Im September 2021 wurde die Studie „positive stimmen 2.0“ veröffentlicht. Sie zeigt: In der Regel können Menschen mit HIV sehr gut mit ihrer Infektion leben. Dies bestätigten fast 90% der Befragten. Aber: Das Problem beim Leben mit HIV ist Diskriminierung und Stigmatisierung – auch in der schwulen Community.
Das war für uns Grund genug, die Ergebnisse der Studie dieses Jahr zu einem unserer Hauptthemen zu machen! Menschen mit HIV waren von Anfang an an dieser Befragung beteiligt. Menschen mit HIV haben andere Menschen mit HIV interviewt. Dadurch entstand eine wichtige Vertrauenssituation, damit die Befragten ihre authentischen Erfahrungen teilen konnten.
Ebenso kommen auch bei unserem neuen Video einige Menschen mit HIV selbst zu Wort! Schau es dir hier an:
Bei ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT) sind Menschen mit HIV von Anfang an ein wichtiger Teil unserer Kampagne gewesen. Genau so wie authentische Bilder vom Leben mit HIV. Sie verhindern Stigmatisierung und Diskriminierung.
Wenn du uns bei unserer Arbeit unterstützen möchtest, dann teile dieses Video! Und erzähle den Menschen von einer ganz besonderen guten Nachricht: HIV ist unter Therapie nicht übertragbar. Denn das hat die Studie auch gezeigt: Diese Nachricht hat Betroffene sehr entlastet.
Zeig dich außerdem überall solidarisch, wo Menschen mit HIV ausgegrenzt oder diskriminiert werden! Und informier dich auf iwwit.de! Hier findest du viele weitere Infos zum Leben mit HIV. Und du findest Infos dazu, wie du oder andere sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wehren können.
Ein Gesangs-Powerhaus mit starken Messages: „Pink Rebell“ LEOPOLD erobert mit politischer und kämpferischer Musik seit einiger Zeit immer mehr Bühnen, Podcasts, und Fernsehshows. Nächstes großes Wunschziel: Der Eurovision Song Contest! Unser Autor Michael G. Meyer hat sich mit LEOPOLD unterhalten.
Deine Musik ist ungewöhnlich, vor allem Deine Stimme sticht sehr heraus aus dem Pop, den man sonst so kennt. Wie bist du zu Deiner ungewöhnlichen Stimme gekommen, war das viel Training und Unterricht?
Ich denke, die Tatsache, dass meine Stimme als ungewöhnlich angesehen wird, zeigt, wie stark wir noch in Geschlechterrollen denken. Es wird nicht erwartet, dass ein Mann auch eine höhere Stimme oder eine Frau eine tiefere Stimme haben kann. In meinem Fall ist es so, dass ich schon immer eine hohe Sprech- und Singstimme hatte, auch schon als Kind. Ich habe schon immer viel gesungen und mit meiner Stimme experimentiert und somit, bewusst und unbewusst, meine Stimme trainiert. Im Studium hatte ich auch Gesangsunterricht und so konnte sich meine Stimme weiterentwickeln.
„Dass meine Stimme als ungewöhnlich angesehen wird, zeigt, wie stark wir noch in Geschlechterrollen denken.“
Du wirst mit Dua Lipa, Lady Gaga und einigen anderen Stars verglichen, welche Vorbilder hast du selbst?
Musikalisch, künstlerisch, wie auch menschlich finde ich Prince, Janelle Monáe, Lady Gaga, David Bowie und Beyoncé wahnsinnig spannend und inspirierend. Gesanglich hat mich Aretha Franklin sehr geprägt.
Woher kommt der Name LEOPOLD?
Mein Großonkel und Urgroßvater väterlicher Seite hießen beide Leopold. Meine Eltern haben mir Leopold, neben zwei weiteren Namen, in Erinnerung an die beiden, als Vorname gegeben.
Der Bayerische Rundfunk hat dich mal als „Queerness-Glitzertüte“ bezeichnet – was bedeutet für dich „Queerness“?
Queerness bedeutet für mich bunt, laut und stolz zu sein, die eigene Andersartigkeit zu feiern und dafür einzustehen.
Du stammst aus Würzburg, no offense, aber das ist ja nicht gerade der queerste Ort Deutschlands. Wie bist du da groß geworden und wie bist du zur Musik gekommen?
Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Würzburg aufgewachsen. Queerness war dort natürlich nicht so präsent, wie es in einer größeren Stadt der Fall wäre. Ich habe eine tolle Familie und hatte eine sehr schöne, unbeschwerte Kindheit. Unsere Eltern haben viel für meine Geschwister und mich getan. Wir haben zu Hause immer viel und verschiedene Musik gehört. Mit ca. 8 Jahren haben mich meine Eltern bei einem Kinder- und Jugendchor im Nachbardorf angemeldet. So bin ich zur Musik in frühen Jahren gekommen.
Wie ist der private Leopold, wie trennst du Berufliches und Privates?
Schon alleine im Namen trenne ich Berufliches vom Privaten, denn Leopold ist nicht mein Erstname und ich verwende ihn nur auf der Bühne. Was das Äußere betrifft ist es so, dass ich privat eher leger herumlaufe und keine Highheels, auffallende Outfits oder Make-Up trage. Privat bin ich eher unauffällig und zuweilen auch zurückhaltend und schüchtern.
Hast du selbst schon Diskriminierungserfahrungen gemacht, etwa Hasskommentare online?
Ja, ich erhalte regelmäßig auf Social Media Hassbotschaften als Kommentare oder private Nachrichten. Auch im realen Leben werde ich häufig komisch angesehen oder öffentlicht beschimpft.
Das tut mir sehr Leid. Wie siehst du denn die Debatten in Deutschland gerade bezüglich Queerness? Zum Beispiel auch, was das Thema „trans*“ angeht, wo stehen wir da deiner Meinung nach?
In Deutschland hat sich in den letzten Jahren viel getan, auch was die Gender- und Pronomendebatte betrifft. Dennoch genießen wir als LGBTQIA+ auch hier immer noch nicht die gleichen Rechte wie cis und heterosexuelle Menschen. Außerdem erfahren wir regelmäßig Diskriminierung und Ausgrenzung. Das Selbstbestimmungsrecht, die Möglichkeit, Blut zu spenden uvm. sind alles Dinge, die teilweise schon auf den Weg gebracht wurden, aber noch nicht umgesetzt sind.
Queerness in der Popmusik ist ja stärker präsent als früher. Wie siehst du das und wo ordnest du Dich da ein?
Das ist richtig, trotzdem könnten für meinen Geschmack in der internationalen wie auch deutschen Pop-Landschaft noch mehr queere Acts stattfinden. Ich versuche über meine Musik queere Themen aus der Nische in den Mainstream zu bringen und so Leuten zugänglicher zu machen. Meine Musik selbst ist eingängig und poppig – aber mit gewissen Ecken und Kanten.
Wie gehst du öffentlich mit deinem Look und Sex-Appeal um? Was wäre Dir zu gewagt? Was ist dir wichtig, rüberzubringen?
In erster Linie geht es darum, sich wohl zu fühlen. Wenn sich etwas nicht gut für mich anfühlt oder nicht vorteilhaft ist, mache ich es nicht oder trage es nicht. Mit meinen Outfits und Performances verfolge ich eine gewisse Ästhetik und möchte nicht vulgär wirken. Es darf anecken, soll aber gleichzeitig stilvoll und glamourös sein.
Deine Outfits sind ja sicher auch sehr sorgsam ausgesucht, hast du einen bestimmten Stil?
In erster Linie suche ich Outfits aus, die mich ansprechen und von denen ich denke, dass sie mir gut stehen könnten. Ich möchte stilvoll und elegant mit den Outfits auftreten. Dabei darf es auch gerne mal ausgefallener und extravaganter sein. Ich arbeite regelmäßig mit verschiedenen, meist auch queeren Designer*innen zusammen.
„Der ESC ist jedes Jahr. Und ich werde mich auf jeden Fall wieder bewerben.“
Du warst ja in der Auswahl für den ESC, was leider nicht geklappt hat. Bist du enttäuscht oder schon drüber hinweg?
Im ersten Moment war ich natürlich schon enttäuscht – auch, weil mein Team und ich schon länger darauf hinarbeiten. Aber ich denke, es hat vielleicht dieses Jahr einfach noch nicht sein sollen. Das Gute ist ja: Der ESC ist jedes Jahr. Und ich werde mich auf jeden Fall wieder bewerben.
Was sind deine nächsten Projekte?
Für 2022 stehen wieder viele Konzerte an und ich werde auch neue Musik veröffentlichen. Außerdem wird es einige Neuerungen geben, deshalb lasst euch überraschen. 😉
Wo kann man Dich als nächstes mal live sehen? Konzerte finden ja nun endlich wieder statt!
Ich werde wieder auf Festivals und natürlich auch auf einigen CSD- bzw. Pride-Veranstaltungen auftreten, nähere Infos dazu gebe ich bald bekannt. Wer immer auf dem Laufenden bleiben und nichts verpassen möchte kann mir gerne bei Instagram, Facebook, Twitter, TikTok und YouTube folgen.
