontrollverlust, Abstürze nach tagelangen Sessions, Einsamkeit danach oder Schwierigkeiten, ohne Drogen noch Sexualität zu erleben.
Welche Möglichkeiten der Chemsex Therapie gibt es?
Unter Chemsex Therapie versteht man keine einzelne Methode, sondern verschiedene Hilfsangebote, zum Beispiel: – Beratungsgespräche bei queeren Beratungsstellen oder Aidshilfen –Suchtberatung und ambulante Therapie, wenn der Konsum außer Kontrolle gerät –Stationäre Programme (Reha, Entgiftung) in Kliniken mit Chemsex-Schwerpunkt –Selbsthilfegruppen wie Crystal Meth Anonymous oder Narcotics Anonymous Ziel einer Chemsex Therapie kann sein, den Konsum zu reduzieren, sicherer zu gestalten oder ganz auszusteigen – und gleichzeitig eine Sexualität zu entwickeln, die auch ohne Drogen stimmig ist.
An wen kann ich mich wenden, wenn ich über meine Chemsex Erfahrung sprechen möchte?
Wenn du das Gefühl hast, deine Chemsex Erfahrung beschäftigt dich, kannst du dich an queere Beratungsstellen, Aidshilfen, spezialisierte Suchtberatungen oder Online-Chats (siehe unten) wenden. Dort kannst du vertraulich und anonym über deine Situation sprechen und gemeinsam klären, ob und welche Form von Unterstützung (z.B. Chemsex Therapie oder Selbsthilfegruppe) für dich passen könnte.
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Bei einem Film mit dem Titel „Sauna“ darf man zu Recht schnellen, unverbindlichen Sex erwarten. Doch den norwegischen Regisseur Mathias Broe interessiert auch, welche Bedürfnisse dabei unbefriedigt bleiben – und wie man mit einer Männerbeziehung selbst in der queeren Community anecken kann.
Mehr als Sex in der gay sauna
Diffuses Licht, das die Körper lediglich erahnen lässt, schafft eine schummrige Atmosphäre. In Johans Leben scheint es niemals hell zu sein. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die ersten Szenen. Wo wir uns befinden, das wird – zumindest der kundigen Zuschauerschaft – durch den Sound klar. Stöhnen, keuchen, lautes Atmen. Geräusche, wie sie in jedem x-beliebigen Darkroom zu hören sind. Schweiß, Poppers und Gleitgel kann man förmlich riechen. Ob ein Quickie im Keller der Schwulenbar, in der Kabine der Sauna oder der Fick mit einem Grindr-Date – Johan (Magnus Juhl Andersen) lebt seine Sexualität in vollen Zügen aus. Und sogar sein Arbeitsplatz ist ganz und gar davon bestimmt, denn der junge selbstbewusste Mann aus der norwegischen Provinz jobbt in Kopenhagens einziger schwuler Sauna „Adonis“. Dort gibt er am Empfang Handtücher aus, stopft gebrauchte in die Waschmaschine und putzt am Morgen die Spermaspuren der vergangenen Nacht von der Gloryhole-Wand.
Johan in einer überfordernden Sexszene in der gay sauna.
Johan zwischen Darkroom und gay sauna
Doch so paradiesisch und verheißungsvoll sich diese hypersexualisierte Welt für viele auch anhören mag: Johan spürt, dass diese endlos aneinandergereihten, austauschbaren Sexdates letztlich bedeutungslos sind und deshalb eine unbestimmte Leere hinterlassen. Immer wieder scrollt er durch das Angebot der Dating-Apps auf der Suche nach dem nächsten Kerl, dem nächsten Kick. „Auf Grindr wirst du keine Freunde finden“, sagt sein Arbeitskollege in der Sauna.
Wie die gay sauna zur Bühne wird
Regisseur Mathias Broe, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat (eine Adaption eines Romans von Mads Ananda Lodahl), skizziert dieses Dilemma in wenigen, aber umso prägnanteren Momentaufnahmen. Weder bewertet noch überdramatisiert er diesen von Sex bestimmten Lebensstil, noch setzt er ihn provokant in Szene. Stattdessen schildert er in diesem ersten Kapitel seines Spielfilmdebüts ein Lebensgefühl und eine Lebenswelt, wie sie sehr vielen schwulen Männern bekannt vorkommen dürfte. Und wahrscheinlich kann auch nur ein queerer Regisseur so beiläufig und selbstverständlich eine Analdusche in eine Handlung einbauen oder das Schmatzgeräusch von Gleitgel einfangen.
Liebe statt anonymer Treffen in der gay sauna
Mit dem nächsten Online-Date aber ändert sich fast alles in Johans Leben. Der junge Mann mit Namen William, der vor seiner Wohnungstür steht, ist etwas unsicher und schüchtern, aber ganz süß dabei. Als sich die beiden dann doch körperlich näherkommen, bittet William ihn, ihm nicht an die Brust zu fassen. Ein Moment der Irritation, dann wird Johan klar: sein Date ist ein Trans-Mann. Hätte er eigentlich wissen können, wenn er sich für seine Sexpartner wirklich interessierte und das Datingprofil tatsächlich auch gelesen hätte. Johan überwindet seine anfängliche Unsicherheit und bittet William (gespielt von der trans Schauspieler*in Nina Terese Rask) zu bleiben. Etwas fasziniert ihn an William, er spürt eine Nähe und wachsende Vertrautheit, wie er sie bei seinen bisherigen Sexdates nicht erlebt – oder vielleicht auch gar nicht zugelassen hat.
Johan und William teilen einen zärtlichen Moment im Bett.
Wie sich aus dieser eigentlich als One-Night-Stand geplanten Begegnung eine innige Romanze entwickelt, erzählt Mathias Broe ganz aus der Warte Johans. Der ist gleichermaßen berauscht und überfordert von seinen Gefühlen. Die Sexszenen sind voller Leidenschaft, explizit und zugleich zurückhaltend. Für Johan eröffnet sich aber auch in anderer Hinsicht eine neue Welt. Da sind Willams frustrierender und demütigender Kampf mit den Behörden um Zugang zu angleichenden Operationen und Hormonen. Und da sind Williams queerer Freundeskreis und ihr unterstützendes Miteinander, wie auch deren Locations und Partys, die sich doch sehr deutlich von den schwulen Cruisingorten unterscheiden, die Johan bislang vor allem frequentiert hat.
Grenzen der Toleranz in der gay sauna
Doch dieser Clash der Kulturen und sexuellen Identitäten verläuft nicht so reibungslos, wie sich Johan das in seiner Verliebtheit gedacht hat. In der Sauna ist William als Gast nicht gewünscht und fliegt hochkant raus. Mit „Man only“ sind hier eben nur Cis-Männer gemeint. Doch nicht nur an seinem Arbeitsplatz und in seinem Bekanntenkreis stößt Johans Liaison auf Unverständnis bis hin zu direkter Ablehnung. Auch er selbst gerät im Austarieren dieser Beziehung an seine Grenzen. Eine klassische Love-Story mit kitschigem Happy End darf man hier nicht erwarten. Das würde auch der realistischen Herangehensweise von Regisseur Mathias Broe widersprechen, der mit „Sauna“ auf unaufgeregte Weise auch die fragile Toleranz innerhalb der queeren Szene und deren Debatten spiegelt.
Die Community, sagt Broe, sei ständigen und vielfältigen politischen Angriffen von rechts ausgesetzt. „Umso wichtiger ist es für ihn “eine nachvollziehbare Geschichte über Liebe zu erzählen und gleichzeitig die spezifischen Facetten queerer Erfahrungen aufzuzeigen, um hoffentlich zu einem besseren Verständnis beizutragen.“
Dass dies selbst zwei Menschen schwierig fallen kann, die scheinbar füreinander geschaffen sind, die sich begehren und lieben können, gelingt den beiden Hauptdarsteller:innen sehr authentisch und eindrücklich zu vermitteln. Aber vielleicht müssen William und Johan erst für sich selbst klären, wer sie eigentlich sind, und was sie für sich und ihr Leben wünschen. Ob es für die beiden dennoch ein Happy End geben kann? Mathias Broe lässt das zum Glück offen. Die Wirklichkeit ist eben doch meist komplexer und komplizierter, als uns das schlichter gestrickte Wohlfühlfilme vermitteln wollen.
Pressefoto des Regisseurs des queeren Liebesfilms „Sauna“.
„Sauna“. RegieMathias Broe. Mit Magnus Juhl Andersen, Nina Terese Rask, Dilan Amin. DK 2025, dänisch-schwedische OF mit deutschen UT.
