Die ersten Reaktionen nach einer HIV-Diagnose sind oft sehr unterschiedlich. Viele Menschen erleben die Nachricht zunächst als Schock und fragen sich, wie das Leben jetzt weitergeht. Genau hier setzt Buddy.hiv an: Das Projekt der Deutschen Aidshilfe vermittelt bundesweit Kontakte zu Menschen, die schon länger mit HIV leben und bei den ersten Schritten ins Leben mit HIV unterstützen können.
Unterstützung von Mensch zu Mensch
Ein Buddy ist jemand, der aus eigener Erfahrung weiß, wie sich die erste Zeit nach einer Diagnose anfühlen kann. Das Angebot richtet sich an Menschen mit HIV unabhängig von Geschlecht oder Alter. Der Austausch soll Orientierung geben, Mut machen und zeigen, dass ein selbstverständliches Leben mit HIV möglich ist.
So funktioniert Buddy.hiv
Auf Buddy.hiv können Nutzer*innen einen passenden Buddy suchen, die Auswahl regional eingrenzen und dann direkt Kontakt aufnehmen. Aktuell sind mehr als 40 speziell trainierte Menschen mit HIV bundesweit im Projekt aktiv – aus unterschiedlichen Lebensrealitäten und Altersgruppen.
Warum das Angebot wichtig ist
Auch wenn HIV heute gut behandelbar ist, wird ein positives Testergebnis häufig als belastend erlebt. Umso wichtiger sind Gesprächspartner*innen, die die Situation aus eigener Erfahrung kennen. IWWIT beschreibt das Buddy-Projekt deshalb als Unterstützung besonders in der ersten Phase nach der Diagnose – mit Rat, emotionalem Beistand und Austausch auf Augenhöhe.
Auf seinem neuen Album „Boyology“ plädiert der dänische Popsänger Asbjørn für ein anderes Verständnis von Männlichkeit – und ermutigt insbesondere schwule Männer zu ihrer Verletzlichkeit zu stehen.
Bereits 1984 fragte Herbert Grönemeyer „Wann ist ein Mann ein Mann?“. Nach fast vier Jahrzehnten, die seither vergangen sind, steht die Frage immer noch im Raum. Auch den dänischen Popsänger Asbjørn treibt sie um. So geht es bei dieser Frage letztlich doch auch um die eigene Identität als queerer Mann und ein neues Selbstverständnis von Männlichkeit.
Emanzipation vom traditionellen männlichen Ideal
Wie ein roter Faden zieht sich diese Auseinandersetzung durch sein neues, inzwischen drittes Album. Es ist, wie der 29-Jährige sagt, seine „Emanzipation vom traditionellen männlichen Ideal und den unsichtbaren Erwartungen in der Gesellschaft und an uns selbst, wie ein Mann sein oder nicht sein sollte“. Am Deutlichsten packt das Asbjørn in seinem melancholisch-nachdenklichen Song „Be Human“ in prägnante Verszeilen: “I don’t wanna be a man/ If man means power, to not empower others”. Und “I don’t wanna be a man/ If man means violence instead of showing kindness.”
Das Albumcover von „Boyology“ von Asbjørn. (Artwork by Max Binski)
Mit wehmütig klingendem Falsett singt Asbjørn von verlogenen, veralteten und toxischen Vorstellungen der Männlichkeit. So fragt er schließlich zu fragen: „Can I just be human? / Can I just be me?“ Einfach sich selbst sein, sich auch Verletzlichkeit zuzugestehen, ist eine der Messages, die Asbjørn in klugen und zugleich tanzbaren Pop verpackt hat. Ebenso wie die Botschaft: vor allem an sich selbst glauben und sich nicht zu verstellen, auch wenn’s um Liebesdinge geht.
Ein gesungenes „Ihr könnt mich mal…“ an seine alte Plattenfirma
Der in der Nähe von Aarhus aufgewachsene Sänger, Musiker und Produzent scheint aus eigener Erfahrung zu sprechen. Gleich mehrere Songs erzählen von zerbrochenen Beziehungen sowie gleichzeitig von der Angst vor festen Bindungen. „Remember my Name“ ist einer davon, auch dies ein sehr emotionaler, von elektronischen Beats getriebener Track. Die Verszeilen „Rember my name, the boy that got away“ kann als Nachricht an einen Ex verstanden werden, der von der Trennung kalt erwischt wurde. Für Asbjørn hat der Song aber auch noch eine ganz andere, sehr persönliche Lesart. Genaugenommen ist er ein „Ich schaff’s auch ohne euch“-Gruß an seine alte Plattenfirma. Allerdings war das Material, das er in seiner Wahlheimat Berlin für sein dritten Album erarbeitet hatte, dieser nicht kommerziell genug.
„Ich war zutiefst verletzt vom Zynismus der Branche“, gesteht Asbjørn. Deshalb verzog er sich in ein Sommerhaus in Dänemark, „wo ich das Meer anschreien konnte, um den letzten Rest meiner Resilienz zu entfachen und ihnen das Gegenteil zu beweisen.“
Inspiriert von Lyykie Li, Robyn und anderen großen Künstler*innen
In den elf Songs von „Boylogica“ zeigt Asbjørn, was er von seinen musikalischen Vorbildern wie Lyykie Li, Timbaland, Robyn und Missy Elliott gelernt hat. Vor allem aber zeigt er, dass auch in dancefloor- und radiotauglichen Liedern eine intime und intensive Auseinandersetzung möglich ist – mit den eigenen und mit gesellschaftlichen Erwartungen an zwischenmenschliche Bindungen und vermeintlich geschlechtertypisches Verhalten.
„wie ein queerer Coming-of-Age-Kurzfilm“
Asbjørn über seine „The Boyology Series“ auf Youtube
Asbjørn glaubte diese Erwartungen längst überwunden zu haben, aber musste dann zu seiner eigenen Überraschung feststellen, dass er seinen Liebesschmerz „auf diese super stereotypische Art und Weise unterdrückte“. Für ihn war diese Erkenntnis ein Ausschlag für dieses Album. Und dass es ihm in Sachen Liebe zu Männern zieht, steht bei ihm außer Zweifel. Seine Videos, wie auch jene zu den beiden ersten Alben, sind unmissverständlich und offenherzig. Aus dem neuen Album hat Asbjørn drei Songs ausgewählt und dazu Videos produziert, die sich, wie er selbst sagt, „wie ein queerer Coming-of-Age-Kurzfilm“ anfühlen sollen. Diese „The Boyology Series“ ist auf YouTube zu sehen.
Sex im Alter: Zwischen Veränderung, Nähe und neuer Lust
Sex hört nicht auf, nur weil wir älter werden – im Gegenteil. Viele Menschen erleben mit den Jahren eine neue Qualität von Intimität und Lust. Doch „Sex im Alter“ ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, besonders wenn es um schwule Männer geht.
Mit dem Älterwerden verändert sich einiges: Der Körper reagiert anders, die Libido kann schwanken, und manchmal stehen gesundheitliche Aspekte im Vordergrund. Gleichzeitig gewinnt emotionale Nähe an Bedeutung. Statt Leistungsdruck stehen Achtsamkeit, Vertrauen und neue Erfahrungen im Mittelpunkt.
Auch gesellschaftlich gibt es Nachholbedarf: Sexualität älterer Menschen – insbesondere schwuler Männer – wird oft übersehen. Umso wichtiger ist es, offen darüber zu sprechen.
Offenheit und Lebensfreude auch jenseits der 60
Körperliche Veränderungen
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Hormonhaushalt – insbesondere der Testosteronspiegel sinkt. Das kann Auswirkungen auf die Libido, die Erektionsfähigkeit und die sexuelle Leistungsfähigkeit haben. Diese körperlichen Veränderungen sind vollkommen normal und gehören zum natürlichen Älterwerden dazu.
Trotzdem bleibt Sex im Alter für viele Männer erfüllend – häufig sogar intensiver, weil der Fokus sich verschiebt: weniger auf Leistung, mehr auf Nähe, Achtsamkeit und bewussten Genuss. Wer die Signale seines Körpers erkennt und akzeptiert, kann seine Sexualität im Alter gesund und selbstbewusst leben. Bei Bedarf können auch ärztliche Beratung oder unterstützende Hilfsmittel helfen, Unsicherheiten abzubauen.
Sexuelle Gesundheit im Alter
Sex im Alter ist nicht nur möglich, sondern kann auch gesundheitlich von Vorteil sein. Studien zeigen, dass regelmäßige sexuelle Aktivität positive Effekte auf Kreislauf, Immunsystem und seelisches Wohlbefinden haben kann. Auch die Prostata profitiert – regelmäßige Ejakulationen können laut manchen Untersuchungen das Risiko für Prostatabeschwerden verringern.