Zum ersten Mal wurde mit Max Appenroth eine offen lebende trans* Person zum Mr. Gay Germany gewählt. Wir sprachen mit Max über den Contest, über Trans*feindlichkeit in der schwulen Community und Max‘ Kampagne #ProudToBeAlive.
Trigger Warnung: In diesem Interview geht es u.a. um Trans*feindlichkeit, psychisches Wohlbefinden und Suizid.
Max, du hast mehrere Coming-outs hinter dir, magst du uns davon erzählen?
Als ich 13 war, outete ich mich als lesbisch. Es war mein erstes Coming-out. Damals fühlte es sich für mich als „Frau“ mit Männern falsch an. Irgendwann merkte ich dann, dass ich keine Frau bin und hatte ein weiteres Coming-out als trans*. Dazu auch mehr oder weniger als schwule Person, weil ich durch meine Identität und mein verändertes Erscheinungsbild Zugang zu anderen Räumen wie schwulen Bars und Saunas hatte und meine Sexualität anders leben konnte. Dann hatte ich vor zwei Jahren eine andere Art von Coming-out als nicht-binäre trans* Person. Also ich fühle mich im männlichen Spektrum wohl, bin aber deutlich mehr als „nur“ ein Mann.
Was bedeutet der Begriff „nicht-binäre Menschen“?
Nicht-binäre Menschen können sich als „sowohl männlich als auch weiblich“ oder als „weder männlich noch weiblich“ verstehen oder das zweigeschlechtliche Konstrukt gänzlich ablehnen.
Wann hast du dich während dieser Zeit in deinem Körper am wohlsten gefühlt?
Jetzt fühle ich mich sehr wohl in meinem Körper. Die Narrative, dass trans* Menschen im falschen Körper geboren sind, mag ich nicht. Ich bin im perfekten Körper geboren! Es gab nur eine Zeit, in der ich mich mit einzelnen Teilen meines Körpers nicht wohl fühlte und sie modifizieren wollte, um mich in diesem Körper 100% wohl zu fühlen. Das war vor zehn Jahren, als ich eine Operation hatte, um mir die Brüste entfernen zu lassen. Seit dem Moment ist mein Körper einfach perfekt, so wie er ist.
Was bedeutet der Begriff „Transition“?
Transition beschreibt den (medizinischen, rechtlichen, sozialen, körperlichen) Prozess von Menschen, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht identifizieren, ihre Geschlechtsidentität und ihr körperliches Erleben zum Ausdruck zu bringen und anzunähern.
Wie war der Weg zur OP?
Schwierig! Fachlich kompetente Informationen zum Thema Transition zu finden ist nicht einfach. Man muss alles selbst herausfinden: Was will ich? Welche Möglichkeiten habe ich? Außerdem dauert es in Deutschland in der Regel ein bis zwei Jahre vom Antrag bei der Krankenkasse bis zur OP. Und die Anträge werden oft auch abgelehnt. Dann geht man in Berufung und wartet dann wieder auf die Bearbeitung, bis man endlich das OK bekommt. Ich hätte das psychisch und physisch nicht länger ausgehalten, weil ich die Brüste abgebunden und alles ganz platt gedrückt hatte. Das heißt, dein Brustkörper ist permanent komprimiert, du kannst nicht atmen, nicht wirklich aufrecht gehen, du hast Rückenschmerzen. Also habe ich meine Brustoperation in den USA machen lassen. Ich musste zwar selbst viel bezahlen, aber so konnte ich einen ganz schlimmen Prozess mit der Krankenkasse umgehen und schneller an mein Ziel kommen.
Was bedeutet der Begriff „cis Männer“?
Cis Männern wurde bei der Geburt das Geschlecht „männlich“ zugeschrieben und sie identifizieren sich auch zum jetzigen Zeitpunkt noch damit.
Fehlen der Infrastruktur der queeren Szene Deutschlands Präventionsbotschaften und Organisationen für trans* Personen?
Absolut! Auch wenn Deutschland generell bei der Gesundheitsversorgung ein großartiges Land ist, gilt das jedoch nicht für trans* Personen, weil es viel zu wenig Wissen über unsere Körper und Bedürfnisse gibt. Selbst in den queeren Initiativen, die sich für die Gesundheitsversorgung einsetzen, muss einfach auch viel mehr getan werden, damit wir auch gesehen werden und wirklich mitagieren dürfen. Also dass nicht irgendetwas für uns von irgendwem gemacht wird, sondern dass wir es als Community selbst für uns machen dürfen.
Zum Beispiel Präventionskampagnen: Wenn keine trans* Personen mitarbeiten, wie weiß man dann, wie man die Community am Besten adressiert? Wenn auf allen Plakaten nur schwule cis Männer zu sehen sind, aber keine trans* Personen, fühle ich mich nicht angesprochen. Da muss man einfach hinschauen, wie man die Communities repräsentiert, wie man mit ihnen zusammenarbeitet, um wirklich die bestmögliche Arbeit zu machen, die auch die Bedürfnisse der Community widerspiegelt. Ich arbeite vornehmlich im Bereich der HIV-Prävention, speziell für trans* Personen, und sehe, wie viel Arbeit jetzt noch getan werden muss.
Schwul. Trans*. Teil der Szene!
Unsere Broschüre „Schwul. Trans*. Teil der Szene!“ bietet schwulen trans* und cis Männern, gender-nonconforming und nicht-binären Menschen, die sich der schwulen Community zugehörig fühlen unter anderem alle Infos zum respektvollen Umgang innerhalb unserer vielfältigen Szene, zu schwulem Sex sowie zum Schutz vor HIV (Safer Sex). Kurze Infos zur Trans*-History und bedeutenden Aktivist*innen sowie Links zu mehr Infos runden die Broschüre ab. Du findest sie unter iwwit.de/trans!
Max möchte sich verstärkt mit der hohen Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen befassen.
Wie kann deine Arbeit und die Community von deinem Sieg als Mr. Gay Germany profitieren?
Durch die gesteigerte Sichtbarkeit, die ich nun bekomme, folgen mir mehr Menschen in den sozialen Medien, oder ich werde zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen. Das gibt mir mehr Reichweite und wirkt sich natürlich auch auf meine Arbeit aus, weil mehr Menschen die Problematik und die schwierige Situation mitbekommen und hellhörig werden.
Was war deine Motivation, an dem Wettbewerb teilzunehmen?
In den sozialen Medien bin ich durch Zufall darüber gestolpert und habe gesehen, dass es nicht nur ein Schönheitswettbewerb ist, sondern Inhalte im Vordergrund stehen. Jede Person muss sich für ein bestimmtes Thema einsetzen und eine Kampagne dafür ins Leben rufen. Ich fand das ziemlich cool und hab mich damit auseinandergesetzt. Da ich als trans* Person immer wieder Anfeindungen aus der schwulen Community bekomme, dachte ich mir außerdem, dass ich bei so einem Contest den Leuten zeigen möchte, dass wir trans* Personen sehr wohl Teil der Community sind.
„Nur weil sie sich nicht vorstellen können, mit einer trans* Person Sex zu haben, heißt das nicht, dass das für alle in der schwulen Community gelten muss.“
Du erlebst also Diskriminierung aus der schwulen Community?
Die schwule Community ist eine meiner Communities und ich fühle mich da zu Hause. Teilweise erlebe ich aber Dinge wie „Du hast hier nichts zu suchen“ oder „Das ist kein „richtiger“ Mann, also kannst du nicht in der schwulen Community sein”. Vielleicht fehlt es hier ein wenig an Aufklärung: Nicht jeder muss mich attraktiv finden oder sich vorstellen, mit mir ins Bett zu gehen. Ich will auch nicht mit jedem Menschen ins Bett. Aber nur weil ich mir persönlich etwas nicht vorstellen kann, oder etwas nicht mag, heißt das nicht, dass andere das nicht mögen könnten. Nur weil sie sich nicht vorstellen können, mit einer trans* Person Sex zu haben, heißt das also nicht, dass das für alle in der schwulen Community gelten muss.
„Man muss meine Identität nicht nachvollziehen können, um mich zu akzeptieren.“
Was würdest du diesen Leuten sagen?
Wir als trans* Personen nehmen niemandem irgendetwas weg. Ich will kein Geschlecht abschaffen. Ich möchte einfach nur mit Respekt und Würde leben dürfen, wie alle Menschen auch. Man muss meine Identität nicht nachvollziehen können, um mich zu akzeptieren. Ich kann auch vieles nicht nachvollziehen. Aber das heißt nicht, es darf nicht existierten, nur weil ich es nicht verstehe. Dennoch ist dies der beste Beweis dafür, dass meine Arbeit für mehr Trans*-Sichtbarkeit immer noch gebraucht wird, und in der Tat wirken solche Kommentare für mich wie Benzin in meinem Motor. Das ist genau der Grund, warum ich mehr tue.
„Solche Kommentare wirken für mich wie Benzin in meinem Motor.“
Zurück zum Wettbewerb: Wie lief er ab?