Ab Anfang November in der Queerfilmnacht. Regulärer Kinostart: 20. November. Link zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=skc7j4iG1rI
Ein Erfahrungsbericht einer trans Frau über Selbstbestimmung, Vertrauen und Solidarität
Bevor ich überhaupt mit PrEP angefangen habe, wollte ich verstehen, was diese Tablette eigentlich macht. PrEP schützt den Körper vor einer möglichen HIV Infektion. Das Medikament blockiert das Virus, bevor es sich im Körper einnisten kann. Es ist keine Garantie, aber eine wirksame Vorsorge.
Medizinischer Start mit PrEP: HIV-Tests, Werte und Verantwortung
Bevor ich angefangen habe, wurden meine Blutwerte kontrolliert, HIV Test, Nieren und Leberwerte, Hormone. Ich erinnere mich an das Warten auf die Ergebnisse. Dieses stille Zittern zwischen Hoffnung und Angst. Die Werte waren unauffällig. Kreatinin 0.81, GFR über 60, also stabile Nierenfunktion. Leber unauffällig. Hormone im Zielbereich, Estradiol 141, Testosteron 1.80. Kein Hinweis auf Infektionen. Alles im grünen Bereich. Ich war bereit. Bereit, Verantwortung zu übernehmen, für mich selbst, für meinen Körper, für die Menschen, mit denen ich Nähe teile.
Alltag mit PrEP: Routine, Emotionen und Selbstbestimmung
Ich habe PrEP einen Monat lang jeden Tag genommen. Ohne Ausnahme. Keine Tablette vergessen. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, nicht nur medizinisch, sondern emotional. Als trans Frau, die ohnehin täglich Hormone nimmt, war das nichts Neues. Medikamente gehören zu meinem Alltag. Aber PrEP war anders. Kein Teil meiner Transition, kein Schritt nach außen. Sondern etwas nach innen. Etwas, das mit Vertrauen zu tun hat. Die Tabletten sind groß. Ehrlich, das war anfangs eine kleine Überwindung. Ich hab tief durchgeatmet, geschluckt und irgendwann wurde es Routine.
Jeden Tag eine PrEP Tablette – Sicherheit, Selbstbestimmung und Vertrauen werden zur Routine.
Etwas ganz Eigenes. Ich habe so oft erlebt, dass andere über meinen Körper entscheiden wollten. Ärzt*innen, Gutachter*innen, Behörden. Mit PrEP war das zum ersten Mal wieder meine Entscheidung. Mein Körper, mein Schutz, mein Vertrauen. Mein Körper war so lange ein politisches Terrain. Mit PrEP wurde er ein sicherer Ort. Für mich. Und für andere. Körperlich hat sich kaum etwas verändert. Nur Kopfschmerzen, ab und zu. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht am Medikament. Ich weiß es nicht. Aber das Entscheidende war nicht körperlich. Es war etwas anderes. Etwas Emotionales.
Nähe und Fürsorge: Wie PrEP Sicherheit in Beziehungen schafft
Ich habe keine Berührungsängste mit Menschen, die HIV positiv sind. Früher vielleicht, ja. Ich bin in einer Welt groß geworden, in der HIV mit Angst verknüpft war. Mit Schuld, mit Stigma. Aber das ist lange her. Ich habe Menschen kennengelernt, zugehört und gelernt.. Besonders im Sexwork Bereich, wo Vertrauen, Schutz und Verantwortung so eng miteinander verwoben sind. PrEP hat dieses Gefühl verändert. Es hat mir Sicherheit gegeben. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Menschen, mit denen ich intim war. Wenn man Menschen wirklich mitdenkt, wenn man ihre Sicherheit genauso ernst nimmt wie die eigene, dann verändert sich Nähe. PrEP verringert nicht nur das Risiko einer Infektion. Es nimmt etwas von dieser Schwere, die auf Intimität liegt. Und das ist vielleicht die eigentliche Prävention.
Arbeit und Risiko: Warum viele trans Frauen PrEP brauchen
Viele trans Frauen Weltweit sind im Sexwork, und das ist kein Zufall. Diskriminierung, Armut, Ablehnung auf dem Arbeitsmarkt, fehlende Dokumente, fehlende Sicherheit, Unsichtbarkeit, Anti-Trans Gesetze. All das drängt viele in Bereiche, die andere meiden. Und gleichzeitig sind genau diese Räume oft die einzigen, in denen trans Frauen gesehen werden, begehrt, aber nicht immer respektiert. PrEP hat in dieser Realität eine andere Bedeutung. Sie ist nicht bloß Schutz vor einem Virus. Sie ist Schutz vor einem System, das uns ständig als Risiko definiert. Wenn die Gesellschaft einem sagt, du bist gefährlich, dann wird Selbstschutz zu einer Form von Würde. Zu einer Form von Widerstand.
Zugang und Versorgung: Hürden im Gesundheitssystem für trans Frauen
Ich habe Kolleg*innen gesehen, die in dieser Unsicherheit leben. Viele wollen sich schützen, wissen aber nicht, wo sie PrEP bekommen, oder trauen Ärzt*innen nicht, weil sie zu oft spüren, dass sie dort nicht gemeint sind. Dabei sind sie es, die PrEP am meisten brauchen. Und am wenigsten bekommen. Ich musste mir nicht nur mein Geschlecht erkämpfen, sondern auch meinen Zugang zu Schutz. Mein erster Arztbesuch für PrEP war freundlich, aber unbeholfen. Er wusste nicht, was er mit mir anfangen sollte. Fragte, ob ich trotz Hormonen Sex mit Männern habe. „Männern“. Ob das überhaupt nötig sei. Ich musste erklären, dass Schutz nichts mit Identität zu tun hat. Es geht um Leben, um Fürsorge.
Wenn queersensible Versorgung fehlt, bleiben Lücken.
Viele trans Frauen haben keine Ärzt*innen, die sie ernst nehmen. Sie müssen sich ihre Gesundheitsversorgung selbst zusammenbauen, mit Wissen aus der Community, mit gegenseitiger Unterstützung. PrEP wird so auch ein Symbol. Ein Ausdruck kollektiver Fürsorge in einer Gesellschaft, die uns oft sich selbst überlässt. Mein jetziger Arzt ist da ganz anders. Er ist sehr aufgeklärt, sehr sensibel, fragend und nicht übergriffig. Abgesehen davon, dass ich dort auch meine Hormonbehandlung bekomme. Die Praxis selbst ist queer und trans, und das merkt man. Man spürt, dass man da nicht Patientin zweiter oder gar keiner Klasse ist. Kleine ungesponserte Schleichwerbung. ViRo Schillerkiez. Danke fürs einfach normal sein.
Mehr als Medizin: PrEP als Selbstbestimmung, Solidarität und Fürsorge
Trans Frauen werden in der Medizin oft als Risiko betrachtet. Als Statistik. Als Kategorie. Aber selten als Menschen, die Verantwortung übernehmen, die Fürsorge leben, die sich schützen und gleichzeitig andere mitdenken. Wenn eine trans Frau PrEP nimmt, ist das nicht nur medizinisch. Es ist auch politisch. Es ist ein Ich bestimme über meinen Körper. Ich nehme mir, was mir zusteht. Ich schütze mich, weil ich leben will. Nicht, weil ich ein Risiko bin. Ich weiß, dass viele trans Frauen mit HIV leben. Und dass dieses Thema in unserer Community oft verschwiegen wird. Es gibt so viele, die doppelt stigmatisiert werden.
Für ihr Geschlecht. Für ihren HIV Status. HIV positiv und trans zu sein schließt sich nicht aus. Es heißt nur, dass man doppelt gegen Vorurteile ankämpfen muss. Ich bin HIV negativ, aber ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Körper als Risiko gesehen wird. Vielleicht verstehe ich deshalb, wie viel Liebe in dieser kleinen Pille steckt. Für mich ist PrEP auch ein Zeichen von Solidarität. Ein Ich sehe dich. Ein Ich will, dass du dich sicher fühlst. Ich hatte nie Angst vor HIV positiven Menschen. Aber ich kenne die Angst vor der eigenen Verletzlichkeit. Und PrEP hat mir geholfen, diese Angst in Vertrauen zu verwandeln.
Zwischen Stigma, Verletzlichkeit und Selbstschutz – PrEP als mehr als nur Medizin für trans Frauen.