Gleichzeitig können hormonelle Veränderungen oder chronische Erkrankungen Herausforderungen mit sich bringen. Wichtig ist deshalb ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper und die Bereitschaft, über Probleme zu sprechen. Auch sexuell übertragbare Krankheiten werden im Alter oft unterschätzt – regelmäßige Tests und Schutz sind ebenso relevant wie in jüngeren Jahren.
Psychologische Aspekte von Sex im Alter
Sex im Alter ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional eine Herausforderung und Chance zugleich. Viele Männer kämpfen mit Unsicherheiten, etwa durch körperliche Veränderungen, nachlassende Potenz oder gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie „männlich“ oder „leistungsfähig“ Sexualität sein sollte.
Das Selbstbild spielt dabei eine zentrale Rolle. Wer sich selbst akzeptiert und liebevoll mit dem eigenen Körper umgeht, kann auch Intimität wieder neu erleben – frei von Druck oder Erwartungen. Gerade im Alter entstehen oft tiefere, ehrliche Verbindungen, weil viele Männer ihre Bedürfnisse besser kennen und offener damit umgehen. Sexualität im Alter bedeutet nicht Rückzug, sondern oft einen neuen Zugang zu Nähe, Lust und Selbstbewusstsein.
Offene Gespräche, Nähe und Gemeinschaft im Alter
Partnerschaft und Beziehung
Mit zunehmendem Alter verändert sich oft auch die Dynamik in Partnerschaften und damit die Sexualität. Viele Paare erleben weniger sexuelle Aktivität, dafür aber eine tiefere Form der Intimität. Gespräche über Wünsche, Grenzen und neue Bedürfnisse gewinnen an Bedeutung.
Sex im Alter muss nicht wie früher aussehen. Für manche Paare heißt das: mehr Zärtlichkeit, mehr Achtsamkeit, weniger Leistungsdruck. Für andere kann es bedeuten, neue Impulse zuzulassen oder über lange Tabus hinwegzukommen. Gerade langjährige Beziehungen profitieren von ehrlicher Kommunikation und dem Mut, Dinge neu zu entdecken.
Gesellschaftliche Sichtweisen
In unserer Gesellschaft ist Sex im Alter noch immer ein Tabuthema – besonders, wenn es um schwule Männer geht. Ältere Körper gelten oft als asexuell, unsichtbar oder nicht mehr begehrenswert. Diese Vorurteile können sich tief ins Selbstbild einschreiben und dazu führen, dass Männer sich für ihre sexuellen Wünsche schämen oder sie unterdrücken. Dabei ist das Bedürfnis nach Nähe, Lust und Intimität keine Frage des Alters. Im Gegenteil: Viele Männer entdecken gerade in späteren Lebensjahren neue Facetten ihrer Sexualität. Umso wichtiger ist es, dass diese Erfahrungen gesehen und anerkannt werden. Sex im Alter verdient Sichtbarkeit, Respekt und einen selbstverständlichen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung.
Praktische Tipps für erfüllten Sex im Alter
Sex im Alter darf sich verändern und darf auch neu entdeckt werden. Wer offen bleibt und sich auf die eigenen Bedürfnisse einlässt, kann viel erleben. Kleine Hilfsmittel wie Gleitgel, Potenzmittel oder Sexspielzeuge können unterstützen, wenn sich der Körper verändert. Auch eine entspannte Atmosphäre, Zeit und Vertrauen spielen eine wichtige Rolle. Ebenso wichtig ist Kommunikation: Offen über Wünsche, Ängste oder Grenzen zu sprechen, schafft Nähe, vor allem in neuen Beziehungen. Wer Unsicherheiten verspürt, kann sich auch medizinische oder therapeutische Unterstützung holen.
Sex im Alter – 4 Erfahrungsberichte
Das Vorurteil hält sich hartnäckig: Wer alt ist, hat keinen Sex. Von wegen! Vielleicht verschieben sich die Prioritäten und Kuscheln wird wichtiger als ein geiler Fick, aber Sex spielt auch in der Generation 60plus eine Rolle, wie diese vier schwulen Männer beispielhaft berichten.
Sex im Alter – 4 Erfahrungsberichte
Sex mit dem Partner
K
Kurt (62)
aus Zeitz
Ich lebe seit acht Jahren mit meinem Partner zusammen. Vor vier Jahren haben wir geheiratet. Viele Paare schlafen nach einer solchen Zeit nur noch im gleichen Bett, aber es passiert nichts mehr. Bei uns dagegen schon.
Wir haben regelmäßig Sex miteinander, aber auch mit anderen Männern – manchmal gemeinsam, manchmal jeder für sich. Das gibt unserem Sexleben die nötige Würze.
„Wenn wir jemanden zu uns einladen, erwarten wir aber mehr, als einfach hinzulegen und das Loch hinzuhalten. Zum Sex gehört für uns Küssen, Zärtlichkeit, Lecken und Rimmen sowie geiles Blasen.“
Sex als Single
J
Julio (66)
aus Köln
Warum so viele Schwule ein Problem damit haben, älter zu werden, ist mir ein Rätsel. Ich habe nach wie vor Sex und empfinde ihn als viel intensiver als in meiner Jugend.
Manchmal suche ich aber auch den Kick: Ich fliege regelmäßig zum FKK nach Gran Canaria. In den Dünen von Maspalomas fühle ich mich frei und genieße es, dass es anderen genauso geht.
„In Bars gehe ich schon lange nicht mehr. Da stehen nur Giraffen: erst langen Hals machen, und schaut man hin, stecken sie den Kopf in den Sand.“
Sex gegen Geld
JC
Jean-Claude (66)
aus Karlsruhe
Als ich so jung war wie die Männer, die ich schön und anziehend finde, galt Homosexualität noch als krank und widerwärtig. Ich empfinde es als wunderbar, wenn ein junger Mann neben mir liegt und ich ihm die Liebe geben kann, die mir damals gefehlt hat.
Es ist für mich selbstverständlich, dass ich ihnen für ihre Zärtlichkeit und die Zeit, die sie mit mir verbringen, etwas zustecke.
„Einen professionellen Callboy habe ich aber noch nie bestellt. Das wäre mir viel zu geschäftsmäßig. Ich brauche das Gefühl, gemocht zu werden.“
Kaum noch Sex
K
Karl (60)
aus Dillenburg
Jeder hat bestimmte Vorstellungen von einem potenziellen Sexpartner. Ich selbst stehe optisch auf jüngere, sportliche Männer. Aber auch zwischenmenschlich muss es passen. Das macht es mir nahezu unmöglich, sexuell aktiv zu bleiben.
Denn für meine Zielgruppe bin ich ein alter Sack, und ich lebe in einem echten Kaff. Käuflicher Sex kommt für mich nicht infrage.
„Der Verzicht auf Sex bedeutet aber nicht, dass ich frustriert wäre. Ich habe vor allem jüngere Freunde. Außerdem ist mir ein bisschen Erotik durchaus geblieben: Ich bin leidenschaftlicher Ringer.“
FAQ: Häufige Fragen zu Sex im Alter
Ist Sex im Alter noch gesund?
Ja. Studien zeigen, dass regelmäßiger Sex im Alter sich positiv auf Herz-Kreislauf, Hormone und psychisches Wohlbefinden auswirken kann. Auch die Prostata profitiert von sexueller Aktivität.
Wie oft haben Männer im Alter noch Sex?
Das ist sehr individuell. Manche haben mehr Lust als früher, andere weniger. Wichtig ist nicht die Häufigkeit, sondern dass Sexualität im Alter den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Gibt es Hilfsmittel für erfüllten Sex im Alter?
Ja. Potenzmittel, Gleitgel oder Sexspielzeuge können unterstützen, wenn sich der Körper verändert. Auch Beratung durch Ärzt*innen oder Sexualtherapie kann helfen.
Was tun bei Erektionsproblemen im Alter?
Erektionsprobleme sind im Alter häufig. Offene Gespräche mit dem Partner und ärztliche Hilfe können Entlastung bringen. Medikamente oder andere Hilfsmittel sind heute gut verträglich.
Wie verändert sich Sexualität in langjährigen Beziehungen?
Viele Paare erleben weniger Sex, dafür aber tiefere Intimität. Kommunikation über Wünsche und Offenheit für Neues sind entscheidend, um auch im Alter Nähe zu erleben.
Warum wird über Sex im Alter so wenig gesprochen?
Sexualität im Alter wird gesellschaftlich oft tabuisiert. Besonders schwule Männer erleben im Alter Unsichtbarkeit oder Vorurteile. Erfahrungsberichte helfen, das zu ändern.
Wie verändert sich das Lustempfinden im Alter?
Lust kann mit dem Alter intensiver, langsamer oder auch bewusster werden. Körperliche Veränderungen beeinflussen das Empfinden – aber nicht die Fähigkeit, Lust zu spüren.