Es ging alles relativ zügig. Ich bewarb mich Ende Oktober online, eine Woche später hatte ich mein erstes Telefoninterview. Dann musste ich in den nächsten drei Tagen eine Community-Kampagne entwickeln. Ich überlegte mir eine Kampagne und stellte sie vor. Kurze Zeit danach erfuhr ich, dass ich im Halbfinale bin. Zwischen Halbfinale und Finale muss man die Kampagne weiter aufbauen, um der Jury im Finale zu zeigen, wie man weiter daran arbeitet. Genau sechs Wochen nach dem ersten Telefonat kam dann das Finale. Die anderen Mitstreiter waren unterschiedlichen Alters und Herkunfte. Auch nicht alle waren total schlank und nur muskulös, sondern hatten einfach auch unterschiedliche Körperformen. Ich fand es schön zu sehen, dass es nicht nur um muskelbepackte cis Männer geht. Es war eine kurze intensive Zeit, aber als ich meinen Namen im Finale hörte, war das ein unbeschreiblicher Moment. Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.
Worum geht es in deiner Kampagne?
Sie nennt sich #ProudToBeAlive (stolz darauf, am Leben zu sein) und befasst sich mit der hohen Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Denn leider ist dies ein Thema, über das wir selten sprechen. Ich möchte diese Situation auf zwei Schienen verbessern: Zum einen durch die Schaffung einer professionellen Krisenhilfestruktur für junge LSBTQIA+ in Form einer Online-Beratung parallel zu einer Telefonberatung, durch die Hilfe in akuten Situationen angeboten wird.
Und auf lange Sicht möchte ich die Sichtbarkeit von queeren Menschen in der Kinder- und Jugendliteratur erhöhen. Wenn queere Kinder und Jugendliche in Kinderbüchern sehen, dass es andere Menschen gibt, die genauso sind wie sie – wenn sie sich selbst also immer wiederfinden – bekommen sie das Gefühl, dass sie nicht allein sind. Und dass man so, wie man ist, in Ordnung ist. Ich glaube, wenn sie das von klein auf mitbekommen, könnten sie ein ganz anderes Leben führen, als wenn sie allein damit zurechtkommen müssen. Anfang April kommt mein erstes trans*-empowerndes Kinderbuch auf Deutsch und Englisch heraus, es heißt „Egal was sich ändert, das Herz bleibt genau dasselbe“.
Max, viel Erfolg damit und vielen Dank für das Interview!
Trans* Männer, nicht-binäre und gender non-conforming Personen sind Teil der schwulen Szene! Erfahre jetzt mehr über unsere Kampagne „Schwul. Trans*. Teil der Szene!“ Klicke auf neu.iwwit.de/trans!
Gay Health Chat
Du suchst jemandem zum Reden? Jemanden, der dir zuhört und eventuell Rat hat? Dann chatte mit Beratern aus der Community unter www.gayhealthchat.de!
Hinweis
Es gibt Situationen, die sind alles andere als leicht. Hier gibt es Hilfe: – Telefonseelsorge: 0800-1110111 und 0800-1110222 – Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Die ersten Reaktionen nach einer HIV-Diagnose sind oft sehr unterschiedlich. Viele Menschen erleben die Nachricht zunächst als Schock und fragen sich, wie das Leben jetzt weitergeht. Genau hier setzt Buddy.hiv an: Das Projekt der Deutschen Aidshilfe vermittelt bundesweit Kontakte zu Menschen, die schon länger mit HIV leben und bei den ersten Schritten ins Leben mit HIV unterstützen können.
Unterstützung von Mensch zu Mensch
Ein Buddy ist jemand, der aus eigener Erfahrung weiß, wie sich die erste Zeit nach einer Diagnose anfühlen kann. Das Angebot richtet sich an Menschen mit HIV unabhängig von Geschlecht oder Alter. Der Austausch soll Orientierung geben, Mut machen und zeigen, dass ein selbstverständliches Leben mit HIV möglich ist.
So funktioniert Buddy.hiv
Auf Buddy.hiv können Nutzer*innen einen passenden Buddy suchen, die Auswahl regional eingrenzen und dann direkt Kontakt aufnehmen. Aktuell sind mehr als 40 speziell trainierte Menschen mit HIV bundesweit im Projekt aktiv – aus unterschiedlichen Lebensrealitäten und Altersgruppen.
Warum das Angebot wichtig ist
Auch wenn HIV heute gut behandelbar ist, wird ein positives Testergebnis häufig als belastend erlebt. Umso wichtiger sind Gesprächspartner*innen, die die Situation aus eigener Erfahrung kennen. IWWIT beschreibt das Buddy-Projekt deshalb als Unterstützung besonders in der ersten Phase nach der Diagnose – mit Rat, emotionalem Beistand und Austausch auf Augenhöhe.
Auf seinem neuen Album „Boyology“ plädiert der dänische Popsänger Asbjørn für ein anderes Verständnis von Männlichkeit – und ermutigt insbesondere schwule Männer zu ihrer Verletzlichkeit zu stehen.
Bereits 1984 fragte Herbert Grönemeyer „Wann ist ein Mann ein Mann?“. Nach fast vier Jahrzehnten, die seither vergangen sind, steht die Frage immer noch im Raum. Auch den dänischen Popsänger Asbjørn treibt sie um. So geht es bei dieser Frage letztlich doch auch um die eigene Identität als queerer Mann und ein neues Selbstverständnis von Männlichkeit.
Emanzipation vom traditionellen männlichen Ideal
Wie ein roter Faden zieht sich diese Auseinandersetzung durch sein neues, inzwischen drittes Album. Es ist, wie der 29-Jährige sagt, seine „Emanzipation vom traditionellen männlichen Ideal und den unsichtbaren Erwartungen in der Gesellschaft und an uns selbst, wie ein Mann sein oder nicht sein sollte“. Am Deutlichsten packt das Asbjørn in seinem melancholisch-nachdenklichen Song „Be Human“ in prägnante Verszeilen: “I don’t wanna be a man/ If man means power, to not empower others”. Und “I don’t wanna be a man/ If man means violence instead of showing kindness.”
Das Albumcover von „Boyology“ von Asbjørn. (Artwork by Max Binski)
Mit wehmütig klingendem Falsett singt Asbjørn von verlogenen, veralteten und toxischen Vorstellungen der Männlichkeit. So fragt er schließlich zu fragen: „Can I just be human? / Can I just be me?“ Einfach sich selbst sein, sich auch Verletzlichkeit zuzugestehen, ist eine der Messages, die Asbjørn in klugen und zugleich tanzbaren Pop verpackt hat. Ebenso wie die Botschaft: vor allem an sich selbst glauben und sich nicht zu verstellen, auch wenn’s um Liebesdinge geht.
Ein gesungenes „Ihr könnt mich mal…“ an seine alte Plattenfirma
Der in der Nähe von Aarhus aufgewachsene Sänger, Musiker und Produzent scheint aus eigener Erfahrung zu sprechen. Gleich mehrere Songs erzählen von zerbrochenen Beziehungen sowie gleichzeitig von der Angst vor festen Bindungen. „Remember my Name“ ist einer davon, auch dies ein sehr emotionaler, von elektronischen Beats getriebener Track. Die Verszeilen „Rember my name, the boy that got away“ kann als Nachricht an einen Ex verstanden werden, der von der Trennung kalt erwischt wurde. Für Asbjørn hat der Song aber auch noch eine ganz andere, sehr persönliche Lesart. Genaugenommen ist er ein „Ich schaff’s auch ohne euch“-Gruß an seine alte Plattenfirma. Allerdings war das Material, das er in seiner Wahlheimat Berlin für sein dritten Album erarbeitet hatte, dieser nicht kommerziell genug.
„Ich war zutiefst verletzt vom Zynismus der Branche“, gesteht Asbjørn. Deshalb verzog er sich in ein Sommerhaus in Dänemark, „wo ich das Meer anschreien konnte, um den letzten Rest meiner Resilienz zu entfachen und ihnen das Gegenteil zu beweisen.“
Inspiriert von Lyykie Li, Robyn und anderen großen Künstler*innen
In den elf Songs von „Boylogica“ zeigt Asbjørn, was er von seinen musikalischen Vorbildern wie Lyykie Li, Timbaland, Robyn und Missy Elliott gelernt hat. Vor allem aber zeigt er, dass auch in dancefloor- und radiotauglichen Liedern eine intime und intensive Auseinandersetzung möglich ist – mit den eigenen und mit gesellschaftlichen Erwartungen an zwischenmenschliche Bindungen und vermeintlich geschlechtertypisches Verhalten.
„wie ein queerer Coming-of-Age-Kurzfilm“
Asbjørn über seine „The Boyology Series“ auf Youtube
Asbjørn glaubte diese Erwartungen längst überwunden zu haben, aber musste dann zu seiner eigenen Überraschung feststellen, dass er seinen Liebesschmerz „auf diese super stereotypische Art und Weise unterdrückte“. Für ihn war diese Erkenntnis ein Ausschlag für dieses Album. Und dass es ihm in Sachen Liebe zu Männern zieht, steht bei ihm außer Zweifel. Seine Videos, wie auch jene zu den beiden ersten Alben, sind unmissverständlich und offenherzig. Aus dem neuen Album hat Asbjørn drei Songs ausgewählt und dazu Videos produziert, die sich, wie er selbst sagt, „wie ein queerer Coming-of-Age-Kurzfilm“ anfühlen sollen. Diese „The Boyology Series“ ist auf YouTube zu sehen.