PrEP politisch gedacht: Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Präventionskultur
Ich denke oft darüber nach, wie PrEP politisch gelesen wird. Für cis schwule Männer war sie ein Befreiungsschritt, ein Symbol sexueller Selbstbestimmung. Für trans Frauen ist sie das auch, aber auf einer anderen Ebene. Sie ist nicht nur Schutz, sondern Sichtbarkeit. Wir sind Teil dieser Präventionskultur, auch wenn wir in Studien oft fehlen. Ich wünsche mir, dass man uns nicht nur als Risikogruppe sieht, sondern als Menschen, die Verantwortung tragen. Dass unsere Geschichten über Fürsorge, Liebe und Vertrauen genauso erzählt werden wie unsere Statistiken.
Ich sehe PrEP als Teil einer größeren Bewegung. Einer, die sagt, dass Fürsorge radikal sein kann. Dass Sicherheit kein Privileg sein sollte. Und dass Solidarität manchmal in einer kleinen blauen Tablette beginnt. Ich denke heute oft daran, wie viel ich meinem Körper abverlangt habe. Wie viel er ausgehalten hat. Und dass ich ihm dafür endlich etwas zurückgeben wollte. Vielleicht ist das der wahre Grund, warum ich PrEP genommen habe. Nicht nur, um mich zu schützen, sondern um mich zu halten. Mir selbst näher zu kommen.
FAQ zu PrEP
Dieser FAQ-Bereich bündelt Antworten zu PrEP für trans Frau: Wirkung gegen HIV, Einnahme, Verträglichkeit, Zugang und wie Prävention Selbstbestimmung und Fürsorge stärkt.
Was ist PrEP und wie schützt sie vor HIV?
PrEP ist eine vorbeugende Medikamenteneinnahme, die das Risiko einer HIV-Infektion stark senkt, wenn sie korrekt eingenommen wird. Sie ersetzt keine Kondome und schützt nicht vor anderen STI.
Wie beginnt man mit PrEP?
Vor dem Start gehören ein aktueller HIV-Test, Nierenwerte und weitere Basischecks in eine ärztliche Abklärung. Danach erfolgen regelmäßige Kontrollen und Testungen auf STI in vereinbarten Abständen.
Verträglichkeit: Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?
Viele Menschen vertragen PrEP gut. Zu Beginn können vorübergehend Kopfschmerzen, Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollte die behandelnde Praxis kontaktiert werden.
Verträgt sich PrEP mit einer Hormonbehandlung?
PrEP gilt in der Regel als kombinierbar mit einer feminisierenden Hormontherapie. Dennoch sind individuelle Unterschiede möglich; regelmäßige medizinische Kontrollen sind wichtig.
Wo bekomme ich PrEP und Beratung?
Anlaufstellen sind HIV-Schwerpunktpraxen, Checkpoints, Aidshilfen und queer-freundliche Haus- oder Fachärztinnen und -ärzte. Dort erhältst du Beratung, Tests und die laufende Begleitung.
Über die Autorin Joelina Yavaş
Trans Autorin und queer-muslimische Aktivistin, die über Körper, Verletzlichkeit, PrEP, HIV-Prävention und sichere Räume für marginalisierte Menschen schreibt.
Joelina Yavaş ist trans Frau, Autorin und queer muslimische Aktivistin. In ihren Texten schreibt sie über Körper, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung und über die Wege, auf denen trans und mehrfach marginalisierte Menschen sich Räume von Sicherheit und Nähe zurückholen.
Instaprofil: @drjoelina und das öffentliche: @joelina_j
Mein Block – Trans & trotzig: https://ko-fi.com/joelina
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Neueste empirische Erhebungen zeigen einen Abwärtstrend in der Akzeptanz von queerer Vielfalt. Davon besonders betroffen sind trans Menschen. Das von der Robert Bosch Stiftung in Auftrag gegebene „Vielfaltsbarometer 2025“ bestätigt den Trend. Zwar liege die Akzeptanz weiterhin im positiven Bereich, nehme allerdings ab. Da die Studie trans als sexuelle Orientierung einordnet, bleiben spezifische Erkenntnisse weitgehend ausgeklammert.
Zahlen und Trends – warum Transfeindlichkeit ansteigt
Zwei Aussagen jedoch haben einen trans Fokus und hier fallen die Werte besonders ins Auge: „Transsexuelle sollten unter sich bleiben“ und „Das Geschlecht zu ändern ist wider die Natur“. Die erste Aussage lehnten immerhin 56 % der Befragten ab, bei der zweiten waren es nur noch 34 %, während 23 % dem uneingeschränkt zustimmten (dazwischen noch die Abstufungen „stimmt wenig“ mit 18 % und „stimmt ziemlich“ mit 12 %).
Was den Abwärtstrend bei der Akzeptanz angeht, so kennen wir entsprechende Befunde bereits aus den USA. Allerdings ist diesen empirischen Momentaufnahmen nicht zu entnehmen, warum das so ist. Genau das aber ist die eigentlich spannende Frage. Die Rede ist dann oft von Überforderung der Mehrheitsgesellschaft durch bestimmte Themen, auch von einer zunehmenden politischen Polarisierung mit der Folge einer Spaltung der Gesellschaft.
Die Dauerbeschallung durch Rechtspopulisten und Rechtsextremisten – flankiert von angeblich feministischen sowie religiös-fundamentalistischen Gruppen – spielt eine wichtige Rolle. Das gilt umso mehr, wenn transfeindliche Positionen zum Regierungsprogramm erhoben werden, wie bei der erneuten Trump-Präsidentschaft in den USA seit Anfang des Jahres. Woran zum einen die Manipulierbarkeit von Einstellungen wie auch die Neigung, sich allgemeinen Stimmungen anzuschließen, leicht abzulesen ist.
Was bedeutet Transfeindlichkeit – und wen trifft sie?
So oder so, an der Tatsache, dass die Transfeindlichkeit in der Gesellschaft aktuell ansteigt, kommen wir nicht vorbei. Weil dem so ist, will ich mich hier näher mit der Frage befassen, was wir uns unter Transfeindlichkeit vorstellen müssen. Denn ihre Formen sind breit gefächert und auf den ersten Blick nicht unbedingt immer erkennbar. Leicht erkennbar jedoch sind ihre offenen Formen. Hass und Gewalt sind die sichtbarsten. Deren Anstieg dokumentiert wiederum die Polizeistatistik, wobei von einem nicht bezifferbaren Dunkelfeld auszugehen ist, also von Diskriminierungen, die gar nicht erst gemeldet und angezeigt werden, und auf der anderen Seite dürfte bei den steigenden Zahlen registrierter transfeindlicher Straftaten der letzten Zeit eine wachsende Sensibilisierung bei der Erfassung eine Rolle spielen.
Um noch einmal auf das „Vielfaltsbarometer“ zurückzukommen. Auch darin wird Transfeindlichkeit zahlenmäßig ausgedrückt. Wenn nämlich 13 % der Befragten der Ansicht zustimmen, trans Personen sollten unter sich bleiben und 8 % diese Ansicht weitgehend teilen, dann heißt das nichts anderes, als dass sich ungefähr jeder Fünfte gegen die soziale Sichtbarkeit von trans ausspricht. Auch ohne die konkreten Motive zu kennen, so entspringen soziale Ausschlüsse am ehesten einer wie auch immer geprägten feindlichen Haltung. Auf jeden Fall stellt eine solche Haltung sowohl die Gleichberechtigung wie auch die gesellschaftliche Teilhabe von trans Personen in Frage.
Auch für das zweite Statement sprechen die Zahlen im negativen Bereich für eine tendenzielle transfeindliche Haltung. Denn wer trans für widernatürlich hält, verortet sie am Ende im Spektrum von Krankheit und Perversion. Hier bliebe anzumerken, dass Biologie grundsätzlich als Einspruch gegen trans instrumentalisiert wird. Doch liegt dem ein Denkfehler zugrunde, indem man sich nämlich auf einen eingeengten, kulturell geprägten Begriff von Natürlichkeit beruft. Ich werde darauf später näher eingehen. Nur so viel vorab: Das Biologie-Argument im Kontext von trans erweist sich als einer der Favoriten im Sortiment transfeindlicher Narrative.
Verdeckte Transfeindlichkeit: interne Dynamiken in trans und queeren Communities
Ich will mich hier auf die versteckte, nicht immer offensichtliche Transfeindlichkeit konzentrieren, die gewissermaßen durch die Hintertür auftritt. Dass wir sie auch in der queeren Community und selbst in der trans Community finden, mag vielleicht überraschen und befremden, gehört aber leider zum Alltag. Die Beweggründe dafür sind schwer auszumachen, denn wenn eine trans Frau sich selbst als krank und anormal bezeichnet, sich vehement gegen die geschlechtliche Selbstbestimmung ausspricht, die sie letzten Endes durch ihre Transition ja in Anspruch genommen hat, mögen wir das zwar als eine regressive Haltung wahrnehmen, aber der eigentliche Beweggrund ist nicht zu erkennen. Ob es beispielsweise aus Selbsthass geschieht oder es sich um eine Internalisierung negativer Fremdzuschreibungen handelt, kann nur gemutmaßt werden.