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Die „Generation Schwulenbewegung“ kommt in die Jahre. Selbstbewusst nutzen die über 60-Jährigen die Angebote der Homo-Szene – solange die Gesundheit mitspielt. Ein Stimmungsbericht aus Hamburg.
Altersunterschied Beziehung: Älterwerden in der Schwulenszene
„Die Szene tue ich mir mit 70 nicht mehr an“, stellt Karl-Heinz klar. Er will nicht mehr in einer Bar auf seinen Traumprinzen warten. „Man muss sich einfach klarmachen: Für die Szene ist man alt, auch wenn man selbst einen ganz anderen Eindruck hat“, erklärt der pensionierte Berufsschullehrer. „Wenn man sich jeden Tag im Spiegel sieht, merkt man nicht, wie man altert.“
Der Verzicht auf Bars fällt dem Single leicht. Sex sucht er eher im Freien, zum Beispiel im Stadtpark. „Mir macht das Jagen Spaß“, sagt Karl-Heinz und lacht. „Die Typen, die ich da abbekomme, würden mich in einer Bar mit dem Arsch nicht anschauen.“
Neue Wege der Begegnung im Alter
Cruising kann auch sehr gesellig sein. Bei einem Streifzug durch die Dünen von Ibiza hat Karl-Heinz vor bald 20 Jahren einen fast 20 Jahre jüngeren Mann kennengelernt. Sex hatten sie nicht, aber beim Wiedersehen im Strand-Supermarkt haben sie sich zum Essen verabredet. So lernte Karl-Heinz eine schwule Trekking-Gruppe kennen. Mit ihnen wandert er seitdem jedes Jahr mindestens einmal durch die Mittelgebirge, den Harz kennt er fast auswendig.
In Homo-Bars geht Karl-Heinz nicht mehr – und ist trotzdem gut vernetzt mit anderen Schwulen. Derzeit organisiert er mit einem Ehrenamtskollegen vom schwulen Infoladen Hein & Fiete eine „Gay History Tour“ durch St. Pauli. So wie Karl-Heinz sind viele ältere Männer in der Community präsent – sie sind es so gewohnt. „Es gibt ein hohes Interesse an spezifischen Beratungs- und Freizeitangeboten für schwule und bisexuelle Männer über 50“, sagt Heiko Gerlach. Der Diplom-Pflegewirt hat gemeinsam mit Christian Szillat schwule Hamburger befragt und die Antworten im Auftrag der AIDS-Hilfe Hamburg ausgewertet. „Männerliebende Männer 50 plus in Hamburg“ heißt ihre Studie, die sie unter anderem auf Radio Pink Channel vorgestellt haben. Eine besondere Generation, finden die beiden Fachleute: Sie seien die Ersten, die ihre Homosexualität relativ offen gelebt hätten. Es sei nicht verwunderlich, wenn diese nun offensiv die Berücksichtigung ihrer Lebenslagen im Alter einforderten.
Wenn Gesundheit den Alltag bestimmt
Solange der Körper mitmacht, geht das schwule Leben jenseits der Fünfzig also fröhlich weiter. Auch Eckhard ist vor ein paar Jahren noch regelmäßig in die Sauna gegangen. Er weiß noch, welche Angebote es gibt: Partner-Rabatt am Freitag, Wellness am Sonntag und mittwochs „40up“ mit Preisnachlass für über 40-Jährige. „Für mich könnte sie schon einen ,70up‘-Tag machen“, sagt Eckhard und lächelt. Die letzten Jahre hat der gelernte Elektriker mehr Zeit im Krankenhaus als in der Sauna verbracht. Nach einer Herz-Operation ist Eckhard 2013 in ein Altenheim in St. Georg gezogen, Abteilung „Regenbogen“. „Das hat nichts zu bedeuten“, sagt Eckhard, „ich bin hier der einzige Schwule weit und breit.“
Dass er mal Hilfe bräuchte, konnte sich Eckhard lange nicht vorstellen. Sogar seine HIV-Infektion hat er weggesteckt. 1990 bekam Eckhard die Diagnose und hat durchgehalten, bis die ersten Kombinationstherapien verfügbar waren. „Jetzt bin ich seit über zwölf Jahren unter der Nachweisgrenze“, erzählt er stolz. „HIV macht mir keine Probleme – die kamen erst durchs Älterwerden.“ Inzwischen sind einige zusammengekommen. Auf Eckhards Tisch in dem 20 Quadratmeter großen Zimmer liegen akkurat aufgereiht: ein Armband zum Blutdruckmessen, ein Gerät zur Blutzuckerbestimmung, eine Insulinspritze. Des Weiteren ein Asthmaspray und eine Pappschachtel mit Hustenbonbons. „Diese Vielfalt der Beschwerden macht mich kaputt“, sagt Karl-Heinz. „Da habe ich immer im Hinterkopf: Was kommt als nächstes?“
Seit 15 Jahren ist Jibben (68) mit Philipp (41) zusammen, 2006 haben die beiden geheiratet. „Philipp ist natürlich auch ein Grund, dass ich fit bleibe“, sagt Jibben.
Altersunterschied Beziehung: Zwei Generationen, ein Alltag
Auch Jibben macht sich manchmal Sorgen, „dass die Knochen nicht mehr so mitmachen“. Aber davon lässt er sich nicht runterziehen. Sein Gegenmittel: viel machen. Der 68-Jährige betreut drei Websites, darunter das schwul-lesbische Portal hamburg.gay-web.info. „Ich hoffe, dass das ein Grund ist, warum ich oben noch fit bin“, sagt der breitschultrige Mann mit dem weißen Kinnbart und tippt sich dabei an den Kopf. „Philipp ist natürlich auch ein Grund“, fügt Jibben sanft hinzu, „als junger Ehemann, der einen manchmal schon auf Trab hält.“
Partnerschaft über Altersgrenzen hinweg
Seit 15 Jahren ist Jibben mit Philipp (41; gemeinsam auf dem Foto zu sehen) zusammen, 2006 haben die beiden geheiratet. Beim Straßenfest zum Hamburg Pride sitzen die beiden jedes Jahr im Orga-Container, nehmen Fundsachen an und sorgen per Funkgerät dafür, dass jeder Stand Strom und Wasser bekommt. Von der Szene hat Jibben noch nicht genug. „Das liegt auch daran, dass ich mit 50 zum ersten Mal in eine schwule Bar gegangen bin“, vermutet Jibben. „Im Nachhinein hätte ich gerne früher damit angefangen“, sagt Jibben, „weil ich bestimmt einiges verpasst habe.“
FAQ: Altersunterschied Beziehung in der schwulen Community
Beziehungen mit Altersunterschied werfen viele Fragen auf – besonders in der schwulen Community. In dieser FAQ beantworten wir zentrale Fragen zu Partnerschaft, Akzeptanz, Herausforderungen und gesellschaftlicher Wahrnehmung.
Was bedeutet ein großer Altersunterschied in einer Beziehung?
Ein großer Altersunterschied in der Beziehung beschreibt Partnerschaften, in denen mehrere Jahrzehnte zwischen den Partnern liegen. In der schwulen Community ist diese Konstellation vergleichsweise häufig und gesellschaftlich oft sichtbarer als in heterosexuellen Beziehungen.
Sind Beziehungen mit Altersunterschied langfristig stabil?
Ja, viele Beziehungen mit Altersunterschied sind stabil und langfristig. Entscheidend sind nicht die Lebensjahre, sondern gemeinsame Werte, gegenseitiger Respekt und ähnliche Vorstellungen vom Zusammenleben. Der Artikel zeigt, dass solche Partnerschaften über viele Jahre funktionieren können.
Warum sind Altersunterschiede in der schwulen Szene häufiger sichtbar?
Historisch bedingt konnten viele schwule Männer ihre Sexualität erst später offen leben. Dadurch entstehen Begegnungen zwischen Generationen häufiger – etwa in der Szene, im Ehrenamt oder über gemeinsame Interessen. Der Altersunterschied in der Beziehung wird dabei oft bewusst akzeptiert.
Welche Herausforderungen bringt eine Beziehung mit Altersunterschied mit sich?
Unterschiedliche Lebensphasen, gesundheitliche Themen oder gesellschaftliche Erwartungen können Herausforderungen darstellen. Gleichzeitig berichten viele Paare, dass Offenheit und Kommunikation helfen, diese Unterschiede konstruktiv zu überbrücken.
Spielt das Alter in der schwulen Community heute noch eine große Rolle?
Das Alter spielt weiterhin eine Rolle, etwa bei Zugang zur Szene oder bei körperlichen Erwartungen. Dennoch zeigt sich zunehmend, dass starre Altersgrenzen an Bedeutung verlieren – insbesondere in Beziehungen, in denen Nähe und Vertrauen wichtiger sind als Zahlen.
Wie wird der Altersunterschied in der Beziehung von außen wahrgenommen?