Sex im Alter: Zwischen Veränderung, Nähe und neuer Lust
Sex hört nicht auf, nur weil wir älter werden – im Gegenteil. Viele Menschen erleben mit den Jahren eine neue Qualität von Intimität und Lust. Doch „Sex im Alter“ ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, besonders wenn es um schwule Männer geht.
Mit dem Älterwerden verändert sich einiges: Der Körper reagiert anders, die Libido kann schwanken, und manchmal stehen gesundheitliche Aspekte im Vordergrund. Gleichzeitig gewinnt emotionale Nähe an Bedeutung. Statt Leistungsdruck stehen Achtsamkeit, Vertrauen und neue Erfahrungen im Mittelpunkt.
Auch gesellschaftlich gibt es Nachholbedarf: Sexualität älterer Menschen – insbesondere schwuler Männer – wird oft übersehen. Umso wichtiger ist es, offen darüber zu sprechen.
Offenheit und Lebensfreude auch jenseits der 60
Körperliche Veränderungen
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Hormonhaushalt – insbesondere der Testosteronspiegel sinkt. Das kann Auswirkungen auf die Libido, die Erektionsfähigkeit und die sexuelle Leistungsfähigkeit haben. Diese körperlichen Veränderungen sind vollkommen normal und gehören zum natürlichen Älterwerden dazu.
Trotzdem bleibt Sex im Alter für viele Männer erfüllend – häufig sogar intensiver, weil der Fokus sich verschiebt: weniger auf Leistung, mehr auf Nähe, Achtsamkeit und bewussten Genuss. Wer die Signale seines Körpers erkennt und akzeptiert, kann seine Sexualität im Alter gesund und selbstbewusst leben. Bei Bedarf können auch ärztliche Beratung oder unterstützende Hilfsmittel helfen, Unsicherheiten abzubauen.
Sexuelle Gesundheit im Alter
Sex im Alter ist nicht nur möglich, sondern kann auch gesundheitlich von Vorteil sein. Studien zeigen, dass regelmäßige sexuelle Aktivität positive Effekte auf Kreislauf, Immunsystem und seelisches Wohlbefinden haben kann. Auch die Prostata profitiert – regelmäßige Ejakulationen können laut manchen Untersuchungen das Risiko für Prostatabeschwerden verringern.
Gleichzeitig können hormonelle Veränderungen oder chronische Erkrankungen Herausforderungen mit sich bringen. Wichtig ist deshalb ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper und die Bereitschaft, über Probleme zu sprechen. Auch sexuell übertragbare Krankheiten werden im Alter oft unterschätzt – regelmäßige Tests und Schutz sind ebenso relevant wie in jüngeren Jahren.
Psychologische Aspekte von Sex im Alter
Sex im Alter ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional eine Herausforderung und Chance zugleich. Viele Männer kämpfen mit Unsicherheiten, etwa durch körperliche Veränderungen, nachlassende Potenz oder gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie „männlich“ oder „leistungsfähig“ Sexualität sein sollte.
Das Selbstbild spielt dabei eine zentrale Rolle. Wer sich selbst akzeptiert und liebevoll mit dem eigenen Körper umgeht, kann auch Intimität wieder neu erleben – frei von Druck oder Erwartungen. Gerade im Alter entstehen oft tiefere, ehrliche Verbindungen, weil viele Männer ihre Bedürfnisse besser kennen und offener damit umgehen. Sexualität im Alter bedeutet nicht Rückzug, sondern oft einen neuen Zugang zu Nähe, Lust und Selbstbewusstsein.
Offene Gespräche, Nähe und Gemeinschaft im Alter
Partnerschaft und Beziehung
Mit zunehmendem Alter verändert sich oft auch die Dynamik in Partnerschaften und damit die Sexualität. Viele Paare erleben weniger sexuelle Aktivität, dafür aber eine tiefere Form der Intimität. Gespräche über Wünsche, Grenzen und neue Bedürfnisse gewinnen an Bedeutung.
Sex im Alter muss nicht wie früher aussehen. Für manche Paare heißt das: mehr Zärtlichkeit, mehr Achtsamkeit, weniger Leistungsdruck. Für andere kann es bedeuten, neue Impulse zuzulassen oder über lange Tabus hinwegzukommen. Gerade langjährige Beziehungen profitieren von ehrlicher Kommunikation und dem Mut, Dinge neu zu entdecken.
Gesellschaftliche Sichtweisen
In unserer Gesellschaft ist Sex im Alter noch immer ein Tabuthema – besonders, wenn es um schwule Männer geht. Ältere Körper gelten oft als asexuell, unsichtbar oder nicht mehr begehrenswert. Diese Vorurteile können sich tief ins Selbstbild einschreiben und dazu führen, dass Männer sich für ihre sexuellen Wünsche schämen oder sie unterdrücken. Dabei ist das Bedürfnis nach Nähe, Lust und Intimität keine Frage des Alters. Im Gegenteil: Viele Männer entdecken gerade in späteren Lebensjahren neue Facetten ihrer Sexualität. Umso wichtiger ist es, dass diese Erfahrungen gesehen und anerkannt werden. Sex im Alter verdient Sichtbarkeit, Respekt und einen selbstverständlichen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung.
Praktische Tipps für erfüllten Sex im Alter
Sex im Alter darf sich verändern und darf auch neu entdeckt werden. Wer offen bleibt und sich auf die eigenen Bedürfnisse einlässt, kann viel erleben. Kleine Hilfsmittel wie Gleitgel, Potenzmittel oder Sexspielzeuge können unterstützen, wenn sich der Körper verändert. Auch eine entspannte Atmosphäre, Zeit und Vertrauen spielen eine wichtige Rolle. Ebenso wichtig ist Kommunikation: Offen über Wünsche, Ängste oder Grenzen zu sprechen, schafft Nähe, vor allem in neuen Beziehungen. Wer Unsicherheiten verspürt, kann sich auch medizinische oder therapeutische Unterstützung holen.
Sex im Alter – 4 Erfahrungsberichte
Das Vorurteil hält sich hartnäckig: Wer alt ist, hat keinen Sex. Von wegen! Vielleicht verschieben sich die Prioritäten und Kuscheln wird wichtiger als ein geiler Fick, aber Sex spielt auch in der Generation 60plus eine Rolle, wie diese vier schwulen Männer beispielhaft berichten.
Sex im Alter – 4 Erfahrungsberichte
Sex mit dem Partner
K
Kurt (62)
aus Zeitz
Ich lebe seit acht Jahren mit meinem Partner zusammen. Vor vier Jahren haben wir geheiratet. Viele Paare schlafen nach einer solchen Zeit nur noch im gleichen Bett, aber es passiert nichts mehr. Bei uns dagegen schon.
Wir haben regelmäßig Sex miteinander, aber auch mit anderen Männern – manchmal gemeinsam, manchmal jeder für sich. Das gibt unserem Sexleben die nötige Würze.
„Wenn wir jemanden zu uns einladen, erwarten wir aber mehr, als einfach hinzulegen und das Loch hinzuhalten. Zum Sex gehört für uns Küssen, Zärtlichkeit, Lecken und Rimmen sowie geiles Blasen.“
Sex als Single
J
Julio (66)
aus Köln
Warum so viele Schwule ein Problem damit haben, älter zu werden, ist mir ein Rätsel. Ich habe nach wie vor Sex und empfinde ihn als viel intensiver als in meiner Jugend.
Manchmal suche ich aber auch den Kick: Ich fliege regelmäßig zum FKK nach Gran Canaria. In den Dünen von Maspalomas fühle ich mich frei und genieße es, dass es anderen genauso geht.
„In Bars gehe ich schon lange nicht mehr. Da stehen nur Giraffen: erst langen Hals machen, und schaut man hin, stecken sie den Kopf in den Sand.“
Sex gegen Geld
JC
Jean-Claude (66)
aus Karlsruhe
Als ich so jung war wie die Männer, die ich schön und anziehend finde, galt Homosexualität noch als krank und widerwärtig. Ich empfinde es als wunderbar, wenn ein junger Mann neben mir liegt und ich ihm die Liebe geben kann, die mir damals gefehlt hat.
Es ist für mich selbstverständlich, dass ich ihnen für ihre Zärtlichkeit und die Zeit, die sie mit mir verbringen, etwas zustecke.
„Einen professionellen Callboy habe ich aber noch nie bestellt. Das wäre mir viel zu geschäftsmäßig. Ich brauche das Gefühl, gemocht zu werden.“
Kaum noch Sex
K
Karl (60)
aus Dillenburg
Jeder hat bestimmte Vorstellungen von einem potenziellen Sexpartner. Ich selbst stehe optisch auf jüngere, sportliche Männer. Aber auch zwischenmenschlich muss es passen. Das macht es mir nahezu unmöglich, sexuell aktiv zu bleiben.