SBGG im Fokus: Schutz der Selbstbestimmung vs. Missbrauchsdebatte bei trans
Ein breites Einfallstor für Transfeindlichkeit ist die Missbrauchs-Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) und die Tatsache, dass diejenigen, die es für eine Namens- und Personenstandsänderung (Änderung des Geschlechtseintrags) nutzen, weil sie trans, inter oder nichtbinär sind und deshalb einen nachvollziehbaren Grund haben, dies zu tun, durch einen niederschwelligen Antrag beim zuständigen Standesamt und durch Selbstauskunft erreichen. Genau das entspricht dem Kern geschlechtlicher Selbstbestimmung.
Seit knapp einem Jahr ist nun das SBGG in Kraft und scheint im Großen und Ganzen zu funktionieren. Aktuell sollen es 22.000 Menschen bundesweit sein, die das Gesetz bisher in Anspruch genommen haben, wobei anzunehmen ist, dass die Zahl künftig niedriger liegen wird, denn mittlerweile dürfte der Anfangsstau abgebaut sein. Allerdings gab es darunter einen offenkundigen Missbrauchsfall durch eine rechtsextreme Person, einen Missbrauch mit Ansage und aus politischen Gründen, vor allem um das SBGG in Misskredit zu bringen.
Symbolbild: SBGG schützt Selbstbestimmung – die Missbrauchsdebatte nährt transfeindliche Narrative.
Missbrauchsfall einordnen: SBGG schützen, Selbstbestimmung stärken – gegen transfeindliche Rückschritte
Dass dadurch jedoch der Rechtsstaat ins Wanken kam oder das SBGG und damit die geschlechtliche Selbstbestimmung in Frage gestellt ist, lässt sich trotz einer aufgeheizten medialen Debatte wirklich nicht behaupten. Dass ein solcher Missbrauch letztlich einem transfeindlichen Impuls folgt, liegt auf der Hand. Die Lösung kann aber nicht sein, das Prinzip der Selbstbestimmung zu canceln, um etwa zur Begutachtung zurückzukehren, wie wir sie vom sogenannten Transsexuellengesetz kannten. Die Lösung kann nur sein, so meine Ansicht, dass ein offenkundiger Missbrauch eine Strafe nach sich zieht. Das heißt, das SBGG bedarf der Strafbewehrung.
Schon die Entstehung des SBGG war von einer anhaltenden Missbrauchs-Debatte begleitet, die ein hochgradig transfeindliches Potential enthielt. Diskutiert wurde beispielsweise, dass Männer das Gesetz nutzen könnten, um sich Zugang zu geschlechtsspezifischen Räumen zu verschaffen, also Zugang zur Frauensauna, zum Frauengefängnis und allen Orten, die für weibliche Personen reserviert sind, wie Toiletten, Umkleideräume usw. Aber auch, um für sich etwa die Frauenquote zu kapern oder Frauenparkplätze in Anspruch zu nehmen.
Selbst wenn dabei stets von Männern die Rede war, gerieten so auch trans Frauen unter den Radar des Missbrauchsverdachts, verbunden mit der Schlussfolgerung, dass der geänderte Geschlechtseintrag zwar auf dem Papier stehe, aber nicht in der Realität gelte. Vorbehalte und Ressentiments gegen trans Frauen schlugen hier voll zu Buche und hinterließen schließlich deutliche Spuren im Gesetzestext.
Rechtliche Lücken: Militär-Paragraf, Gleichheitsgrundsatz und faktisch transfeindliche Effekte
Das war ebenso der Fall beim sogenannten Militär-Paragrafen, der die Änderung des Geschlechtseintrags im Verteidigungsfall aussetzt, als ob trans weibliche Personen dann aufhören würden, trans zu sein. Trans Männer sind davon nicht betroffen, was mit Blick auf trans weibliche Personen den Gleichheitsgrundsatz verletzt, wonach alle Menschen gleich vor dem Gesetz seien.
Auch dies ein Beispiel für eine nur schlecht versteckte und im Grunde eklatante trans Feindlichkeit, die unsere Integrität frontal angreift. Nebenbei bemerkt, scheint der Gesetzgeber das im Grundgesetz verankerte Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht zu kennen. Um das in Anspruch zu nehmen, braucht es keine Personenstandsänderung. Solche Szenarien zeigen, wie tief Vorbehalte gegenüber trans Menschen in der juristischen Praxis verankert sind. Das Paradebeispiel ist das sogenannte Transsexuellengesetz. Sein restriktiver Charakter führte zu mehreren Menschenrechtsverletzungen, die das Bundesverfassungsgericht Schritt für Schritt beseitigte.
Skizze: Queere Lehrperson führt durch einen Workshop – Aufklärung, Rechtsschutz und gelebte Selbstbestimmung als Antworten auf Transfeindlichkeit.
Geschlechtsidentität anerkennen: Sprache, Recht und Selbstbestimmung für trans Personen
Wenden wir uns einem anderen Diskriminierungsfeld zu, das hier bereits kurz erwähnt wurde: Das ist die Rede vom sogenannten biologischen Geschlecht, mit der sich vor allem zweierlei Aussagen verbinden. Zum einen soll damit unterstrichen werden, dass es nur zwei Geschlechter gebe. Wobei niemand bei Verstand die Tatsache leugnen wird, dass es Frauen und Männer gibt mit einer unterscheidbaren Körperbeschaffenheit.
Wo sich trans Menschen in einer durch die Fortpflanzung definierten geschlechtlichen Binarität wiederfinden, bleibt freilich offen. Denn über Keimdrüsen und Gene lässt sich trans nun mal nicht erklären. Andererseits ist die Existenz von trans ebenso eine Tatsache, die durch die Erkenntnisse der Ethnologie und Kulturgeschichtsforschung dahingehend ergänzt wird, dass es Menschen wie mich schon immer und überall auf der Welt gegeben hat, also Menschen, die einen Geschlechtsrollenwechsel vollzogen haben.
Der als Verteidigung geschlechtlicher Vielfalt gemeinte Hinweis, die Natur kennzeichne ein Variantenreichtum, ist zwar zutreffend, wenn es um Geschlechtsmerkmale oder um hormonale und chromosomale Fragen geht, und als Einspruch gegen eine strikte Zweigeschlechtlichkeit nachvollziehbar, ist aber leider nicht wirklich hilfreich bei der Beantwortung der Frage, warum es trans gibt. Wir finden darin keine schlüssige Antwort. Dass dieses Warum (noch) nicht beantwortbar ist, macht uns – wenig überraschend – leicht angreifbar. Die breite trans feindliche Front bestätigt das.
Wege aus der Transfeindlichkeit: Aufklärung, Rechtsschutz und gelebte Selbstbestimmung
Ich hatte ja von zweierlei Aussagen im Zusammenhang mit der Rede vom biologischen Geschlecht gesprochen. Die erste Aussage behauptet, es gebe nur zwei Geschlechter und lässt trans Menschen außen vor. Die zweite leugnet die Geschlechtsidentität, also das, was die Lebenswirklichkeit von trans Personen prägt. Sie unterstellt, trans Menschen blieben ungeachtet körperverändernder Maßnahmen immer ihr Geburtsgeschlecht. Die Aussage lautet dann: eine trans Frau bleibe ein biologischer Mann und ein trans Mann eine biologische Frau. Solches Denken hat weitreichende Folgen. Seine Spuren lassen sich, ohne das hier vertiefen zu können, bis in die aktuelle Gesetzgebung verfolgen, indem dort ein Begriff wie Geschlechtsidentität konsequent vermieden wird. Die Konsequenz: trans bleibt ausgeklammert, zählt nicht mit, wo immer es um Fragen von Geschlecht geht.
Ich glaube es ist offenkundig, was daran transfeindlich ist. Es ist ein Frontalangriff auf unsere Integrität, der den Zweifel an unserer menschlichen ‚Echtheit‘ in sich trägt. Das Selbstbestimmungsgesetz ermöglicht uns einerseits die geschlechtliche Selbstbestimmung, aber behandelt die bestätigte Geschlechtsidentität als etwas Zweitklassiges, nicht Vollwertiges.