Die Wahrnehmung ist unterschiedlich. Während manche Paare mit Vorurteilen konfrontiert werden, erleben andere viel Akzeptanz. Der gesellschaftliche Diskurs hat sich geöffnet, und Beziehungen mit Altersunterschied werden heute differenzierter betrachtet als früher.
Stimmen aus der Community
Berichte, Erfahrungen und Perspektiven rund um Liebe, Älterwerden, Gesundheit und Zusammenhalt in der Community.
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Max ist 21 Jahre alt, studiert in Jena und hat sich vor mehr als einem Jahr als HIV-positiv geoutet. Er ist froh über diese Entscheidung und würde sich wünschen, dass noch mehr positive Jungs sagen, dass sie HIV haben. Ein Gespräch über unbegründete Sorgen, den Punkt an dem Internet-Dating unsexy wird und was ein Bericht über die „Testhelden“-Kampagne von ICH WEISS WAS ICH TU bei ihm auslöste
Wie offen lebst du in der schwulen Szene mit HIV?
Ziemlich offen. Das hier ist nicht das erste Interview, das ich darüber gebe und die allermeisten Menschen in meinem direkten Umfeld wissen Bescheid. Wenn Datingportale die Möglichkeit anbieten, den HIV-Status anzugeben, dann mache ich das auch. Oder ich spreche es an, wenn es nötig wird. Aber, es ist auch nicht das Erste, was ich Menschen über mich erzähle. Obwohl es inzwischen schon merkwürdig ist, wenn es Leute nicht wissen.
Was meinst Du damit?
Ein offener Umgang damit, dass ich positiv bin, macht Sachen, Gespräche und den generellen Umgang mit Anderen einfach unkomplizierter. Die Hürde ist weg, alle wissen Bescheid und damit ist es auch gut. Wenn dann einer dazu kommt, der es nicht weiß, entsteht oft Erklärungsbedarf. Das verkompliziert dann die Situation wieder und das Thema rückt in den Vordergrund. Und das löst dann Unbehagen aus, was eigentlich gar nicht notwendig ist.
„Wenn ich anderen so helfen kann, sich zu schützen, ist das doch super.“
Ist es dir leichtgefallen, dich auch öffentlich zu outen?
Mein öffentliches Outing kam so zustande: Ich habe einen Bericht auf einer Website über diese Kampagne „Testhelden“ gelesen, der mich beeindruckt hat. Daraufhin hab ich den Autor kontaktiert, um ihm das zu sagen. Der hat dann gemeint: „Könntest Du dir vorstellen, selbst öffentlich über deine Infektion zu sprechen?“ Und das konnte ich. Ich hatte gar nicht so viel Angst davor. Es gibt viel zu wenig Menschen, die das tun. Und deswegen wissen viele andere Menschen nicht, dass das Leben der meisten Positiven auch nicht großartig anders ist, als das von Negativen. Und ich bin immer noch froh, es getan zu haben. Wenn ich anderen so helfen kann, sich zu schützen, ist das doch super.
„Da muss ich dann erklären, dass Schutz durch Therapie funktioniert und ich nicht infektiös bin.“
Wie reagieren andere Menschen darauf, wenn Du ihnen sagst, dass du positiv bist?
Gerade heute, wo mein HIV-Status für mich selbst schon ganz normal geworden ist, bin ich immer wieder überrascht davon, wieviel Sorgen sich manche machen. Nicht davor, sich bei mir zu infizieren. Darüber wissen die Allermeisten ganz gut Bescheid. Aber viele denken immer noch, ich würde jetzt ja wohl irgendwann krank werden und dann viel zu früh sterben, oder sowas. Und denen dann klar zu machen, dass es mir echt gut geht und ich durch HIV eigentlich überhaupt nicht beeinträchtigt bin, ist nicht immer einfach. Das nervt ab und zu dann doch. Beim Dating im Internet kommt die Sache auch irgendwann zur Sprache, und viele reagieren mit großer Selbstverständlichkeit. Aber einige auch nicht. Da muss ich dann erklären, dass Schutz durch Therapie funktioniert und ich nicht infektiös bin. Das macht die Sache dann aber schnell unsexy, leider.
Angst vor Stigmatisierung unter jungen Positiven
Kennst du andere junge Positive? Wie gehen die mit ihrer Infektion um?
Ich studiere in einer kleineren Stadt, die Szene hier ist nicht riesig. Nach meinem öffentlichen Outing haben sich einige Bekannte dann bei mir geoutet. Und was ich generell so mitbekomme, ist, dass es inzwischen einige junge Positive gibt, die ganz offen sind. Aber viele andere wollen nicht, dass das an die große Glocke gehängt wird und sprechen nur mit wenigen anderen Menschen darüber.
„Nach einem Outing wird man definitiv zum Gesprächsthema.“
Woran liegt das deiner Meinung nach?
Naja, die haben Angst vor Stigmatisierung. Und die ist ja auch nicht ganz unberechtigt. Nach einem Outing wird man definitiv zum Gesprächsthema. Der allgemeine Informationsstand zum Leben von HIV-Positiven ist nicht berauschend und da entstehen leicht Vorurteile und Gerüchte, die einem das Leben schwerer machen. Viele haben auch Angst, sich ihre berufliche Zukunft zu verbauen, wenn bekannt wird, dass sie positiv sind.
Foto: Privat
„Und einige Negative könnten sich im Umgang mit Positiven mal entspannen.“
Und was können wir alle gemeinsam dagegen tun?
Gute Frage. Wenn Positive offen mit ihrer Infektion umgehen, haben Negative eine Chance, aus erster Hand zu erfahren, dass ein Leben mit HIV 2017 nicht mehr bedeutet, dass man krank ist. Wir leben völlig normal und es gibt keine sichtbaren Unterschiede zwischen Positiven und Negativen mehr. Und einige Negative könnten sich im Umgang mit Positiven mal entspannen. (lacht) Und sich besser informieren, damit Stigma vorgebeugt wird, bevor es passiert.
Wie wirkt sich HIV heute auf dein Leben aus?
Ich nehme jeden Tag zwei Tabletten, das war’s. Das ist inzwischen aber auch automatisiert, wie Zähneputzen, und nichts, worüber ich noch nachdenke. Abgesehen davon bin ich wahrscheinlich auch nicht anders als viele 21-Jährige schwule Jungs überall auf der Welt.
Mehr zum Leben mit HIV findet Ihr übrigens auf iwwit.de!
Macht Poppers-Konsum die Augen kaputt? Französische Forscher warnen vor der Schwulen liebsten Sexdroge, andere Experten plädieren für Gelassenheit
Das Schnüffeln von Poppers kann ins Auge gehen. Das befürchtet jedenfalls ein Medizinerteam aus Frankreich. Die Sexdroge könne die Netzhaut schädigen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine.
Der Grund für die Warnung: Die Augenspezialisten hatten vier Personen behandelt, die nach dem Popperskonsum nicht mehr scharf sehen konnten. Die Patienten beklagten zudem einen hellen Fleck in ihrem Blickfeld. Tatsächlich konnten die Experten bei allen Patienten eine Schädigung der Netzhaut feststellen, und zwar genau an jener Stelle, die Bilder mit hoher Auflösung ans Hirn vermittelt („Sehgrube“).
Eine Folge: Die Geschädigten konnten nur noch schwer lesen. Bei zweien von ihnen ließen die Symptome glücklicherweise nach einigen Wochen nach.
Die Forscher suchten und fanden danach noch weitere Fälle. Teilweise waren sie von vorher behandelden Augenärzten nicht diagnostiziert worden, weil die Netzhautveränderungen nur einen sehr kleinen – wenn auch wichtigen – Bereich betreffen.
Was ist Poppers?
Poppers ist ein Sammelbegriff für bestimmte Nitrite, die eingeatmet werden. Die Wirkung setzt sehr schnell ein und hält nur kurze Zeit an. Viele Menschen nutzen Poppers beim Sex, weil sie entspannend wirken, ein kurzes Rauschgefühl auslösen und den Körper lockerer machen. Das kann zum Beispiel den Analverkehr erleichtern.
Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen von Poppers
Poppers wird über Nase oder Mund eingeatmet. Die Wirkung setzt fast sofort ein und hält nur wenige Minuten an. Viele beschreiben ein kurzes Rauschgefühl, das die Wahrnehmung intensiviert und den Körper entspannter macht. Vor allem beim Sex kann sich das luststeigernd anfühlen. Typisch für Poppers ist, dass sich die Blutgefäße weiten. Dadurch sinkt kurzfristig der Blutdruck, während der Puls ansteigen kann. Gleichzeitig entspannt sich die Muskulatur – auch der Schließmuskel. Das ist einer der Gründe, warum Poppers häufig beim Analverkehr genutzt werden. In kleinen Mengen berichten Nutzer häufig von einem stärkeren Lustempfinden, intensiveren Körpergefühlen und einer allgemeinen Entspannung. Die Wirkung ist kurz, klingt meist schnell wieder ab und hinterlässt bei vielen keine Nachwirkungen.