Denn für meine Zielgruppe bin ich ein alter Sack, und ich lebe in einem echten Kaff. Käuflicher Sex kommt für mich nicht infrage.
„Der Verzicht auf Sex bedeutet aber nicht, dass ich frustriert wäre. Ich habe vor allem jüngere Freunde. Außerdem ist mir ein bisschen Erotik durchaus geblieben: Ich bin leidenschaftlicher Ringer.“
FAQ: Häufige Fragen zu Sex im Alter
Ist Sex im Alter noch gesund?
Ja. Studien zeigen, dass regelmäßiger Sex im Alter sich positiv auf Herz-Kreislauf, Hormone und psychisches Wohlbefinden auswirken kann. Auch die Prostata profitiert von sexueller Aktivität.
Wie oft haben Männer im Alter noch Sex?
Das ist sehr individuell. Manche haben mehr Lust als früher, andere weniger. Wichtig ist nicht die Häufigkeit, sondern dass Sexualität im Alter den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Gibt es Hilfsmittel für erfüllten Sex im Alter?
Ja. Potenzmittel, Gleitgel oder Sexspielzeuge können unterstützen, wenn sich der Körper verändert. Auch Beratung durch Ärzt*innen oder Sexualtherapie kann helfen.
Was tun bei Erektionsproblemen im Alter?
Erektionsprobleme sind im Alter häufig. Offene Gespräche mit dem Partner und ärztliche Hilfe können Entlastung bringen. Medikamente oder andere Hilfsmittel sind heute gut verträglich.
Wie verändert sich Sexualität in langjährigen Beziehungen?
Viele Paare erleben weniger Sex, dafür aber tiefere Intimität. Kommunikation über Wünsche und Offenheit für Neues sind entscheidend, um auch im Alter Nähe zu erleben.
Warum wird über Sex im Alter so wenig gesprochen?
Sexualität im Alter wird gesellschaftlich oft tabuisiert. Besonders schwule Männer erleben im Alter Unsichtbarkeit oder Vorurteile. Erfahrungsberichte helfen, das zu ändern.
Wie verändert sich das Lustempfinden im Alter?
Lust kann mit dem Alter intensiver, langsamer oder auch bewusster werden. Körperliche Veränderungen beeinflussen das Empfinden – aber nicht die Fähigkeit, Lust zu spüren.
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Du brauchst jemanden zum Reden?
Ob akut oder einfach zur Orientierung – manchmal hilft es, mit jemandem vertraulich zu sprechen. Nutze den Gay Health Chat – der Button rechts unten begleitet dich auf der Seite. Dort bekommst du anonym und kostenlos:
• Persönliche Live-Beratung im Chat • Hilfe per Mail oder Telefon • Infos zu Gesundheit, Recht, Alltag und mehr
Die „Generation Schwulenbewegung“ kommt in die Jahre. Selbstbewusst nutzen die über 60-Jährigen die Angebote der Homo-Szene – solange die Gesundheit mitspielt. Ein Stimmungsbericht aus Hamburg.
Altersunterschied Beziehung: Älterwerden in der Schwulenszene
„Die Szene tue ich mir mit 70 nicht mehr an“, stellt Karl-Heinz klar. Er will nicht mehr in einer Bar auf seinen Traumprinzen warten. „Man muss sich einfach klarmachen: Für die Szene ist man alt, auch wenn man selbst einen ganz anderen Eindruck hat“, erklärt der pensionierte Berufsschullehrer. „Wenn man sich jeden Tag im Spiegel sieht, merkt man nicht, wie man altert.“
Der Verzicht auf Bars fällt dem Single leicht. Sex sucht er eher im Freien, zum Beispiel im Stadtpark. „Mir macht das Jagen Spaß“, sagt Karl-Heinz und lacht. „Die Typen, die ich da abbekomme, würden mich in einer Bar mit dem Arsch nicht anschauen.“
Neue Wege der Begegnung im Alter
Cruising kann auch sehr gesellig sein. Bei einem Streifzug durch die Dünen von Ibiza hat Karl-Heinz vor bald 20 Jahren einen fast 20 Jahre jüngeren Mann kennengelernt. Sex hatten sie nicht, aber beim Wiedersehen im Strand-Supermarkt haben sie sich zum Essen verabredet. So lernte Karl-Heinz eine schwule Trekking-Gruppe kennen. Mit ihnen wandert er seitdem jedes Jahr mindestens einmal durch die Mittelgebirge, den Harz kennt er fast auswendig.
In Homo-Bars geht Karl-Heinz nicht mehr – und ist trotzdem gut vernetzt mit anderen Schwulen. Derzeit organisiert er mit einem Ehrenamtskollegen vom schwulen Infoladen Hein & Fiete eine „Gay History Tour“ durch St. Pauli. So wie Karl-Heinz sind viele ältere Männer in der Community präsent – sie sind es so gewohnt. „Es gibt ein hohes Interesse an spezifischen Beratungs- und Freizeitangeboten für schwule und bisexuelle Männer über 50“, sagt Heiko Gerlach. Der Diplom-Pflegewirt hat gemeinsam mit Christian Szillat schwule Hamburger befragt und die Antworten im Auftrag der AIDS-Hilfe Hamburg ausgewertet. „Männerliebende Männer 50 plus in Hamburg“ heißt ihre Studie, die sie unter anderem auf Radio Pink Channel vorgestellt haben. Eine besondere Generation, finden die beiden Fachleute: Sie seien die Ersten, die ihre Homosexualität relativ offen gelebt hätten. Es sei nicht verwunderlich, wenn diese nun offensiv die Berücksichtigung ihrer Lebenslagen im Alter einforderten.
Wenn Gesundheit den Alltag bestimmt
Solange der Körper mitmacht, geht das schwule Leben jenseits der Fünfzig also fröhlich weiter. Auch Eckhard ist vor ein paar Jahren noch regelmäßig in die Sauna gegangen. Er weiß noch, welche Angebote es gibt: Partner-Rabatt am Freitag, Wellness am Sonntag und mittwochs „40up“ mit Preisnachlass für über 40-Jährige. „Für mich könnte sie schon einen ,70up‘-Tag machen“, sagt Eckhard und lächelt. Die letzten Jahre hat der gelernte Elektriker mehr Zeit im Krankenhaus als in der Sauna verbracht. Nach einer Herz-Operation ist Eckhard 2013 in ein Altenheim in St. Georg gezogen, Abteilung „Regenbogen“. „Das hat nichts zu bedeuten“, sagt Eckhard, „ich bin hier der einzige Schwule weit und breit.“
Dass er mal Hilfe bräuchte, konnte sich Eckhard lange nicht vorstellen. Sogar seine HIV-Infektion hat er weggesteckt. 1990 bekam Eckhard die Diagnose und hat durchgehalten, bis die ersten Kombinationstherapien verfügbar waren. „Jetzt bin ich seit über zwölf Jahren unter der Nachweisgrenze“, erzählt er stolz. „HIV macht mir keine Probleme – die kamen erst durchs Älterwerden.“ Inzwischen sind einige zusammengekommen. Auf Eckhards Tisch in dem 20 Quadratmeter großen Zimmer liegen akkurat aufgereiht: ein Armband zum Blutdruckmessen, ein Gerät zur Blutzuckerbestimmung, eine Insulinspritze. Des Weiteren ein Asthmaspray und eine Pappschachtel mit Hustenbonbons. „Diese Vielfalt der Beschwerden macht mich kaputt“, sagt Karl-Heinz. „Da habe ich immer im Hinterkopf: Was kommt als nächstes?“
Seit 15 Jahren ist Jibben (68) mit Philipp (41) zusammen, 2006 haben die beiden geheiratet. „Philipp ist natürlich auch ein Grund, dass ich fit bleibe“, sagt Jibben.
Altersunterschied Beziehung: Zwei Generationen, ein Alltag
Auch Jibben macht sich manchmal Sorgen, „dass die Knochen nicht mehr so mitmachen“. Aber davon lässt er sich nicht runterziehen. Sein Gegenmittel: viel machen. Der 68-Jährige betreut drei Websites, darunter das schwul-lesbische Portal hamburg.gay-web.info. „Ich hoffe, dass das ein Grund ist, warum ich oben noch fit bin“, sagt der breitschultrige Mann mit dem weißen Kinnbart und tippt sich dabei an den Kopf. „Philipp ist natürlich auch ein Grund“, fügt Jibben sanft hinzu, „als junger Ehemann, der einen manchmal schon auf Trab hält.“
Partnerschaft über Altersgrenzen hinweg
Seit 15 Jahren ist Jibben mit Philipp (41; gemeinsam auf dem Foto zu sehen) zusammen, 2006 haben die beiden geheiratet. Beim Straßenfest zum Hamburg Pride sitzen die beiden jedes Jahr im Orga-Container, nehmen Fundsachen an und sorgen per Funkgerät dafür, dass jeder Stand Strom und Wasser bekommt. Von der Szene hat Jibben noch nicht genug. „Das liegt auch daran, dass ich mit 50 zum ersten Mal in eine schwule Bar gegangen bin“, vermutet Jibben. „Im Nachhinein hätte ich gerne früher damit angefangen“, sagt Jibben, „weil ich bestimmt einiges verpasst habe.“
FAQ: Altersunterschied Beziehung in der schwulen Community
Beziehungen mit Altersunterschied werfen viele Fragen auf – besonders in der schwulen Community. In dieser FAQ beantworten wir zentrale Fragen zu Partnerschaft, Akzeptanz, Herausforderungen und gesellschaftlicher Wahrnehmung.