Wege aus der Transfeindlichkeit: Aufklärung und Selbstbestimmung
Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass wir immer noch – trotz allem Erreichten – am Anfang stehen. Das SBGG wurde gemacht für trans , inter und nichtbinäre Menschen, doch wie es aussieht, muss wohl die Gesellschaft als Ganzes erst noch geschlechtsmündig werden.
FAQ zu Transfeindlichkeit
Dieser FAQ-Bereich erklärt Transfeindlichkeit und zeigt Wege heraus – mit Fokus auf trans Perspektiven, SBGG und Selbstbestimmung. Nutze diesen FAQ-Bereich, um Definitionen, Zahlen, Rechtsschutz und praktische Tipps schnell zu finden.
Was ist Transfeindlichkeit?
Transfeindlichkeit sind abwertende Haltungen, Sprache oder Handlungen gegenüber trans Personen – von Spott und Misgendern bis zu Diskriminierung und Gewalt. Sie wirkt individuell, institutionell und strukturell und mindert Sichtbarkeit sowie Selbstbestimmung.
Warum steigt Transfeindlichkeit an?
Polarisierte Debatten, Desinformation und politischer Rückenwind für transfeindliche Narrative verstärken Vorurteile. Wo Emotionen dominieren und Fakten fehlen, sinkt Akzeptanz; einflussreiche Akteurinnen und Akteure beschleunigen diesen Effekt.
Welche Formen von Transfeindlichkeit gibt es?
Offen: Beschimpfungen, Drohungen, Übergriffe. Verdeckt: Gatekeeping, bürokratische Hürden, Ignorieren von Geschlechtsidentität und das „Biologie“-Totschlagargument. Beides schränkt Teilhabe und Selbstbestimmung ein.
Was ist das SBGG?
Das SBGG ist das Selbstbestimmungsgesetz. Es vereinfacht für trans, inter und nichtbinäre Menschen die Änderung von Namen und Geschlechtseintrag und stärkt damit rechtliche Selbstbestimmung.
Welche Rolle spielt das SBGG im Kontext von Transfeindlichkeit?
Es baut Hürden ab und schützt Würde. Zugleich wird es in Missbrauchsdebatten teils transfeindlich instrumentalisiert. Ziel sollte sein, klar gegen Missbrauch vorzugehen, ohne das Prinzip der Selbstbestimmung zu schwächen.
Was ist die Missbrauchsdebatte?
Damit sind Diskussionen gemeint, die Gesetze oder Schutzräume pauschal als leicht missbrauchbar darstellen. Oft beruhen sie auf Einzelfällen, Hypothesen oder Vorurteilen und können transfeindliche Stimmungen verstärken.
Was bedeutet „Missbrauchsdebatte bei trans“ konkret?
Es wird etwa behauptet, trans Frauen würden Gesetze nutzen, um unrechtmäßig Zugang zu Schutzräumen zu erhalten, Quoten zu „kapern“ oder Vorteile zu erlangen. Solche Narrative stigmatisieren trans Personen, obwohl legitime Selbstbestimmung rechtlich vorgesehen ist und Fehlverhalten strafbar bleibt.
Was ist das Selbstbestimmungsgesetz?
Das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) regelt, wie Menschen ihren Vornamen und den Geschlechtseintrag eigenverantwortlich ändern können. Es ersetzt entwürdigende Begutachtungen, erleichtert Verfahren und stärkt Rechtsschutz und Selbstbestimmung.
Was bedeutet Personenstandsänderung?
Eine Personenstandsänderung ist die offizielle Änderung von Name und/oder Geschlechtseintrag in Standesamt, Registern und Ausweisen. Sie stellt sicher, dass Dokumente und Alltag mit der gelebten Geschlechtsidentität übereinstimmen.
Was hilft gegen Transfeindlichkeit im Alltag?
Respektvolle Sprache (Name und Pronomen), Eingreifen bei Anfeindungen, klare Regeln in Institutionen, Ansprechstellen, Schulungen und niedrigschwellige Meldewege. Rechtlicher Schutz durch Antidiskriminierungsrecht und SBGG ergänzt die Aufklärung. Gelebte Selbstbestimmung senkt Transfeindlichkeit nachhaltig.
Was können Medien und Politik tun?
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Einmal, als Orlando und ich uns auf einem Pflaumenstrauch fläzten, fiel sein Sombrero herunter. Ich schnappte mir den Hut, rannte davon und versteckte mich hinter einer Pflanze, an einem abgeschiedenen Ort. Er verstand genau, was ich wollte; wir zogen unsere Hosen herunter und begannen zu masturbieren.
(Reinaldo Arenas: Bevor es Nacht wird)
Cruising als queerer Sehnsuchtsort – zwischen Natur, Lust und Blicken entsteht eine Utopie jenseits der Norm.
Nackt im Wald – und nicht allein
Der Pfad im Grunewald ist ein verschlungenes Labyrinth, wie von Menschenhand angelegt. Oder wohl eher: von Menschenfuß. Lediglich meine Schritte sind zu hören, ab und zu ein Vogelruf. Die Temperatur ist angenehm an diesem Nachmittag im späten Mai. Außer meinen Sneakers bin ich nackt. Ich erhasche den Blick von einem Mann, der ebenfalls nackt ist, an einen Baum gelehnt. Vor ihm kniet ein anderer Mann und bläst seinen Schwanz. Der Mann schaut mich ungerührt an, doch ich senke meinen Blick. Jede Faser in meinem Körper zieht mich zum Ort des Geschehens, doch ein weiterer Impuls in mir ist stärker und ich gehe weiter.
Vom Schreiben zum Selbstversuch
Als ich angefragt werde, einen Text über Cruising-Orte zu schreiben, ist mein erster Gedanke: Ich habe gar nicht viel Erfahrung mit Cruising. Also mache ich mich auf eine Spurensuche, lese Texte, befrage Freunde, krame in meiner Erinnerung und mache einen Selbstversuch im Grunewald.
Ich erinnere mich an den letzten Sommer, als ich am Schwulen-Strand in Sitges zusammen mit meinem Partner zu den etwas abgelegenen Höhlen ging. Ich erinnere mich, wie aufregend es war, mit ihm zusammen diesen Ort zu entdecken. Wie wir zuerst zu zweit rumgemacht haben, und später mit einer ganzen Gruppe von Jungs. Wie ich ganz in mir zu ruhen schien, meine Knie aufgerieben vom Sand, umspült von den regelmäßigen Wellen des Mittelmeers.
Cruising, schreibt Henry Hagemann in seiner historischen Spurensuche Cruising-Orte, ist eine historisch gewachsene Praktik, bei der schwule Männer und queere Menschen im semi-öffentlichen Raum mithilfe von Codes und nonverbaler Kommunikation nach schneller Intimität suchen.
Die Anonymität beim Cruising bietet einerseits Schutz vor strafrechtlicher und gesellschaftlicher Diskriminierung, andererseits ist die potentielle Gefahr, erwischt zu werden, mit Nervenkitzel und Spannung verbunden, was die sexuelle Begierde noch befeuert.
Cruising: Zwischen Kunst und Blickkontakt
Ich trete zurück auf die Lichtung im Grunewald, wo ein Freund von mir auf unsere Sachen aufpasst. “Und?” Ich schüttle den Kopf. Wir sprechen weiter über die “unvollkommene Kunst” des Cruisings, wie es der mexikanische Aktivist und Autor Leo Herrera nennt. “Tu so, als wärst du in einem Museum. Du bist entweder die Kunst oder der Betrachter”, schreibt Herrera in seinem (analog) Cruising Manual. Mein Freund beschreibt dies so:
“Wenn du jemanden siehst, den du attraktiv findest, schaust du ihm in die Augen, wenn nicht, vermeidest du den Blickkontakt.” Ich erinnere mich an so viele Momente in meinem Leben, in denen ich meinen Blick abgewandt habe obwohl oder gerade weil ich jemanden attraktiv fand. Naiv frage ich, ob beim Cruising Lächeln erlaubt ist. “Das kannst du, wenn du niedlich sein willst – meistens greifst du dir aber einfach in den Schritt. Wenn dies beide machen, kommt ihr zur Sache.” Herrera schreibt von einem “smirk”, was sich vielleicht mit “vielsagendes Grinsen” übersetzen lässt. Den Blick halten, ein vielsagendes Grinsen, sich an den Schwanz fassen… Ich fühle mich komplett ungeübt in dieser kodierten Sprache, die vielmehr ein kodiertes Schweigen ist, das laut Herrera “sowohl der Sicherheit als auch der Fantasie” dienen soll.