Anders kann es bei höheren Mengen oder häufigem Nachlegen aussehen. Dann kann es zu Schwindel, Übelkeit oder einem starken Blutdruckabfall kommen. In seltenen Fällen sind auch Kreislaufprobleme bis hin zur Bewusstlosigkeit möglich. Manche erleben außerdem Erektionsprobleme – besonders dann, wenn Poppers zusammen mit Alkohol oder anderen Drogen konsumiert wird. Die Wirkung von Poppers beruht auf einer vorübergehenden Gefäßerweiterung, auch im Gehirn. Dadurch fühlt sich der Rausch intensiv, aber kurz an. Poppers verändern jedoch nicht das Bewusstsein im Sinne von Halluzinationen. Wichtig: Wie stark und wie belastend die Wirkung ist, hängt von der Menge, der Häufigkeit des Konsums und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Substanzen ab. Deshalb gilt auch hier: informiert bleiben und Risiken realistisch einschätzen.
Poppers sind in der schwulen Szene weit verbreitet – über mögliche Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen wird jedoch oft wenig gesprochen.
Wie gefährlich ist Poppers?
Da stellt sich die Frage: Wie gefährlich ist Poppers? Drohen wirklich bleibende Augenschäden? Schließlich sind die bunten Minifläschchen mit betörenden Namen wie „Jungle Fever“, „Hard Wave“ oder „Rush“ bei vielen schwulen Männern sehr beliebt. Die enthaltenen Nitrite haben eine berauschende und sexuell stimulierende Wirkung. Vor allem aber weiten sie die Blutgefäße und entspannen so die glatte Muskulatur – inklusive der Schließmuskel. Das erleichtert den Analverkehr. Poppers hat allerdings auch unerwünschte Nebenwirkungen wie Herz-Kreislaufprobleme und das Absterben von Gehirnzellen. Deutschland toleriert den Verkauf von Poppers, obwohl die Inhaltstoffe rezeptpflichtig sind.
„Poppers wird eifrig benutzt“, sagt Rainer Rybak von Check Up, der schwulen Gesundheitsagentur in Köln. „Bei vielen Leuten stehen solche Fläschchen im Kühlschrank.“
Augenschäden durch Poppers? Die Studienlage ist dünn
Bezüglich des Warnrufs aus Frankreich rät Rybak zur Gelassenheit. „Bisher sind nur vier Einzelfälle bekannt. Bei vielen medizinischen Meldungen kocht die Erregung nur solange hoch, bis die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird.“
Seit 15 Jahren ist Rybak in der schwulen Szene unterwegs und informiert über sexuelle Gesundheit. „Mir ist persönlich kein Fall bekannt, in dem jemand nach Poppers-Konsum schwere Folgeschäden zurückbehalten hat.“ Nur auf einer Sexparty sei mal ein Gast nach dem Schnüffeln umgekippt. „Aber ob das nun am Poppers lag, am engen Latexleibchen oder am Flüssigkeitsmangel nach einer durchtanzten Nacht – das kann man nicht eindeutig feststellen“. Körperliche Probleme wie Herzrasen oder Bewusstlosigkeit sind laut Rybak selten allein auf die Droge zurückführen. Das erste Anzeichen einer Überdosierung ist bei Poppers kaum zu ignorieren: ein stechender Kopfschmerz beim Schnüffeln. „Das wirkt so abtörnend, dass dadurch meist Schlimmeres verhindert wird“, sagt der Partydrogenexperte.
Das französische Forscherteam weist selbst darauf hin, dass zwei ihrer Patienten kurz vor dem Sehkraftverlust nicht nur Nitrit, sondern jeweils auch „eine halbe Flasche hochprozentigen Alkohol“ zu sich genommen hätten. Dennoch vermuten die Forscher einen direkten Zusammenhang mit der Droge. Beweisen lässt sich der allerdings bisher nicht: Zwar kann Poppers ein Enzym aktivieren, das für die Fotorezeptoren des Auges wichtig ist, aber dieses hat – das räumen auch die Forscher ein – eine völlig andere Wirkung als in den vier untersuchten Fällen: Das Enzym reduziere die Lichtempfindlichkeit, die Patienten jedoch hätten helle, blendende Flecken beklagt.
Wechselwirkungen problematisch
Der Medizinreferent der Deutschen AIDS-Hilfe, Armin Schafberger, sieht vor allem in Wechselwirkungen eine Gefahr: „Poppers wird oft mit anderen Drogen wie Alkohol kombiniert, dabei können viel schneller gesundheitliche Probleme entstehen.“
Die Kombination von Poppers und Viagra ist sogar lebensgefährlich: Sie kann zu starkem Blutdruckabfall bis hin zu tödlichem Herz-Kreislauf-Versagen führen. Ebenso gefährlich: die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten gegen Angina Pectoris oder hohen Blutdruck.
So bleibt am Ende vorläufig die Erkenntnis: Wer Poppers nimmt, sollte über mögliche Folgen Bescheid wissen und mit Augenmaß zur Sache gehen.
(Philip Eicker)
Wichtige Tipps zum Poppers-Konsum
Poppers nie mit Potenzmitteln oder Nitraten (z.B. in blutdrucksenkenden Medikamenten) kombinieren: Lebensgefahr!
Poppers nicht trinken und nicht direkt in Nase oder Mund einbringen. Der Kontakt mit Schleimhäuten kann zu Verätzungen und Vergiftungen führen.
Gelangt Poppers in Augen, Nase oder auf die Haut: sofort gründlich mit Wasser ausspülen und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Poppers nicht zusammen mit Alkohol oder anderen Drogen konsumieren. Das erhöht das Risiko für Kreislaufprobleme, Schwindel oder Bewusstlosigkeit.
Kondome immer vor der Anwendung von Poppers überziehen. Danach kann es schwieriger werden, ein Kondom korrekt anzulegen.
Bei Vorerkrankungen des Herzens oder des Kreislaufs besser ganz auf Poppers verzichten.
Poppers werden oft beiläufig konsumiert, dabei gibt es einige wichtige Punkte zu Wirkung, Risiken und Safer Use. In diesem FAQ beantworten wir häufige Fragen rund um Poppers – kompakt und verständlich.
Was passiert im Körper, wenn man Poppers nimmt?
Poppers weitet kurzfristig die Blutgefäße. Dadurch sinkt der Blutdruck, der Puls steigt an und die Muskulatur entspannt sich. Viele erleben ein kurzes Rauschgefühl und intensivere Körperempfindungen. Die Wirkung hält in der Regel nur wenige Minuten an.
Ist Poppers gefährlich?
Poppers kann Nebenwirkungen haben, vor allem bei höheren Mengen oder in Kombination mit anderen Substanzen. Möglich sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufprobleme. Besonders riskant sind Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten.
Warum ist die Kombination mit Potenzmitteln so gefährlich?
Sowohl Poppers als auch Potenzmittel senken den Blutdruck. Zusammen kann das zu einem starken Blutdruckabfall führen, der lebensgefährlich sein kann. Deshalb gilt: niemals kombinieren.
Kann Poppers die Augen schädigen?
Es gibt Berichte über Sehstörungen nach dem Konsum von Poppers. Ein eindeutiger Zusammenhang ist bislang nicht abschließend geklärt. Klar ist aber: Direkter Kontakt der Flüssigkeit mit Augen oder Schleimhäuten kann zu schweren Reizungen oder Verätzungen führen und sollte unbedingt vermieden werden.
Macht Poppers abhängig?
Poppers macht in der Regel nicht körperlich abhängig. Manche Menschen gewöhnen sich jedoch daran, Poppers beim Sex zu nutzen, und empfinden Sex ohne Poppers dann als weniger intensiv.
Wie kann ich Risiken beim Konsum verringern?
Informiert bleiben, keine Mischkonsum-Experimente eingehen, auf Warnsignale des Körpers achten und Poppers niemals mit Potenzmitteln oder bestimmten Medikamenten kombinieren. Weniger ist hier eindeutig mehr.
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Die Deutschen werden immer älter, und das betrifft in besonderer Weise schwule Männer, die im Alter meist ohne Familie dastehen – und ohne Kinder, die sich um sie kümmern. Noch immer gibt es in Deutschland zu wenig Wohnprojekte für homosexuelle Senioren. Ein Lichtblick ist das erste Mehrgenerationenhaus, das in Berlin im Frühsommer eröffnet hat.