Was bedeutet ein großer Altersunterschied in einer Beziehung?
Ein großer Altersunterschied in der Beziehung beschreibt Partnerschaften, in denen mehrere Jahrzehnte zwischen den Partnern liegen. In der schwulen Community ist diese Konstellation vergleichsweise häufig und gesellschaftlich oft sichtbarer als in heterosexuellen Beziehungen.
Sind Beziehungen mit Altersunterschied langfristig stabil?
Ja, viele Beziehungen mit Altersunterschied sind stabil und langfristig. Entscheidend sind nicht die Lebensjahre, sondern gemeinsame Werte, gegenseitiger Respekt und ähnliche Vorstellungen vom Zusammenleben. Der Artikel zeigt, dass solche Partnerschaften über viele Jahre funktionieren können.
Warum sind Altersunterschiede in der schwulen Szene häufiger sichtbar?
Historisch bedingt konnten viele schwule Männer ihre Sexualität erst später offen leben. Dadurch entstehen Begegnungen zwischen Generationen häufiger – etwa in der Szene, im Ehrenamt oder über gemeinsame Interessen. Der Altersunterschied in der Beziehung wird dabei oft bewusst akzeptiert.
Welche Herausforderungen bringt eine Beziehung mit Altersunterschied mit sich?
Unterschiedliche Lebensphasen, gesundheitliche Themen oder gesellschaftliche Erwartungen können Herausforderungen darstellen. Gleichzeitig berichten viele Paare, dass Offenheit und Kommunikation helfen, diese Unterschiede konstruktiv zu überbrücken.
Spielt das Alter in der schwulen Community heute noch eine große Rolle?
Das Alter spielt weiterhin eine Rolle, etwa bei Zugang zur Szene oder bei körperlichen Erwartungen. Dennoch zeigt sich zunehmend, dass starre Altersgrenzen an Bedeutung verlieren – insbesondere in Beziehungen, in denen Nähe und Vertrauen wichtiger sind als Zahlen.
Wie wird der Altersunterschied in der Beziehung von außen wahrgenommen?
Die Wahrnehmung ist unterschiedlich. Während manche Paare mit Vorurteilen konfrontiert werden, erleben andere viel Akzeptanz. Der gesellschaftliche Diskurs hat sich geöffnet, und Beziehungen mit Altersunterschied werden heute differenzierter betrachtet als früher.
Stimmen aus der Community
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Max ist 21 Jahre alt, studiert in Jena und hat sich vor mehr als einem Jahr als HIV-positiv geoutet. Er ist froh über diese Entscheidung und würde sich wünschen, dass noch mehr positive Jungs sagen, dass sie HIV haben. Ein Gespräch über unbegründete Sorgen, den Punkt an dem Internet-Dating unsexy wird und was ein Bericht über die „Testhelden“-Kampagne von ICH WEISS WAS ICH TU bei ihm auslöste
Wie offen lebst du in der schwulen Szene mit HIV?
Ziemlich offen. Das hier ist nicht das erste Interview, das ich darüber gebe und die allermeisten Menschen in meinem direkten Umfeld wissen Bescheid. Wenn Datingportale die Möglichkeit anbieten, den HIV-Status anzugeben, dann mache ich das auch. Oder ich spreche es an, wenn es nötig wird. Aber, es ist auch nicht das Erste, was ich Menschen über mich erzähle. Obwohl es inzwischen schon merkwürdig ist, wenn es Leute nicht wissen.
Was meinst Du damit?
Ein offener Umgang damit, dass ich positiv bin, macht Sachen, Gespräche und den generellen Umgang mit Anderen einfach unkomplizierter. Die Hürde ist weg, alle wissen Bescheid und damit ist es auch gut. Wenn dann einer dazu kommt, der es nicht weiß, entsteht oft Erklärungsbedarf. Das verkompliziert dann die Situation wieder und das Thema rückt in den Vordergrund. Und das löst dann Unbehagen aus, was eigentlich gar nicht notwendig ist.
„Wenn ich anderen so helfen kann, sich zu schützen, ist das doch super.“
Ist es dir leichtgefallen, dich auch öffentlich zu outen?
Mein öffentliches Outing kam so zustande: Ich habe einen Bericht auf einer Website über diese Kampagne „Testhelden“ gelesen, der mich beeindruckt hat. Daraufhin hab ich den Autor kontaktiert, um ihm das zu sagen. Der hat dann gemeint: „Könntest Du dir vorstellen, selbst öffentlich über deine Infektion zu sprechen?“ Und das konnte ich. Ich hatte gar nicht so viel Angst davor. Es gibt viel zu wenig Menschen, die das tun. Und deswegen wissen viele andere Menschen nicht, dass das Leben der meisten Positiven auch nicht großartig anders ist, als das von Negativen. Und ich bin immer noch froh, es getan zu haben. Wenn ich anderen so helfen kann, sich zu schützen, ist das doch super.
„Da muss ich dann erklären, dass Schutz durch Therapie funktioniert und ich nicht infektiös bin.“
Wie reagieren andere Menschen darauf, wenn Du ihnen sagst, dass du positiv bist?
Gerade heute, wo mein HIV-Status für mich selbst schon ganz normal geworden ist, bin ich immer wieder überrascht davon, wieviel Sorgen sich manche machen. Nicht davor, sich bei mir zu infizieren. Darüber wissen die Allermeisten ganz gut Bescheid. Aber viele denken immer noch, ich würde jetzt ja wohl irgendwann krank werden und dann viel zu früh sterben, oder sowas. Und denen dann klar zu machen, dass es mir echt gut geht und ich durch HIV eigentlich überhaupt nicht beeinträchtigt bin, ist nicht immer einfach. Das nervt ab und zu dann doch. Beim Dating im Internet kommt die Sache auch irgendwann zur Sprache, und viele reagieren mit großer Selbstverständlichkeit. Aber einige auch nicht. Da muss ich dann erklären, dass Schutz durch Therapie funktioniert und ich nicht infektiös bin. Das macht die Sache dann aber schnell unsexy, leider.
Angst vor Stigmatisierung unter jungen Positiven
Kennst du andere junge Positive? Wie gehen die mit ihrer Infektion um?
Ich studiere in einer kleineren Stadt, die Szene hier ist nicht riesig. Nach meinem öffentlichen Outing haben sich einige Bekannte dann bei mir geoutet. Und was ich generell so mitbekomme, ist, dass es inzwischen einige junge Positive gibt, die ganz offen sind. Aber viele andere wollen nicht, dass das an die große Glocke gehängt wird und sprechen nur mit wenigen anderen Menschen darüber.
„Nach einem Outing wird man definitiv zum Gesprächsthema.“
Woran liegt das deiner Meinung nach?
Naja, die haben Angst vor Stigmatisierung. Und die ist ja auch nicht ganz unberechtigt. Nach einem Outing wird man definitiv zum Gesprächsthema. Der allgemeine Informationsstand zum Leben von HIV-Positiven ist nicht berauschend und da entstehen leicht Vorurteile und Gerüchte, die einem das Leben schwerer machen. Viele haben auch Angst, sich ihre berufliche Zukunft zu verbauen, wenn bekannt wird, dass sie positiv sind.
Foto: Privat
„Und einige Negative könnten sich im Umgang mit Positiven mal entspannen.“
Und was können wir alle gemeinsam dagegen tun?
Gute Frage. Wenn Positive offen mit ihrer Infektion umgehen, haben Negative eine Chance, aus erster Hand zu erfahren, dass ein Leben mit HIV 2017 nicht mehr bedeutet, dass man krank ist. Wir leben völlig normal und es gibt keine sichtbaren Unterschiede zwischen Positiven und Negativen mehr. Und einige Negative könnten sich im Umgang mit Positiven mal entspannen. (lacht) Und sich besser informieren, damit Stigma vorgebeugt wird, bevor es passiert.
Wie wirkt sich HIV heute auf dein Leben aus?
Ich nehme jeden Tag zwei Tabletten, das war’s. Das ist inzwischen aber auch automatisiert, wie Zähneputzen, und nichts, worüber ich noch nachdenke. Abgesehen davon bin ich wahrscheinlich auch nicht anders als viele 21-Jährige schwule Jungs überall auf der Welt.
Mehr zum Leben mit HIV findet Ihr übrigens auf iwwit.de!
Die Deutschen werden immer älter, und das betrifft in besonderer Weise schwule Männer, die im Alter meist ohne Familie dastehen – und ohne Kinder, die sich um sie kümmern. Noch immer gibt es in Deutschland zu wenig Wohnprojekte für homosexuelle Senioren. Ein Lichtblick ist das erste Mehrgenerationenhaus, das in Berlin im Frühsommer eröffnet hat.