Gerade diese Fantasien sind es, die die von mir befragten Cruiser in den Vordergrund stellen: “Ich habe eine bestimmte Fantasie und begebe mich auf die Jagd nach jemandem, der diese Rolle spielen kann.” Ein weiterer Freund, den ich auf der FKK-Wiese in der Hasenheide treffe, erzählt:
“Cruising ist eine aufregende und überraschende Erfahrung. Wer befindet sich hinter der nächsten Ecke? Der Daddy, der mich hart rannimmt? Der Twink, der mir einen bläst?”
Cruising – breiter als gedacht
Ich lese, dass Charles Baudelaire und Oscar Wilde als prominente erste Cruiser gelten könnten. Das Flanieren wohlsituierter Männer war kein ungewöhnliches Bild im viktorianischen England. Ich erinnere mich, wie ich mit 19 Jahren beim Flanieren auf Manhattans Straßen von einem Mann angesprochen wurde und dann mit ihm nach Hause ging. Das Gleiche passierte mir mit 34 nochmals, als ich das erste Mal in Madrid war. Vielleicht waren das Cruising-Erfahrungen ohne dass ich sie als solche benannt hätte. Vielleicht war meine bisherige Definition von Cruising als anonymer Sex in Parks und “Klappen” etwas zu eng gefasst.
Öffentliche Toiletten, sogenannte Klappen, gelten als klassische Orte des anonymen Cruisings.
Klappen, also öffentliche Toiletten, sind prädestiniert für Cruising: Am Urinal wird der Schwanz eines potentiellen Sexpartners in Augenschein genommen. Die meisten Freunde, mit denen ich über Cruising spreche, sind keine Fans von Klappen-Sex – es sei eine weniger persönliche Begegnung als in der freien Natur. Doch Klappen und Autobahnraststätten bieten eine höhere Anonymität für ungeoutete oder nicht schwul lebende Cruiser – im Gegensatz etwa zu schwulen Bars, Kneipen und Saunas, deren oft labyrinthische Ausgestaltung wohlgemerkt an die verschlungenen Wege in Parkanlagen und Wäldern erinnert.
Cruising – Instinkt oder Zufall?
Mir wird bewusst, dass ich mich mein Leben lang immer wieder an Cruising-Orten wiedergefunden habe. Geschah dies eher zufällig? Oder aufgrund eines angeborenen “schwulen Instinkts”? Ich mochte es schon immer, nackt auf der Werdinsel in Zürich oder in der Hasenheide in Berlin zu liegen, meistens in ein Buch vertieft. Denke ich an Hundert Jahre Einsamkeit, denke ich gleichzeitig an den FKK-Strand am Müggelsee. Wie viele interessierte und interessante Männer sind da wohl an meinem nackten Hintern vorbeigegangen, während ich – scheinbar oder tatsächlich – nur Augen für Aureliano Buendía, den introvertierten Protagonisten des Romans, hatte?
Die Verbundenheit zwischen Natur und schwulem Sex hat eine lange Tradition: Reinaldo Arenas – kubanischer Schriftsteller und Dissident – wusste bei seiner ersten sexuellen Erfahrung Anfang der 1950er Jahre instinktiv, dass das, was er mit seinem Cousin Orlando tun wollte, an einem abgeschiedenen Ort stattfinden musste. Cruising-Orte in der Natur sind meistens ein wenig schwerer zu erreichen – während die Familien mit Kindern, Autos und tausend Sachen sich am Strand neben dem Parkplatz tummeln, wandert der Cruiser weiter den Strand entlang, klettert womöglich über Felsen und kämpft sich durch Gebüsch, bis er zu einer Lagune gelangt mit Höhlen und glasklarem Wasser.
Cruising-Orte als Schutzräume queerer Freiheit
Durch die Praktik des Cruisings eignen sich die Cruiser weniger zugängliche Orte “in spiritueller Weise” an, wie es ein Freund nennt. So werden Cruising-Räume zu einer queeren Utopie: von der urteilenden Außenwelt abgeschiedene Orte, an dem wir unsere eigenen und fremde Körper – unsere Sexualität – ohne Scham genießen können. Oder, um den kubanoamerikanischen Theoretiker José Esteban Muñoz zu paraphrasieren: Cruising als die vorsichtige Suche nach neuen Formen des Begehrens und Lebens, nach einem besseren „Dort“ im Gegensatz zu einem genormten „Hier“.
Dass diese utopischen Räume auch in der Realität Bestand haben können, ist von einem delikaten Gleichgewicht zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Cruisenden selbst abhängig. In der Hasenheide zum Beispiel sind gerade große Areale abgesperrt, weil neue Bäume und neues Gras gepflanzt werden. Ausgerechnet die FKK-Wiese ist jedoch nicht abgesperrt. Scheinbar ist die politische Obrigkeit hier darum besorgt, diesen Raum zu erhalten.
Vom Schutzraum zum Ziel von Repression
Doch das ist nicht immer der Fall: Oft werden Cruising-Gebiete bewusst zerstört, indem etwa Büsche beschnitten werden, untermalt von sexfeindlichen und homophoben öffentlichen Diskursen. Auch wurden – und werden in vielen Teilen der Welt immer noch – Cruising-Räume gezielt von Undercover-Polizisten genutzt, um homosexuelle Handlungen zu kriminalisieren. Ein schönes Gegenbeispiel ist das offiziell ausgeschilderte Cruising-Gebiet in Amsterdam. Hier sorgen die Cruisenden im Gegenzug dafür, dass sich das Cruising auf diesen spezifischen Raum beschränkt und nicht außer Kontrolle gerät.
Ich erinnere mich, wie ich vor zwei Jahren im spanischen Tarragona an einem einsamen Strand einen Mann traf – mit dem ich zuvor auf Grindr getextet habe. Schon immer fiel es mir leichter, mit Männern online in Kontakt zu treten, obwohl ich als Xennial sehr wohl noch eine Welt ohne Internet kannte. Meine ersten sexuellen Kontakte lernte ich meist beim Tanzen in Schwulenclubs kennen. Zwar sind auch das schwule Tanzlokal und die Dating-App Cruising-Räume. Der Freund in der Hasenheide hält jedoch nicht viel vom Online-Cruising: “Du kannst zwei Stunden auf Grindr verbringen, um – vielleicht – den perfekten Typen zu finden. Beim Cruising draußen habe ich aber oft eine höhere Erfolgsquote, und es macht definitiv mehr Spaß als endloses Chatten.”
Ein Spaziergang in die eigene Sehnsucht
Bei meinem Selbstversuch gehe ich ein zweites Mal durch die labyrinthischen Büsche im Grunewald. Inzwischen ist die Dämmerung angebrochen, die Luft ist kühler – und ich treffe auf niemanden mehr. Während ich meinen Schritten und den Vögeln zuhöre, frage ich mich, was mich davon abhält, mehr rauszugehen zum Cruisen, warum ich Sex fast ausschließlich auf Apps suche. Wahrscheinlich hat das auch mit einer gewissen Performance-Angst zu tun, verschärft durch die ganzen internalisierten Bilder von schwulen Pornos.
Vieles, was ich bei meiner Recherche über Cruising erfahren habe, fasziniert mich: der Sex im Freien, die Offenheit gegenüber verschiedenen Körpern, das Verfolgen von Fantasien, das Überrascht-Werden im Moment, das Utopische dieser Orte, die historische und spirituelle Verbindung zu meinen queeren Vorfahren, Cruising als rebellischer Gegenentwurf zu homosexuellen Lebensentwürfen, die sich immer mehr der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft angleichen. Und vielleicht könnte diese Art von Cruising sogar gewisse Aspekte meiner – auch nach 30 Jahren noch schambehafteten – Sexualität heilen.
Ich trete aus dem Wald hinaus auf die Lichtung und fasse den Entschluss, in Zukunft öfter herzukommen.
Unser YouTube-Kanal wurde Anfang Juni gesperrt. Grund? Angebliche „Nacktheit“. Diese Art von Sperren wirft oft die Frage nach queerer Zensur auf. Man könnte hier darüber diskutieren, was die Darstellung von Nacktheit überhaupt bedeutet. Ist es einfach bloße Haut, also zum Beispiel ein Video von fröhlichen Männern ohne Oberteil, die ihre Gesellschaft genießen, sich aber auf keinen Fall sexuell betätigen? Oder wird eine Abbildung erst dann als pornografisch eingestuft, wenn Geschlechtsteile sichtbar sind, unabhängig vom Kontext? Ist Nacktheit immer etwas Schlechtes oder kann sie auch guten Zwecken dienen?