Seit Peters HIV-Diagnose sind bald 30 Jahre vergangen. 70 ist der Waliser inzwischen, hat viele Freunde und Bekannte an AIDS sterben sehen. Bis zu seinem Schlaganfall vor gut einem Jahr lebte er im Hamburger Stadtteil St. Georg. Aber für den Rollstuhl war der Fahrstuhl zu klein, Peter musste nach Alternativen suchen. Er recherchierte gezielt nach schwulen Wohnprojekten, weil er nicht in eins der üblichen Altenheime wollte. Doch in Hamburg hat er nichts gefunden, nicht mal in London. Erst in Berlin wurde er fündig. Im „Lebensort Vielfalt“ hat er jetzt ein Zimmer in der Pflege-WG.
Mehrgenerationenhaus Berlin – ein Wohnprojekt mit Vielfalt und Gemeinschaft
Das Charlottenburger Mehrgenerationenhaus ist erst vor wenigen Monaten eröffnet worden. Auf insgesamt fünf Stockwerken gibt es 24 Wohnungen in verschiedenen Größen – meist rollstuhlgerecht und mit barrierefreien Bädern ausgestattet – sowie Eröffnung Lebensort eine WG für Pflegebedürftige. Männer zwischen 31 und 85 leben hier. Neben Garten, Gemeinschaftsraum und einem Café verfügt der Lebensort Vielfalt auch über die deutschlandweit größte Verleih-Bibliothek mit Büchern, Broschüren etc. zum Thema LGBTIQ; auch die Schwulenberatung – Träger des Projektes – ist mit im Haus.
Gemeinsam alt werden: Erfahrungen von Bewohnern im Lebensort Vielfalt
Erste Überlegungen für ein solches Wohnprojekt gab es schon vor fast zehn Jahren – doch mal scheiterte es am Geld, mal bot eine Wohnungsbaugesellschaft Objekte in wenig attraktiven Gegenden an.
„Da wollte doch niemand hinziehen!“, sagt der 67-jährige Bernd Gaiser, der nun wie mehr als 30 Bewohner des Lebensorts Vielfalt in zentraler Lage in Charlottenburg eine Heimat gefunden hat. Der Mietersprecher erklärt, dass das Mehrgenerationenhaus allen offen steht: Homos und Heteros, egal welchen Geschlechts. Wobei die fünf Frauen hier eindeutig in der Minderzahl sind, und es ist lediglich eine Lesbe darunter. Es gab auch mal Pläne, in einer der größeren Wohnungen eine WG für transidente Menschen unterzubringen, doch die potentiellen Bewohner haben sich vor dem Einzug zerstritten. Sogar eine Heterofamilie hatte sich mal für eine der Wohnungen interessiert – woran es letztlich scheiterte, weiß man nicht. Vielleicht wollte man den 17-jährigen Sohn nicht einer Horde schwuler Männer überlassen, mutmaßen Bernd und seine Nachbarn Klaus und Jürgen süffisant.
Etwa die Hälfte der Bewohner hat HIV. Zu ihnen gehören auch der 48-jährige Klaus und sein Partner. Am Lebensort Vielfalt schätzt Klaus, dass er bei Gesprächs- oder Informationsbedarf sehr kurze Wege hat – die psychosoziale Beratung befindet sich ja im selben Haus. Mit seinem Partner ist er erst vor kurzem aus Hessen nach Berlin gezogen. Zwar gab es auch in Frankfurt mal Pläne für ein ähnliches Projekt, doch das „PfleGAYheim“ wurde nie Realität.
Der Lebensort Vielfalt ist einmalig – etwas vergleichbar Großes muss man sehr lange suchen. Ein „europaweit einzigartiges Modellprojekt“, nannte es darum der Regierende Bürgermeister Wowereit bei der Eröffnung. Sechs Jahre dauerten die Vorbereitungen, anderthalb Jahre wurde gebaut. Insgesamt wurden rund sechs Millionen Euro investiert, über die Hälfte der Mittel kam von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.
Wohnen im Alter: Kosten, Barrieren und queere Alternativen in Deutschland
Die Mieten liegen hier im kiez-üblichen Durchschnitt. Bernd zahlt für seine 47 Quadratmeter 611 Euro warm. Allerdings wohnt er auch ganz oben in einem hübschen Maisonette-Apartment – die Wohnungen in der 3. und 4. Etage sind etwas günstiger. Sein Nachbar, der 67-jährige Jürgen, hat sich vor seinem Einzug bei verschiedenen Berliner Einrichtungen erkundigt. Aber Monatsbeiträge bis zu 1.700 Euro haben ihn abgeschreckt – etwaige Pflegeleistungen noch nicht eingerechnet. Aber es gibt auch die andere Seite – nicht jeder kann sich den „Lebensort Vielfalt“ leisten. Viele Interessenten sind wegen der Mietpreise abgesprungen. So kam Jürgen recht schnell an seine Wohnung – denn ursprünglich belegte er auf der langen Warteliste den 76. Platz.
Man findet bundesweit wenig geglückte Projekte, die vergleichbar sind. In Dresden hat man versucht, ein schwul-lesbisches Wohnprojekt zu etablieren. Laut Mitinitiator Horst Rasche musste man sich aber von der Idee verabschieden, weil man nicht genügend Mieter fand. „Jüngere Leute sind kaum für ein Wohnprojekt zu interessieren, während die älteren sich schwer tun. Sie sind oft nicht geoutet oder sogar noch verheiratet.“ Heute sind nur drei der insgesamt 14 Bewohner des Hauses homosexuell.
Lebensort Vielfalt in Berlin bei seiner Eröffnung am 8.06.2012
In Köln gibt es die Villa Anders. Das gemeinnützige Wohnprojekt richtet sich an Lesben, Schwule und Transgender. Willkommen sind Singles und Paare ebenso wie Regenbogen-Familien. In München wurde 2010 in zentraler Lage die rosaAlternative eröffnet kurz: „rosaAlter“. Die Wohngemeinschaft verfügt über fünf Einzelzimmer von ca. 17 qm sowie zwei Paarzimmer, die etwa 32 qm groß sind. Küche und Bad werden gemeinschaftlich genutzt. Das Projekt wird von der AIDS-Hilfe betrieben, sie sich im selben Haus befindet. Für die Bewohner – gegenwärtig wohnen hier ausschließlich Männer mit HIV – hat das einen großen Vorteil. Grundsätzlich steht das Projekt aber allen offen, die hier wohnen möchten, sagt Manuel Otten, der als Sozial-Pädagoge bei der AIDS-Hilfe arbeitet und als Moderator für die Belange der Bewohner zuständig ist.
Mehrgenerationenhaus Berlin als Modellprojekt für würdevolles Altern
Neben der WG gibt es im Obergeschoss das Angebot für Betreutes Wohnen. „Bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium kann einfach innerhalb des Hauses gewechselt werden“, sagt Otten. „Das funktioniert aber auch umgekehrt. Wir hatten mal einen Bewohner, der in der Krankenwohnung mit Dauerbetreuung so gute Fortschritte gemacht hat, dass er schließlich in die WG umziehen konnte.“
Das Betreuungs- und Pflegeangebot ist aber nicht der einzige Vorteil, den Otten sieht. Homosexuelle haben es in „normalen“ Altersheimen oft nicht leicht, wie er aus Erzählungen von Bewohnern weiß. „Manchmal landen ältere schwule Männer in einem Doppelzimmer mit einem wenig toleranten Zimmergenossen, der sich mit einem Vorhang abschirmt, um mit dem anderen nichts zu tun zu haben. Ein schwuler Senior bekam mit seinem Zimmergenossen Probleme, als er das Bild seines verstorbenen Partners neben seinem Bett aufstellte. Manchmal ist es aber auch nur die Situation, wenn ein älterer Schwuler mit drei alten Damen beim Essen am Tisch sitzt – kommt das Gespräch auf die Enkelkinder, kann er nur sehr eingeschränkt teilnehmen.“
Um solche Situationen zu vermeiden, gibt es Wohnprojekte wie „rosaAlter“, die ein würdevolles Altern ermöglichen; niemand soll sich ausgegrenzt fühlen. Auch das Berliner Mehrgenerationenhaus will Menschen unabhängig von Geschlecht, Orientierung und Alter eine Heimat bieten, und der Lebensort Vielfalt ist eine besondere Erfolgsgeschichte: Auf der Warteliste stehen momentan 230 Namen, und die Liste wird ständig länger. Vielleicht wird man irgendwann ein zweites Haus hinzukaufen.
Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Alt werden und Mehrgenerationenhaus Berlin
In diesem FAQ-Bereich findest du Antworten auf wichtige Fragen rund um das Thema alt werden in Gemeinschaft, Mehrgenerationenhaus Berlin, sowie unterstützende Angebote, Anlaufstellen, Tipps und Tricks für queere Senior*innen und alle, die eine alternative Wohnform im Alter suchen.
Was ist ein Mehrgenerationenhaus und wie hilft es beim Alt werden?
Ein Mehrgenerationenhaus ist ein Wohnprojekt, in dem Menschen unterschiedlichen Alters gemeinsam leben. Es fördert soziale Netzwerke, gegenseitige Unterstützung und Gemeinschaft, wodurch das Alt werden ohne Einsamkeit erleichtert wird – gerade wenn familiäre Strukturen fehlen.