Seit Peters HIV-Diagnose sind bald 30 Jahre vergangen. 70 ist der Waliser inzwischen, hat viele Freunde und Bekannte an AIDS sterben sehen. Bis zu seinem Schlaganfall vor gut einem Jahr lebte er im Hamburger Stadtteil St. Georg. Aber für den Rollstuhl war der Fahrstuhl zu klein, Peter musste nach Alternativen suchen. Er recherchierte gezielt nach schwulen Wohnprojekten, weil er nicht in eins der üblichen Altenheime wollte. Doch in Hamburg hat er nichts gefunden, nicht mal in London. Erst in Berlin wurde er fündig. Im „Lebensort Vielfalt“ hat er jetzt ein Zimmer in der Pflege-WG.
Mehrgenerationenhaus Berlin – ein Wohnprojekt mit Vielfalt und Gemeinschaft
Das Charlottenburger Mehrgenerationenhaus ist erst vor wenigen Monaten eröffnet worden. Auf insgesamt fünf Stockwerken gibt es 24 Wohnungen in verschiedenen Größen – meist rollstuhlgerecht und mit barrierefreien Bädern ausgestattet – sowie Eröffnung Lebensort eine WG für Pflegebedürftige. Männer zwischen 31 und 85 leben hier. Neben Garten, Gemeinschaftsraum und einem Café verfügt der Lebensort Vielfalt auch über die deutschlandweit größte Verleih-Bibliothek mit Büchern, Broschüren etc. zum Thema LGBTIQ; auch die Schwulenberatung – Träger des Projektes – ist mit im Haus.
Gemeinsam alt werden: Erfahrungen von Bewohnern im Lebensort Vielfalt
Erste Überlegungen für ein solches Wohnprojekt gab es schon vor fast zehn Jahren – doch mal scheiterte es am Geld, mal bot eine Wohnungsbaugesellschaft Objekte in wenig attraktiven Gegenden an.
„Da wollte doch niemand hinziehen!“, sagt der 67-jährige Bernd Gaiser, der nun wie mehr als 30 Bewohner des Lebensorts Vielfalt in zentraler Lage in Charlottenburg eine Heimat gefunden hat. Der Mietersprecher erklärt, dass das Mehrgenerationenhaus allen offen steht: Homos und Heteros, egal welchen Geschlechts. Wobei die fünf Frauen hier eindeutig in der Minderzahl sind, und es ist lediglich eine Lesbe darunter. Es gab auch mal Pläne, in einer der größeren Wohnungen eine WG für transidente Menschen unterzubringen, doch die potentiellen Bewohner haben sich vor dem Einzug zerstritten. Sogar eine Heterofamilie hatte sich mal für eine der Wohnungen interessiert – woran es letztlich scheiterte, weiß man nicht. Vielleicht wollte man den 17-jährigen Sohn nicht einer Horde schwuler Männer überlassen, mutmaßen Bernd und seine Nachbarn Klaus und Jürgen süffisant.
Etwa die Hälfte der Bewohner hat HIV. Zu ihnen gehören auch der 48-jährige Klaus und sein Partner. Am Lebensort Vielfalt schätzt Klaus, dass er bei Gesprächs- oder Informationsbedarf sehr kurze Wege hat – die psychosoziale Beratung befindet sich ja im selben Haus. Mit seinem Partner ist er erst vor kurzem aus Hessen nach Berlin gezogen. Zwar gab es auch in Frankfurt mal Pläne für ein ähnliches Projekt, doch das „PfleGAYheim“ wurde nie Realität.
Der Lebensort Vielfalt ist einmalig – etwas vergleichbar Großes muss man sehr lange suchen. Ein „europaweit einzigartiges Modellprojekt“, nannte es darum der Regierende Bürgermeister Wowereit bei der Eröffnung. Sechs Jahre dauerten die Vorbereitungen, anderthalb Jahre wurde gebaut. Insgesamt wurden rund sechs Millionen Euro investiert, über die Hälfte der Mittel kam von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.
Wohnen im Alter: Kosten, Barrieren und queere Alternativen in Deutschland
Die Mieten liegen hier im kiez-üblichen Durchschnitt. Bernd zahlt für seine 47 Quadratmeter 611 Euro warm. Allerdings wohnt er auch ganz oben in einem hübschen Maisonette-Apartment – die Wohnungen in der 3. und 4. Etage sind etwas günstiger. Sein Nachbar, der 67-jährige Jürgen, hat sich vor seinem Einzug bei verschiedenen Berliner Einrichtungen erkundigt. Aber Monatsbeiträge bis zu 1.700 Euro haben ihn abgeschreckt – etwaige Pflegeleistungen noch nicht eingerechnet. Aber es gibt auch die andere Seite – nicht jeder kann sich den „Lebensort Vielfalt“ leisten. Viele Interessenten sind wegen der Mietpreise abgesprungen. So kam Jürgen recht schnell an seine Wohnung – denn ursprünglich belegte er auf der langen Warteliste den 76. Platz.
Man findet bundesweit wenig geglückte Projekte, die vergleichbar sind. In Dresden hat man versucht, ein schwul-lesbisches Wohnprojekt zu etablieren. Laut Mitinitiator Horst Rasche musste man sich aber von der Idee verabschieden, weil man nicht genügend Mieter fand. „Jüngere Leute sind kaum für ein Wohnprojekt zu interessieren, während die älteren sich schwer tun. Sie sind oft nicht geoutet oder sogar noch verheiratet.“ Heute sind nur drei der insgesamt 14 Bewohner des Hauses homosexuell.
Lebensort Vielfalt in Berlin bei seiner Eröffnung am 8.06.2012
In Köln gibt es die Villa Anders. Das gemeinnützige Wohnprojekt richtet sich an Lesben, Schwule und Transgender. Willkommen sind Singles und Paare ebenso wie Regenbogen-Familien. In München wurde 2010 in zentraler Lage die rosaAlternative eröffnet kurz: „rosaAlter“. Die Wohngemeinschaft verfügt über fünf Einzelzimmer von ca. 17 qm sowie zwei Paarzimmer, die etwa 32 qm groß sind. Küche und Bad werden gemeinschaftlich genutzt. Das Projekt wird von der AIDS-Hilfe betrieben, sie sich im selben Haus befindet. Für die Bewohner – gegenwärtig wohnen hier ausschließlich Männer mit HIV – hat das einen großen Vorteil. Grundsätzlich steht das Projekt aber allen offen, die hier wohnen möchten, sagt Manuel Otten, der als Sozial-Pädagoge bei der AIDS-Hilfe arbeitet und als Moderator für die Belange der Bewohner zuständig ist.
Mehrgenerationenhaus Berlin als Modellprojekt für würdevolles Altern
Neben der WG gibt es im Obergeschoss das Angebot für Betreutes Wohnen. „Bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium kann einfach innerhalb des Hauses gewechselt werden“, sagt Otten. „Das funktioniert aber auch umgekehrt. Wir hatten mal einen Bewohner, der in der Krankenwohnung mit Dauerbetreuung so gute Fortschritte gemacht hat, dass er schließlich in die WG umziehen konnte.“
Das Betreuungs- und Pflegeangebot ist aber nicht der einzige Vorteil, den Otten sieht. Homosexuelle haben es in „normalen“ Altersheimen oft nicht leicht, wie er aus Erzählungen von Bewohnern weiß. „Manchmal landen ältere schwule Männer in einem Doppelzimmer mit einem wenig toleranten Zimmergenossen, der sich mit einem Vorhang abschirmt, um mit dem anderen nichts zu tun zu haben. Ein schwuler Senior bekam mit seinem Zimmergenossen Probleme, als er das Bild seines verstorbenen Partners neben seinem Bett aufstellte. Manchmal ist es aber auch nur die Situation, wenn ein älterer Schwuler mit drei alten Damen beim Essen am Tisch sitzt – kommt das Gespräch auf die Enkelkinder, kann er nur sehr eingeschränkt teilnehmen.“
Um solche Situationen zu vermeiden, gibt es Wohnprojekte wie „rosaAlter“, die ein würdevolles Altern ermöglichen; niemand soll sich ausgegrenzt fühlen. Auch das Berliner Mehrgenerationenhaus will Menschen unabhängig von Geschlecht, Orientierung und Alter eine Heimat bieten, und der Lebensort Vielfalt ist eine besondere Erfolgsgeschichte: Auf der Warteliste stehen momentan 230 Namen, und die Liste wird ständig länger. Vielleicht wird man irgendwann ein zweites Haus hinzukaufen.
Häufige Fragen (FAQ) zum Thema Alt werden und Mehrgenerationenhaus Berlin
In diesem FAQ-Bereich findest du Antworten auf wichtige Fragen rund um das Thema alt werden in Gemeinschaft, Mehrgenerationenhaus Berlin, sowie unterstützende Angebote, Anlaufstellen, Tipps und Tricks für queere Senior*innen und alle, die eine alternative Wohnform im Alter suchen.