Dass man sich im Jahr 2025 solche Fragen stellen muss, verdeutlicht am besten, wie weit die Gesellschaft durch den Rechtsruck der letzten Jahre zurückgefallen ist. Wir täuschen uns nicht: Es ist kein Zufall, dass dieser Schritt ausgerechnet in einer Zeit erfolgt, in der rechte und rechtsextreme Diskurse drastisch zunehmen und die U.S.-amerikanischen Großkonzerne – unsere angeblichen „Verbündeten“ – sich unter dem Einfluss von Donald Trumps Anti-„Woke“-Politik selbst demaskieren. Sobald ein anderer politischer Wind weht und sich die Unterstützung nicht mehr lohnt, zeigen die Großen wie Meta und Alphabet ihr wahres Gesicht. Die Rechte von LSBTIQ+-Menschen haben sie nie ernst gemeint, sie wollten damit nur Geld verdienen. Dass das, was als Richtlinienverstoß definiert wird, in erster Linie Diversity-Bestrebungen – darunter queere Aufklärung und Präventionsarbeit – trifft, ist symptomatisch.
Abgesehen davon, dass Nacktheit einfach ästhetisch ist – das wussten schon die Künstler der Antike –, spielte sie in der modernen Geschichte oftmals sogar eine aktivistische und politische Rolle. Der Kampf gegen Nacktheit (sowohl tatsächliche als auch vermeintliche) in jeder Form ist ebenso alt. Im folgenden Beitrag sollen Parallelen zwischen der heutigen und der ersten deutschen queeren Bewegung (ca. 1897–1933) aufgezeigt werden. Der Kontext ist zwar ein anderer, doch die Herausforderungen sind alles andere als neu.
Die Anfänge eines Kampfs um Selbstbestimmung
“Vindex”, die erste Schrift von Karl Heinrich Ulrichs, die unter dem Pseudonym „Numa Numantius“ veröffentlicht wurde.
Quelle: Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ulrichs_1_-_Vindex.jpg)
Der moderne queere Aktivismus hat seinen Ursprung im späten neunzehnten Jahrhundert in Deutschland. Die in erster Linie publizistische Aktivität des frühen Pioniers Karl Heinrich Ulrichs (1825–1895) beeinflusste die späteren Mitstreiter*innen stark. Dennoch veröffentlichte Ulrichs seine Schriften unter dem Pseudonym „Numa Numantius“, da die Konsequenzen einer affirmativen Behandlung von Homosexualität gravierend hätten sein können.
Von Ulrichs ließ sich ein weiterer queerer Pionier beeinflussen, und zwar Magnus Hirschfeld (1868-1935), Mitgründer des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) und Herausgeber seines Organs, des „Jahrbuchs für sexuelle Zwischenstufen“. 1919 gründete er das Institut für Sexualwissenschaft, die erste weltweit anerkannte queere Aufklärungseinrichtung, die bald nach der Machtübernahme durch die Nazis geplündert wurde. Was Hirschfeld von anderen Anführern der „Homosexuellen“-Bewegung unterschied, war seine Inklusivität gegenüber verschiedenen Formen des Queer-Seins und unterschiedlichen sozialen Gruppen: „Tanten“, effeminierten Männern, maskulinen Frauen, trans* Menschen sowie Sexarbeiter*innen.
Männliche Prostitution explizit war ein zentraler Streitpunkt im queeraktivistischen Milieu der Zeit. Unter der Leitung von Friedrich Radszuweit handelte der Bund für Menschenrecht (BfM), die ab 1923 führende und größte queere Dachorganisation in Deutschland, nach dem Leitprinzip der „Respektabilität“, das die Solidarität mit „unanständigen“ Queers opferte. Die 1903 gegründete Gemeinschaft der Eigenen (GdE) hingegen war eine reinmännliche Gruppierung von elitären und konservativen Antifeministen, die Frauen lediglich in einer untergeordneten Rolle als Mütter und Hauspflegerinnen sahen.
Der Kampf mit „unzüchtigen Schriften“
Eine Ausgabe von “Der Eigene” aus dem Jahr 1919. Die Zeitschrift enthielt regelmäßig Abbildungen von nackten Männern und sogar Jungs und Jugendlichen.
Quelle: Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Der_Eigene_1919_vol_7.jpg)
Quelle: Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ulrichs_1_-_Vindex.jpg)
Trotz seiner problematischen ideologischen Haltung hat auch Adolf Brand (1874-1945), Mitgründer und langjähriger Leiter der GdE, einige Verdienste um die queere Emanzipation. Die von ihm ab 1896 unregelmäßig herausgegebene Zeitschrift „Der Eigene“ ist nach aktuellem Kenntnisstand die erste homosexuelle Zeitschrift der Welt, auch wenn sie sich an eine eher gehobene (und implizit männliche) Leserschaft richtete. Da „Der Eigene“ öfter Abbildungen von nackten Männern enthielt und damit gegen den Paragraf 184 (Verkauf und Verbreitung „unzüchtiger“ Schriften) verstieß, musste sich Brand mehrmals vor Gericht verantworten und sogar Haftstrafen verbüßen. Dem „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen“ als einer wissenschaftlichen Publikation ist es übrigens gelungen, von einem ähnlichen Schicksal verschont zu bleiben.
Es muss hier angemerkt werden, dass viele Fotos in „Der Eigene“ auch aus heutiger Sicht tatsächlich sehr problematisch sind, weil sie oftmals nackte Jungs und Jugendlichen darstellen. Thematisiert wurde dies unter anderem in der Ausstellung „Aufarbeiten: Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Zeichen von Emanzipation“ im Schwulen Museum Ende 2023 und Anfang 2024.
Nach dem Inkrafttreten der Weimarer Verfassung 1919 entwickelte sich die queere Emanzipation zu einer Massenbewegung. Ermöglicht wurde dies durch die Herausgabe der Zeitschrift „Die Freundschaft“, die queere Menschen in ganz Deutschland vernetzte und die Gründung von lokalen „Freundschaftsvereinen“ in Gang setzte. Doch von Anfang an musste die Redaktion mit Unannehmlichkeiten rechnen: Bereits in den ersten Wochen erfolgte eine Meldung an die Behörden. Zwar wurde der Herausgeber Karl Schultz im März 1920 von der Anklage der Verletzung der Sittlichkeit gemäß § 184 freigesprochen, ein Jahr später wurde er jedoch zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt.
Diesmal lautete die Straftat Kuppelei. Wie wurde diese Anklage begründet? Ausschlaggebend dafür waren die Inserate, also persönliche Annoncen, die das Kennenlernen und womöglich – so die Argumentation des Gerichts – auch den sexuellen Kontakt von queeren Menschen förderten. Folglich verschwanden sie aus der Zeitschrift und waren nun nur noch im Rahmen eines Abonnements eines separaten Extrablatts erhältlich.
Bewahrung der Jugend
Eine Beispiel-Inseratenseite aus „Die Freundin“. Annoncen waren öfter Gegenstand großer Kontroversen und sogar strafrechtlicher Verfahren.
Quelle: Forum Queeres Archiv München (https://archiv.forummuenchen.org/zeitschrift/die-freundin/)
Im Februar 1923 kehrten die rechtlichen Probleme von „Die Freundschaft“ zurück. Im Zuge eines erneuten Zensurverfahrens wurde die Zeitschrift von den Behörden für drei Monate eingestellt. 1926 verabschiedete der Reichstag das Gesetz „zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften“, an dessen Entstehung die christlichen „Sittlichkeitsvereine“ maßgeblich beteiligt waren. Es führte eine Liste unzüchtiger Schriften ein, die nicht nur queere Literatur umfasste und auf die individuelle Ausgaben gesetzt werden konnten. Ein entsprechender Eintrag bedeutete, dass die jeweilige Ausgabe nicht öffentlich ausgelegt, sondern nur noch auf Anfrage (also quasi unter dem Ladentisch) verkauft werden durfte. Begründet wurde dies, wie der Name des Gesetzes schon andeutet, mit Jugendschutz.
Etliche Ausgaben von queeren Zeitschriften, darunter „Frauenliebe“ im Jahr 1927 und „Die Insel“ im Jahr 1928, haben es auf die Liste geschafft. Eine übliche Gegenstrategie war es, die Zeitschrift unter einem anderen Titel zu verkaufen, um die Ausgabenkontinuität nicht zu unterbrechen. So wurde „Die Freundin” in den Jahren 1928–29 als „Ledige Frauen” verkauft, nachdem die Erstere auf die Liste gesetzt worden war. Manchmal gerieten einzelne Zeitungshändler in Schwierigkeiten, ohne dass sie über das Verbot einzelner Ausgaben Bescheid wussten.