Wer kann im Mehrgenerationenhaus Berlin wohnen?
Das Mehrgenerationenhaus Berlin (Lebensort Vielfalt) ist ein Wohnprojekt mit Wohnungen, Gemeinschaftsräumen, Café und Beratungsangeboten. Es richtet sich an Menschen, die nicht allein alt werden möchten, und ist offen für verschiedene Altersgruppen und Orientierungen, mit besonderem Fokus auf queere Lebensentwürfe.
Wie finde ich freie Plätze im Mehrgenerationenhaus Berlin?
Aktuell gibt es Wartelisten: 👉 Interessierte können sich direkt bei Lebensort Vielfalt Berlin melden und sich auf die Warteliste setzen lassen. Die Nachfrage ist hoch, daher lohnt sich eine frühzeitige Anfrage.
Gibt es weitere Wohnprojekte für schwule oder queere Senior*innen in Deutschland?
Ja – neben Berlin gibt es/gab Ansätze in Städten wie: Villa Anders (Köln) – Wohnprojekt für Lesben, Schwule, Trans & Regenbogenfamilien rosaAlter (München) – Wohnform mit betreutem Wohnen
Tipp: Regionale LSBTIQ-Beratungsstellen kennen oft lokale Initiativen und Wohnangebote.
Welche staatlichen oder sozialen Anlaufstellen helfen beim Wohnen im Alter?
Pflegestützpunkte Berlin – Beratung zu Pflege & Wohnformen Queere Beratungsstellen (z. B. Schwulenberatung Berlin) – Unterstützung für LSBTIQ-Personen Seniorenvertretungen – Informationen zu Wohnprojekten Pflegeberatung der Krankenkassen – Infos zu Wohn- & Pflegeformen AWO – Beratungsstellen zur Seniorenhilfe LSBTIQ-Beratungsnetzwerke – Unterstützung, Vernetzung, Projektinfo
Wie beantrage ich Pflege oder Unterstützung im Mehrgenerationenhaus?
Die Pflegeleistungen werden meist über die Pflegekasse beantragt: 1 Antrag bei der Krankenkasse stellen 2 Pflegegrad feststellen lassen 3 Beratungsgespräch bei einem Pflegestützpunkt wahrnehmen 4 Leistungen (z. B. Betreuung, Haushaltshilfe) kombinieren Tipp: Viele Wohnprojekte arbeiten mit externer ambulante Pflege zusammen.
Gibt es finanzielle Unterstützung für Menschen mit geringer Rente?
Ja, mögliche Hilfen sind z. B.: –Wohngeld –Grundsicherung im Alter –Pflegegeld / Betreuungsleistungen –Leistungen nach SGB XII Beratung dazu bieten Pflegestützpunkte, Sozialämter und Wohlfahrtsverbände.
Wie kann ich mich über queere Angebote im Alter informieren?
Empfohlene Ressourcen: – Schwulenberatung / Lesbenberatung vor Ort –LSBTIQ-Netzwerke online –Pflegestützpunkte –LGBT Senior*innen-Foren –Wohnprojekt‑Netzwerke
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Theo (Name geändert) ist 42 Jahre alt. Seit neun Jahren engagiert er sich ehrenamtlich bei der Berliner Aids-Hilfe als emotionaler Begleiter von Menschen mit HIV. Ein Porträt von Moritz Krehl
1998 bekommt Theo die Diagnose „HIV-positiv“ – ein Schock.
Fünf Jahre später tritt er freiwillig aus dem kirchlichen Dienst aus und geht nach Berlin, um dort sein Glück zu finden. Die Trennung von seinem damaligen Freund, berufliche Turbulenzen und nur wenige soziale Kontakte führen ihn allerdings zunächst in die Einsamkeit. So schwer hatte Theo sich den Start nicht vorgestellt. Aber anstatt zu resignieren und zu Hause zu sitzen, bis er depressiv wird, geht er zur Berliner Aids-Hilfe, kurz BAH, um sich ehrenamtlich zu engagieren – für ihn ein Weg aus der Isolation.
Die BAH hat zehn bis fünfzehn Bereiche, in denen ehrenamtliches Engagement möglich ist.
Theo entscheidet sich für die „Begleitung“. Dort gibt es drei Gruppen: Die Ehrenamtler von „Freunde im Krankenhaus“, kurz die FRIKS, begleiten Aids-Patienten, die langfristig im Krankenhaus liegen müssen. Die in der „emotionalen Begleitung in Haft“ Engagierten treffen sich regelmäßig mit HIV-infizierten oder aidskranken Häftlingen. Theo arbeitet in der dritten Gruppe, der „emotionalen Begleitung“. Auch hier geht es darum, Menschen mit HIV auf ihrem Weg aus der Krise zu begleiten, ihnen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben, Bezugsperson und Vertrauter zu sein.
Die „Begleitung“ wurde in den 1980er Jahren ins Leben gerufen, in den schlimmsten Zeiten der Aidskrise.
Schon damals haben die Ehrenamtlichen HIV-Positive, aber vor allem Aidspatienten begleitet –bis zu deren Tod. Damals war das also oft Sterbebegleitung, das Ende des begleiteten Wegs war von Anfang an vorbestimmt.
Auch heute nehmen Begleiter wie Theo HIV-Positive und Aidskranke an die Hand und schenken ihnen ein Stück Geborgenheit und Vertrautheit. Anders als früher ist das Ende aber nicht mehr vordefiniert, dank der modernen Medikamente. Heute entscheidet sich in intensiven Gesprächen zwischen Begleiter, Begleitetem und Aidshilfe-Mitarbeiter sowie in der Supervision, wann die Begleitung sinnvoll beendet wird. Meistens ist das ein Zeitpunkt, an dem die Krise des Begleiteten überwunden ist oder an dem deutlich wird, dass die Begleitung die angestrebten Ziele nicht erreichen kann. So kann der gemeinsame Weg kurz sein, sich aber auch über viele Jahre erstrecken.
Nicht geändert hat sich hingegen, dass Aids oft ins soziale Abseits führt.
Die Krankheit isoliert die Patienten, sie vereinsamen. Resignation, Depressionen und Lethargie sind häufige Folgen, wobei Theo davon überzeugt ist, dass eine HIV-Diagnose selten neue Probleme schafft, sondern eher psychische Veranlagungen verstärkt – so wie es bei kritischen Lebenssituationen vorkommen kann.
Um der Isolation entgegenzuwirken, haben die Begleiter mindestens einmal pro Woche mit ihren Klienten Kontakt; bevorzugt persönlich, manchmal aber auch nur am Telefon. Und obwohl Theo wie die meisten Begleiter berufstätig ist und wenig Zeit hat, verbringt er alle zwei Wochen sogar den ganzen Samstag mit seinem aktuellen Klienten Benjamin (Name geändert), um mit ihm einen Ausflug zu machen, einen Kaffee trinken zu gehen oder einfach nur mit ihm zu reden und ihm zuzuhören.
Der aidskranke Mann ist ungefähr so alt wie Theo selbst – und erst sein zweiter Klient in neun Jahren. Theo begleitet Benjamin seit mittlerweile vier Jahren. Man merkt, dass Theo Benjamins Schicksal nahegeht, aber auch, dass es ihm egal ist, woher er kommt und wie er in diese Lage gekommen ist. Theo urteilt nicht, ihm geht es um den Menschen und den Weg, der vor ihm liegt. „Ich will ihm helfen, sein Leben zu erleben.“
Was hat Theo das Engagement in der Berliner Aids-Hilfe gebracht, und warum engagiert er sich nach wie vor?
Er hat Anschluss gesucht und gefunden, sagt er. Die Supervisionsgruppe gab ihm Halt. Und er hat in der BAH Freunde gefunden, ein gutes Netzwerk, auf das er nicht mehr verzichten will. Außerdem bietet ihm die Arbeit „eine soziale Alternative zum verkopften Schreibtischleben“ und gibt ihm das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Und nicht zuletzt lernt er viel über sich selbst. In gemeinsamen Supervisions-Sitzungen spricht Theo mit den anderen über seine persönlichen Probleme und über schwierige Momente in der Begleitung. „Oft kommt dann ein Feedback, das mich nachdenklich macht und wodurch ich mich persönlich weiterentwickeln kann.“
„Vorurteile gegenüber Menschen mit #HIV beeinträchtigen mein Leben“
Auf die Hälfte der Menschen mit HIV, die bei der Studie „positive stimmen 2.0“ befragt wurden, trifft diese Aussage zu. Heute haben wir die Ergebnisse des partizipativen Forschungsprojekts vorgestellt. Deutlich wird, dass Leben und Alltag von Menschen mit HIV viel mehr von Diskriminierungserfahrungen eingeschränkt werden als von den gesundheitlichen Aspekten der Infektion. Fazit: Ein gutes Leben mit HIV ist medizinisch möglich – der gesellschaftliche Umgang hinkt hinterher.