Was ist ein Mehrgenerationenhaus und wie hilft es beim Alt werden?
Ein Mehrgenerationenhaus ist ein Wohnprojekt, in dem Menschen unterschiedlichen Alters gemeinsam leben. Es fördert soziale Netzwerke, gegenseitige Unterstützung und Gemeinschaft, wodurch das Alt werden ohne Einsamkeit erleichtert wird – gerade wenn familiäre Strukturen fehlen.
Wer kann im Mehrgenerationenhaus Berlin wohnen?
Das Mehrgenerationenhaus Berlin (Lebensort Vielfalt) ist ein Wohnprojekt mit Wohnungen, Gemeinschaftsräumen, Café und Beratungsangeboten. Es richtet sich an Menschen, die nicht allein alt werden möchten, und ist offen für verschiedene Altersgruppen und Orientierungen, mit besonderem Fokus auf queere Lebensentwürfe.
Wie finde ich freie Plätze im Mehrgenerationenhaus Berlin?
Aktuell gibt es Wartelisten: 👉 Interessierte können sich direkt bei Lebensort Vielfalt Berlin melden und sich auf die Warteliste setzen lassen. Die Nachfrage ist hoch, daher lohnt sich eine frühzeitige Anfrage.
Gibt es weitere Wohnprojekte für schwule oder queere Senior*innen in Deutschland?
Ja – neben Berlin gibt es/gab Ansätze in Städten wie: Villa Anders (Köln) – Wohnprojekt für Lesben, Schwule, Trans & Regenbogenfamilien rosaAlter (München) – Wohnform mit betreutem Wohnen
Tipp: Regionale LSBTIQ-Beratungsstellen kennen oft lokale Initiativen und Wohnangebote.
Welche staatlichen oder sozialen Anlaufstellen helfen beim Wohnen im Alter?
Pflegestützpunkte Berlin – Beratung zu Pflege & Wohnformen Queere Beratungsstellen (z. B. Schwulenberatung Berlin) – Unterstützung für LSBTIQ-Personen Seniorenvertretungen – Informationen zu Wohnprojekten Pflegeberatung der Krankenkassen – Infos zu Wohn- & Pflegeformen AWO – Beratungsstellen zur Seniorenhilfe LSBTIQ-Beratungsnetzwerke – Unterstützung, Vernetzung, Projektinfo
Wie beantrage ich Pflege oder Unterstützung im Mehrgenerationenhaus?
Die Pflegeleistungen werden meist über die Pflegekasse beantragt: 1 Antrag bei der Krankenkasse stellen 2 Pflegegrad feststellen lassen 3 Beratungsgespräch bei einem Pflegestützpunkt wahrnehmen 4 Leistungen (z. B. Betreuung, Haushaltshilfe) kombinieren Tipp: Viele Wohnprojekte arbeiten mit externer ambulante Pflege zusammen.
Gibt es finanzielle Unterstützung für Menschen mit geringer Rente?
Ja, mögliche Hilfen sind z. B.: –Wohngeld –Grundsicherung im Alter –Pflegegeld / Betreuungsleistungen –Leistungen nach SGB XII Beratung dazu bieten Pflegestützpunkte, Sozialämter und Wohlfahrtsverbände.
Wie kann ich mich über queere Angebote im Alter informieren?
Empfohlene Ressourcen: – Schwulenberatung / Lesbenberatung vor Ort –LSBTIQ-Netzwerke online –Pflegestützpunkte –LGBT Senior*innen-Foren –Wohnprojekt‑Netzwerke
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Alt werden betrifft uns alle – doch wie wir diesen Lebensabschnitt gestalten, macht den Unterschied. In diesen Artikeln geht es um Fragen des Alterns: von Wohnformen über Pflege bis zu sozialer Teilhabe. Erfahre, wie Menschen Wege finden, ihren Lebensabend würdevoll, aktiv und in Gemeinschaft zu verbringen.
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Theo (Name geändert) ist 42 Jahre alt. Seit neun Jahren engagiert er sich ehrenamtlich bei der Berliner Aids-Hilfe als emotionaler Begleiter von Menschen mit HIV. Ein Porträt von Moritz Krehl
1998 bekommt Theo die Diagnose „HIV-positiv“ – ein Schock.
Fünf Jahre später tritt er freiwillig aus dem kirchlichen Dienst aus und geht nach Berlin, um dort sein Glück zu finden. Die Trennung von seinem damaligen Freund, berufliche Turbulenzen und nur wenige soziale Kontakte führen ihn allerdings zunächst in die Einsamkeit. So schwer hatte Theo sich den Start nicht vorgestellt. Aber anstatt zu resignieren und zu Hause zu sitzen, bis er depressiv wird, geht er zur Berliner Aids-Hilfe, kurz BAH, um sich ehrenamtlich zu engagieren – für ihn ein Weg aus der Isolation.
Die BAH hat zehn bis fünfzehn Bereiche, in denen ehrenamtliches Engagement möglich ist.
Theo entscheidet sich für die „Begleitung“. Dort gibt es drei Gruppen: Die Ehrenamtler von „Freunde im Krankenhaus“, kurz die FRIKS, begleiten Aids-Patienten, die langfristig im Krankenhaus liegen müssen. Die in der „emotionalen Begleitung in Haft“ Engagierten treffen sich regelmäßig mit HIV-infizierten oder aidskranken Häftlingen. Theo arbeitet in der dritten Gruppe, der „emotionalen Begleitung“. Auch hier geht es darum, Menschen mit HIV auf ihrem Weg aus der Krise zu begleiten, ihnen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben, Bezugsperson und Vertrauter zu sein.
Die „Begleitung“ wurde in den 1980er Jahren ins Leben gerufen, in den schlimmsten Zeiten der Aidskrise.
Schon damals haben die Ehrenamtlichen HIV-Positive, aber vor allem Aidspatienten begleitet –bis zu deren Tod. Damals war das also oft Sterbebegleitung, das Ende des begleiteten Wegs war von Anfang an vorbestimmt.
Auch heute nehmen Begleiter wie Theo HIV-Positive und Aidskranke an die Hand und schenken ihnen ein Stück Geborgenheit und Vertrautheit. Anders als früher ist das Ende aber nicht mehr vordefiniert, dank der modernen Medikamente. Heute entscheidet sich in intensiven Gesprächen zwischen Begleiter, Begleitetem und Aidshilfe-Mitarbeiter sowie in der Supervision, wann die Begleitung sinnvoll beendet wird. Meistens ist das ein Zeitpunkt, an dem die Krise des Begleiteten überwunden ist oder an dem deutlich wird, dass die Begleitung die angestrebten Ziele nicht erreichen kann. So kann der gemeinsame Weg kurz sein, sich aber auch über viele Jahre erstrecken.
Nicht geändert hat sich hingegen, dass Aids oft ins soziale Abseits führt.
Die Krankheit isoliert die Patienten, sie vereinsamen. Resignation, Depressionen und Lethargie sind häufige Folgen, wobei Theo davon überzeugt ist, dass eine HIV-Diagnose selten neue Probleme schafft, sondern eher psychische Veranlagungen verstärkt – so wie es bei kritischen Lebenssituationen vorkommen kann.
Um der Isolation entgegenzuwirken, haben die Begleiter mindestens einmal pro Woche mit ihren Klienten Kontakt; bevorzugt persönlich, manchmal aber auch nur am Telefon. Und obwohl Theo wie die meisten Begleiter berufstätig ist und wenig Zeit hat, verbringt er alle zwei Wochen sogar den ganzen Samstag mit seinem aktuellen Klienten Benjamin (Name geändert), um mit ihm einen Ausflug zu machen, einen Kaffee trinken zu gehen oder einfach nur mit ihm zu reden und ihm zuzuhören.
Der aidskranke Mann ist ungefähr so alt wie Theo selbst – und erst sein zweiter Klient in neun Jahren. Theo begleitet Benjamin seit mittlerweile vier Jahren. Man merkt, dass Theo Benjamins Schicksal nahegeht, aber auch, dass es ihm egal ist, woher er kommt und wie er in diese Lage gekommen ist. Theo urteilt nicht, ihm geht es um den Menschen und den Weg, der vor ihm liegt. „Ich will ihm helfen, sein Leben zu erleben.“
Was hat Theo das Engagement in der Berliner Aids-Hilfe gebracht, und warum engagiert er sich nach wie vor?
Er hat Anschluss gesucht und gefunden, sagt er. Die Supervisionsgruppe gab ihm Halt. Und er hat in der BAH Freunde gefunden, ein gutes Netzwerk, auf das er nicht mehr verzichten will. Außerdem bietet ihm die Arbeit „eine soziale Alternative zum verkopften Schreibtischleben“ und gibt ihm das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Und nicht zuletzt lernt er viel über sich selbst. In gemeinsamen Supervisions-Sitzungen spricht Theo mit den anderen über seine persönlichen Probleme und über schwierige Momente in der Begleitung. „Oft kommt dann ein Feedback, das mich nachdenklich macht und wodurch ich mich persönlich weiterentwickeln kann.“