Andere Facetten der Zensur
Walter Homanns Roman „Tagebuch einer männlichen Braut“. Auch wenn die zwei Zensurverfahren scheiterten, mussten Kürzungen des kontroversesten Materials vorgenommen werden.
Quelle: Männerschwarm Verlag (https://www.maennerschwarm.de/buch/tagebuch-einer-maennlichen-braut/)
Auch Romane und Filme fielen der Zensur zum Opfer. Ein Beispiel ist Walter Homanns Tagebuch einer männlichen Braut, das von der Geschichte der selbsternannten „Comtesse“ (oder Gräfin) Dina Alma de Paradeda inspiriert wurde. Sogar zweimal (1907 und 1928) wurde der Roman Gegenstand eines Zensurverfahrens. Auch wenn beide Prozesse für das Buch positiv ausgingen, führte das große Aufsehen um die Publikation dazu, dass in den nächsten Ausgaben das kontroverseste Material gekürzt wurde.
Der erste deutsche Film und einer der ersten weltweit, die Homosexualität thematisierten – Richard Oswalds Anders als die Andern -, wurde im August 1920, über ein Jahr nach seiner Premiere, verboten. Die Produktion handelt zwar von der gleichgeschlechtlichen Liebe eines Musikers zu seinem erwachsenen Schüler, Zärtlichkeiten sind darin jedoch kaum zu sehen, geschweige denn ein Kuss. Trotzdem löste der Film riesige Kontroversen aus und es kam in vielen Städten deutschlandweit zu Protesten gegen die Ausstrahlung.
Hirschfeld, der maßgeblich an dem Film mitwirkte und aufgrund seiner Tätigkeit schon früher Anfeindungen ausgesetzt gewesen war, wurde infolge der Kontroversen zum Erzfeind der Rechtsextremen. Er wurde mehrmals überfallen, im Oktober 1920 in München sogar so schlimm, dass einige Zeitungen vorschnell seinen Tod verkündeten. Einige seiner Vorträge wurden unter ausdrücklicher Bezugnahme auf seine Mitarbeit beim Film abgesagt, andere arteten in Randale mit dem Einsatz von Stinkbomben und Feuerwerkskörpern aus.
Poster des Films „Anders als die Andern“, der im August 1920 nach über einem Jahr von Protesten verboten wurde.
Quelle: Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anders_als_die_andern_1919_poster.jpg)
Eine andere Form der „Zensur“ und Einschüchterung, die einen eigenen Artikel verdient, ist die polizeiliche Überwachung queerer Treffpunkte. In Städten wie Dresden, Chemnitz, München und Hannover wurden Queers in den 1920ern sogar registriert und verhört. Auch Razzien waren keine Seltenheit: So wurde beispielsweise am 2. Juli 1921 eine Party des Görlitzer Freundschaftsvereins im Hotel Namenlos durch eine Aktion der lokalen Polizei unterbrochen. Insgesamt wurden 23 Personen festgenommen und bis 12 Uhr am nächsten Tag inhaftiert, zwei davon sogar einen Tag länger. Der Vorwurf lautete Zuhälterei, letztendlich wurde jedoch keine Anklage erhoben.
Technologische Repression
Heute leben wir natürlich in einer anderen Welt und genießen deutlich mehr Akzeptanz und Rechte als unsere queeren Vorfahren. Doch gerade diese werden zunehmend in Frage gestellt, sodass die Errungenschaften der Kämpfe der letzten sechzig Jahre in Gefahr geraten. Vor diesem Hintergrund erscheint die Allianz der Rechtsextremen mit großen Technologiekonzernen umso erschreckender.
Was vor einhundert Jahren offenkundig und aggressiv von Behörden als Unzucht, Verletzung der Sittlichkeit oder im Namen des Jugendschutzes bekämpft wurde, wird heute viel subtiler und scheinbar harmloser angegangen. Unter dem Deckmantel der „Community Guidelines“, „Safe” oder „Advertiser-friendly Content“ werden queere Inhalte, Safer-Sex-Aufklärung und HIV-Prävention zensiert. Dabei sind manche Formen der Zensur, wie zum Beispiel das Shadow-Banning oder Altersbeschränkungen, nicht sofort erkennbar und somit viel unsichtbarer. Außerdem werden Entscheidungen über die Zulassung von Online-Inhalten nicht von Menschen, sondern immer mehr von Algorithmen getroffen.
Dies kann im schlimmsten Szenario Leben kosten. Vor allem queere Jugendliche brauchen Zugang zu Informationen, die sie nicht nur über sexuelle Gesundheit aufklären, sondern auch vor Minderwertigkeitsgefühlen oder sogar Selbstmordgedanken schützen. HIV-Prävention und queere Bildungsarbeit darf unter keinen Umständen Opfer des Algorithmus-Regimes fallen.
Immer wenn vor den Gefahren der zunehmenden rechten Radikalisierung der Gesellschaft und der Möglichkeit einer rechtsextremen Regierung gewarnt wird, sagen viele: „So schlimm wird es nicht sein.“ Genauso hat man auch vor ein hundert Jahren die Perspektive einer Machtübernahme durch Adolf Hitler kleingeredet. Vor ein paar Jahren schien das Risiko eines politischen Datenmissbrauchs durch US-amerikanische Big-Tech-Konzerne ebenfalls unwahrscheinlich und wurde von vielen bagatellisiert. Heute dürfen wir uns dessen nicht mehr so sicher sein.
Bibliographie
Beachy, Robert. Gay Berlin: Birthplace of a Modern Identity. 2014. New York City: Vintage Books, 2015.
Foit, Mathias. Queer Urbanisms in Wilhelmine and Weimar Germany: Of Towns and Villages. Cham, Schweiz: Palgrave Macmillan, 2023.
Dobler, Jens. “Nachwort.” In Tagebuch einer männlichen Braut, hrsg. Dobler, 154–175. Hamburg: Männerschwarm Verlag, 2010.
—. Polizei und Homosexuelle in der Weimarer Republik: Zur Konstruktion des Sündenbabels. Berlin: Metropol Verlag, 2020.
—.“Zensur von Büchern und Zeitschriften mit homosexueller Thematik in der Weimarer Republik.” Invertito – Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten 2 (2000): 85–104.
Malakaj, Ervin. Anders als die Andern. Montreal, Quebec: McGill-Queen’s University Press, 2023.
Micheler, Stefan. Zeitschriften, Verbände und Lokale gleichgeschlechtlich begehrender Menschen in der Weimarer Republik. Stefan Micheler Homepage. August 1, 2008. www.StefanMicheler.de/zvlggbm/stm_zvlggbm.pdf.
Vendrell, Javier Samper. The Seduction of Youth: Print Culture and Homosexual Rights in the Weimar Republic. Toronto: University of Toronto Press, 2020.
Pünktlich zum Pride Month hat YouTube unseren Kanal ohne jede Vorwarnung entfernt. Die Begründung? Unsere Videos zu Sexualität, queeren Lebensrealitäten und Safer Sex würden gegen Richtlinien zu „Sex und Nacktheit“ verstoßen – und seien angeblich „eine Gefahr für die Community“.
Das ist ein Schlag ins Gesicht – nicht nur für uns, sondern für alle, die sich für Aufklärung, Sichtbarkeit und sexuelle Gesundheit einsetzen.
Wir sagen: Das lassen wir uns nicht gefallen.
Unsere Arbeit hat einen klaren öffentlichen Auftrag:
Menschen stärken. Aufklären. Safer Sex fördern.
Geschlechtliche Identitäten sichtbar machen.
Wir machen keine Pornos. Wir machen Empowerment – für schwule, bi+, trans und queere Menschen.
Mittlerweile müssen wir Begriffe wie „Sex“ sogar mit zwei G schreiben („Segg“) oder durch Sonderzeichen verschleiern – nur damit der Algorithmus uns nicht blockiert.
Was jetzt?
Wir machen weiter. Laut. Sichtbar. Unbequem.
Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen. Unsere Arbeit ist wichtig – und wir setzen sie fort.
Was genau passiert ist, erzählen wir euch im Video unten:
Erklärung zum Video
Kampagnenleitung: Jonathan Gregory Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Chris*tian Gaa
Pünktlich zum Pride Month wurde der Präventionskanal der Deutschen Aidshilfe von YouTube gelöscht. In diesem Video erklärt Jonathan die Hintergründe und wie es dazu kommen konnte. Chris aus der Presseabteilung ordnet ein, warum der Kanal so wichtig für queere Gesundheitsaufklärung ist.