Weitere Infos, die Ergebnisse und darauf aufbauende Handlungsempfehlungen findet ihr auf
positive stimmen 2.0: VorurteileEfahrungen im GesundheitswesenPositiv out?Kommunikation
Menschen mit HIV sind häufig von Stigmatisierung und Diskriminierung betroffen.
Bei ihnen kann die wahrgenommene und verinnerlichte Stigmatisierung sowie die erlebte Diskriminierung zu erheblichen Auswirkungen in Bezug auf die Lebensqualität und Gesundheit führen – die Ergebnisse von „positive stimmen 2.0“ untermauern dies.
Stigmatisierung und Diskriminierung
Gleichzeitig stellt Stigmatisierung das größte Hindernis für die HIV- Prävention dar. Denn (befürchtete) Ausgrenzung und stigmabedingte Krankheitstheorien (bspw. Annahmen über sogenannte Risikogruppen und Übertragungswege) wirken sich zum einen auf die Bereitschaft aus, sich auf HIV testen zu lassen und zum anderen wird der HIV-Test Personen, denen kein Risiko zugeschrieben wird – insbesondere Frauen über 40 Jahre – nicht aktiv angeboten. Somit tragen Stigmatisierung und Diskriminierung dazu bei, dass auch heute noch in Deutschland ca. 1/ 3 der HIV-Infektionen erst in einem späten Stadium festgestellt werden und die Menschen hierdurch deutliche gesundheitliche Nachteile in Kauf nehmen müssen, da sie nicht von einer rechtzeitigen HIV -Therapie profitieren können.
Intersektionale Aspekte
Intersektionale Aspekte spielen auch in Bezug auf HIV eine große Rolle. Von Beginn an wurde HIV zu einer Infektion der „Anderen“ gemacht. So wird HIV – unabhängig von statistischen Tatsachen – vor allem Gruppen zugeschrieben, die auch schon vor Beginn der HIV-Pandemie stigmatisierte Gruppen waren wie „promiskuitive“ schwule Männer, Sexarbeiter*innen, Drogengebrauchende oder Schwarze Menschen. Zudem erleben viele Menschen mit HIV Stigmatisie- rung nicht nur aufgrund ihrer HIV-Infektion, sondern auch aufgrund anderer Stigmatisierungsmerkmale, z. B. als schwuler Mann, als trans*-Person, als Black or Person of Color, als Frau, drogengebrauchende Person oder Sexarbeiter*in.
Diese Stigmata überlagern sich nicht nur, indem sie zu „mehr“ Stigma- tisierung und Diskriminierung führen, sondern sie sind miteinander verwoben und führen zu spezifischen Stigmatisierungserfahrungen und Benachteiligungen. So unterscheidet sich das Leben eines HIV-positiven schwulen jungen cis-Mannes, der aus der Mittelschicht kommt und einen Hochschulabschluss hat, möglicherweise weniger von dem eines HIV- negativen Mannes, während eine HIV-positive Schwarze Frau ohne Aufenthaltsgenehmigung und Krankenversicherung wahrscheinlich Schwierigkeiten haben wird, an die lebenswichtigen Medikamente zu kommen und für ihre Gesundheit zu sorgen.
Ein ekliges Vieh setzt sich in einem menschlichen Körper fest, wächst unbemerkt und macht alle platt, bis es endlich vernichtet wird. So lässt sich der Horrorklassiker „Alien“ zusammenfassen. Ähnliches spielt sich häufig in den Ärschen schwuler Männer ab. Die Aliens heißen dann aber Feigwarzen, Chlamydien und Tripper. Dabei wäre der Horror schnell vorbei, würden passive – aber auch aktive – Jungs ihren Hintern regelmäßig zum Proktologen, Urologen oder Hautarzt schwingen.
Malte* ist 24, unverschämt gut gebaut und noch hübscher, wenn er rot wird. So wie in dem Moment, als er vom „Blumenkohl“ erzählt. Ein Typ habe ihn vor ein paar Monaten beim Sex gefragt: „Sag mal, weißt du, dass du ganz komische Gnubbel an der Rosette hast?“ – „Gnubbel???“ – „Ja, sieht aus wie Blumenkohl.“ Er sei eher zu seinem Hausarzt gerannt als gegangen, gesteht Malte. Diagnose: Feigwarzen. Überweisung: Proktologie. „Auf dem Weg dorthin kam ich mir richtig dreckig vor und hätte vor Scham flennen können.“
Beine breit für die Diagnose
Proktologen sind Ärzte, die Erkrankungen des Darmausgangs behandeln. Sie untersuchen ihre Patienten auf einem Stuhl, der so ähnlich aussieht wie der beim Frauenarzt. Dr. Andreas Bellmunt kennt die Hemmungen von Patienten, darauf die Beine breit zu machen. In seiner HIV-Schwerpunktpraxis in Dortmund untersucht er schwule Männer oft auch auf Geschlechtskrankheiten im Hintern und muss bei einigen erst Überzeugungsarbeit leisten. „Ich erläutere sachlich, wieso wir eine exakte Diagnose brauchen – genau wie bei anderen Stellen des Körpers auch.“
Neben Papilloma-Viren, die Feigwarzen verursachen können, haben schwule Männer häufig Chlamydien und Tripper. So kam vor ein paar Jahren bei einer amerikanischen Studie mit vermeintlich gesunden Schwulen und Bi-Typen heraus, dass fast jeder Zehnte Chlamydien im Arsch hatte. Dass diese Männer von der Infektion überrascht waren, ist nicht ungewöhnlich: Die Bakterien machen sich im Hintern lange nicht so deutlich bemerkbar wie in der Harnröhre. Manche Patienten mit Chlamydien oder Tripper klagen lediglich über ein „komisches Gefühl“. Bei anderen klebt Schleim am Kot oder es blutet ein bisschen.
Die Biester müssen weg
Doch egal, wie die Symptome ausfallen: Chlamydien und Tripper sind Eindringlinge, gegen die sich der Körper wehrt. „Das führt früher oder später zu Entzündungen, die das Gewebe verletzlicher und anfälliger gegen weitere Infektionen machen“, erläutert Bellmunt. Die Biester müssen also weg. Das gleiche gilt für Papilloma-Viren, von denen es zahlreiche Arten gibt. Zwar werden Feigwarzen von eher harmlosen Viren hervorgerufen. Doch sie können mit Verwandten auftreten, die Krebs auslösen.
In der Regel lassen sich Feigwarzen gut mit einer Salbe behandeln. Bei Malte hatten sie allerdings Zeit zu wuchern. Sein Proktologe musste sie deshalb per Laser wegbrennen –in mehreren Sitzungen jeweils mit lokaler Betäubung. „Je mehr Warzen entfernt werden müssen, desto gravierender der Eingriff“, bestätigt Dr. Bellmunt. Bei manchen Patienten sei sogar eine Vollnarkose nötig, um ganze Kolonien wegzuschneiden. Eine mögliche Folge: Die Haut vernarbt und wird weniger sensibel.
Vorm Termin normal aufs Klo
Obwohl die Wundheilung ein paar Wochen gedauert hat, kann Malte über sein erstes Mal beim Popo-Doktor schon schmunzeln. „Als ich auf dem Untersuchungsstuhl lag, hat mich der Proktologe gleich als erstes gefragt, ob ich meinen Darm gespült hätte. Das hatte ich tatsächlich, weil ich mich sonst dreckig gefühlt hätte.“ Der Arzt habe ihn gebeten, vor dem nächsten Besuch ganz normal aufs Klo zu gehen. Das sei wichtig, weil der Darm nach dem Spülen Schleim absondert und man deshalb weniger erkennen könne. „Dann hat er mir zugezwinkert und gesagt, dass er schon weiß, worauf er sich hier einlässt.“
Arsch in der Hose? Ab zur Kontrolle!
Leichtes Spiel haben Chlamydien, Tripper und Papilloma-Viren vor allem bei unsafer Sex. Man kann sich aber auch beim Fingern anstecken. Dr. Andreas Bellmunt rät passiven Männern deshalb, sich regelmäßig proktologisch untersuchen zu lassen. Wie oft, das müsse jeder selbst entscheiden. Wer immer Kondome benutzt, dem reicht vielleicht eine jährliche Kontrolle. Wer den Sexpartner dagegen häufig wechselt, lässt sich besser alle sechs Monate einen Termin geben. „Manche meiner Patienten kommen von sich aus sogar alle drei Monate“, berichtet der Dortmunder Arzt. „Die wissen wohl warum …“
*Name geändert
Manchmal muss man Abstriche machen – zum Beispiel wenn man sich auf sexuell übertragbare Infektionen untersuchen lässt. (Foto: iwwit.de)